- DQR-Stufe 6, formal gleichwertig zum Bachelor
- Zulassung: Metallberufs-Ausbildung plus 1 Jahr Praxis ODER 4 Jahre Praxis ohne Ausbildung
- Fachrichtungen: Metall, Elektro, Mechatronik, Chemie, Kunststoff, Pharmazie, Lebensmittel
- Förderung: Aufstiegs-BAföG mit Rechtsanspruch
- In einigen Bundesländern zusätzlich Aufstiegsprämie nach bestandener Prüfung
Was ist der Industriemeister?
Der Industriemeister ist eine bundesweit anerkannte Aufstiegsfortbildung der Industrie- und Handelskammern. Er zielt auf Fach- und Führungskräfte in gewerblich-technischen Industriebetrieben. Ein Industriemeister übernimmt Aufgaben in Planung, Steuerung, Koordination und Führung von Fertigungs- oder Wartungsteams, häufig mit Personalverantwortung für 5 bis 50 Mitarbeiter.
Die verbreitetste Fachrichtung ist Metall. Sie richtet sich an Beschäftigte in Metallverarbeitung, Maschinenbau, Automotive, Stahlindustrie und verwandten Bereichen. Daneben gibt es mehrere weitere Fachrichtungen mit jeweils eigener Fortbildungsverordnung. Der Industriemeister ist auf DQR-Stufe 6 eingeordnet und damit formal gleichwertig zu einem Bachelor.
Anders als beim Fachwirt (kaufmännisch-administrativ) liegt der Schwerpunkt des Industriemeisters auf Technik, Produktion und Führung gewerblicher Mitarbeiter. Anders als beim Handwerksmeister läuft die Prüfung über die IHK, nicht über die Handwerkskammer, und richtet sich an Industriebetriebe statt an kleine Handwerksbetriebe.
Rechtsgrundlage
Rechtliche Basis für den Industriemeister Metall ist die Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Industriemeister, Fachrichtung Metall (IndMMetV). Die weiteren Fachrichtungen haben eigene Verordnungen. Rahmengesetz ist § 53 BBiG.
Die Verordnung regelt Zulassung, Prüfungsgliederung, Bewertung und Wiederholungsmöglichkeiten. Förderung läuft über das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG).
Wer kann Industriemeister werden?
Zur Prüfung zum Industriemeister Metall wird zugelassen, wer eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt:
- Abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten Metallberuf plus 1 Jahr einschlägige Berufspraxis
- Abgeschlossene Ausbildung in einem anderen anerkannten Beruf plus 2 Jahre einschlägige Berufspraxis in der Metallindustrie
- Mindestens 4 Jahre einschlägige Berufspraxis ohne abgeschlossene Ausbildung
Die Berufspraxis muss im Metallbereich oder in einem engen Bezug dazu liegen. Was genau als „einschlägig" gilt, prüft die zuständige IHK im Einzelfall.
Weitere Zulassungsvoraussetzung: Vor der Prüfung zum „Geprüften Industriemeister" muss die sogenannte berufs- und arbeitspädagogische Eignung nachgewiesen werden. Das geht über die Ausbildereignungsprüfung nach AEVO oder durch entsprechende Prüfungsteile im Meisterkurs selbst.
Fachrichtungen
| Fachrichtung | Zielgruppe / Branche |
|---|---|
| Metall | Metallverarbeitung, Automotive, Maschinenbau, Stahlindustrie |
| Elektrotechnik | Elektrotechnik, Energieversorgung, Elektronikfertigung |
| Mechatronik | Fertigungsautomatisierung, Anlagenbau, Robotik |
| Chemie | chemische und petrochemische Industrie |
| Kunststoff und Kautschuk | Kunststoff-Verarbeitung |
| Pharmazie | pharmazeutische Produktion |
| Lebensmittel | Lebensmittelproduktion, Fleisch, Getränke, Backwaren |
Jede Fachrichtung hat eine eigene Prüfungsverordnung. Der fachrichtungsübergreifende Grundlagenteil (rechtsbewusstes Handeln, betriebswirtschaftliches Handeln, Anwendung naturwissenschaftlicher Grundlagen) ist weitgehend einheitlich. Die handlungsspezifischen Qualifikationen unterscheiden sich je nach Branche.
Förderung und Kosten
Der Industriemeister ist nach AFBG förderfähig, du hast einen Rechtsanspruch auf Aufstiegs-BAföG. Konditionen: 50 Prozent der Kurs- und Prüfungsgebühren als Zuschuss, 50 Prozent als zinsgünstiges KfW-Darlehen, bei bestandener Prüfung 50 Prozent Erlass des Restdarlehens.
| Position | Wert |
|---|---|
| Dauer berufsbegleitend | 18 bis 36 Monate |
| Kursgebühr typisch | 6.000 bis 10.000 Euro |
| IHK-Prüfungsgebühr | rund 600 bis 1.000 Euro |
| Eigenanteil nach Aufstiegs-BAföG und Bestehen | rund 25 Prozent der Gesamtkosten |
Zusätzlich gibt es in einigen Bundesländern eine Aufstiegsprämie oder Meisterprämie. Hessen zahlt 3.500 Euro nach bestandener Prüfung, Bayern 3.000 Euro, Thüringen und Saarland je 2.000 Euro, Rheinland-Pfalz 2.000 Euro, Hamburg und Bremen je 1.300 Euro. Der Industriemeister zählt in diesen Ländern zu den förderfähigen Aufstiegsfortbildungen.
Prüfungsgliederung
Die Prüfung zum Geprüften Industriemeister Metall gliedert sich in drei Teile:
- Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen: Rechtsbewusstes Handeln, betriebswirtschaftliches Handeln, Anwendung naturwissenschaftlicher Grundlagen, Information und Kommunikation. Schriftliche Prüfung.
- Handlungsspezifische Qualifikationen: Technik (Betriebstechnik, Fertigungstechnik, Montagetechnik), Organisation (Betriebliches Kostenwesen, Planungs-, Steuerungs- und Kommunikationssysteme, Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz), Führung und Personal (Personalführung, Personalentwicklung, Qualitätsmanagement). Schriftlich und situationsbezogenes Fachgespräch.
- Ausbildereignung (AEVO) oder gleichwertiger Nachweis: Wird integriert oder vorher abgelegt.
Beispielrechnung
Annahme: Du arbeitest als Industriemechaniker mit 3.600 Euro brutto. Nach bestandenem Industriemeister Metall übernimmst du die Schichtführung oder Meisterposition in der Produktion mit 4.800 Euro brutto. Das sind 14.400 Euro Mehrgehalt pro Jahr.
Investition: rund 2.000 bis 2.500 Euro Eigenanteil (nach Aufstiegs-BAföG und Bestehen) plus 18 bis 36 Monate Zeiteinsatz neben dem Job. Wer in Hessen oder Bayern lebt, bekommt zusätzlich 3.000 bis 3.500 Euro Meisterprämie. Amortisation damit rechnerisch schon im ersten Monat nach Abschluss.
Häufige Fragen
Kann ich Industriemeister ohne Ausbildung werden?
Ja. Ohne abgeschlossene Ausbildung brauchst du mindestens 4 Jahre einschlägige Berufspraxis im Metall-Bereich, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Mit Ausbildung in einem Metallberuf reicht 1 Jahr Berufspraxis. Mit einer anderen abgeschlossenen Ausbildung brauchst du 2 Jahre Berufspraxis.
Was ist der Unterschied zwischen Industriemeister und Handwerksmeister?
Der Industriemeister ist eine IHK-Aufstiegsfortbildung für Beschäftigte in Industriebetrieben. Der Handwerksmeister ist eine Fortbildung der Handwerkskammer (HWK) und berechtigt zur Führung eines Handwerksbetriebs. Beide stehen auf DQR 6, haben aber unterschiedliche Einsatzfelder und Prüfungsträger.
Welche Fachrichtungen gibt es beim Industriemeister?
Metall ist die verbreitetste Fachrichtung. Dazu kommen Elektrotechnik, Mechatronik, Chemie, Kunststoff und Kautschuk, Pharmazie und Lebensmittel. Jede Fachrichtung hat eine eigene Fortbildungsverordnung und eigene Prüfungsinhalte. Der fachrichtungsübergreifende Teil (Naturwissenschaft, Recht, Kommunikation) ist weitgehend einheitlich.
Quellen und Rechtsstand
- Verordnung Geprüfter Industriemeister Metall (IndMMetV): gesetze-im-internet.de
- Berufsbildungsgesetz (BBiG) § 53: gesetze-im-internet.de/bbig
- Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG): gesetze-im-internet.de/afbg
- Deutscher Qualifikationsrahmen: dqr.de
- DIHK Bildungsportal: dihk.de
Zuletzt geprüft am 24.04.2026.