ESF Plus: Europäischer Sozialfonds für Weiterbildung

ESF Plus ist der EU-Fonds zur Förderung von Beschäftigung, Bildung und Inklusion. Er läuft von 2021 bis 2027 und kofinanziert zahlreiche Bundes- und Landesprogramme in Deutschland.

Auf einen Blick
  • ESF Plus: Europäischer Sozialfonds Plus, Förderperiode 2021 bis 2027.
  • Ziel: Beschäftigung fördern, Weiterbildung ermöglichen, Inklusion stärken.
  • Nicht für Privatpersonen direkt, sondern über Bundes- und Landesprogramme nutzbar.
  • Bundesprogramme: rückenwind³, WIR (Weiterbildung in Regionen), unternehmensWert Mensch plus, JOBSTARTER plus.
  • Landesprogramme: Jedes Bundesland hat eigene ESF-kofinanzierte Linien.

Was ist ESF Plus?

ESF Plus steht für Europäischer Sozialfonds Plus. Er ist einer der wichtigsten Finanzierungsinstrumente der EU, um Beschäftigung zu fördern, Bildungsteilhabe zu erhöhen und soziale Ausgrenzung zu reduzieren. Die aktuelle Förderperiode läuft von 2021 bis 2027. Anders als viele deutsche Programme ist ESF Plus kein einzelnes Förderangebot, sondern ein EU-Topf, aus dem nationale und regionale Programme kofinanziert werden.

In Deutschland wird ESF Plus zweigleisig umgesetzt: Der Bund legt eigene Programme auf, die Bundesländer ergänzen mit eigenen Linien. Praktisch heißt das, dass ein Weiterbildungsangebot in Nordrhein-Westfalen anders strukturiert sein kann als eines in Bayern, obwohl beide aus demselben EU-Fonds gespeist werden. Wer Förderung sucht, muss in der Regel in beiden Ebenen suchen, um das passende Angebot zu finden.

Themen sind weit gefasst: berufliche Weiterbildung, Gleichstellung, Integration von Langzeitarbeitslosen, Übergang Schule zu Beruf, Demokratieförderung. Gerade im Bereich Weiterbildung werden darüber zahlreiche Coaching-, Qualifizierungs- und Beratungsangebote kofinanziert.

Rechtsgrundlage

ESF Plus basiert auf der Verordnung (EU) 2021/1057 des Europäischen Parlaments und des Rates. Sie regelt Ziele, Mittelverteilung und Förderprinzipien auf EU-Ebene. In Deutschland greifen ergänzend die jeweiligen nationalen ESF-Plus-Programme und die Förderrichtlinien der Länder. Die Verwaltungsbehörde für das Bundesprogramm ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Die Landesprogramme haben jeweils eine eigene Verwaltungsbehörde, meist im Wirtschafts- oder Sozialministerium.

Wer kann ESF Plus nutzen?

Direkt antragsberechtigt sind in der Regel keine Privatpersonen. Antragsteller sind Bildungsträger, Unternehmen, Kommunen, Verbände, Vereine oder Projektträger. Die Mittel fließen in Projekte, an denen dann Einzelne als Zielgruppe teilnehmen. Als Teilnehmer profitierst du, ohne selbst den Antrag gestellt zu haben.

Typische Zielgruppen auf Teilnehmerebene:

Für klassische berufliche Weiterbildung für Einzelpersonen bleiben oft der Bildungsgutschein oder das Aufstiegs-BAföG die naheliegenderen Wege. ESF-Programme sind eher Ergänzung oder Brücke, wenn sonst keine Förderung greift.

Bundesprogramme und typische Förderhöhen

ProgrammZielgruppeSchwerpunkt
rückenwind³Gemeinnützige OrganisationenPersonal- und Organisationsentwicklung
WIR (Weiterbildung in Regionen)Regionale NetzwerkeStrukturwandel-Qualifizierung
unternehmensWert Mensch plusKMUBegleitete Prozess- und Weiterbildungsberatung
JOBSTARTER plusAusbildungsbetriebe, JugendlicheÜbergang Schule zu Ausbildung

Förderhöhen variieren stark nach Programm und Größe des Trägers. ESF Plus deckt typischerweise 40 bis 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Den Rest tragen nationale Kofinanzierung und Eigenanteil des Antragstellers. Für Teilnehmer entstehen bei geförderten Maßnahmen meist keine oder nur geringe Kosten.

Beispielfall: Weiterbildung für Beschäftigte in KMU

Ein Handwerksbetrieb in Hessen mit 15 Mitarbeitern will sein Team digital fitter machen. Der Geschäftsführer recherchiert und findet eine regionale ESF-Linie für KMU-Beratung in Hessen, die über unternehmensWert Mensch plus kofinanziert ist. Der Antrag läuft über eine anerkannte Prozessbegleitung.

Der Betrieb erhält einen Beratungsgutschein, mit dem ein externer Berater gemeinsam mit dem Team einen Weiterbildungsplan erarbeitet. Anschließend nimmt das Team an einem Digitalisierungskurs teil. ESF Plus übernimmt einen Teil der Beratungskosten, der Rest ist Eigenanteil. Die Weiterbildung selbst wird kombiniert mit QCG-Förderung der Bundesagentur für Arbeit.

Abgrenzung: ESF Plus, Bildungsgutschein, QCG

Manche Programme kombinieren ESF Plus und QCG. In der Beratung lohnt es sich, beide Wege parallel zu prüfen.

Häufige Fragen

Welche Dokumente brauche ich als Teilnehmer?

In der Regel füllst du vor und während der Maßnahme Fragebögen aus. ESF Plus fordert standardisierte Daten zu Alter, Qualifikation, Erwerbsstatus und Erfolg der Maßnahme. Das ist Teil der EU-weiten Wirkungsmessung. Ohne diese Angaben kann der Träger nicht abrechnen.

Was passiert nach 2027 mit ESF Plus?

Nach Ablauf der Förderperiode folgt eine neue EU-Förderperiode mit aktualisierten Schwerpunkten. Laufende Projekte werden bis zum jeweiligen Projektende weitergeführt. Neue Projekte nach 2027 laufen dann unter der Nachfolgeperiode.

Kann ein Arbeitgeber ESF Plus parallel zu QCG nutzen?

Grundsätzlich ja, aber nicht für denselben Kostenblock. Wer QCG für Lehrgangskosten nutzt, kann ESF Plus beispielsweise für Prozessberatung oder Coaching einsetzen. Entscheidend ist eine klare Kostentrennung im Antrag.

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