IQ Netzwerk: Kostenlose Beratung für ausländische Abschlüsse

Das IQ Netzwerk (Integration durch Qualifizierung) ist ein bundesweites Netzwerk mit über 400 Beratungsstellen. Es unterstützt Menschen mit ausländischen Qualifikationen kostenlos und arbeitgeberübergreifend.

Auf einen Blick
  • Bundesweites Netzwerk mit über 400 Beratungsstellen in allen 16 Bundesländern.
  • Kostenlose Beratung zu Anerkennung, Qualifizierung und Brückenmaßnahmen.
  • Zielgruppe: Menschen mit ausländischen Berufsqualifikationen und Arbeitgeber.
  • Finanziert durch BMAS, EU (ESF Plus) und Länder.
  • Zentrale Adressen: netzwerk-iq.de und anabin.kmk.org.

Was ist das IQ Netzwerk?

IQ steht für Integration durch Qualifizierung. Das Netzwerk ist ein bundesweit koordiniertes Beratungs- und Qualifizierungssystem für Menschen, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben haben und in Deutschland arbeiten wollen. Es wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aufgesetzt und wird heute durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) sowie regionale Partner umgesetzt.

Das Grundproblem, das IQ löst: Wer mit ausländischem Abschluss nach Deutschland kommt, steht oft vor einer Wand aus Zuständigkeiten. Welche Kammer ist zuständig? Welche Übersetzungen werden anerkannt? Was kostet das Verfahren? Gibt es Abkürzungen? Das IQ Netzwerk beantwortet genau diese Fragen, kostenlos und individuell.

Das Netzwerk selbst ist keine Förderung im Sinne einer Geldleistung. Es ist Infrastruktur. Wer Geld für die Anerkennung braucht, wird an den Anerkennungszuschuss oder andere Programme weitervermittelt. Wer eine Brückenqualifizierung braucht, bekommt sie oft direkt über ein IQ-Teilprojekt oder über den Bildungsgutschein.

Trägerstruktur

Das Programm wird durch das BMAS aufgesetzt und gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Bundesagentur für Arbeit gefördert. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) übernimmt die fachliche Koordinierung. In jedem Bundesland gibt es ein Landesnetzwerk, das Beratungsstellen, Bildungsträger, Kammern und Kommunen zusammenführt. Finanziert wird zusätzlich aus Mitteln des ESF Plus.

Rechtlich ist das IQ Netzwerk kein eigenes Gesetz, sondern ein Bundesprogramm mit eigenen Förderrichtlinien. Grundlage der Anerkennung selbst ist das Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) für bundesrechtlich geregelte Berufe, ergänzt durch Landesgesetze.

Wer kann das IQ Netzwerk nutzen?

Das Netzwerk richtet sich an zwei Hauptgruppen:

Leistungen im Überblick

LeistungWas passiert
AnerkennungsberatungWelche Stelle ist zuständig, welche Unterlagen fehlen, wie läuft das Verfahren?
QualifizierungsberatungWelche Nachqualifizierung brauche ich, wer bietet sie an?
BrückenmaßnahmenAnpassungsqualifizierungen, berufsbezogene Sprachkurse, Vorbereitungskurse auf Kenntnisprüfungen.
Beratung für ArbeitgeberFaire Einstellung, Anerkennung, Diversity-Strategien.
Verweis auf FörderprogrammeAnerkennungszuschuss, Bildungsgutschein, ESF Plus, Landesstipendien.

Alle Beratungsleistungen sind für die Ratsuchenden kostenfrei. Brückenmaßnahmen können je nach Bundesland und Programm teilweise finanziert werden, teilweise über zusätzliche Fördertöpfe wie den Bildungsgutschein.

Beispielfall: Arzt aus Syrien

Dr. Omar hat sein Medizinstudium in Damaskus abgeschlossen und vor zwei Jahren in Deutschland Schutz gesucht. Er spricht mittlerweile Deutsch auf B2-Niveau und möchte die deutsche Approbation erhalten. Er meldet sich bei einer IQ-Beratungsstelle in seiner Stadt. Die Beraterin analysiert seine Dokumente und erklärt den Weg:

  1. Antrag auf Anerkennung beim Landesamt für Gesundheit.
  2. Fachsprachprüfung C1-Medizin ablegen.
  3. Kenntnisprüfung, falls keine vollständige Gleichwertigkeit festgestellt wird.
  4. Parallel fachlichen Vorbereitungskurs nutzen, den ein IQ-Teilprojekt anbietet.

Die Beraterin empfiehlt ihm zusätzlich den Anerkennungszuschuss, der 600 Euro der Verwaltungs- und Übersetzungskosten übernehmen kann. Für die Lebenshaltung während der Vorbereitungszeit prüft sie mit ihm gemeinsam die Kombination aus Bürgergeld und einem möglichen Bildungsgutschein für den Vorbereitungskurs. Das komplette Szenario wird in einem Beratungsprotokoll festgehalten, damit Omar Schritt für Schritt vorgehen kann.

Abgrenzung zu anderen Angeboten

anabin.kmk.org als zweiter Anlaufpunkt

Parallel zum IQ Netzwerk empfiehlt die Beratungsstruktur die Datenbank anabin.kmk.org. Dort findest du eine Einstufung ausländischer Abschlüsse und Hochschulen im deutschen Bildungssystem. Die Datenbank ist öffentlich und kostenlos nutzbar. Viele IQ-Beratungen beziehen sich auf anabin-Einträge, wenn es um Gleichwertigkeit geht.

So kontaktierst du eine Beratungsstelle

  1. Webseite netzwerk-iq.de aufrufen: Die Beratungsstellen-Suche zeigt dir Stellen in deiner Nähe inklusive Öffnungszeiten und Sprachen.
  2. Termin vereinbaren: Viele Stellen bieten Präsenz-, Telefon- und Online-Beratung an.
  3. Unterlagen mitbringen: Zeugnisse im Original, Kopien und nach Möglichkeit beglaubigte Übersetzungen, Lebenslauf.
  4. Beratungsgespräch: Ergebnis ist ein schriftlicher Fahrplan mit nächsten Schritten.
  5. Folgebesuche: Die meisten Stellen begleiten über mehrere Termine, bis das Verfahren steht.

Häufige Fragen

Kann ich die Beratung auch auf Englisch oder in meiner Muttersprache machen?

Viele IQ-Beratungsstellen haben mehrsprachige Beraterinnen und Berater, oft Arabisch, Russisch, Türkisch, Englisch, Französisch, Polnisch oder Ukrainisch. Die Sprachangebote variieren je nach Region. Die Stellen-Suche auf netzwerk-iq.de zeigt dir die Sprachen pro Standort.

Was passiert, wenn mein Abschluss nicht anerkannt wird?

Bei nicht vollständiger Gleichwertigkeit empfiehlt die Stelle eine Anpassungsqualifizierung oder Kenntnisprüfung. Gibt es gar keine Gleichwertigkeit, berät das IQ Netzwerk zu Alternativen wie Umschulung, Teilqualifikation oder einem komplett neuen Ausbildungsweg in einem verwandten Feld.

Gibt es das IQ Netzwerk auch im ländlichen Raum?

Ja. Die Landesnetzwerke haben Stellen in allen Regionen, oft auch mit mobilen Beratungsangeboten oder Sprechtagen in kleineren Städten. Wenn keine Stelle vor Ort ist, bieten die nächstgelegenen Stellen telefonische oder Online-Beratung an.

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