AVGS: Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein nach § 45 SGB III

Der AVGS finanziert kurze Aktivierungsmaßnahmen wie Coaching, Bewerbungstraining oder Existenzgründungsberatung. Er ist keine Weiterbildungsförderung im engeren Sinn.

Auf einen Blick
  • AVGS steht für Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, Rechtsgrundlage § 45 SGB III.
  • Für kurze Maßnahmen wie Coaching, Bewerbungstraining, Existenzgründungsberatung, meist bis 8 Wochen.
  • Nicht abschlussorientiert. Für längere Weiterbildung gibt es den Bildungsgutschein.
  • Ausgestellt von Agentur für Arbeit oder Jobcenter nach Ermessensentscheidung.
  • Anbieter muss nach AZAV § 45 zugelassen sein, nicht identisch mit AZAV § 81.

Was ist der AVGS?

Der AVGS ist ein Gutschein, den die Agentur für Arbeit oder ein Jobcenter ausstellt, damit du eine Aktivierungsmaßnahme bei einem zugelassenen Anbieter kostenlos in Anspruch nehmen kannst. Ziel ist es, dich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, in die Selbstständigkeit zu begleiten oder deine Vermittlung zu beschleunigen. Der Anbieter rechnet direkt mit der Behörde ab, du zahlst nichts.

Typische Inhalte sind Einzelcoaching, Bewerbungstraining, Existenzgründungsberatung, Stärkenanalyse, Persönlichkeitscoaching oder die Vorbereitung auf bestimmte Branchen. Der AVGS ist ein Werkzeug der kurzen Aktivierung, nicht der langen Qualifizierung. Wer einen Abschluss machen will, braucht einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III.

Eine zweite Variante des AVGS ist der Vermittlungsgutschein für private Arbeitsvermittler. Hier zahlt die Agentur für Arbeit nach erfolgreicher Vermittlung eine Prämie an den Vermittler, 2.000 bis 2.500 Euro je nach Vermittlungsart. Diese Variante ist seltener, aber rechtlich derselbe Paragraph.

Rechtsgrundlage

Der AVGS ist geregelt in § 45 SGB III (Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung). Gesetzestext auf gesetze-im-internet.de. Die Norm regelt sowohl die Förderung aktivierender Maßnahmen bei externen Trägern als auch die Beauftragung privater Arbeitsvermittler.

Die Ausgabe des AVGS ist eine Ermessensleistung. Es gibt keinen Rechtsanspruch. Die Entscheidung trifft dein Vermittler oder Fallmanager im persönlichen Gespräch. Damit unterscheidet sich der AVGS von Versicherungsleistungen wie ALG 1, die dir bei erfüllten Voraussetzungen rechtlich zustehen.

Wer kann einen AVGS bekommen?

Anspruchsberechtigt nach § 45 SGB III sind insbesondere:

Wichtig: Der AVGS wird nicht pauschal ausgegeben. Dein Vermittler prüft, ob die Maßnahme zu deinem Eingliederungsziel passt. Du brauchst einen klaren Mehrwert, den du im Gespräch glaubhaft machst.

Höhe, Dauer, Konditionen

Der AVGS selbst ist kein fester Geldbetrag, sondern ein Kostenübernahme-Vermerk für eine konkrete Maßnahme bei einem konkreten Anbieter. Die Höhe richtet sich also nach den Kosten der gewählten Maßnahme.

ParameterTypischer Wert
Maßnahmedauer4 bis 8 Wochen, in Einzelfällen länger
Gültigkeit des Gutscheins3 Monate ab Ausstellung
Kostenumfang100 % der Maßnahmekosten beim zugelassenen Anbieter
AnbieterqualitätZulassung nach AZAV § 45 Pflicht
Vermittlungsgutschein an private Vermittler2.000 Euro bei Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, 2.500 Euro bei langzeitarbeitslosen Versicherten

Zur Vertiefung lohnt ein Blick auf AZAV und das Maßnahmezertifikat, da nur zugelassene Träger AVGS-Leistungen erbringen dürfen.

Beispielrechnung: 6 Wochen Bewerbungscoaching

Anna ist seit 4 Wochen arbeitslos, bezieht ALG 1, und fühlt sich bei Bewerbungsgesprächen unsicher. Im Termin bei der Agentur für Arbeit schildert sie dem Vermittler, dass sie ein Bewerbungscoaching machen möchte, um gezielter ins Rennen zu gehen. Der Vermittler stimmt zu und stellt einen AVGS über 6 Wochen aus.

Anna wählt einen zugelassenen Coaching-Anbieter in ihrer Nähe. Der Coach berechnet 2.100 Euro für 6 Wochen Einzelcoaching (12 Termine à 90 Minuten). Anna zahlt nichts. Der Anbieter rechnet direkt mit der Agentur für Arbeit ab. Bonus: Ihre ALG-1-Bezüge laufen während des AVGS-Coachings ungekürzt weiter.

Hätte Anna den Bildungsgutschein haben wollen (z.B. für eine 4-monatige Weiterbildung mit Abschluss), wäre der AVGS der falsche Weg gewesen. Für abschlussorientierte Weiterbildung ist § 81 SGB III zuständig, nicht § 45.

Abgrenzung AVGS vs Bildungsgutschein

Die häufigste Verwechslung. Kurzübersicht:

MerkmalAVGS (§ 45)Bildungsgutschein (§ 81)
ZweckAktivierung, Coaching, VermittlungAbschlussorientierte Weiterbildung
Dauermeist 4 bis 8 WochenWochen bis zu 3 Jahre (Umschulung)
AbschlussTeilnahmebestätigungBerufsabschluss, Zertifikat, Prüfung
AZAVZulassung nach § 45Zulassung nach § 81
BeispielBewerbungstrainingUmschulung zum Digitalisierungsmanager
SkillSprinters und der AVGS Unsere Weiterbildungen (Wirtschaftsfachwirt, Digitalisierungsmanager) sind abschlussorientiert und laufen über den Bildungsgutschein oder Aufstiegs-BAföG, nicht über den AVGS. Wer ein AVGS-Coaching sucht, ist bei Coaching- oder Existenzgründungsanbietern besser aufgehoben.

So beantragst du den AVGS

  1. Termin bei deinem Vermittler in der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter.
  2. Maßnahme vorschlagen: konkreter Anbieter, konkretes Ziel, konkrete Dauer.
  3. Bei Zustimmung: AVGS-Bescheinigung bekommen, meist binnen 2 Wochen.
  4. Anbieter kontaktieren und AVGS dort einlösen. Der Anbieter rechnet mit der Behörde ab.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen AVGS und Bildungsgutschein?

Der AVGS nach § 45 SGB III deckt kurze Aktivierungsmaßnahmen ab, etwa Coaching, Bewerbungstraining oder Existenzgründungsberatung, meist bis 8 Wochen und nicht abschlussorientiert. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III finanziert dagegen längere abschlussorientierte Weiterbildungen wie den Digitalisierungsmanager oder eine Umschulung.

Wer bekommt einen AVGS?

Arbeitssuchende und Arbeitslose, die bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter gemeldet sind. Auch Beschäftigte, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, können einen AVGS bekommen. Die Ausstellung ist eine Ermessensleistung des Vermittlers oder Fallmanagers.

Kann ich mit einem AVGS den Digitalisierungsmanager bei SkillSprinters machen?

Nein. Der Digitalisierungsmanager ist eine abschlussorientierte Weiterbildung und wird über den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III gefördert. Der AVGS ist für kürzere Aktivierungsmaßnahmen wie Coaching oder Bewerbungstraining gedacht.

Quellen und Rechtsstand

  • § 45 SGB III, Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung: gesetze-im-internet.de/sgb_3/__45.html
  • Bundesagentur für Arbeit, AVGS und Aktivierungsmaßnahmen: arbeitsagentur.de
  • Haufe Arbeitsförderungsrecht, Kommentar zu § 45 SGB III: haufe.de
  • Übersicht Förderung der Weiterbildung: Förderwege SkillSprinters

Zuletzt geprüft am 24.04.2026.

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