Bei der Galeria-Insolvenz in Düsseldorf liegt bisher ein Antrag vor, eröffnet ist das Verfahren nicht. Dieser Text trennt, was nach dem Antrag vom 2. Oktober 2026 und der Meldung zum Insolvenzgeld vom 13. Oktober heute für die Beschäftigten gilt, von dem, was erst mit einer Eröffnung gelten würde.

Eine arbeitsrechtliche Beratung kann dieser Ratgeber nicht ersetzen. Verbindlich beraten dich der Betriebsrat, ver.di als zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in eine neue Stelle kann niemand garantieren.

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Was am 2. Oktober beim Amtsgericht Düsseldorf geschehen ist

Laut dpa hat Galeria am Freitag, 2. Oktober 2026, beim Amtsgericht Düsseldorf wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag gestellt. Laut Bekanntmachung des Gerichts (Aktenzeichen 502 IN 258/26) wurden noch am selben Tag um 16:39 Uhr die vorläufige Verwaltung angeordnet und Dr. Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der 5. Oktober, den manche Berichte als Tag der Anordnung nennen, ist der Tag der Veröffentlichung.

Das Verfahren betrifft laut Bekanntmachung die GALERIA S.à r.l. & Co. KG. Der Betrieb in den 83 Filialen in 70 Städten läuft laut dpa vorerst weiter. Laut weiteren Bekanntmachungen folgten am 6. Oktober beim selben Gericht Anordnungen derselben Art für die GALERIA Markthalle GmbH & Co. KG und die GALERIA Restaurant GmbH & Co. KG, mit demselben vorläufigen Insolvenzverwalter.

Vorläufige Verwaltung und Insolvenzgeld: was heute gilt

Bis das Gericht über die Eröffnung entscheidet, läuft das Antragsverfahren, und für diese Zeit kann es einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen (Paragraf 21 Absatz 2 InsO). Bei der GALERIA S.à r.l. & Co. KG hat es laut Bekanntmachung einen Zustimmungsvorbehalt angeordnet: Verfügungen über das Vermögen sind nur mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam (Paragraf 21 Absatz 2 Nummer 2 InsO). Die Verfügungsbefugnis ist damit nicht auf ihn übergegangen. Laut BR24 prüft er, ob Gründe für eine Eröffnung vorliegen und die Verfahrenskosten gedeckt sind. Bis zur Entscheidung dauert es laut BR24 in der Regel bis zu drei Monate.

Insolvenzgeld deckt nach Paragraf 165 SGB III offenes Arbeitsentgelt aus den drei Monaten vor dem Insolvenzereignis. Das ist die Eröffnung des Verfahrens oder die Abweisung des Antrags mangels Masse, der Antrag allein zählt nicht.

Die Meldung vom 13. Oktober beschreibt deshalb eine Vorstufe. Ein Sprecher der Bundesagentur sagte laut dpa, „dem Grunde nach“ bestehe ein Anspruch. Der vorläufige Insolvenzverwalter sprach von der „Zustimmung der Agentur für Arbeit zur Zahlung des Insolvenzgeldes und zur Vorfinanzierung“, laut Galeria erhalten die Beschäftigten damit ihre Löhne für Oktober, November und Dezember.

Bei der Vorfinanzierung werden die Lohnansprüche an eine Bank abgetreten, die den Lohn auszahlt und später das Insolvenzgeld bekommt. Zustimmen darf die Agentur der Abtretung nur, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass dadurch ein erheblicher Teil der Arbeitsstellen erhalten bleibt (Paragraf 170 Absatz 4 SGB III). Ein Bescheid an einzelne Beschäftigte ist das nicht, und einen eigenen Antrag stellst du jetzt nicht. Üblicherweise beantragt die Bank das Insolvenzgeld binnen zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis (Paragraf 324 Absatz 3 SGB III), diese Frist läuft also noch nicht.

Welche Gesellschaft steht in deinem Arbeitsvertrag?

Laut Bundesagentur über dpa besteht der Anspruch auf Insolvenzgeld dem Grunde nach für 9.650 der derzeit 11.250 Beschäftigten, wer genau dazu gehört, schlüsseln die Berichte nicht auf. Für einen Teil der Belegschaft, laut dpa unter anderem die Gastronomie- und die Lebensmittelsparte, läuft ein separater Insolvenzantrag. Was für die übrigen rund 1.600 der 11.250 Beschäftigten gilt, sagt keine der ausgewerteten Quellen.

Deshalb zuerst der Blick in Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung: Die Gesellschaft, die dort als Arbeitgeberin steht, bestimmt, welches Verfahren und welche Zusage für dich gelten. Wer in Gastronomie oder Lebensmittelabteilung arbeitet, fragt am besten beim Betriebsrat oder bei ver.di nach, was für die eigene Gesellschaft gilt.

Bekommst du Unterlagen zur Abtretung deiner Lohnansprüche, lass sie dir im Zweifel vom Betriebsrat erklären, bevor du unterschreibst.

Fristen für den Fall, dass sich dein Arbeitsverhältnis ändert

Kündigungen beschreiben die ausgewerteten Berichte bisher nicht. Einige Fristen sind aber so kurz, dass du sie vorher kennen solltest.

Arbeitsuchend melden musst du dich nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III spätestens drei Monate vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses, auch wenn du gegen eine Kündigung klagst. Liegen zwischen Kenntnis und Ende weniger als drei Monate, gilt eine Frist von drei Tagen ab Kenntnis. Eine verspätete Meldung kann eine Sperrzeit von einer Woche auslösen (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III), die kostenfreie Servicenummer der Agentur für Arbeit lautet 0800 4 5555 00.

Für eine Kündigungsschutzklage bleiben drei Wochen ab Zugang der schriftlichen Kündigung (Paragraf 4 KSchG), danach gilt die Kündigung als von Anfang an wirksam (Paragraf 7 KSchG). Ein Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III). Das Arbeitslosengeld beträgt rund 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).

Bis zu einer Eröffnung gelten die Kündigungsfristen aus Arbeitsvertrag, gegebenenfalls Tarifvertrag und Paragraf 622 BGB. Paragraf 113 InsO, der die Frist auf höchstens drei Monate zum Monatsende begrenzt, wenn nicht eine kürzere Frist maßgeblich ist, gilt nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts erst nach Eröffnung. Ob eine Kündigung zulässig ist, regelt die Vorschrift nicht, den allgemeinen Kündigungsschutz hebt sie nicht auf.

Verkauf, Warenwirtschaft, Filialorganisation: was sich mitnehmen lässt

Neben den Warenhäusern gehören laut dpa eine Gastronomie- und eine Lebensmittelsparte zu Galeria. Was daraus für einzelne Beschäftigte folgt, ist abgeleitet.

Wer auf der Fläche verkauft, sortiert in der Regel täglich Kundenfragen über viele Sortimente und kennt Reklamation, Kasse und Kundenkarte, die Grundlage für einen Kundenservice, der zunehmend KI-gestützt läuft. Wareneingang, Nachbestellung, Abschriften und Inventur sind regelgebundene Abläufe auf strukturierten Daten. Genau dort setzt Prozessautomatisierung an. Wer eine Abteilung leitet, plant Personaleinsatz und liest Umsatzberichte, eine gute Basis, um Dashboards zu beurteilen. Lager, Retouren und Haustechnik führen in Logistik und Facility-Management, Gastronomie und Lebensmittelbereich bringen Hygienedokumentation und Kalkulation mit. In der Zentrale sind es Belege, Lieferantenkommunikation und Berichtswesen, Arbeiten mit hohem Automatisierungsanteil.

Wer in Richtung Prozessautomatisierung wechseln will, kann eine geförderte Weiterbildung prüfen, als eine Option unter mehreren. Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz umfasst 720 Unterrichtseinheiten, läuft komplett online, setzt keine Programmierkenntnisse voraus und ist DEKRA-zertifiziert. Er dauert vier Monate in Vollzeit, alternativ rund 29 Wochen in Teilzeit am Vormittag. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt. Wie du einen Bildungsgutschein beantragen kannst, steht in einem eigenen Ratgeber. Bei bewilligtem Bildungsgutschein liegt der Eigenanteil bei 0 Euro, über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Gefördert werden kann nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III auch, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn, und sie entscheidet im Einzelfall. Wer noch beschäftigt ist, klärt in dieser Beratung, ob eine Weiterbildung neben der laufenden Beschäftigung gefördert wird; auch die Teilzeitform begründet darauf keinen Anspruch.

Während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung kann Arbeitslosengeld, das es erst nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses gibt, weiter bezogen werden (Paragraf 144 SGB III). Je zwei Tage Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung mindern die Anspruchsdauer um einen Tag (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).

Allgemeine Hinweise sammelt auch unser Ratgeber zum Stellenabbau 2026.

Die Wochen bis zur Entscheidung des Gerichts

Vorerfahrung halten wir diesmal für einen unsicheren Ratgeber. Wer die Galeria-Verfahren von 2020, 2022 oder 2024 erlebt hat, sollte nicht von damals auf heute schließen: 2020 und 2022 begleitete Kebekus die Verfahren laut WDR als Sachwalter, heute ist er vorläufiger Insolvenzverwalter, und für die Entscheidung über das Insolvenzgeld war laut dpa heikel, dass die Folgen des Verfahrens von 2024 noch nicht abgeklungen sind.

Unsere Einschätzung aus der Praxis: Die Wochen vor dem Weihnachtsgeschäft sind vermutlich die ruhigste Phase dieses Verfahrens. Zeugnisse sammeln, notieren, welche Abteilungen, Sortimente oder Systeme du betreut hast, und dich bei der Agentur für Arbeit zu den Möglichkeiten bei drohender Arbeitslosigkeit beraten lassen: Das kostet nichts und legt dich auf nichts fest.

Häufige Fragen

Was bedeutet der vorläufige Insolvenzverwalter für meinen Lohn?

Dein Arbeitsverhältnis läuft mit den vereinbarten Bedingungen weiter, Arbeitgeber bleibt die Gesellschaft aus deinem Arbeitsvertrag. Laut Bekanntmachung des Gerichts sind Verfügungen über das Vermögen nur mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam. Laut Galeria erhalten die Beschäftigten nach der Zusage der Bundesagentur ihre Löhne für Oktober, November und Dezember, das Insolvenzgeld selbst hängt aber an der Eröffnung.

Gilt die Zusage zum Insolvenzgeld für alle Galeria-Beschäftigten?

Laut Bundesagentur für Arbeit über dpa besteht der Anspruch dem Grunde nach für 9.650 der 11.250 Beschäftigten; ein Bescheid an Einzelne ist das nicht, und das Insolvenzgeld selbst hängt an der Eröffnung. Für einen Teil der Belegschaft läuft laut dpa ein separater Antrag, was für die übrigen rund 1.600 der 11.250 gilt, ist offen. Welche Gesellschaft deine Arbeitgeberin ist, steht im Arbeitsvertrag und auf der Gehaltsabrechnung.

Wann entscheidet das Gericht über die Eröffnung?

Einen Termin nennt keine Quelle, laut BR24 dauert es bis zur Entscheidung in der Regel bis zu drei Monate. Eine Eröffnung erscheint als neue Bekanntmachung auf insolvenzbekanntmachungen.de unter dem Aktenzeichen 502 IN 258/26.

Steht schon fest, welche Filialen schließen?

Laut dpa ist offen, ob und welche Standorte schließen, eine Liste der Häuser, die im laufenden Verfahren schließen sollen, ist nicht veröffentlicht. Im Juli hatte Galeria laut tagesschau.de 33 Häuser auf den Prüfstand gestellt, die Entscheidung stand laut BR24 zuletzt noch aus.

Quellen

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