Fahrtkosten während Weiterbildung

§ 83 SGB III erstattet bei geförderter Weiterbildung deine Fahrtkosten zur Kurs- oder Prüfungsstätte. ÖPNV in voller Höhe, eigener PKW mit 0,20 Euro pro Kilometer.

Auf einen Blick
  • Rechtsgrundlage: § 83 SGB III (Weiterbildungskosten, Nr. 2 Fahrkosten)
  • ÖPNV: tatsächliche Kosten (Einzelticket, Monats- oder Jahreskarte anteilig)
  • Eigener PKW: 0,20 Euro pro gefahrenem Kilometer einfache Strecke
  • Gilt bei Förderung durch die Agentur für Arbeit (Bildungsgutschein, QCG) und bei LTA, nicht beim Aufstiegs-BAföG
  • Bei Online-Kursen ohne Präsenztermin: keine Fahrtkosten
  • Selbst finanzierte Weiterbildung: steuerliche Absetzung als Werbungskosten

Was sind Fahrtkosten nach § 83 SGB III?

§ 83 SGB III fasst unter dem Oberbegriff "Weiterbildungskosten" vier Positionen zusammen: Lehrgangskosten und Kosten für die Eignungsfeststellung, Fahrkosten, Kosten für auswärtige Unterbringung und Verpflegung sowie Kosten für die Betreuung von Kindern. Die Fahrtkostenerstattung soll sicherstellen, dass die Anreise zur Weiterbildungsstätte kein finanzielles Hindernis ist.

Praktisch bedeutet das: Wenn du eine nach AZAV zertifizierte Weiterbildung mit Bildungsgutschein, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) oder anderer anerkannter AfA-Förderung besuchst, bekommst du die Kosten für die Anreise ersetzt. Entweder als Einzelerstattung (Ticket, Fahrschein, Tankbeleg ist nicht nötig) oder als Kilometerpauschale.

Der Kilometersatz von 0,20 Euro ist die Standardpauschale der Bundesagentur für Arbeit für die sogenannten "kleinen Reisekosten" nach § 5 Bundesreisekostengesetz. Er deckt Benzin, Verschleiß und Anteil der Versicherung ab. Der Satz ist bewusst niedriger als die steuerliche Entfernungspauschale (0,30 bis 0,38 Euro), weil es nicht um eine volle Fahrtkostenerstattung geht, sondern um einen Ausgleich.

Rechtsgrundlage: § 83 SGB III

Der maßgebliche Paragraph ist § 83 SGB III. Absatz 1 listet die erstattungsfähigen Positionen auf, Nummer 2 nennt ausdrücklich die "Fahrkosten". Übernahme und Höhe regelt § 85 SGB III mit Verweis auf § 63 Absatz 1 und 3: zugrunde gelegt wird der Preis des zweckmäßigsten öffentlichen Verkehrsmittels in der niedrigsten Klasse, bei anderen Verkehrsmitteln die Wegstreckenentschädigung nach § 5 Absatz 1 Bundesreisekostengesetz.

Online weiterbilden, ohne Anfahrt

Der Digitalisierungsmanager läuft komplett online, Fahrten zu einem Kursort fallen also gar nicht erst an. Wie der Unterricht aussieht, siehst du im KI-Schnupperkurs in fünf Lektionen aus der Weiterbildung, die über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden kann.

Kostenlos reinschnuppern

Der Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Wichtig zu unterscheiden: § 83 gilt nur bei geförderter Weiterbildung über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Wer seine Weiterbildung privat zahlt oder über Aufstiegs-BAföG finanziert, fällt nicht unter § 83 SGB III. Das Aufstiegs-BAföG fördert nach § 12 Absatz 1 AFBG Lehrgangs- und Prüfungsgebühren und bei der Meisterprüfung Materialkosten, Fahrtkosten gehören nicht dazu. Selbst getragene Fahrtkosten lassen sich als Werbungskosten absetzen.

Wer bekommt Fahrtkosten erstattet?

Ausschlüsse: Privat bezahlte Weiterbildungen, Aufstiegs-BAföG-Kurse (das AFBG fördert keine Fahrtkosten), Qualifizierungsgeld nach § 82a SGB III (dort finanziert der Arbeitgeber die Weiterbildung), rein virtuelle Kurse ohne Anreisebedarf.

Höhe und Abrechnung

VerkehrsmittelErstattungAnmerkung
ÖPNV (Bus, Bahn, Straßenbahn)Tatsächliche KostenEinzelticket, Monats- oder Jahreskarte anteilig
Deutschland-Ticket63 Euro monatlich anteilig (Preis seit 1. Januar 2026, Beschluss der Verkehrsministerkonferenz vom 18. September 2025).Nur wenn wirklich für Weiterbildung genutzt
Eigener PKW0,20 Euro pro gefahrenem Kilometer (einfache Strecke)Kein Tankbeleg nötig, Pauschale
Fahrgemeinschaft (Mitfahrer)0,20 Euro (Fahrer bekommt Pauschale)Mitfahrer: kein separater Zuschuss
TaxiNur bei nachgewiesener Unzumutbarkeit ÖPNVEinzelfallprüfung, Beleg nötig

Beispielrechnung

Thomas aus Hof fährt zweimal pro Woche in die Berufsförderungswerk-Präsenzphase in Bayreuth. Einfache Strecke: 55 Kilometer. Zwölf Monate Weiterbildung, davon 20 Präsenztage im Jahr.

Rechnung: 55 Kilometer mal 2 (Hin und Rück) mal 20 Tage mal 0,20 Euro ergibt 440 Euro pro Jahr Fahrtkostenerstattung. Die Agentur zahlt das monatlich oder als Quartalsauszahlung. Alternative mit Deutschland-Ticket: 63 Euro mal 12 gleich 756 Euro, aber nur wenn nachgewiesen wird, dass das Ticket primär für Weiterbildung genutzt wird. Bei nur 20 Präsenztagen im Jahr wäre die Kilometerpauschale günstiger und wird meist gewählt.

Der Wirtschaftsfachwirt bei SkillSprinters (Di und Do abends online) fällt nicht unter § 83 SGB III. Er läuft über das Aufstiegs-BAföG, und das übernimmt keine Fahrtkosten, auch nicht für den Prüfungstag bei der IHK. Anfahrten zum Träger gibt es beim Online-Kurs ohnehin nicht.

So beantragst du Fahrtkosten

  1. Beim ersten Gespräch mit dem AfA-Vermittler oder Fallmanager den Weg zur Weiterbildungsstätte erwähnen. Der Vermittler nimmt die Fahrtkosten mit in den Förderbescheid auf.
  2. Bei Bewilligung: Abrechnungsformular vom Träger oder von der Agentur erhalten.
  3. Monatlich oder quartalsweise Kilometer oder ÖPNV-Tage eintragen. Unterschrift des Kursträgers auf Anwesenheitsliste.
  4. Abrechnung beim Träger einreichen oder direkt an die AfA senden. Auszahlung auf dein Konto, meist 2 bis 4 Wochen nach Einreichung.
  5. Belege aufheben (1 Jahr), falls Nachprüfung erfolgt.

Abgrenzung: Fahrtkosten SGB III vs. steuerliche Entfernungspauschale

Wichtig: keine Doppelförderung Kosten, die von der Agentur für Arbeit erstattet werden, darfst du NICHT zusätzlich als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen. Das ist ausdrücklich in § 3c Abs. 1 EStG geregelt. Nur selbst getragene Fahrtkosten sind absetzbar.

Bei Selbstzahlern gilt § 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG: Entfernungspauschale für Weiterbildungsfahrten einheitlich 0,38 Euro pro Kilometer ab dem ersten Kilometer, seit 1. Januar 2026. Diese höheren Sätze kommen aber nur zur Anwendung, wenn du die Fahrtkosten selbst trägst und als Werbungskosten absetzt.

Häufige Missverständnisse

Viele denken, die 0,20 Euro seien zu niedrig und rechnen mit der steuerlichen Entfernungspauschale. Das führt zu Enttäuschung bei der Abrechnung. Der BA-Satz ist bewusst niedriger, weil die Förderung eben nur ein Zuschuss und keine vollständige Erstattung sein soll.

Ein weiteres Missverständnis: ÖPNV-Tickets könnten rückwirkend eingereicht werden. Das geht meist nur innerhalb des laufenden Bewilligungszeitraums. Belege aus dem Vorjahr werden oft abgelehnt. Deshalb: Fahrtkosten immer quartalsweise abrechnen, nicht erst am Ende der Weiterbildung.

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