SAP hat 2024 ein Restrukturierungsprogramm angekündigt, das nach unserem Recherchestand mehr als 10.000 Stellen weltweit umfasst, mit deutlichem deutschen Anteil in Walldorf und Berlin. Hintergrund ist der Umbau Richtung Cloud, KI-Integration und schlankere Konzernstrukturen. Wenn du Aufhebungsvertrag oder Personalgespräch vor dir hast, führt dich dieser Leitfaden durch die ersten 30 Tage.
Hinweis vorab: Dieser Artikel ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei konkreten Fragen sprich mit dem Betriebsrat, einem Fachanwalt für Arbeitsrecht oder dem ver.di- oder IG-Metall-Betriebsrat-Vertreter, je nach Bereich. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann nicht garantiert werden, die Förderwege sind aber klar.
Auf einen Blick: SAP baut laut öffentlich zugänglichen Quellen über 10.000 Stellen ab, Schwerpunkt Walldorf und Berlin. Mit Aufhebungsvertrag oder Kündigung hast du Anspruch auf ALG 1 (60 Prozent Netto, 67 Prozent mit Kind). Ein Bildungsgutschein nach § 81 SGB III deckt eine AZAV-zertifizierte Weiterbildung komplett ab. Während abschlussorientierter Weiterbildung läuft das ALG 1 weiter (§ 144 SGB III), zusätzlich gibt es 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat plus 1.000 Euro bei Zwischenprüfung und 1.500 Euro bei Abschluss (§ 87a SGB III). Für SAPler oft passend: Spezialisierung auf Cloud, KI oder DigiMan-Crossover.
Was bei SAP gerade passiert (Stand April 2026)
SAP hat im Januar 2024 das umfangreichste Restrukturierungsprogramm seit Jahren angekündigt: rund 8.000 Stellen weltweit über Aufhebungen, freiwillige Wechsel und Vorruhestand, mit zusätzlichen Anpassungen in 2025 und 2026. Insgesamt sind nach unserem Recherchestand inzwischen mehr als 10.000 Stellen betroffen, davon ein deutlicher Anteil in Deutschland.
Die wichtigsten Bereiche und Standorte:
- Walldorf (Konzernzentrale): Verwaltung, Sales-Strukturen, einzelne On-Premise-Bereiche, Cloud-Operations.
- Berlin: Software-Entwicklung, Produktteams, Customer Engagement.
- Internationale Hubs: Indien, USA, andere weltweit, hier aber regional unterschiedliche Programme.
Profile besonders im Fokus: klassische SAP-Berater für On-Premise-Lösungen, Mitarbeiter in Bereichen wie SAP Concur oder einzelnen Industriespezialisierungen, die im Cloud-Portfolio zusammengelegt werden, sowie Verwaltungsstrukturen.
Was SAPlern oft auffällt: Das Restrukturierungsprogramm läuft sehr "freiwillig". Wer die Abfindung haben möchte, kann sie meist bekommen. Wer bleiben möchte, hat oft die Chance, in einen Cloud- oder KI-nahen Bereich umzuziehen. Die Frage ist also weniger "muss ich gehen" und mehr "wann ist der richtige Zeitpunkt".
Schritt 1: ALG 1 sichern
Wenn der Aufhebungsvertrag unterschrieben ist oder kurz davor steht: Sofortmeldung bei der AfA innerhalb drei Tagen nach Kenntnis. Telefonisch über 0800 4 5555 00 (Mo bis Fr, 8 bis 18 Uhr, kostenfrei) oder online über das AfA-Portal.
Höhe ALG 1: 60 Prozent des Nettos, 67 Prozent mit Kind. Anspruchsdauer: 12 Monate, ab 50 mehr.
Bei einem typischen SAP-Brutto von 8.500 bis 11.000 Euro liegt das ALG 1 grob bei 2.500 bis 3.300 Euro netto pro Monat. Wichtig: Es gibt eine Beitragsbemessungsgrenze, die das ALG 1 nach oben deckelt. Hochverdiener bekommen ALG 1 nicht in 60 Prozent ihres tatsächlichen Nettos, sondern berechnet auf das Arbeitsentgelt bis zur Beitragsbemessungsgrenze (2026 in der West-RV: 8.450 Euro/Monat). Wer mehr verdient hat, hat auf den Teil darüber keinen ALG-1-Anspruch.
Sperrzeit-Risiko: Bei freiwilliger Aufhebung droht bis zu 12 Wochen Sperrzeit. Die SAP-Aufhebungsverträge im aktuellen Programm enthalten in der Regel die nötige Klausel ("rechtmäßige Arbeitgeberkündigung gedroht"), das sollte aber explizit drin stehen. Prüfen lassen.
Schritt 2: Bildungsgutschein beantragen
Bildungsgutschein nach § 81 SGB III deckt 100 Prozent der Kursgebühr einer AZAV-zertifizierten Weiterbildung ab. Voraussetzung: arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht, und die Weiterbildung verbessert deine Vermittlungschancen.
Für SAPler oft sinnvoll, weil: Wer aus dem klassischen On-Premise-Bereich kommt, hat in 2026 anders gelagerte Marktchancen als noch vor 5 Jahren. Eine Spezialisierung in Richtung Cloud (S/4HANA, BTP, RISE), KI-Integration oder Industrie-Digitalisierung verbessert die Position spürbar.
Was während der Weiterbildung läuft:
| Posten | Höhe | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| ALG 1 | volles ALG 1 | § 144 SGB III |
| Weiterbildungsgeld | 150 Euro/Monat | § 87a SGB III |
| Zwischenprüfung | 1.000 Euro einmalig | § 87a SGB III |
| Abschluss | 1.500 Euro einmalig | § 87a SGB III |
| Kinderbetreuung | 160 Euro/Kind/Monat | § 87 SGB III |
Wichtig: Weiterbildungsgeld bekommen nur ALG-1- oder Bürgergeld-Empfänger in abschlussorientierter Weiterbildung. Bei kürzeren Anpassungs-Zertifikaten ohne Prüfung greift das Weiterbildungsgeld nicht immer.
Schritt 3: Welche Weiterbildung passt für Ex-SAPler
SAPler bringen meist solide IT-Affinität, Verständnis für Geschäftsprozesse und SAP-spezifisches Modulwissen mit. Das lässt sich gut weiter ausbauen.
Digitalisierungsmanager (mit SAP-Modul): 4 Monate online, 720 UE, AZAV-zertifiziert (DEKRA), 100 Prozent Bildungsgutschein. Inhalte: Prozessanalyse, Workflow-Automatisierung, KI in Geschäftsprozessen, Daten- und Reporting. Für SAPler interessant als Brückenkurs: Es kombiniert Prozessdenken (das du schon hast) mit modernen Automatisierungs- und KI-Tools. Realistisches Einstiegsgehalt nach Abschluss laut öffentlich zugänglichen Stellenanzeigen rund 60.000 Euro, für Senior-SAPler mit Erfahrung deutlich höher.
SAP S/4HANA Cloud Spezialisierung: Wenn du auf SAP-Schiene bleiben willst: Cloud-Migration ist der große Markt. Es gibt 3- bis 6-monatige Spezialisierungen, die mit Bildungsgutschein abgedeckt werden. Frag bei einer AZAV-zertifizierten SAP-Akademie an.
Crossover in Industrie-Digitalisierung: Ehemalige SAP-Berater haben in vielen Industrien starke Anschlüsse, weil Prozess- und Modulwissen direkt umsetzbar ist. Industrie 4.0, Digitalisierungsbeauftragte, IT-Projektmanagement im Mittelstand.
Quereinstieg KI: Wer in den letzten Jahren bereits mit KI-Funktionen in SAP (Joule, BTP-AI, EmbedAI) gearbeitet hat, kann das mit einer KI-fokussierten Weiterbildung ausbauen.
In der Praxis sehen wir bei unseren SAP-Teilnehmern, dass viele unterschätzen, wie spezifisch ihr SAP-Wissen wirkt, wenn sie sich in nicht-SAP-Umgebungen bewerben. Begriffe wie "Customizing", "BAdI", "Funktionsbaustein" sagen außerhalb SAP niemandem etwas. Wer den Sprung in andere Industrien plant, sollte das Vokabular bewusst übersetzen lernen, das ist Teil des Bewerbungstrainings.
Schritt 4: Bewerbung neu aufstellen
SAP-CVs sind oft drei Seiten lang, mit langen Modullisten und detaillierter Projektbeschreibung. Im Mittelstand und bei kleineren Tech-Firmen wirkt das überladen.
Drei Punkte:
- Modulliste eindampfen: Statt "FI, CO, MM, SD, PP, QM, PS, HR, EWM, TM" auf die zwei oder drei Module konzentrieren, in denen du Senior-Erfahrung hast.
- Erfolge in Zahlen: "Migration eines mittelständischen Kunden von ECC 6.0 auf S/4HANA in 14 Monaten, Budget 4,2 Millionen Euro, p&l-relevante Effizienzgewinne von 12 Prozent". HR liest Zahlen.
- Cloud- und KI-Begriffe einbauen: Auch wenn du primär On-Premise warst, hast du in den letzten 24 Monaten sicher Berührung mit Cloud, BTP, AI-Funktionen gehabt. Das gehört prominent in den CV. Mehr im Ratgeber Bewerbung 2026: Was Personaler heute wirklich lesen.
Schritt 5: Wo du dich konkret meldest
- AfA-Hotline: 0800 4 5555 00 (Mo bis Fr, 8 bis 18 Uhr, kostenfrei).
- Bildungsgutschein-Antrag: Termin bei der AfA Heidelberg, Mannheim oder Berlin, je nach Wohnort.
- Betriebsrat SAP: Kennt das Programm im Detail.
- Anwaltsberatung: Aufhebungsverträge sollten vor Unterschrift geprüfte werden, gerade weil bei SAP häufig hohe Abfindungen mit komplexen Klauseln zu Aktien, vesting Periods und Wettbewerbsverboten verbunden sind.
- SkillSprinters Beratung: 0176 20176358 oder info@skillsprinters.de, kostenfreie Beratung zu Bildungsgutschein und Weiterbildung.
Was in den ersten 14 Tagen erledigt sein sollte:
- Sofortmeldung AfA.
- Aufhebungsvertrag durch Anwalt prüfen lassen (gerade bei SAP wichtig wegen Aktien-Vesting und Wettbewerbsklauseln).
- Termin AfA für Bildungsgutschein.
- Drei Weiterbildungen vergleichen.
- Lebenslauf entkernen und cloudisieren.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Abfindung bei SAP?
Die SAP-Abfindungen im aktuellen Programm sind im Branchenvergleich attraktiv, oft höher als der gesetzliche Standard. Klassische Formel: Monatsgehalt mal Jahre Betriebszugehörigkeit mal Faktor 1,0 bis 1,8. Bei 12 Jahren SAP und 9.500 Euro Brutto sind das grob 115.000 bis 205.000 Euro. Genaue Zahlen kennt der Betriebsrat. Die Fünftelregelung mildert die Steuerlast.
Was passiert mit meinen SAP-Aktien (RSUs, ESPP)?
Bei SAP gibt es typischerweise zwei Komponenten: Mitarbeiteraktien aus dem ESPP (Employee Stock Purchase Plan) bleiben dein Eigentum. Restricted Stock Units (RSUs) im Vesting unterliegen den jeweiligen Vesting-Regeln. Bei freiwilligem Wechsel oder Aufhebungsvertrag verfallen ungevestete RSUs in der Regel. In manchen Restrukturierungsprogrammen werden Sonderregelungen vereinbart, in denen Vesting-Perioden anteilig anerkannt werden. Der Aufhebungsvertrag muss das genau regeln. Lass das durch einen Anwalt prüfen.
Verliere ich das ALG 1, wenn ich den Aufhebungsvertrag unterschreibe?
Nicht automatisch, Sperrzeit von bis zu 12 Wochen droht aber. Bei SAP-Programmen ist die Klausel "rechtmäßige Arbeitgeberkündigung gedroht" Standard, sollte aber explizit drin stehen. Prüfen lassen.
Lohnt sich Weiterbildung oder direkt einen neuen Job suchen?
Bei SAPlern oft individuell. Wenn du bereits einen attraktiven Folge-Job konkret in Aussicht hast, ist die Abfindung der einfachste Weg. Wenn du dich umorientieren willst (z.B. von On-Premise zu Cloud, von SAP zu Industrie-Digitalisierung), ist die Weiterbildung mit voll laufendem ALG 1 plus Weiterbildungsgeld plus Abfindung in der Regel die finanziell bessere Variante. Bei einer 4-monatigen DigiMan-Weiterbildung und 12 Monaten ALG-1-Anspruch hast du grob 14 bis 16 Monate Zeit für den geordneten Wechsel.
Was ist mit Wettbewerbsverbot und Karenzentschädigung?
SAP-Senior-Verträge enthalten oft nachvertragliche Wettbewerbsverbote (z.B. nicht zu Oracle, Microsoft, Workday wechseln in den ersten 6 oder 12 Monaten). Solche Klauseln gelten nur, wenn dafür eine Karenzentschädigung gezahlt wird (mindestens 50 Prozent der letzten Gesamtvergütung). Im Aufhebungsvertrag muss das geregelt sein. Nimm einen Anwalt dafür, das ist häufig ein Stellhebel im Gespräch.
Gibt es bei SAP eine Transfergesellschaft?
In Einzelfällen ja, aber nicht das Standard-Modell des aktuellen Programms. Standard ist die Aufhebung mit attraktiver Abfindung. Wer aktiv eine Transfergesellschaft als Option möchte, sollte das mit dem Betriebsrat besprechen.
Zuletzt aktualisiert: 25.04.2026
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer und Geschäftsführer von SkillSprinters in Bayreuth, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger. Er begleitet ehemalige Industrie- und Tech-Beschäftigte aus VW, Bosch, SAP, Continental, ZF und anderen Konzernen beim Wechsel oder bei der Spezialisierung in digitalen Berufen. Erreichbar unter info@skillsprinters.de oder 0176 20176358.
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