Ein Abschluss der IHK für Oberfranken Bayreuth
Den Geprüften Berufsspezialisten für Industrielle Transformation (IHK) gibt es nicht als Bundesverordnung, sondern als Rechtsvorschrift einer Kammer. Die IHK für Oberfranken Bayreuth hat sie nach § 54 BBiG erlassen, beschlossen vom Berufsbildungsausschuss am 5. Juli 2024. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie hat sie am 26. November 2024 genehmigt und nach § 54 Abs. 3 Nr. 1 BBiG bestätigt. Erst diese Bestätigung erlaubt die Bezeichnung „Geprüfter Berufsspezialist für“.
Der Abschluss steht auf der ersten Fortbildungsstufe der höherqualifizierenden Berufsbildung und ist dem DQR-Niveau 5 zugeordnet.
Zuständig ist die IHK für Oberfranken Bayreuth für Prüfungsbewerber, die im Kammerbezirk wohnen, dort beschäftigt sind oder dort einen Lehrgang im Direktunterricht besuchen. Bewerber, für die eine andere IHK zuständig ist, können nach Angabe der IHK nur in Ausnahmefällen von ihrer Heimatkammer freigestellt werden. Unser Lehrgang richtet sich deshalb an Teilnehmer, die in Oberfranken wohnen oder arbeiten. Die Prüfung legen Sie bei der IHK für Oberfranken Bayreuth ab.
Prüfungsinhalte nach der Rechtsvorschrift
Die Rechtsvorschrift beschreibt das Berufsbild an der Schnittstelle von kaufmännischen und gewerblich-technischen Bereichen: die digitale Transformation einzelner Industriezweige beurteilen, Daten mit industriellen Anwendungssystemen entlang der Wertschöpfung managen, Datenschutz und Datensicherheit auch bei cyber-physischen Systemen gewährleisten und betriebliche Prozesse in bereichsübergreifenden Teams bearbeiten. Geprüft wird in vier Handlungsbereichen (§ 4). Zwei sind für alle gleich, von den anderen beiden legen Sie einen ab.
Im ersten gemeinsamen Bereich geht es um die digitale Transformation industrieller Geschäftsprozesse, um Datenschutz und Datensicherheit im Industriebetrieb, um Kommunikation zwischen kaufmännischen und technischen Bereichen und um die Mitarbeit in Projekten. Der zweite verlangt, industrielle Prozesse in gemischten Gruppen kooperativ zu planen und zu optimieren und Veränderungsmanagement mit geeigneten Arbeitsmethoden umzusetzen.
Die beiden Wahlbereiche sind spiegelbildlich gebaut. „Data Analytics und technische Grundlagen“ setzt nach dem Wortlaut bei kaufmännischen Tätigkeitsfeldern an: Daten mit industriellen Anwendungssystemen digitalisieren und visualisieren und dazu den Aufbau von Produktionsprozessen verstehen. „IIoT und kaufmännische Grundlagen“ setzt bei technischen Tätigkeitsfeldern an: Produktionsprozesse und Anlagen vernetzen, Maschinendaten nutzen und Produktionsentscheidungen im kaufmännischen Zusammenhang verstehen. Welcher Bereich zu Ihnen passt, hängt also vor allem an Ihrem Beruf.
So ist die Prüfung aufgebaut
Der schriftliche Prüfungsteil (§ 10) beruht auf betrieblichen Situationsbeschreibungen und besteht aus drei Aufgabenstellungen, die Sie unter Aufsicht bearbeiten. Welche Aufgabenstellung welchen Handlungsbereich abdeckt, legt der Wortlaut nicht fest; weil die IHK Bayreuth die Termine je Handlungsbereich ausschreibt, ist je eine zu den beiden gemeinsamen Bereichen und eine zu Ihrem Wahlbereich zu erwarten (unsere Ableitung). Jede dauert mindestens 90 Minuten, zusammen soll die Prüfung 360 Minuten nicht überschreiten. Die Aufgabenstellungen können einzeln zu gesonderten Terminen geprüft werden, und so macht es die IHK Bayreuth auch.
Danach folgt der projektbezogene Teil (§ 11). Sie bearbeiten ein industriespezifisches betriebliches Projekt und legen dem Prüfungsausschuss vorher eine Projektbeschreibung zur Genehmigung vor. Für die Dokumentation haben Sie 21 aufeinanderfolgende Kalendertage, sie soll höchstens zehn Textseiten plus höchstens 15 Seiten Anlagen umfassen. Abschließend präsentieren Sie das Projekt und stellen sich einem Fachgespräch, zusammen höchstens 30 Minuten, davon höchstens 15 Minuten Präsentation. Die Projektarbeit ist spätestens zwei Jahre nach Bekanntgabe des Bestehens des schriftlichen Teils durchzuführen.
Bestanden ist, wer in jeder der drei schriftlichen Aufgabenstellungen und im projektbezogenen Teil jeweils mindestens 50 Punkte erreicht (§ 14 Abs. 1 der Rechtsvorschrift).
Prüfungstermine nach dem Lehrgang
Die IHK für Oberfranken Bayreuth veröffentlicht die schriftlichen Termine einzeln je Handlungsbereich. Für die Zeit nach unserem Lehrgang stehen dort (Stand 10/2026):
| Handlungsbereich | Prüfungstermin | Anmeldeschluss |
|---|---|---|
| Prozess-, Projektmanagement und digitale Transformation | 14.10.2027 | 14.07.2027 |
| Kooperation und Kommunikation in der modernen Arbeitswelt | 23.03.2028 | 23.12.2027 |
| IIoT und kaufmännische Grundlagen | 23.03.2028 | 23.12.2027 |
| Data Analytics und technische Grundlagen | auf Anfrage | auf Anfrage |
Die Anmeldung reichen Sie spätestens drei Monate vor dem jeweiligen Termin per Post bei der IHK ein. Den Termin für den projektbezogenen Teil legt die IHK nach Bedarf fest. Termine und Zulassung klären wir mit Ihnen vor der Anmeldung zum Lehrgang. Quelle: Prüfungsseite der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Wer zur Prüfung zugelassen wird
Die Rechtsvorschrift nennt in § 3 fünf Wege. Zugelassen wird mit einer Abschlussprüfung in einem für einen Industriebetrieb typischen, mindestens dreijährigen Ausbildungsberuf und danach mindestens einem halben Jahr Berufspraxis. Nach einem mindestens dreijährigen gewerblich-technischen oder kaufmännischen Ausbildungsberuf ist ein Jahr Praxis nötig, nach einem zweijährigen sind es zwei Jahre. Ohne Abschluss reichen mindestens vier Jahre Berufspraxis. Studierende kommen mit mindestens drei Semestern einschlägigem Studium, 60 ECTS und zweieinhalb Jahren Berufspraxis in Frage.
Die Praxis soll wesentliche Bezüge zu den Aufgaben eines Berufsspezialisten für Industrielle Transformation haben. Wer die Wege nicht erfüllt, kann glaubhaft machen, dass er die nötigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen erworben hat. Die Voraussetzungen müssen spätestens vor Beginn der Präsentation im projektbezogenen Teil erfüllt sein. Über die Zulassung entscheidet immer die IHK.
Drei Abende pro Woche bis Anfang Oktober
Unterricht ist montags, dienstags und mittwochs von 18:00 bis 21:15 Uhr, vier Unterrichtseinheiten à 45 Minuten mit 15 Minuten Pause, komplett live über Zoom, dazu die Lernplattform Moodle. Der Lehrgang beginnt am Montag, 8. Februar 2027, und endet am Dienstag, 5. Oktober 2027. Das sind 102 Abende mit 405 Unterrichtseinheiten; der letzte Abend umfasst eine Unterrichtseinheit.
Feiertage verlängern den Kurs, sie kürzen ihn nicht; Ostermontag und Pfingstmontag sind eingerechnet. Eine Sommerpause gibt es nicht.
Unsere Einschätzung: Dieser Abschluss passt am besten zu Leuten, die im Industriebetrieb schon zwischen Büro und Fertigung vermitteln, etwa Industriekaufleute mit Nähe zur Produktion oder Mechatroniker, die mit Auftragsdaten und Kalkulationen zu tun haben. Wer nur in einer der beiden Welten zu Hause ist, sollte den Wahlbereich bewusst so legen, dass er die andere Seite dazulernt. Geübt wird im Format der IHK-Prüfung, mit Aufgaben zu betrieblichen Situationen, Präsentation und Fachgespräch, in kleinen Gruppen.
Kosten und Finanzierung
Die Lehrgangsgebühr beträgt 3.790 Euro. Hinzu kommt die Prüfungsgebühr der IHK für Oberfranken Bayreuth: 490 Euro für die Gesamtprüfung, davon 240 Euro für den schriftlichen und 250 Euro für den projektbezogenen Teil (Quelle: IHK für Oberfranken Bayreuth, Stand 10/2026).
Aufstiegs-BAföG kann beantragt werden, über die Förderung entscheidet das zuständige Amt. Den Antrag stellen Sie selbst beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung. Alternativ zahlen Sie den Lehrgang selbst.
Beratung
Ob der Lehrgang zu Ihrer Situation passt, welcher Wahlbereich sinnvoll ist und welche Prüfungstermine für Sie in Frage kommen, klären wir in einem kostenlosen Gespräch: Beratungstermin vereinbaren oder anrufen unter 0160 1215470 (Mo bis Fr, 8:30 bis 12:30 Uhr). Per E-Mail erreichen Sie uns unter info@skillsprinters.de.
