Der Insolvenzantrag von paragon in Delbrück betrifft auch die Beschäftigten in Suhl: Drei Gesellschaften der Gruppe haben am 7. September 2026 beim Amtsgericht Paderborn Anträge gestellt, und das Gericht hat noch am selben Tag einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Eröffnet ist keines der drei Verfahren, und an diesem Unterschied hängt, welche Regeln für dich heute gelten und welche erst später. Dieser Text sortiert, was belegt ist, und zeigt, was daraus für Beschäftigte folgt.

Er ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Verbindliche Auskünfte zu deinem Arbeitsverhältnis geben der Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, auch wir nicht.

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Was am 7. September in Paderborn beantragt wurde

Am 7. September 2026 hat paragon beim Amtsgericht Paderborn beantragt, Insolvenzverfahren über das Vermögen von drei Gesellschaften zu eröffnen, als Grund nennt die Ad-hoc-Mitteilung Zahlungsunfähigkeit. Es sind genau drei: die börsennotierte Muttergesellschaft paragon GmbH & Co. KGaA und die Tochterunternehmen paragon electronic GmbH und paragon movasys GmbH, alle mit Sitz in Delbrück im Kreis Paderborn.

Laut Corporate News vom selben Tag betrifft das die deutschen Standorte Delbrück, Suhl, Landsberg am Lech, Limbach, Nürnberg und St. Georgen mit insgesamt 552 Beschäftigten, darunter 21 Auszubildende und Praktikanten. Für Suhl, einen Produktionsstandort auf dem Friedberg, nennt inSüdthüringen unter Berufung auf Unternehmensangaben mehr als 250 Beschäftigte, für die übrigen Standorte ist keine Einzelzahl veröffentlicht.

Die 552 sind die Beschäftigten der drei Gesellschaften an diesen sechs Standorten, keine Zahl wegfallender Stellen. Gekündigt ist nach den Quellen bis zum 14. September 2026 niemand.

Offen ist, welche der drei Gesellschaften an welchem Standort Arbeitgeber ist, das steht in keiner öffentlichen Quelle. Die Antwort findest du im Arbeitsvertrag oder auf der Gehaltsabrechnung. Unternehmen mit ähnlichem Namen aus anderen Branchen haben mit den Anträgen nichts zu tun.

Antrag gestellt, eröffnet ist nichts

Ein Insolvenzantrag bittet das Gericht, ein Verfahren zu eröffnen, und bis es entscheidet, läuft das Insolvenzeröffnungsverfahren. Das Gericht hat am 7. September Sicherungsmaßnahmen nach Paragraf 21 und 22 InsO angeordnet und in allen drei Verfahren Martin Mucha aus Stuttgart zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Verfügungen der Gesellschaften über ihr Vermögen sind seitdem nur noch mit seiner Zustimmung wirksam. Die Geschäftsführung kann also nicht mehr allein verfügen. Sie geht nach ihrer Ad-hoc-Mitteilung davon aus, dass die Geschäftstätigkeit fortgeführt wird. Das ist eine Erwartung, eine Zusage ist es nicht.

Für das Insolvenzgeld zählt ein anderer Zeitpunkt. Nach Paragraf 165 SGB III deckt es offenes Arbeitsentgelt für die drei Monate vor dem Insolvenzereignis, und das ist die Eröffnung des Verfahrens oder die Abweisung des Antrags mangels Masse. Ein gestellter Antrag gehört nicht dazu. Heute lässt sich deshalb kein Insolvenzgeld beantragen, und die Antragsfrist von zwei Monaten nach Paragraf 324 Absatz 3 SGB III hat noch nicht begonnen.

Sie beginnt erst mit dem Insolvenzereignis. Wer sie später aus Gründen versäumt, die er nicht selbst zu vertreten hat, kann den Antrag binnen zwei Monaten nach Wegfall des Hindernisses nachholen.

Ob Löhne bis zur Eröffnung über eine Vorfinanzierung des späteren Insolvenzgeldes gezahlt werden, dazu gibt es bis zum 14. September 2026 keine öffentliche Aussage des vorläufigen Insolvenzverwalters. Die Belegschaft informiert dazu der vorläufige Verwalter, nachfragen kannst du über Betriebsrat oder Personalabteilung.

Eine Eröffnung erscheint als neue amtliche Bekanntmachung unter insolvenzbekanntmachungen.de. Mit ihr wird auch ein Insolvenzverwalter bestellt, ob es dieselbe Person wird, ist offen.

Fristen, die an deinem Arbeitsverhältnis hängen

Diese Fristen laufen erst, wenn sich an deinem Arbeitsverhältnis etwas ändert. Einige sind sehr kurz, deshalb lohnt es sich, sie vorher zu kennen.

Arbeitsuchend melden musst du dich nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses. Erfährst du vom Ende weniger als drei Monate vorher, gilt eine Frist von drei Tagen ab dieser Kenntnis. Die Pflicht besteht auch, wenn du gegen eine Kündigung klagst oder der Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung in Aussicht stellt. Wer sich zu spät meldet, riskiert nach Paragraf 159 Absatz 6 SGB III eine Sperrzeit von einer Woche. Die kostenfreie Servicenummer der Agentur für Arbeit ist 0800 4 5555 00.

Gegen eine Kündigung bleiben drei Wochen ab Zugang der schriftlichen Kündigung für die Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG). Verstreicht diese Frist, gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam. Ein Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen, deshalb vor der Unterschrift prüfen lassen.

Für die Kündigungsfrist gilt, solange nur Anträge vorliegen, das Übliche: dein Vertrag, gegebenenfalls ein Tarifvertrag und Paragraf 622 BGB mit seiner Staffel nach Betriebszugehörigkeit. Die Begrenzung auf drei Monate zum Monatsende nach Paragraf 113 InsO greift erst in einem eröffneten Verfahren. Endet ein Arbeitsverhältnis, beträgt das Arbeitslosengeld rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent.

Was aus Fertigung, Qualitätswesen und Verwaltung mitgeht

paragon beschreibt sich als Anbieter von Lösungen für Automobilelektronik, Karosserie-Kinematik und Elektromobilität, genannt werden unter anderem Luftgütemanagement, Anzeige-Systeme und Batteriemanagement-Systeme. Welches Produkt an welchem Standort entsteht, ist öffentlich nicht belegt. Die folgende Einordnung beschreibt deshalb Tätigkeiten, die in einem solchen Betrieb typisch sind.

Wer elektronische Baugruppen prüft oder montiert und Prüfanlagen einrichtet, arbeitet bereits mit Messwerten und Prüfdaten, und von dort ist es nicht weit zu Prozessdaten und automatisierten Prüfabläufen. Serienlieferungen an Automobilhersteller bringen enge Qualitätsvorgaben, Reklamationen und Rückverfolgbarkeit mit sich. Wer Abweichungsberichte schreibt und Ursachen strukturiert sucht, hat das Handwerkszeug für Prozessanalyse. Ein großer Teil der Arbeit liegt gar nicht in der Fertigung: Auf seiner Karriereseite führt paragon auch Einkauf, Logistik, Entwicklung, IT, Finanzen und Controlling, Personal und Administration auf. Materialplanung, Berichtswesen und Belegverarbeitung folgen wiederkehrenden Regeln, und genau solche Abläufe lassen sich mit Workflow-Werkzeugen automatisieren.

Hier kann eine geförderte Weiterbildung ansetzen, wenn du dich in diese Richtung entwickeln willst. Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz dauert vier Monate in Vollzeit, montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, umfasst 720 Unterrichtseinheiten, läuft komplett online, setzt keine Programmierkenntnisse voraus und ist DEKRA-zertifiziert. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt. Bei bewilligtem Bildungsgutschein liegt dein Eigenanteil bei 0 Euro, ob bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Neben einer laufenden Vollzeitstelle lässt sich der Kurs nicht belegen.

Gefördert werden kann nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III auch, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, vorausgesetzt, die Agentur für Arbeit hat dich vor Beginn beraten. Wer Arbeitslosengeld bezieht, kann es während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter beziehen (Paragraf 144 SGB III), wobei je zwei Tage dieses Bezugs die Anspruchsdauer um einen Tag mindern (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).

Eine Weiterbildung ist eine Option unter mehreren, für manche ist der direkte Wechsel in einen anderen Betrieb der kürzere Weg. Mehr zur Lage in der Industrie steht in unserer Übersicht für Industriebeschäftigte.

Drei Aktenzeichen und ein erster Handgriff

Beim Amtsgericht Paderborn liegen drei getrennte Verfahren: 97 IN 318/26 für die paragon electronic GmbH, 97 IN 319/26 für die paragon movasys GmbH und 97 IN 320/26 für die paragon GmbH & Co. KGaA. Heute stehen alle drei an derselben Stelle, am selben Tag angeordnet, mit demselben vorläufigen Insolvenzverwalter. Das muss nicht so bleiben. Eröffnet wird jedes Verfahren für sich, und an der Eröffnung hängt, ab wann Insolvenzgeld beantragt werden kann.

Deshalb halten wir den Blick in den eigenen Arbeitsvertrag für den wichtigsten Handgriff dieser Wochen. Welche Gesellschaft dort als Arbeitgeber steht, entscheidet, welches Aktenzeichen dich betrifft. Das gilt an jedem der sechs Standorte.

Die Zeit bis zur Entscheidung des Gerichts würden wir niemandem als reine Wartezeit empfehlen. Zeugnisse zusammentragen, aufschreiben, was du aus Fertigung, Qualitätswesen oder Disposition mitbringst, und dich bei der Agentur für Arbeit beraten lassen: Das kostet nichts, solange der Betrieb weiterläuft, und spart Wochen, falls es anders kommt.

Häufige Fragen

Was bedeutet der vorläufige Insolvenzverwalter für meinen Lohn?

Dein Arbeitsvertrag besteht unverändert weiter, Arbeitgeber bleibt die Gesellschaft, die darin genannt ist. Neu ist, dass Verfügungen der drei Gesellschaften über ihr Vermögen nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam sind. Eine öffentliche Aussage von ihm zu Lohnzahlungen oder zu einer Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes gibt es bis zum 14. September 2026 nicht, frag im Zweifel über Betriebsrat oder Personalabteilung nach.

Ab wann kann ich Insolvenzgeld beantragen?

Erst ab dem Insolvenzereignis, also ab der Eröffnung des Verfahrens oder der Abweisung des Antrags mangels Masse (Paragraf 165 SGB III). Dann gilt eine Antragsfrist von zwei Monaten nach Paragraf 324 Absatz 3 SGB III, bei unverschuldetem Versäumnis lässt sich der Antrag nachholen. Solange nur Anträge vorliegen, läuft diese Frist nicht.

Woran erkenne ich, dass ein Verfahren eröffnet wurde?

An einer neuen amtlichen Bekanntmachung des Amtsgerichts Paderborn unter insolvenzbekanntmachungen.de, zu finden über die drei Aktenzeichen. Stand 14. September 2026 gibt es zu keinem davon eine Veröffentlichung nach der Anordnung vom 7. September.

Welche Gesellschaften sind von den Anträgen erfasst?

Genau drei, alle mit Sitz in Delbrück: die paragon GmbH & Co. KGaA, die paragon electronic GmbH und die paragon movasys GmbH. Die paragon GmbH, die als persönlich haftende Gesellschafterin die KGaA vertritt, hat selbst keinen Antrag gestellt. Unternehmen mit ähnlichem Namen aus anderen Branchen haben mit den Verfahren nichts zu tun.

Was gilt für Auszubildende und Praktikanten?

Unter den 552 Beschäftigten sind laut Unternehmen 21 Auszubildende und Praktikanten. Für Fragen zur Fortsetzung der Ausbildung sind die zuständige Kammer und die Agentur für Arbeit die richtigen Ansprechpartner.

Quellen

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