Beim Zulieferer ZF Friedrichshafen läuft ein großer Konzernumbau, der viele Beschäftigte verunsichert. Die gute Nachricht zuerst: Nach einer Einigung mit der IG Metall sind die ursprünglich befürchteten Einschnitte spürbar abgemildert worden, der Abbau soll sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen laufen. Trotzdem fallen über die Jahre Tausende Stellen weg. Wenn du bei ZF arbeitest, findest du hier eine klare Orientierung für deine Lage.
Vorab: Dieser Artikel ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei konkreten Fragen zu Sozialplan, Abfindung oder einem Aufhebungsvertrag sprich mit dem Betriebsrat, der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege kannst du aber selbst nutzen.
Auf einen Blick: ZF und die IG Metall haben sich auf ein Maßnahmenpaket geeinigt, das den Abbau abfedert. In der Sparte für elektrifizierte Antriebstechnik sollen bis 2030 rund 7.600 Stellen wegfallen, am Standort Saarbrücken wurde der befürchtete Abbau von 2.800 auf etwa 825 Stellen reduziert, vor allem über Altersteilzeit und auslaufende Verträge. Wer dennoch geht, hat Anspruch auf ALG 1 (60 Prozent Netto, 67 Prozent mit Kind) und kann nach § 81 SGB III einen Bildungsgutschein bekommen. Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft das ALG 1 weiter (§ 144 SGB III), dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat plus 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III).
Was bei ZF gerade passiert (Stand Juni 2026)
ZF steckt mitten in einem teuren Umbau: Der Konzern hat hohe Verluste verbucht und stellt sein Kerngeschäft auf elektrifizierte Antriebe um. Ursprünglich standen deutlich härtere Restrukturierungspläne im Raum, gegen die sich Zehntausende Beschäftigte und die IG Metall gestellt haben.
Das jüngste Maßnahmenpaket mit der IG Metall hat die Lage entschärft. Die Sparte für elektrifizierte Antriebstechnik, zu der auch das Saarland gehört, bleibt im Konzern und wird nicht abgespalten. Im Gegenzug sollen in dieser E-Sparte bis 2030 rund 7.600 Stellen abgebaut werden, der Konzern will damit mehr als 500 Millionen Euro einsparen. Am Standort Saarbrücken wurde der zunächst befürchtete Abbau von 2.800 Stellen auf rund 825 reduziert, erreicht werden soll das über Altersteilzeit und auslaufende befristete Verträge. Für freiwillige Abgänge sind Abfindungen von bis zu 250.000 Euro im Gespräch.
Wichtig für dich: Auch ein sozialverträglicher Abbau betrifft am Ende reale Stellen. Wenn dein Bereich dabei ist, solltest du deine Optionen früh klären, statt auf die nächste Verhandlungsrunde zu warten.
Dein erster Schritt: ALG 1 absichern
Sobald die Beendigung deines Arbeitsverhältnisses feststeht, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend, sonst droht eine Sperre. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00.
Das Arbeitslosengeld 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, und wird je nach Alter und Einzahldauer bis zu 24 Monate gezahlt. Das verschafft dir Zeit für eine geplante Neuorientierung.
Abfindung und Aufhebungsvertrag: erst prüfen
Bei ZF werden Abfindungen für freiwillige Abgänge angeboten, teils in beachtlicher Höhe. Bevor du unterschreibst, lass den Aufhebungsvertrag vom Betriebsrat oder einem Fachanwalt prüfen. Eine selbst herbeigeführte Beendigung ohne wichtigen Grund kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen, das lässt sich oft vermeiden, wenn der Beendigungsweg sauber gewählt ist.
Kläre außerdem, ob für dich eine Transfergesellschaft sinnvoll ist. Dort läuft dein Beschäftigungsverhältnis befristet weiter, du bekommst Transfer-Kurzarbeitergeld nach § 111 SGB III und kannst die Zeit für eine Qualifizierung nutzen.
Die Zeit für eine geförderte Weiterbildung nutzen
Der Umbau in der Antriebstechnik verschiebt die gefragten Qualifikationen. Wer jetzt Kompetenzen in Digitalisierung und Prozessautomatisierung aufbaut, bleibt für die Industrie wertvoll und öffnet sich zugleich neue Branchen. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III hilft: Bei Bewilligung übernimmt die Agentur für Arbeit die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, zusätzlich gibt es 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat plus 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Betreuungskosten für Kinder werden mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (§ 87 SGB III).
Inhaltlich passt der Digitalisierungsmanager: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil. Es geht um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, gefragte Kompetenzen quer durch die Branchen. Wer in Richtung kaufmännische Führung will, schaut sich den Wirtschaftsfachwirt (IHK) an, der über das Aufstiegs-BAföG läuft und nicht über den Bildungsgutschein.
Häufige Fragen
Wie viele Stellen baut ZF ab?
In der Sparte für elektrifizierte Antriebstechnik sollen bis 2030 rund 7.600 Stellen wegfallen. Am Standort Saarbrücken wurde der ursprünglich befürchtete Abbau von 2.800 auf rund 825 Stellen reduziert. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen.
Gibt es bei ZF betriebsbedingte Kündigungen?
Nach der Einigung mit der IG Metall soll der Abbau über sozialverträgliche Wege wie Altersteilzeit und auslaufende Verträge laufen, ohne betriebsbedingte Kündigungen. Deine konkrete Situation klärst du am besten über Betriebsrat und IG Metall.
Bekomme ich während einer Weiterbildung weiter ALG 1?
Ja. Bei einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft das ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, dazu kommen Weiterbildungsgeld und Prämien für Zwischen- und Abschlussprüfung nach § 87a SGB III.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten vollständig. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.
Quellen
- produktion.de: ZF-Sanierungsplan, deutlich weniger Stellenabbau
- IG Metall: 20.000 Beschäftigte demonstrieren gegen Stellenabbau bei ZF
- Industriemagazin: Milliardenverlust und Stellenabbau, wie ZF sein Kerngeschäft umbaut
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