- Rechtsgrundlage: § 82 SGB III, seit Qualifizierungschancengesetz 2019.
- Gefördert werden Beschäftigte, den Antrag stellt in der Regel der Arbeitgeber.
- Förderquote Lehrgangskosten: 100 Prozent bei unter 50 Beschäftigten, 50 Prozent bei 50 bis unter 500, 25 Prozent ab 500 Beschäftigten.
- Zuschlag von 5 Prozentpunkten bei Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung; bei Betrieben unter 500 Beschäftigten 100 Prozent, wenn der Mitarbeiter 45+ oder schwerbehindert ist.
- Zusätzlich möglich: Arbeitsentgeltzuschuss bis 75, 50 oder 25 Prozent je nach Betriebsgröße, mit Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung bis zu 5 Prozentpunkte mehr.
- Voraussetzungen: Weiterbildung geht über arbeitsplatzbezogene Anpassung hinaus, mehr als 120 Stunden, AZAV-zertifiziert.
Wie die Förderung nach § 82 SGB III in der Praxis läuft, vom Antrag über den Arbeitgeber-Service bis zur Frage, ob auch Beschäftigte einen Bildungsgutschein bekommen, zeigt das Video in knapp 13 Minuten.
Was ist das Qualifizierungschancengesetz?
Das Qualifizierungschancengesetz, umgangssprachlich QCG oder Qualifizierungsgesetz, trat 2019 in Kraft und wurde seither mehrfach ausgebaut. Es ist die zentrale Förderung, mit der die Agentur für Arbeit die Weiterbildung von Beschäftigten unterstützt. Der Gesetzgeber reagiert damit auf den Strukturwandel durch Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Klimaschutz, der viele Berufsbilder verändert.
Der Gedanke dahinter: Unternehmen sollen ihre Mitarbeiter für die Anforderungen von morgen qualifizieren, bevor Jobs wegfallen. Anders als bei der Förderung Arbeitsuchender nach § 81 SGB III richtet sich das QCG an Beschäftigte. Einen Bildungsgutschein stellt die Agentur aber auch hier in der Regel aus (§ 82 Abs. 6 SGB III). Auch die Rollenverteilung ist eine andere: Den Antrag stellt in der Regel der Arbeitgeber. Geht es um eine einzelne Person, beantragt sie die Lehrgangskosten selbst und der Arbeitgeber den Zuschuss zum Arbeitsentgelt; beim Sammelantrag für mehrere Beschäftigte stellt ihn der Arbeitgeber (§ 82 Abs. 3 und 5 SGB III).
Rechtsgrundlage
Rechtlich geregelt ist das Qualifizierungschancengesetz in § 82 SGB III. Ergänzt wird das durch § 82a SGB III für das Qualifizierungsgeld, das zusätzlich als Lohnersatz bei strukturwandelbedingter Weiterbildung greifen kann. Beide Paragraphen bilden zusammen das Fördersystem für Beschäftigte im Strukturwandel.
Digitale Grundkompetenzen über § 82 SGB III
Für Beschäftigte mit wenig digitaler Erfahrung bietet SkillSprinters die Weiterbildung Digitale Grundkompetenzen im Arbeitsalltag an, berufsbegleitend und live online. Gefördert werden kann sie über § 82 SGB III, den Antrag stellt in der Regel der Arbeitgeber bei der Agentur für Arbeit.
Zu den Digitalen GrundkompetenzenDen Antrag nach § 82 SGB III stellt in der Regel der Arbeitgeber vor Beginn der Maßnahme bei der Agentur für Arbeit, die im Einzelfall über die Förderung entscheidet.
Wer wird gefördert?
Förderberechtigt sind Beschäftigte, deren berufliche Tätigkeit durch Technologien ersetzt werden könnte, die in einem anderen Bereich tätig werden sollen oder in einem Engpassberuf einen weiterführenden Abschluss anstreben. Das Gesetz ist bewusst breit angelegt. Voraussetzungen im Detail:
- Sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis.
- Erste Berufsausbildung liegt in der Regel mindestens zwei Jahre zurück (§ 82 Abs. 1 Nr. 2 SGB III).
- In den letzten zwei Jahren vor Antragstellung keine bereits nach § 82 SGB III geförderte Weiterbildung (§ 82 Abs. 1 Nr. 3).
- Weiterbildung vermittelt Kompetenzen, die über eine rein arbeitsplatzbezogene, kurzfristige Anpassungsfortbildung hinausgehen (§ 82 Abs. 1 SGB III).
- Kurs dauert mehr als 120 Stunden (§ 82 Abs. 1 Nr. 4 SGB III) und ist AZAV-zertifiziert.
Der Arbeitgeber muss dem Mitarbeiter für die Kurszeit freistellen. Ohne diese Zustimmung läuft das Verfahren nicht.
Förderhöhe nach Firmengröße
Die Höhe der Lehrgangskostenübernahme ist an die Zahl der Mitarbeiter gekoppelt. Je kleiner das Unternehmen, desto höher die Quote. Dazu kommen Zuschläge.
| Firmengröße | Lehrgangskosten-Quote | Arbeitsentgeltzuschuss bis |
|---|---|---|
| Unter 50 Beschäftigte | bis 100 Prozent | 75 Prozent |
| 50 bis unter 500 Beschäftigte | bis 50 Prozent (mit TV/BV 55 Prozent) | 50 Prozent |
| 500 oder mehr Beschäftigte | bis 25 Prozent (mit TV/BV 30 Prozent) | 25 Prozent |
Zuschläge und Sonderregeln: 5 Prozentpunkte extra auf die Lehrgangskosten-Quote bei einem einrichtungsbezogenen Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung zur beruflichen Weiterbildung (§ 82 Abs. 4 Satz 1 SGB III), unter 50 Beschäftigte sind ohnehin bei 100 Prozent. Bei Betrieben unter 500 Beschäftigten entfällt die Arbeitgeberbeteiligung an den Lehrgangskosten ganz, wenn der Mitarbeiter bei Beginn mindestens 45 Jahre alt oder schwerbehindert ist, dann werden 100 Prozent übernommen. Für Beschäftigte ohne verwertbaren Berufsabschluss kann der Arbeitsentgeltzuschuss bis zum vollen anteiligen Arbeitsentgelt reichen, allerdings nur bei Weiterbildungen zum nachträglichen Berufsabschluss (§ 82 Abs. 3 Satz 2 i. V. m. § 81 Abs. 2 SGB III).
Beispielrechnung: Mittelständler qualifiziert Sachbearbeiterin
Die Schmidt GmbH, Maschinenbau mit 120 Beschäftigten, schickt ihre Sachbearbeiterin Frau Meier (48 Jahre) in die Weiterbildung zur KI-Prozessmanagerin bei einem AZAV-zertifizierten Träger. Dauer rund 28 Wochen in Teilzeit online, mehr als 120 Stunden. Frau Meier arbeitet bisher klassisch kaufmännisch, der neue Abschluss qualifiziert sie klar außerhalb ihres bisherigen Aufgabenbereichs. Es gibt keinen Tarifvertrag zur beruflichen Weiterbildung, aber Frau Meier ist 48.
- Grundquote bei 120 Beschäftigten (Stufe 50 bis unter 500): 50 Prozent.
- Sonderregel Alter 45+ in Betrieben unter 500 Beschäftigten: Die Arbeitgeberbeteiligung an den Lehrgangskosten entfällt in der Regel ganz, dann werden 100 Prozent übernommen.
- Gesamtquote: in der Regel 100 Prozent der Lehrgangskosten.
- Eigenanteil Arbeitgeber bei den Lehrgangskosten: in der Regel 0 Euro.
- Zusätzlich Arbeitsentgeltzuschuss bis zu 50 Prozent des berücksichtigungsfähigen Arbeitsentgelts für die Unterrichtszeiten.
Für den Arbeitgeber bleibt nach Zuschüssen praktisch nur ein Teil der weiterlaufenden Lohnkosten, und er bekommt eine qualifizierte Fachkraft für neue Digitalisierungsaufgaben.
So läuft der Antrag beim QCG
- Der Arbeitgeber identifiziert einen passenden, AZAV-zertifizierten Kurs, zum Beispiel über Kursnet.
- Mitarbeiter und Arbeitgeber einigen sich auf Teilnahme und Freistellung.
- Der Arbeitgeberservice der zuständigen Agentur für Arbeit wird kontaktiert.
- Einreichung des QCG-Antrags mit Lehrgangsdetails, Mitarbeiterdaten, Firmengröße.
- Prüfung, Bewilligungsbescheid, Kurs beginnt.
- Abrechnung: Beim Einzelantrag kann die Agentur die Lehrgangskosten direkt an den Bildungsträger zahlen, beim Sammelantrag gehen die Förderleistungen an den Arbeitgeber, der sie an Träger und Beschäftigte weiterleitet.
Alle Infos zu weiteren Förderpfaden findest du auch auf der Übersichtsseite Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Prozent Förderung gibt es beim Qualifizierungschancengesetz?
Unter 50 Beschäftigten übernimmt die Agentur für Arbeit 100 Prozent der Lehrgangskosten, bei 50 bis unter 500 Beschäftigten 50 Prozent (mit Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung 55 Prozent), ab 500 Beschäftigten 25 Prozent (mit TV/BV 30 Prozent). Dazu kommt ein Arbeitsentgeltzuschuss von bis zu 75, 50 oder 25 Prozent. Diese Staffel gilt seit der Reform zum 1. April 2024. Förderfähig sind AZAV-zugelassene Kurse mit mehr als 120 Stunden, etwa der KI-Prozessmanager von SkillSprinters mit 702 Unterrichtseinheiten.
Was regelt § 82 SGB III?
§ 82 SGB III regelt die Förderung der beruflichen Weiterbildung Beschäftigter durch die Agentur für Arbeit: die Übernahme von Lehrgangskosten, gestaffelt nach Betriebsgröße, und nach Absatz 3 einen Arbeitsentgeltzuschuss für den Arbeitgeber. Für mehrere vergleichbare Beschäftigte gibt es den Sammelantrag (Absatz 5). Den Wortlaut findest du auf gesetze-im-internet.de.
Bekommen Beschäftigte beim QCG einen Bildungsgutschein?
Im Regelfall ja. § 82 Absatz 6 SGB III verweist auf § 81 Absatz 4, die Agentur stellt dem Beschäftigten also einen Bildungsgutschein aus. Verzichten kann sie nur, wenn Arbeitgeber und Beschäftigter einverstanden sind oder beim Sammelantrag. In der Praxis läuft der Antrag meist über den Arbeitgeberservice.
Welche Agentur für Arbeit ist beim QCG zuständig?
Bei Beschäftigten ist für Lehrgangskosten und Zuschuss zum Arbeitsentgelt die Agentur am Betriebssitz mit der Personalverantwortung zuständig, nicht die Agentur am Wohnort des Beschäftigten.
Wer stellt den Antrag beim Qualifizierungschancengesetz?
Den Antrag stellt in der Regel der Arbeitgeber über den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, bei mehreren Beschäftigten mit deren Einverständnis als Sammelantrag (§ 82 Abs. 5 SGB III). Geht es allein um dich, beantragst du die Lehrgangskosten selbst und dein Arbeitgeber den Zuschuss zum Arbeitsentgelt. Den Anstoß kannst du in jedem Fall geben, indem du auf einen passenden Kurs aufmerksam machst.
Wie viel der Kursgebühr übernimmt die Agentur?
Die Förderquote richtet sich nach der Firmengröße. Unternehmen mit unter 50 Beschäftigten bekommen bis zu 100 Prozent erstattet, 50 bis unter 500 Beschäftigte 50 Prozent (mit Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung 55 Prozent), ab 500 Beschäftigte 25 Prozent (mit TV/BV 30 Prozent). Bei Betrieben unter 500 Beschäftigten entfällt die Arbeitgeberbeteiligung ganz, wenn der Mitarbeiter mindestens 45 Jahre alt oder schwerbehindert ist.
Gibt es auch einen Lohnzuschuss während der Weiterbildung?
Ja. Nach § 82 Abs. 3 SGB III kann der Arbeitgeber zusätzlich einen Arbeitsentgeltzuschuss bekommen, gestaffelt nach Betriebsgröße: bis zu 75 Prozent bei unter 50 Beschäftigten, bis zu 50 Prozent bei 50 bis unter 500, bis zu 25 Prozent ab 500 Beschäftigten, mit Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung jeweils 5 Prozentpunkte mehr. Er deckt den Lohn des Mitarbeiters während der Kurszeiten teilweise ab.
Quellen und Rechtsstand
- § 82 SGB III, Förderung der beruflichen Weiterbildung Beschäftigter
- Agentur für Arbeit, Förderung der Weiterbildung Beschäftigter
- BMAS, Qualifizierungschancengesetz
Zuletzt geprüft am 19.08.2026.