Laut Creditreform meldeten 2025 rund 2.900 Gastronomiebetriebe Insolvenz an, der höchste Stand seit 2011 und das vierte Anstiegsjahr in Folge. Hinter der Gastronomie Insolvenz 2026 stehen konkrete Betriebe und konkrete Menschen, vom Koch bis zur Servicekraft. Wenn dein Restaurant oder deine Gaststätte in Schieflage geraten ist oder du um deinen Platz bangst, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.
Vorab, damit die Erwartung stimmt: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu deinem Arbeitsverhältnis, zum Insolvenzgeld oder zu einem Aufhebungsvertrag sind der Insolvenzverwalter, dein Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.
Auf einen Blick: Die Gastronomie steckt in einer Dauerkrise. Laut Creditreform meldeten 2025 rund 2.900 Gastronomiebetriebe Insolvenz an, der höchste Stand seit 2011 und das vierte Anstiegsjahr in Folge, ein Plus von rund 29,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Seit 2020 summieren sich mehr als 11.200 Verfahren. Der DEHOGA verweist auf um bis zu 40 Prozent gestiegene Kosten für Wareneinsatz, Personal und Energie seit 2022. Die Firmeninsolvenzen insgesamt stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 7,8 Prozent auf rund 12.900 Fälle, den höchsten Halbjahreswert seit 2013.
Warum so viele Betriebe aufgeben
Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild. Laut Creditreform meldeten 2025 rund 2.900 Gastronomiebetriebe Insolvenz an. Das ist der höchste Stand seit 2011 und bereits das vierte Anstiegsjahr in Folge, ein Plus von rund 29,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2020 summieren sich mehr als 11.200 Verfahren.
Woran es liegt, benennt der DEHOGA klar. Die Kosten für Wareneinsatz, Personal und Energie sind seit 2022 um bis zu 40 Prozent gestiegen. Viele Betriebe schaffen es nicht mehr, diese Kosten über die Preise hereinzuholen, ohne Gäste zu verlieren.
Die Gastronomie steht dabei nicht allein. Die Firmeninsolvenzen insgesamt stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 7,8 Prozent auf rund 12.900 Fälle, den höchsten Halbjahreswert seit 2013.
Für dich als Beschäftigten heißt das nicht, dass dein Betrieb morgen dran ist. Es heißt, dass es sich lohnt, die eigene Absicherung zu kennen, bevor sie akut wird. Beispiele wie Revo Hospitality und der Eura Döner Hof zeigen, wie schnell aus einer angespannten Lage ein Verfahren werden kann.
Wenn dein Arbeitgeber insolvent wird
Ist dein Arbeitgeber insolvent, greift das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III. Es sichert bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt vor dem Insolvenzereignis. Gerade in der Gastronomie, wo Löhne manchmal ohnehin knapp bemessen sind, ist das eine wichtige Absicherung.
Achte auf die Frist. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit binnen zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Der Insolvenzverwalter informiert über den Ablauf. Frag nach, wenn etwas unklar ist.
Sobald ein Enddatum feststeht
Sobald du weißt, dass dein Arbeitsverhältnis endet, meldest du dich innerhalb von drei Tagen bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Versäumst du diese Frist, droht eine Sperrzeit. Die kostenlose Hotline erreichst du unter 0800 4 5555 00.
Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind sind es 67 Prozent. Die genaue Höhe rechnet dir die Agentur für Arbeit aus.
Wird dir ein Aufhebungsvertrag angeboten, unterschreib nicht sofort. Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass ihn vorher prüfen. Gerade in der Gastronomie werden solche Verträge oft schnell und formlos angeboten, umso wichtiger ist es, sie in Ruhe von Betriebsrat, Gewerkschaft oder einem Fachanwalt anschauen zu lassen.
Küche und Service: dein Wissen neu einsetzen
In Küche und Service steckt mehr Können, als von außen sichtbar ist. Als Koch, Servicekraft oder Küchenhilfe arbeitest du unter Zeitdruck, koordinierst Abläufe, behältst den Überblick über viele Vorgänge gleichzeitig und gehst mit Gästen und Kollegen souverän um. Diese Fähigkeiten sind übertragbar, auch in Berufe, die auf den ersten Blick weit weg wirken.
Gerade in Betrieben mit Verwaltung, Einkauf und Warenwirtschaft verändert sich Arbeit gerade grundlegend. Vieles läuft künftig über automatisierte Prozesse und KI-gestützte Systeme. Wer diese Systeme versteht und mitgestalten kann, findet neue Wege.
Hier setzt der Digitalisierungsmanager an.
Die Weiterbildung dauert vier Monate, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und läuft komplett online. Programmierkenntnisse brauchst du nicht. Der Schwerpunkt liegt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Das sind Fähigkeiten, die in vielen Branchen gerade knapp werden und die einen Weg aus der körperlich fordernden Schichtarbeit eröffnen können. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten, dein Eigenanteil liegt dann bei 0 Euro. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (Paragraf 87a SGB III). Hast du Kinder, wird die Betreuung mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (Paragraf 87 SGB III).
Ein ehrliches Wort aus der Praxis: Wer aus der Gastronomie kommt, bringt oft eine Belastbarkeit und ein Organisationstalent mit, das in vielen Bürojobs fehlt, unterschätzt aber, wie ungewohnt vier Monate konzentriertes Lernen am Bildschirm nach Jahren im Schichtdienst sein können. Es lohnt sich vor allem dann, wenn du den Wechsel wirklich willst.
Weiterbildung ist eine Option, kein Muss
Ob eine Weiterbildung der richtige Weg ist, entscheidest du. In der Gastronomie werden Fachkräfte gesucht, viele finden schnell wieder eine Stelle im Beruf. Andere nutzen den Einschnitt für einen Wechsel raus aus dem Schichtdienst. Der Digitalisierungsmanager ist eine Möglichkeit unter mehreren, kein Zwang.
Wenn du diese Möglichkeit prüfen willst, führt der Weg über deinen Vermittler bei der Agentur für Arbeit. Der Bildungsgutschein ist eine Ermessensentscheidung, einen automatischen Anspruch gibt es nicht. Deshalb lohnt es sich, im Beratungsgespräch klar zu sagen, warum die Weiterbildung zu deinem beruflichen Ziel passt.
Nimm dir Zeit für diese Entscheidung. Du musst nichts überstürzen.
Häufige Fragen
Wie viele Gastronomiebetriebe sind 2025 insolvent gegangen?
Laut Creditreform rund 2.900, der höchste Stand seit 2011 und das vierte Anstiegsjahr in Folge, ein Plus von rund 29,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Seit 2020 summieren sich mehr als 11.200 Verfahren.
Bekomme ich mein Gehalt, wenn mein Betrieb insolvent wird?
Rückständige Löhne der letzten drei Monate vor dem Insolvenzereignis sichert das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit binnen zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Der Insolvenzverwalter informiert über den Ablauf.
Warum geben so viele Restaurants auf?
Der DEHOGA verweist auf um bis zu 40 Prozent gestiegene Kosten für Wareneinsatz, Personal und Energie seit 2022. Viele Betriebe können diese Kosten nicht über die Preise ausgleichen, ohne Gäste zu verlieren. Das führt in Verbindung mit schwacher Nachfrage zu den steigenden Insolvenzzahlen.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt dann die kompletten Lehrgangskosten. Die Weiterbildung dauert vier Monate, läuft komplett online, und Programmierkenntnisse sind nicht nötig. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, prüft die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Quellen
- Creditreform: Dauerkrise in der Gastronomie, mehr als 11.000 Insolvenzen seit 2020
- ZDFheute: Gastronomie-Pleiten, Restaurants unter Druck
- HOGAPAGE: Gastro-Insolvenzen auf Rekordniveau
- Creditreform: Insolvenzen in Deutschland, 1. Halbjahr 2026
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