Quereinstieg: Definition, Berufe, Förderung

Quereinstieg meint den Wechsel in einen Beruf ohne formale Vorbildung in dem Feld. Kein juristischer Begriff, aber ein realer Karriereweg mit eigenen Regeln und Förderwegen.

Auf einen Blick
  • Quereinstieg ist kein juristischer Begriff, sondern Alltagssprache für Berufswechsel ohne passende Ausbildung.
  • Möglich in vielen Berufen (IT, Vertrieb, Digitalisierung, Bildung), ausgeschlossen in reglementierten Berufen wie Arzt oder Anwalt.
  • Förderung läuft je nach Lebenslage über Bildungsgutschein, QCG, KOMPASS oder Aufstiegs-BAföG.
  • Engpassberufe werden von Agenturen besonders priorisiert. 183 von 522 BA-Berufsgruppen sind das (Stand 2026).
  • Typischer Quereinstieg: vier Monate Umschulung zum Digitalisierungsmanager mit Bildungsgutschein, danach Einstiegsgehalt rund 60.000 Euro.

Was bedeutet Quereinstieg?

Der Quereinstieg ist der Wechsel in einen Beruf, für den du keine klassische Ausbildung oder kein Studium mit dem passenden Schwerpunkt hast. Du nimmst Erfahrung, Soft Skills und ein bisschen Neugier mit und baust darauf den neuen Beruf auf. Juristisch ist der Begriff nicht geregelt. Er taucht weder im BBiG noch im SGB III auf. Trotzdem nutzt ihn jeder, vom Arbeitsvermittler bis zur HR-Abteilung.

Praktisch bedeutet Quereinstieg meist, dass du durch eine Umschulung, eine AZAV-zertifizierte Maßnahme oder durch "on the job"-Einarbeitung beim Arbeitgeber in das neue Feld kommst. Manche Quereinsteiger haben einen akademischen Grad in einem anderen Fach, manche eine Berufsausbildung, manche nur Praxiserfahrung. Das Spektrum ist groß.

Die Zielgruppe ist vielfältig: Menschen, die ihren alten Beruf nach Kündigung, Burn-out, Krankheit oder Auslandsaufenthalt nicht weiterführen wollen oder können. Eltern nach der Elternzeit. Arbeitslose, deren Branche wegbricht. Soldaten nach der Bundeswehrzeit. Wer sich in einer dieser Situationen wiederfindet, trifft auf einen relativ offenen Arbeitsmarkt, denn viele Branchen brauchen Köpfe und sind bei formalen Voraussetzungen flexibel.

Rechtliche Einordnung

Weil Quereinstieg kein Rechtsbegriff ist, hängen die Spielregeln am Zielberuf. Im BBiG sind die Wege über Umschulung (§ 1 Abs. 5) oder externe IHK-Prüfung (§ 45 Abs. 2 BBiG bei Berufserfahrung) geregelt. Für reglementierte Berufe greifen Spezialgesetze: Bundesärzteordnung, Bundesrechtsanwaltsordnung, Apothekengesetz. Diese Berufe sind geschlossene Systeme, ein Quereinstieg ohne Studium und Approbation ist dort ausgeschlossen.

Für Lehrer regeln die 16 Bundesländer jeweils eigene Quereinstiegsprogramme, oft als "Seiteneinstieg" bezeichnet. Für IT-Berufe gibt es keine gesetzliche Berufsbezeichnung, der Arbeitsmarkt entscheidet allein über Zugang. Viele Unternehmen akzeptieren zertifizierte Weiterbildungen, Bootcamps oder autodidaktisches Portfolio.

Welche Berufe erlauben Quereinstieg?

Die Faustregel: Je weniger reglementiert und je akuter der Fachkräftemangel, desto einfacher der Quereinstieg. Typische Einstiegsbereiche 2026:

Ausgeschlossen oder stark reglementiert sind Arzt, Zahnarzt, Apotheker, Rechtsanwalt, Notar, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Architekt mit Listeneintrag, Psychotherapeut. Für diese Berufe führt kein Quereinstieg am Studium vorbei.

Welche Förderungen greifen?

LebenssituationHauptförderungParagraph
ArbeitslosBildungsgutschein§ 81 SGB III
Bürgergeld-BezugBildungsgutschein + Weiterbildungsgeld§ 81, § 87a SGB III
BeschäftigtQCG§ 82 SGB III
Beschäftigt, StrukturwandelQualifizierungsgeld§ 82a SGB III
SelbstständigKOMPASSESF-Programm
Aufstiegsfortbildung als QuereinstiegAufstiegs-BAföGAFBG
Gesundheitlich bedingtLTA§ 49 SGB IX
Soldat nach DienstzeitBFDSVG

Für die Arbeitsagentur ist ein Quereinstieg dann besonders förderfähig, wenn der Zielberuf ein Engpassberuf ist. Das senkt die Hürde für den Bildungsgutschein deutlich, weil die Arbeitsmarktintegration leichter begründbar ist.

Beispielrechnung: Quereinstieg in die Digitalisierung

Fallbeispiel Markus, 41, war acht Jahre Einzelhandel, zuletzt Filialleiter einer großen Drogeriekette. Seine Filiale wird geschlossen. Er meldet sich arbeitslos, zum AfA-Termin bringt er den Flyer zum Digitalisierungsmanager mit. Der Vermittler erkennt IT als Engpassberuf, die Maßnahme ist AZAV-zertifiziert (Maßnahmezertifikat 723/0097/2026), Markus bekommt den Bildungsgutschein. Vier Monate Online-Unterricht in Vollzeit, keine Programmiererfahrung nötig. Während der Maßnahme bezieht er weiter Arbeitslosengeld. Nach Abschluss steigt er bei einem mittelständischen Fertigungsbetrieb als Digitalisierungsbeauftragter ein, Einstiegsgehalt rund 60.000 Euro. Eigener Kostenaufwand: null.

Häufige Missverständnisse

"Ich brauche Programmierkenntnisse für IT": Nein, nicht für jedes IT-Feld. Digitalisierungsmanagement, IT-Projektmanagement, Cybersecurity-Awareness und Datenanalyse mit Low-Code-Tools funktionieren ohne Code.

"Ich bin zu alt für einen Quereinstieg": Der Arbeitsmarkt sucht auch erfahrene Köpfe. Lebenserfahrung und Führungskompetenz aus früheren Jobs sind bei Quereinsteigern über 40 oft der entscheidende Pluspunkt. Der Begriff "Engpassberuf" ist altersneutral.

"Die Arbeitsagentur zahlt das nie": Der Bildungsgutschein ist ein Rechtsanspruch, wenn die Förderbedingungen stimmen. Ein häufiger Ablehnungsgrund ist, dass das Berufsziel nicht klar genug ist oder die AZAV-Zertifizierung fehlt. Beides lässt sich im Vorfeld klären.

"Quereinstieg ist ein Makel im Lebenslauf": Für Personaler ist der Grund des Wechsels wichtiger als der Wechsel selbst. Wer einen klaren Weg erzählen kann, ist kein Verlegenheitsbewerber, sondern jemand mit doppelter Perspektive.

So startest du den Quereinstieg

  1. Zielberuf präzisieren. Nicht "Irgendwas mit IT", sondern ein konkretes Berufsbild mit Stellenangeboten.
  2. Passende Maßnahme finden. Auf Kursnet oder Mein NOW nach AZAV-zertifizierten Kursen suchen.
  3. Förderweg klären. Arbeitslos heißt Bildungsgutschein, beschäftigt heißt QCG, selbstständig heißt KOMPASS.
  4. Termin beim Vermittler vereinbaren. Vor dem Termin Flyer, Maßnahmenummer, AZAV-Nachweis parat haben.
  5. Kurs starten, dran bleiben, parallel das Netzwerk aufbauen. LinkedIn, Branchenveranstaltungen, Praktikumsanfragen.

Eine gute Förderberatung vor dem Amtsbesuch senkt die Ablehnungsquote deutlich. Mehr zu typischen Stolpersteinen findest du in Bildungsgutschein-Ablehnung.

Was bedeutet Quereinstieg?

Quereinstieg bedeutet, dass du in einen Beruf wechselst, für den du keine formale Ausbildung hast. Der Begriff ist kein juristischer Fachbegriff, sondern Alltagssprache. Ob ein Quereinstieg möglich ist, hängt vom Zielberuf ab. In IT, Vertrieb, Coaching oder im Bildungsbereich ist er verbreitet, in Arzt- oder Anwaltsberufen juristisch ausgeschlossen.

Welche Förderung gibt es für einen Quereinstieg?

Bei Arbeitslosigkeit greift meist der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit. Er finanziert eine AZAV-zertifizierte Umschulung oder Weiterbildung zu 100 Prozent. Wer beschäftigt ist, kann über das Qualifizierungschancengesetz fördern lassen. Selbstständige nutzen KOMPASS. Wer über 50 ist oder lange arbeitslos war, profitiert zusätzlich vom Weiterbildungsgeld.

Welche Berufe sind für einen Quereinstieg besonders geeignet?

Gut zugänglich sind IT-Berufe, Vertrieb, Marketing, Buchhaltung, Personalwesen und der Bildungsbereich. Viele davon sind als Engpassberufe bei der Bundesagentur für Arbeit klassifiziert, was die Förderchancen erhöht. Digitalisierungsmanager ist ein typischer Quereinstiegsberuf: keine Programmierkenntnisse nötig, Einstiegsgehalt rund 60.000 Euro, über Bildungsgutschein voll finanzierbar.

Quellen und Rechtsstand

Zuletzt geprüft am 24.04.2026.

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