- DQR-Stufe 6, offiziell gleichwertig zum Bachelor
- Zulassung auch ohne Ausbildung: 3 Jahre einschlägige Berufspraxis reichen
- Zwei Prüfungsteile: WBQ (Wirtschaftsbezogene Qualifikationen) und HSQ (Handlungsspezifische Qualifikationen)
- Aufstiegs-BAföG: Rechtsanspruch, rund 999 Euro Eigenanteil bei SkillSprinters
- Kurs bei SkillSprinters: 11 Monate berufsbegleitend, Di und Do abends online, 3.997 Euro
Was ist der Wirtschaftsfachwirt?
Der Wirtschaftsfachwirt ist eine bundesweit anerkannte Aufstiegsfortbildung der Industrie- und Handelskammern. Er richtet sich an Berufstätige mit kaufmännischer Ausbildung oder mehrjähriger Berufserfahrung, die eine Führungs- oder Fachposition anstreben. Der Abschluss liegt auf DQR-Stufe 6 und ist damit formal gleichwertig zu einem Bachelor-Abschluss einer Hochschule.
Anders als ein Studium ist der Wirtschaftsfachwirt berufsbegleitend möglich. Die Prüfung wird vor einem Prüfungsausschuss der IHK abgelegt. Der Abschluss heißt offiziell „Geprüfter Wirtschaftsfachwirt" und berechtigt zur Führung dieses Titels sowie zum Zugang weiterführender Qualifikationen wie dem Geprüften Betriebswirt (IHK).
Der Wirtschaftsfachwirt ist branchenoffen. Du kannst damit in Industrie, Handel, Dienstleistung oder Verwaltung arbeiten. Wer eine engere Branchenbindung will, wählt alternativ den Handelsfachwirt oder Industriefachwirt.
Rechtsgrundlage
Rechtliche Basis ist die Verordnung über die Prüfung zum Geprüften Wirtschaftsfachwirt (WFachwPrV) vom 19. Oktober 2010. Sie regelt Zulassung, Prüfungsaufbau, Inhalte, Bewertung und Wiederholbarkeit. Die Zulassungsvoraussetzungen stehen in § 2 WFachwPrV. Die Prüfung gliedert sich nach § 3 in zwei Teile: die WBQ und die HSQ.
Wer kann den Wirtschaftsfachwirt machen?
Zur Prüfung zugelassen wird nach § 2 Abs. 1 WFachwPrV, wer eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt:
- Nr. 1: Abgeschlossene Abschlussprüfung in einem anerkannten mindestens dreijährigen kaufmännischen oder verwaltenden Ausbildungsberuf (keine zusätzliche Berufspraxis nötig)
- Nr. 2: Abgeschlossene Abschlussprüfung in einem sonstigen anerkannten dreijährigen Ausbildungsberuf plus 1 Jahr einschlägige Berufspraxis
- Nr. 3: Abgeschlossene Abschlussprüfung in einem nicht anerkannten Ausbildungsberuf plus 2 Jahre einschlägige Berufspraxis
- Nr. 4: Mindestens 3 Jahre einschlägige Berufspraxis ganz ohne Ausbildung
Für die HSQ-Teilprüfung gilt zusätzlich: Du brauchst 1 Jahr Berufspraxis nach bestandener WBQ-Teilprüfung. Die WBQ darf dabei nicht älter als 5 Jahre sein.
Der Wirtschaftsfachwirt ist damit einer der wenigen Fortbildungsabschlüsse, in den du auch ohne formale Ausbildung reinkommst, wenn du genug Berufserfahrung hast. Das ist der häufigste Einstieg für Quereinsteiger.
Förderung und Kosten
Der Wirtschaftsfachwirt ist nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) förderfähig. Das heißt: Du hast einen Rechtsanspruch auf Aufstiegs-BAföG.
| Kostenposition | Summe | Finanzierung |
|---|---|---|
| Kursgebühr SkillSprinters | 3.997 Euro | 50% Zuschuss, 50% KfW-Darlehen |
| Zuschuss Aufstiegs-BAföG | rund 1.998 Euro | Nicht zurückzuzahlen |
| KfW-Darlehen | rund 1.998 Euro | Bei Bestehen: 50% Erlass |
| Eigenanteil bei Bestehen | rund 999 Euro | In Raten rückzahlbar |
Zusätzlich gibt es in einigen Bundesländern eine Aufstiegsprämie nach bestandener Prüfung (Hessen 3.500 Euro, Bayern 3.000 Euro, Thüringen und Saarland je 2.000 Euro). Das kann den Eigenanteil sogar überkompensieren und die Weiterbildung faktisch zum Plusgeschäft machen.
Prüfungsaufbau: WBQ und HSQ
Wirtschaftsbezogene Qualifikationen (WBQ): Volks- und Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Recht und Steuern, Unternehmensführung. Wird bundeseinheitlich geprüft und ist identisch für Wirtschaftsfachwirt, Industriefachwirt und Technischen Fachwirt.
Handlungsspezifische Qualifikationen (HSQ): Marketing und Vertrieb, Führung und Zusammenarbeit, Organisation und Unternehmensführung, ein situationsbezogenes Fachgespräch. Der HSQ-Teil ist spezifisch für den Wirtschaftsfachwirt.
Beide Teile können zeitlich getrennt abgelegt werden. Wer durchfällt, kann bis zu zwei Mal wiederholen.
Beispielrechnung: Was bringt der Wirtschaftsfachwirt?
Annahme: Du verdienst aktuell 3.500 Euro brutto als Sachbearbeiter. Nach dem Wirtschaftsfachwirt wechselst du in eine Teamleiter-Position mit 4.500 Euro brutto. Das sind 12.000 Euro Mehrgehalt pro Jahr.
Investition: 999 Euro Eigenanteil (Aufstiegs-BAföG-Konditionen) plus 11 Monate Zeiteinsatz neben dem Job. Amortisation nach rund 4 Wochen Mehrgehalt. In 5 Jahren: 60.000 Euro Mehrgehalt zusätzlich zur Kurskosten-Investition. Die IHK-Statistik nennt durchschnittliche Gehaltssprünge von 15 bis 25 Prozent nach erfolgreicher Aufstiegsfortbildung.
Häufige Fragen
Kann ich den Wirtschaftsfachwirt auch ohne kaufmännische Ausbildung machen?
Ja. Nach § 2 Abs. 1 Nr. 4 WFachwPrV reichen 3 Jahre einschlägige Berufspraxis auch ohne kaufmännische Ausbildung aus. Für die HSQ-Teilprüfung brauchst du zusätzlich 1 Jahr Berufspraxis nach bestandener WBQ.
Was kostet der Wirtschaftsfachwirt und wie teuer ist er mit Förderung?
Der Kurs bei SkillSprinters kostet 3.997 Euro. Mit Aufstiegs-BAföG übernimmt der Staat 50 Prozent als Zuschuss und 50 Prozent als zinsgünstiges KfW-Darlehen. Bei bestandener Prüfung werden weitere 50 Prozent des Restdarlehens erlassen. Eigenanteil danach: rund 999 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen WBQ und HSQ?
WBQ steht für Wirtschaftsbezogene Qualifikationen und ist der erste Prüfungsteil (VWL, ReWe, Recht, Unternehmensführung). HSQ steht für Handlungsspezifische Qualifikationen und ist der zweite Teil (Marketing, Personal, Organisation). Beide Teile zusammen ergeben den vollständigen Abschluss.
Quellen und Rechtsstand
- Verordnung über die Prüfung zum Geprüften Wirtschaftsfachwirt (WFachwPrV 2010): gesetze-im-internet.de/wfachwprv_2010
- Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG): gesetze-im-internet.de/afbg
- Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR): dqr.de
- Bundesagentur für Arbeit: Berufsinformation Geprüfter Wirtschaftsfachwirt
Zuletzt geprüft am 24.04.2026.