- Rechtsgrundlage: § 81 SGB III, Ermessensleistung der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters.
- 100 Prozent der Lehrgangskosten werden übernommen, Eigenanteil null Euro.
- Zusätzlich übernommen: Fahrtkosten, Unterbringung, 160 Euro pro Kind und Monat Kinderbetreuung.
- Gültigkeit in der Regel drei Monate ab Ausstellung.
- Kurs und Bildungsträger müssen AZAV-zertifiziert sein.
- Zielgruppe: Arbeitslose, Arbeitsuchende, von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte.
Was ist ein Bildungsgutschein?
Ein Bildungsgutschein ist ein Dokument, mit dem dir die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter schriftlich zusichert, die Kosten einer beruflichen Weiterbildung zu übernehmen. Voraussetzung ist, dass der Kurs nach AZAV zugelassen ist und du einen zugelassenen Bildungsträger wählst. Eingelöst wird der Bildungsgutschein direkt beim Bildungsanbieter. Du bekommst das Geld nicht ausgezahlt, der Träger rechnet später mit der Behörde ab.
Der Gutschein richtet sich an Menschen, die arbeitslos sind, sich arbeitsuchend gemeldet haben oder deren Arbeitsplatz konkret bedroht ist. Für Beschäftigte läuft Weiterbildung häufiger über das Qualifizierungschancengesetz, das einen eigenen Weg mit Arbeitgeberbeteiligung kennt. Bürgergeld-Empfänger bekommen den Bildungsgutschein über das Jobcenter und häufig zusätzlich Weiterbildungsgeld.
Rechtsgrundlage
Die Rechtsgrundlage ist § 81 SGB III, ergänzt durch § 83 SGB III für die zusätzlichen Kosten wie Fahrt, Unterbringung und Arbeitsmittel. Weil die Leistung im Ermessen der Behörde liegt, entscheidet der zuständige Vermittler oder Fallmanager in einem persönlichen Gespräch, ob die Weiterbildung in deinem Fall notwendig und zweckmäßig ist. Ein Rechtsanspruch besteht nicht, auch wenn alle formalen Voraussetzungen erfüllt sind.
Wer kann einen Bildungsgutschein bekommen?
Förderberechtigt sind im Kern drei Gruppen:
- Arbeitslose und Arbeitsuchende im Bezug von ALG 1 oder Bürgergeld.
- Beschäftigte, deren Arbeitsplatz akut gefährdet ist, zum Beispiel durch Insolvenz, Werksschließung oder Strukturwandel im Betrieb.
- Berufsrückkehrer nach Elternzeit oder längerer Familienphase, sofern eine Fortbildung den Wiedereinstieg sichtbar erleichtert.
Die Behörde prüft bei jedem Einzelfall, ob die Weiterbildung nötig ist, zu deinem Profil passt und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer dauerhaften Integration auf dem Arbeitsmarkt führt. Ohne ein Beratungsgespräch gibt es keinen Gutschein.
Höhe, Dauer, Konditionen
Der Bildungsgutschein deckt die Lehrgangsgebühr zu 100 Prozent. Zusätzlich kannst du diese Kosten bekommen:
| Kostenart | Förderung | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Lehrgangsgebühr | 100 Prozent, kein Eigenanteil | § 81 SGB III |
| Fahrtkosten | Pauschal oder tatsächliche Kosten | § 83 SGB III |
| Kinderbetreuung | 160 Euro pro Kind und Monat | § 87 SGB III |
| Auswärtige Unterbringung | Pauschale bei Bedarf | § 83 SGB III |
| Arbeitskleidung, Lernmittel | Erstattung auf Nachweis | § 83 SGB III |
Der Gutschein ist nach Ausstellung in der Regel drei Monate gültig. Innerhalb dieser Frist musst du einen passenden Kurs beginnen oder konkret anmelden. Läuft die Frist ab, muss ein neuer Gutschein beantragt werden. Die Dauer der geförderten Weiterbildung selbst hängt vom Kurs ab, klassische Umschulungen laufen zwischen vier und 24 Monaten.
Beispielrechnung: Digitalisierungsmanager mit Bildungsgutschein
Marie ist arbeitsuchend gemeldet und findet einen passenden Kurs zum Digitalisierungsmanager, AZAV-zertifiziert, vier Monate Dauer, online, Lehrgangskosten 9.662,40 Euro. Die Agentur für Arbeit stellt einen Bildungsgutschein aus. Marie zahlt für Unterricht und Prüfung null Euro. Zusätzlich bekommt sie für ihr siebenjähriges Kind 160 Euro pro Monat Kinderbetreuungszuschuss, also insgesamt 640 Euro. Fahrtkosten fallen nicht an, weil der Unterricht online läuft. Ihre ALG-1-Zahlung läuft während der Weiterbildung weiter, weil § 144 SGB III eine abschlussorientierte Qualifizierung als wichtigen Grund anerkennt.
So beantragst du den Bildungsgutschein
- Termin beim Vermittler der Agentur für Arbeit oder beim Fallmanager des Jobcenters vereinbaren.
- Beruflichen Hintergrund, bisherige Bewerbungsbemühungen und Wunschweiterbildung darlegen.
- Vermittler prüft, ob die Weiterbildung notwendig und passend ist.
- Bei Zusage: Bildungsgutschein wird ausgestellt mit konkretem Bildungsziel, Region und Stundenzahl.
- Einen passenden Kurs über Kursnet oder mein NOW suchen und beim Bildungsträger einschreiben.
- Der Bildungsträger rechnet direkt mit der Behörde ab, du bekommst keine Rechnung.
Ausführliche Informationen zu allen Förderpfaden findest du auch auf unserer Übersichtsseite Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange ist ein Bildungsgutschein gültig?
Ein Bildungsgutschein ist in der Regel drei Monate ab Ausstellungsdatum gültig. Innerhalb dieser Zeit musst du einen passenden AZAV-zertifizierten Kurs wählen und dich beim Bildungsträger einschreiben. Verstreicht die Frist, brauchst du einen neuen Gutschein.
Wer hat Anspruch auf einen Bildungsgutschein?
Anspruch haben Arbeitslose, Arbeitsuchende und von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte, wenn die Weiterbildung zur Eingliederung oder zum Erhalt des Arbeitsplatzes beiträgt. Der Bildungsgutschein ist eine Ermessensleistung, den endgültigen Entscheid trifft der zuständige Vermittler nach einem Beratungsgespräch.
Was kostet mich die Weiterbildung mit Bildungsgutschein?
Mit einem bewilligten Bildungsgutschein zahlst du für die Lehrgangsgebühr null Euro. Zusätzlich übernimmt die Agentur für Arbeit Fahrtkosten, Kinderbetreuung mit 160 Euro pro Kind und Monat sowie gegebenenfalls Unterbringungskosten. Der Kurs ist für dich vollständig kostenlos.
Quellen und Rechtsstand
- § 81 SGB III, Grundsatz der Förderung beruflicher Weiterbildung
- § 87 SGB III, Kinderbetreuungskosten
- Agentur für Arbeit, Bildungsgutschein
- Kursnet, offizielles Kursverzeichnis
Zuletzt geprüft am 24.04.2026.