Die EKD-Insolvenz in Leipzig ist bislang ein Antragsverfahren: Sieben Gesellschaften der Gruppe Energiekonzepte Deutschland haben Insolvenzanträge gestellt, das Amtsgericht Leipzig hat die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet, eröffnet ist nichts (Stand 14. Oktober 2026). Hier steht, was das für Festangestellte und den Vertrieb bedeutet und welche Fristen schon zählen.

Der Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung, verbindlich helfen dir der Betriebsrat, sofern es einen gibt, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in eine neue Stelle kann niemand garantieren, auch wir nicht.

Was beim Amtsgericht Leipzig seit dem 2. Oktober passiert ist

Die Energiekonzepte Deutschland GmbH aus Leipzig stellte ihren Antrag am Freitag, 2. Oktober 2026, wie eine Sprecherin gegenüber Taucha kompakt bestätigte. Laut Insolvenzbekanntmachung ordnete das Amtsgericht Leipzig am 3. Oktober die vorläufige Insolvenzverwaltung an, am 5. Oktober dasselbe für fünf weitere Gesellschaften und am 6. Oktober für die siebte, stets mit demselben vorläufigen Insolvenzverwalter.

Die Pressemitteilung nennt sie nicht einzeln, laut Insolvenzbekanntmachungen sind es diese:

Die Teams arbeiten laut Pressemitteilung bundesweit, Hauptsitz ist Leipzig. Die Mitteilung nennt für die Gruppe rund 400 Festangestellte und im Unternehmensporträt für die GmbH rund 350, eine Sprecherin sprach am 2. Oktober gegenüber Taucha kompakt für die GmbH von ca. 340 Mitarbeitern. Für die übrigen Gesellschaften und die einzelnen Standorte nennt keine Quelle Zahlen.

Auslöser war nach Angaben der Gruppe, dass die Finanzierung durch den Investor nicht mehr gesichert werden konnte. Eigentümer ist laut Handelsblatt das Londoner Investmenthaus Pemberton.

Vorläufige Insolvenzverwaltung: was jetzt gilt und was erst mit der Eröffnung

Laut Insolvenzbekanntmachung hat das Gericht als Sicherungsmaßnahme bis zur Entscheidung über die Eröffnung einen allgemeinen Zustimmungsvorbehalt angeordnet (Paragraf 21 Absatz 2 Nummer 2 InsO): Verfügungen der Gesellschaften über ihr Vermögen sind nur mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam, der die Unternehmensführung überwacht. Die Geschäftsbetriebe laufen nach seinen Worten weiter, Ziel sei, „die Geschäftsbetriebe und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“. Für dich heißt das: Dein Arbeitsverhältnis läuft mit seinen Bedingungen weiter, Arbeitgeber bleibt die Gesellschaft aus deinem Vertrag.

Nach Paragraf 165 SGB III deckt das Insolvenzgeld offenes Arbeitsentgelt der letzten drei Monate des Arbeitsverhältnisses vor dem Insolvenzereignis, also vor der Eröffnung oder der Abweisung des Antrags mangels Masse. Der Antrag zählt nicht, die Zwei-Monats-Frist nach Paragraf 324 Absatz 3 SGB III läuft also noch nicht. Ein Vorschuss nach Paragraf 168 SGB III kommt vorher nur in Betracht, wenn das Arbeitsverhältnis tatsächlich und rechtlich beendet ist, Kündigung oder Freistellung allein genügen nicht.

Laut Pressemitteilung sind die Löhne und Gehälter der rund 400 Beschäftigten „über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert“, die Vorfinanzierung hat der vorläufige Insolvenzverwalter eingeleitet. Bei einer Vorfinanzierung zahlt eine Bank die Löhne gegen Abtretung der Lohnansprüche und erhält später das Insolvenzgeld. Die Abtretung braucht die Zustimmung der Agentur für Arbeit (Paragraf 170 Absatz 4 SGB III). Über die Einleitung hinaus sagen die verlinkten Quellen zur Vorfinanzierung bei EKD nichts Konkretes, auch nicht, ob die Agentur zugestimmt hat.

Insolvenzgeld deckt die letzten drei Monate vor dem Insolvenzereignis. Welche Monate das sind, steht erst fest, wenn das Gericht über die Eröffnung entschieden hat.

Wer im Vertrieb arbeitet, braucht zuerst seinen Vertrag

Neben den Festangestellten zählt die Pressemitteilung rund 1.000 Menschen im Vertrieb, die das Unternehmen als Vertriebspartner bezeichnet. Wie viele davon angestellt und wie viele selbstständig sind, sagt keine Quelle.

Insolvenzgeld steht nach Paragraf 165 SGB III Arbeitnehmern zu, das Kündigungsschutzgesetz schützt nach seinem Paragraf 1 Arbeitsverhältnisse, für Selbstständige gelten beide nicht. Ein Handelsvertretervertrag endet nach Handelsrecht, die gesetzlichen Kündigungsfristen dafür stehen in Paragraf 89 HGB. Arbeitslosengeld gibt es für Selbstständige nur, wenn sie ein Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag nach Paragraf 28a SGB III begründet haben.

Ob jemand selbstständig ist, entscheidet die Bezeichnung „Partner“ allein nicht. Nach Paragraf 84 Absatz 1 Satz 2 HGB ist selbstständig, „wer im wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann“; wer ohne diese Freiheit ständig Geschäfte vermittelt, gilt nach Absatz 2 als Angestellter. Wer tatsächlich Arbeitnehmer ist, hat die Rechte eines Arbeitnehmers. Bist du unsicher, leg Vertrag und Abrechnungen einem Fachanwalt für Arbeitsrecht oder einem auf Handelsvertreterrecht spezialisierten Anwalt vor.

Offene Provisionen und die Folgen einer Eröffnung für Vertriebsverträge sind Rechtsfragen im Einzelfall, zu denen sich keine Quelle äußert.

Die Fristen für Festangestellte

Kündigungen im Zusammenhang mit den Anträgen beschreiben die Berichte nicht. Manche Fristen solltest du trotzdem vorher kennen.

Arbeitsuchend melden musst du dich nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III spätestens drei Monate vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses, bei kürzerem Vorlauf binnen drei Tagen ab Kenntnis. Das gilt auch, wenn du klagst oder eine Weiterbeschäftigung in Aussicht steht. Wer sich zu spät meldet, riskiert eine Sperrzeit von einer Woche (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III). Die kostenfreie Servicenummer der Agentur für Arbeit ist 0800 4 5555 00.

Für eine Kündigungsschutzklage bleiben drei Wochen ab Zugang der schriftlichen Kündigung (Paragraf 4 KSchG), danach gilt sie als von Anfang an wirksam (Paragraf 7 KSchG). Ein Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen. Das Arbeitslosengeld beträgt rund 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent.

Bis zur Eröffnung gelten für die Kündigungsfrist dein Vertrag, ein eventueller Tarifvertrag und Paragraf 622 BGB. Erst nach einer Eröffnung kann der Insolvenzverwalter nach Paragraf 113 InsO mit höchstens drei Monaten zum Monatsende kündigen, wenn nicht eine kürzere Frist maßgeblich ist, den allgemeinen Kündigungsschutz hebt die Vorschrift nicht auf.

Nach der Kündigung: Weiterbildung über den Bildungsgutschein

Wer seinen Job verliert oder verlieren wird, kann bei der Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung beantragen. Das ist eine Möglichkeit unter mehreren, ob sie zu dir passt, hängt von deiner Lage ab. Der Fördercheck zeigt dir in einer Minute, welcher Förderweg für dich in Frage kommt, ohne Anmeldung.

Fördercheck starten Oder erst den Schnupperkurs ansehen

Fördercheck und Schnupperkurs sind kostenlos. Ob eine Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Eine Vermittlung in Arbeit können wir nicht garantieren.

Montage, Planung, Kundenservice: was sich mitnehmen lässt

Nach eigener Darstellung berät, plant und montiert EKD für Privathaushalte Solaranlagen, Stromspeicher, Wallboxen und Energiemanagement. Was daraus für Tätigkeiten folgt, leiten wir aus der Art des Betriebs ab. In der Montage entstehen bei Inbetriebnahme und Abnahme Protokolle nach festen Abläufen. Planung heißt Dachbelegung, Netzanmeldung und Termine mit vielen Beteiligten, ein Feld für Workflow-Werkzeuge mit Statusmeldungen und Fristenkontrolle. Vom Kundenservice ist der Weg zu KI-gestützter Ticketbearbeitung kurz. Wer im Vertrieb Ersparnisrechnungen erklärt, macht Daten verständlich. Lager und Logistik heißen Disposition und Tourenplanung, Buchhaltung, IT oder Personal sind branchenneutral.

Wer in Richtung Prozessautomatisierung wechseln möchte, kann eine geförderte Weiterbildung prüfen, als eine Option unter mehreren. Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz umfasst 720 Unterrichtseinheiten, läuft komplett online, setzt keine Programmierkenntnisse voraus, ist DEKRA-zertifiziert und dauert vier Monate in Vollzeit, alternativ rund 29 Wochen in Teilzeit am Vormittag. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt. Bei bewilligtem Bildungsgutschein liegt der Eigenanteil bei 0 Euro, die Agentur für Arbeit entscheidet im Einzelfall.

Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III ist eine Förderung auch möglich, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, nach einer Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn. Sie entscheidet im Einzelfall. Wer noch beschäftigt ist, klärt dort, ob und wie ein Kurs während der Kündigungsfrist machbar ist, denn auch die Teilzeitform ist kein Anspruch auf Förderung neben dem Job. Arbeitslosengeld kann während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter bezogen werden (Paragraf 144 SGB III), je zwei Tage dieses Bezugs mindern die Anspruchsdauer um einen Tag (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).

Allgemeines zu Fristen und Ansprüchen sammelt unser Ratgeber für Beschäftigte in der Industrie, regional hilft der Überblick zur Förderung der Weiterbildung in Sachsen.

Was wir für die nächsten Wochen raten

Den Blick in den eigenen Vertrag halten wir hier für den wichtigsten Handgriff, im Büro, auf der Baustelle und im Vertrieb. Unter einer Marke stehen sieben Gesellschaften und sehr verschiedene Verträge.

Genauso nützlich ist eine eigene Liste, welche Monate bezahlt und welche Überstunden, Urlaubstage oder Sonderzahlungen offen sind.

Bloßes Abwarten würden wir niemandem raten. Zeugnisse sammeln und ein Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit kosten nichts.

Häufige Fragen

Was bedeutet der vorläufige Insolvenzverwalter für meinen Lohn?

Dein Arbeitsverhältnis läuft weiter, Verfügungen deines Arbeitgebers über sein Vermögen brauchen laut Insolvenzbekanntmachung aber die Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters. Laut Pressemitteilung hat er die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes eingeleitet, eine Zustimmung der Agentur für Arbeit belegt keine Quelle. Der Anspruch auf Insolvenzgeld entsteht erst mit dem Insolvenzereignis.

Ab wann kann ich Insolvenzgeld beantragen?

Ab dem Insolvenzereignis, also ab Eröffnung oder Abweisung mangels Masse, dann innerhalb von zwei Monaten (Paragraf 324 Absatz 3 SGB III). Den 1. Dezember nennt die Pressemitteilung nur als voraussichtlichen Eröffnungstermin. Eine Eröffnung erscheint als neue Veröffentlichung auf insolvenzbekanntmachungen.de.

Welche der sieben Gesellschaften ist mein Arbeitgeber?

Das steht in deinem Arbeitsvertrag und auf deiner Gehaltsabrechnung. Laut Insolvenzbekanntmachungen sind alle sieben im selben Stadium beim selben Gericht mit demselben vorläufigen Insolvenzverwalter, jede hat aber ein eigenes Aktenzeichen.

Was gilt für Menschen, die für EKD im Vertrieb arbeiten?

Das hängt am Vertrag. Für Selbstständige gelten Insolvenzgeld und Kündigungsschutz nicht, wer tatsächlich Arbeitnehmer ist, hat die Rechte eines Arbeitnehmers. Bist du unsicher, lass Vertrag und Abrechnungen von einem Fachanwalt prüfen.

Quellen

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