Pflege war lange ein Beruf, in dem Digitalisierung vor allem mehr Klicks bedeutete. Das ändert sich gerade spürbar. Einrichtungen müssen an die Telematikinfrastruktur angebunden sein, Dokumentation wandert vom Papier ins Tablet, und die ersten KI-Assistenten nehmen Sprache auf und machen daraus Pflegeberichte. Wer als Pflegefachkraft diese Technik versteht und erklären kann, wird in fast jeder Einrichtung gebraucht. Dieser Beitrag zeigt, welche digitalen Kenntnisse in der Pflege zählen, welche Weiterbildung dazu passt und wer sie bezahlt.

Was sich in der Pflege digital verändert hat

Der wichtigste Einschnitt kam zum 1. Juli 2025. Seitdem müssen ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sein, das gesicherte Datennetz des Gesundheitswesens. Geregelt ist das in § 341 Abs. 8 SGB V. Für Pflegedienste, die häusliche Krankenpflege erbringen, kommt § 360 Abs. 8 SGB V hinzu, damit sie elektronische Verordnungen abrufen können. Über dieses Netz laufen sichere Nachrichten zwischen Einrichtungen, Arztpraxen und Apotheken.

Zum 1. Januar 2026 ist außerdem das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege in Kraft getreten. Es erweitert die Befugnisse von Pflegefachpersonen und soll den Dokumentationsaufwand senken. Weniger Bürokratie heißt in der Praxis meist: mehr strukturierte, digitale Erfassung.

Parallel testen viele Träger KI-Werkzeuge, die gesprochene Übergaben in Text umwandeln oder Dienstpläne vorschlagen. Welche Einsätze sich bereits bewähren und wo die rechtlichen Grenzen liegen, beschreibt unser Beitrag zur KI in der Pflegedokumentation.

Rollen, in denen digitale Kenntnisse zählen

Die naheliegende Rolle ist die des Key Users oder Digitalisierungsbeauftragten in der eigenen Einrichtung. Diese Person testet neue Software, schult das Team, sammelt Probleme und spricht mit dem Hersteller. Sie bleibt meist teilweise in der Pflege und übernimmt die Digitalthemen zusätzlich.

Eine zweite Richtung ist die Praxisanleitung mit digitalen Lernmitteln. Auszubildende lernen heute auch am Tablet, und wer Lernaufgaben digital aufbereiten kann, entlastet die Anleitung im Alltag.

Manche wechseln ganz: ins Qualitätsmanagement, in die Verwaltung eines Trägers oder zu einem Softwareanbieter, der Pflegefachwissen für Einführung und Schulung braucht. Wer diesen Schritt überlegt, sollte wissen, dass die pflegerische Erfahrung dort das eigentliche Kapital ist. Technik lässt sich lernen. Zehn Jahre Stationsalltag nicht.

Vom Fachartikel zur eigenen Anwendung

Über Digitalisierung zu lesen ist das eine, sie im Arbeitsalltag umzusetzen das andere. Der KI-Schnupperkurs zeigt in fünf kurzen Lektionen, wie Prozesse mit KI und Automatisierung konkret aussehen. Wer danach tiefer einsteigen will, findet im Digitalisierungsmanager die Weiterbildung dazu, bei bewilligtem Bildungsgutschein ohne Kosten für dich.

Kostenlos reinschnuppern

Der Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Welche Weiterbildungen es gibt

Die kürzeste Form sind Herstellerschulungen für die jeweilige Pflegesoftware. Sie sind nützlich, bleiben aber an ein Produkt gebunden. Breiter aufgestellt sind Zertifikatskurse zur Pflegeinformatik, die Hochschulen und Weiterbildungsinstitute berufsbegleitend anbieten, und für den akademischen Weg entsprechende Studiengänge.

Daneben gibt es Weiterbildungen, die nicht pflegespezifisch sind, aber genau die Grundlagen legen, die im Alltag fehlen: Umgang mit digitalen Werkzeugen, Datenschutz, KI-Anwendungen, digitale Abläufe. Unsere Weiterbildung Digitale Grundkompetenzen im Arbeitsalltag richtet sich an Beschäftigte mit wenig digitaler Vorerfahrung, ist branchenoffen und kann über den Arbeitgeber nach dem Qualifizierungschancengesetz gefördert werden, wenn er den Antrag vor Kursbeginn stellt. Wer die Pflege verlassen will und arbeitslos ist, kann mit dem Bildungsgutschein eine längere Qualifizierung wie den Digitalisierungsmanager machen.

Unsere Einschätzung aus Gesprächen mit Pflegeeinrichtungen: Die erfolgreichsten Digitalprojekte werden nicht von der IT getragen, sondern von einer erfahrenen Pflegekraft, der das Team vertraut. Wenn diese Person eine Stunde pro Woche für Rückfragen reserviert bekommt, klappt die Einführung. Fehlt diese Zeit, landet die neue Software nach drei Monaten wieder bei der Stationsleitung, die ohnehin schon zu viel auf dem Tisch hat. Ein Kurs allein löst das nicht; er muss mit einer klaren Rolle im Betrieb verbunden sein.

Wer die Weiterbildung bezahlt

Bist du angestellt, ist der Arbeitgeber der erste Ansprechpartner. Er kann eine Weiterbildung nach § 82 SGB III fördern lassen, wenn Maßnahme und Träger nach AZAV zugelassen sind, die Maßnahme mehr als 120 Stunden dauert und der Berufsabschluss in der Regel mindestens zwei Jahre zurückliegt. Viele Pflegedienste haben weniger als 50 Beschäftigte. Dann soll die Agentur von einer Beteiligung des Arbeitgebers an den Lehrgangskosten absehen, bei 50 bis 499 Beschäftigten trägt er die Hälfte. Den Antrag stellt in der Regel der Arbeitgeber vor Kursbeginn beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit.

Bist du arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht, ist der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit der passende Weg. Eine Vermittlung in Arbeit kann niemand garantieren. Auskunft gibt die Agentur für Arbeit unter 0800 4 5555 00.

Für die klassischen Aufstiegsfortbildungen in der Pflege, etwa zur Pflegedienstleitung, gilt ein anderer Förderweg: das Aufstiegs-BAföG. Welche Spezialisierungen und Aufstiegswege es gibt und wie sie gefördert werden, steht ausführlich in unserem Ratgeber Pflegefachkraft-Weiterbildung: Spezialisierung und Förderung.

Häufige Fragen

Muss ich programmieren können, um mich in der Pflege digital weiterzubilden?

Nein. Gebraucht werden vor allem sicherer Umgang mit Pflegesoftware, Verständnis für Datenschutz und die Fähigkeit, Kollegen neue Abläufe zu erklären. Programmierkenntnisse spielen in den typischen Rollen in Einrichtungen kaum eine Rolle.

Darf eine KI die Pflegedokumentation schreiben?

KI-Werkzeuge können Sprache erfassen und Textvorschläge machen. Die fachliche Verantwortung für den Inhalt der Dokumentation bleibt bei der Pflegefachkraft, die den Eintrag prüft und freigibt. Welche Werkzeuge erlaubt sind, legt die Einrichtung fest.

Wer bezahlt eine digitale Weiterbildung, wenn ich angestellt bin?

In der Regel der Arbeitgeber. Ist die Maßnahme nach AZAV zugelassen und dauert sie mehr als 120 Stunden, kann er die Kosten über das Qualifizierungschancengesetz fördern lassen. Den Antrag stellt in der Regel der Arbeitgeber vor Beginn bei der Agentur für Arbeit.

Was ist die Telematikinfrastruktur in der Pflege?

Die Telematikinfrastruktur ist das gesicherte Netz des Gesundheitswesens, über das Einrichtungen, Praxen und Apotheken Daten austauschen. Pflegeeinrichtungen sind seit dem 1. Juli 2025 verpflichtet, angebunden zu sein, geregelt in § 341 Abs. 8 SGB V.

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