Das Modehaus Warth in Biberach hat Insolvenz beantragt, und das Amtsgericht Ravensburg hat am 29. September 2026 einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Eröffnet ist das Verfahren nicht. Dieser Text trennt, was heute gilt, von dem, was erst mit einer Eröffnung gelten würde.

Er ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Verbindlich beraten dich der Betriebsrat, sofern es einen gibt, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, auch wir nicht.

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Was das Amtsgericht Ravensburg angeordnet hat

Laut WOCHENBLATT hat die Modehaus Keller-Warth GmbH beim Amtsgericht Ravensburg die Eröffnung des Insolvenzverfahrens „über das eigene Vermögen“ beantragt. Am Dienstag, 29. September 2026, ordnete das Gericht Sicherungsmaßnahmen an und bestellte Rechtsanwalt Michael Winterhoff aus Ulm zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Am Montag, 5. Oktober 2026, informierte Warth laut Schwäbischer Zeitung die Belegschaft über den Insolvenzantrag. Nach Angaben des Unternehmens beschäftigt die GmbH knapp 90 Menschen und betreibt unter der Marke WARTH 14 Stores an sieben Standorten in Süddeutschland: Biberach, Ravensburg, Laupheim, Riedlingen, Oberjoch, Überlingen und Freiburg.

Diese Unternehmensangabe ist die Zahl aller Beschäftigten, keine Zahl wegfallender Stellen. Wie viele davon in Teilzeit oder als Aushilfe arbeiten, sagt keine Quelle.

„Wir schauen uns jetzt alle Geschäfte und Strukturen genau an und überlegen uns die nächsten Schritte“, zitiert die Schwäbische Zeitung den vorläufigen Insolvenzverwalter. Laut der Zeitung hält er es für nicht ausgeschlossen, dass einzelne Standorte aufgegeben werden müssen. Welche, ist offen, eine beschlossene oder angekündigte Schließung beschreiben die ausgewerteten Berichte nicht.

Antrag gestellt, nicht eröffnet: was das für dich heißt

Bis das Gericht über den Antrag entscheidet, läuft das Antragsverfahren. Für diese Phase hat es laut Insolvenzbekanntmachung den vorläufigen Insolvenzverwalter mit einem Zustimmungsvorbehalt bestellt (Paragraf 21 Absatz 2 Nummer 1 und 2 InsO): Verfügungen der Gesellschaft über ihr Vermögen sind nur mit seiner Zustimmung wirksam. Dein Arbeitsverhältnis läuft mit seinen vertraglichen Bedingungen weiter, Zahlungen der Gesellschaft brauchen aber seine Zustimmung.

Für das Insolvenzgeld zählt ein späterer Zeitpunkt. Nach Paragraf 165 SGB III deckt es offenes Arbeitsentgelt für die drei Monate des Arbeitsverhältnisses vor dem Insolvenzereignis, und das ist die Eröffnung oder die Abweisung des Antrags mangels Masse. Der Antrag allein gehört nicht dazu, die Ausschlussfrist von zwei Monaten für den Insolvenzgeldantrag (Paragraf 324 Absatz 3 SGB III) hat deshalb noch nicht begonnen.

Möglich ist im Antragsverfahren eine Vorfinanzierung: Beschäftigte treten ihre Lohnansprüche an eine Bank ab, die den Lohn auszahlt und später das Insolvenzgeld erhält, mit Zustimmung der Agentur für Arbeit (Paragraf 170 Absatz 4 SGB III). Zu einer Vorfinanzierung bei Warth und zu den Gehältern enthalten die Berichte nichts.

Eröffnet das Gericht, ernennt es einen Insolvenzverwalter (Paragraf 27 Absatz 1 InsO). Erst dann gilt nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts die verkürzte Kündigungsfrist nach Paragraf 113 InsO, höchstens drei Monate zum Monatsende, wenn nicht eine kürzere Frist maßgeblich ist. Die Vorschrift betrifft die Frist sowie vereinbarte Vertragsdauern und Kündigungsausschlüsse, den allgemeinen Kündigungsschutz hebt sie nicht auf. Bis dahin zählen dein Arbeitsvertrag, gegebenenfalls ein Tarifvertrag und Paragraf 622 BGB.

Eine Eröffnung erscheint als neue Bekanntmachung auf insolvenzbekanntmachungen.de, zu finden über „Keller-Warth“ mit Bindestrich oder das Aktenzeichen.

Arbeitgeberin ist nach den Quellen die Modehaus Keller-Warth GmbH, WARTH ist die Marke. Welche Gesellschaft für dich gilt, steht in Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung.

Diese Fristen gelten, sobald sich etwas ändert

Von Kündigungen berichten die ausgewerteten Quellen nicht. Einige Fristen sind aber so kurz, dass du sie vorher kennen solltest.

Arbeitsuchend melden musst du dich nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses. Erfährst du das Enddatum mit weniger als drei Monaten Vorlauf, gilt eine Frist von drei Tagen ab Kenntnis. Die Pflicht besteht auch, wenn du gegen eine Kündigung klagst oder der Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung in Aussicht stellt. Wer sich zu spät meldet, riskiert eine Sperrzeit von einer Woche (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III). Die kostenfreie Servicenummer der Agentur für Arbeit lautet 0800 4 5555 00.

Gegen eine Kündigung kannst du binnen drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung klagen (Paragraf 4 KSchG), danach gilt sie nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam. Ein Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III), lass ihn vor der Unterschrift prüfen. Arbeitslosengeld gibt es erst nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses, es beträgt rund 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).

Beratung, Einkauf, Filiale: was sich mitnehmen lässt

Der Inhaber Günter Warth sagt über die Beschäftigten, sie beraten „mit Leidenschaft“ und „sind nah bei den Menschen“. Wer in der Modeberatung arbeitet, erkennt in der Regel Bedarf, pflegt Stammkundschaft und löst Beschwerden. Darauf baut jede Arbeit mit Kundendaten und CRM-Systemen auf, auch außerhalb des Handels. Im Einkauf eines Modehauses werden Abverkaufszahlen gelesen, Mengen und Größen geplant und Saisonware disponiert. Das ist Arbeit mit Daten und Prognosen. In den Filialen gehören Dienstpläne, Kassenabschluss, Warenannahme und Umlagerungen typischerweise zum Alltag, wiederkehrende Abläufe mit festen Regeln. Im Onlinehandel und in der Verwaltung eines Modehauses fallen Produktdaten, Retouren und Belege an.

Solche Abläufe sind das Feld der Prozessautomatisierung. Wer dorthin wechseln will, kann eine geförderte Weiterbildung prüfen. Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz umfasst 720 Unterrichtseinheiten, läuft komplett online, setzt keine Programmierkenntnisse voraus und ist DEKRA-zertifiziert. Er dauert vier Monate in Vollzeit, alternativ rund 29 Wochen in Teilzeit am Vormittag. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt. Bei bewilligtem Bildungsgutschein liegt der Eigenanteil bei 0 Euro, über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Gefördert werden kann nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III auch, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn, und auch hier entscheidet sie im Einzelfall. Wer noch beschäftigt ist, klärt in diesem Gespräch, ob und wie ein Kurs während der Kündigungsfrist machbar ist, denn auch die Teilzeitform begründet keinen Anspruch auf Förderung neben dem Job. Beziehst du Arbeitslosengeld, kannst du es während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter erhalten (Paragraf 144 SGB III), wobei je zwei Tage Weiterbildung die Anspruchsdauer um einen Tag mindern (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).

Eine Weiterbildung ist eine Option unter mehreren, für manche ist ein direkter Wechsel der kürzere Weg. Allgemeine Hinweise sammelt unser Ratgeber zu Fristen und Ansprüchen, einen regionalen Überblick gibt die Seite zur Förderung der Weiterbildung in Baden-Württemberg.

Unsere Sicht auf die Wochen bis zur Entscheidung

Leicht verwechseln lassen sich in diesem Fall zwei ähnlich klingende Begriffe. Ein Antrag „über das eigene Vermögen“ heißt nur, dass die Gesellschaft ihn selbst gestellt hat, mit einer Eigenverwaltung hat das nichts zu tun: Bestellt ist ein vorläufiger Insolvenzverwalter. Fragen zu Gehalt, Urlaub oder Vertrag stellst du in dieser Phase am besten schriftlich, denn jetzt zählt, was dokumentiert ist.

Bloßes Abwarten würden wir niemandem empfehlen. Eröffnet ist nichts, die Stores sind laut Unternehmen offen, und trotzdem hält der vorläufige Insolvenzverwalter laut Schwäbischer Zeitung die Aufgabe einzelner Standorte für nicht ausgeschlossen. Jetzt lässt sich ohne Druck sortieren: Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnungen heraussuchen, Kündigungsfrist nachlesen, Zeugnisse zusammentragen, einen Termin bei der Agentur für Arbeit an deinem Wohnort ausmachen. Bei Standorten von Freiburg bis Oberjoch ist das nicht für alle dieselbe Agentur.

Modeberatung klingt nach Handel, im Kern ist sie Kundenbeziehung. Als Haltung aus unserer Praxis, kein Messergebnis: Diese Fähigkeit wird in vielen Branchen gesucht, wenn sie mit dem Umgang mit Kundendaten und digitalen Werkzeugen zusammenkommt.

Häufige Fragen

Was bedeutet der vorläufige Insolvenzverwalter für mein Gehalt?

Dein Arbeitsverhältnis läuft mit seinen vertraglichen Bedingungen weiter. Neu ist, dass Verfügungen der Gesellschaft laut Insolvenzbekanntmachung nur mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam sind. Zu Lohnzahlungen oder einer Vorfinanzierung enthalten die Berichte nichts (Stand 14. Oktober 2026).

Ab wann kann ich Insolvenzgeld beantragen?

Ab dem Insolvenzereignis, also der Eröffnung oder der Abweisung des Antrags mangels Masse (Paragraf 165 SGB III), und dann innerhalb von zwei Monaten (Paragraf 324 Absatz 3 SGB III). Einen Vorschuss kann die Agentur für Arbeit vorher nur zahlen, wenn das Arbeitsverhältnis tatsächlich und rechtlich beendet ist und der Anspruch hinreichend wahrscheinlich besteht (Paragraf 168 SGB III), Kündigung oder Freistellung allein genügen nicht.

Was bedeutet der Antrag über das eigene Vermögen?

Er bedeutet, dass die Modehaus Keller-Warth GmbH den Antrag selbst gestellt hat. Das Amtsgericht Ravensburg hat dazu einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Wie viele Beschäftigte und Standorte betrifft der Antrag?

Nach Angaben des Unternehmens beschäftigt die Modehaus Keller-Warth GmbH knapp 90 Menschen und betreibt 14 Stores an sieben Standorten in Süddeutschland. Das ist keine Zahl wegfallender Stellen. Welche Auswirkungen das Verfahren auf Beschäftigte und Standorte hat, ist laut WOCHENBLATT noch offen.

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