Auf einen Blick

Das BEEG erlaubt während Elternzeit bis zu 32 Stunden Erwerbstätigkeit pro Woche und schließt Weiterbildung nicht aus. Förderung läuft über AfA (Bildungsgutschein), Qualifizierungschancengesetz oder Aufstiegs-BAföG. Beratung bei Elterngeldstelle und AfA klärt die Details.

Elternzeit ist für viele Eltern die erste Pause seit Jahren, in der es Raum gibt, über den eigenen beruflichen Weg nachzudenken. Eine Weiterbildung in dieser Phase kann sinnvoll sein, muss aber gut abgestimmt werden mit Elterngeld, Arbeitgeber und der Realität eines Lebens mit Kleinkind. Dieser Text gibt einen ehrlichen Überblick über rechtliche Rahmenbedingungen, Fördermöglichkeiten und realistische Kursformate.

Wir schreiben das aus einer Perspektive, die sowohl die berufliche Neugier ernst nimmt als auch die Tatsache anerkennt, dass ein Neugeborenes oder Kleinkind 24 Stunden am Tag präsent ist.

Was deine Situation typischerweise bedeutet

Elternzeit ist nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) ein Anspruch auf bis zu 3 Jahre Freistellung pro Kind, den jedes Elternteil in Anspruch nehmen kann. Das Arbeitsverhältnis ruht in dieser Zeit, die Stelle muss nach Ende der Elternzeit in der Regel wieder angeboten werden.

Die Menschen, die in Elternzeit über Weiterbildung nachdenken, kommen aus verschiedenen Ausgangslagen:

Die ehrliche Bestandsaufnahme: Elternzeit ist keine "freie Zeit". Ein Säugling oder Kleinkind erfordert durchgehende Betreuung, besonders im ersten Jahr. Stillen, Nachtwachen, Breikost, Trotzphase, das alles kostet Energie. Wer realistisch plant, rechnet mit 2 bis maximal 4 Stunden konzentrierter Lernzeit pro Tag, meist in Randzeiten oder wenn eine Betreuungsperson eingesprungen ist.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Was ist in Elternzeit erlaubt?

Mehrere Regelungen betreffen Weiterbildung in Elternzeit:

Erwerbstätigkeit während Elternzeit (§ 15 Abs. 4 BEEG): Du darfst während der Elternzeit bis zu 32 Wochenstunden (früher 30) bezahlt arbeiten, auch bei deinem Arbeitgeber. Das ist wichtig zu wissen, wenn du in einer Teilzeit-Weiterbildung bist, die auch eine Anstellung mitführt.

Elterngeld und Zuverdienst: Beim Basis-Elterngeld wird Einkommen ab einer bestimmten Grenze angerechnet. Beim Elterngeld-Plus und beim Partnerschaftsbonus gelten andere Regeln. Ein reiner Weiterbildungs-Kurs ohne Einkommen gefährdet das Elterngeld nicht. Eine Weiterbildung mit Vergütung (z.B. Azubi-Vergütung bei einer Umschulung) schon. Vor Kursstart mit Elterngeldstelle klären.

Krankenversicherung: In Elternzeit bist du weiter über den Arbeitgeber krankenversichert. Das bleibt auch bei einer parallelen Weiterbildung so, solange keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung den Status verändert.

Rentenanspruch: Elternzeit zählt für die Rente (Kindererziehungszeit). Eine Weiterbildung in Elternzeit beeinflusst das nicht negativ.

Arbeitgeber-Weiterbildung: Dein Arbeitgeber kann auch während der Elternzeit Weiterbildungen anbieten und finanzieren. Manche Unternehmen haben dafür eigene Programme. Nachfragen lohnt.

Welche Anlaufstellen dir weiterhelfen

Finanzielle Hilfen in Elternzeit

Elterngeld ist die offensichtliche Leistung, aber nicht die einzige. Ein Überblick, was parallel zu Weiterbildung in Frage kommt:

InstrumentVoraussetzungHöhe
Elterngeld BasisGeburt eines Kindes65 bis 100 Prozent des letzten Nettos, 300 bis 1800 Euro pro Monat, 12 Monate plus 2 Partnermonate
Elterngeld PlusAlternative zum Basis-ElterngeldHalbe Höhe, doppelt so lange (max. 28 Monate), gut kombinierbar mit Teilzeit
PartnerschaftsbonusBeide Eltern arbeiten 24 bis 32 Wochenstunden parallelZusätzliche 4 Elterngeld-Plus-Monate pro Elternteil
QualifizierungschancengesetzBeschäftigungsverhältnis besteht, auch in Elternzeit, Arbeitgeber stellt Antrag25 bis 100 Prozent Lehrgangskosten plus ggf. Lohnzuschuss
BildungsgutscheinArbeitssuchend, Elternzeit beendet oder zeitnah endend100 Prozent Lehrgangskosten plus ggf. Nebenleistungen
Aufstiegs-BAföGErstqualifikation vorhanden, Aufstiegsfortbildung in Teilzeit50 Prozent Zuschuss auf Kurskosten, 50 Prozent Darlehen mit 50 Prozent Erlass, Kinderbetreuungszuschlag
Landes-BildungsschecksJe nach BundeslandZuschüsse zu einzelnen Kursen, oft 500 bis 2000 Euro

Ein häufig übersehener Weg: QCG funktioniert auch während Elternzeit, wenn das Arbeitsverhältnis besteht und der Arbeitgeber mitmacht. Das kann eine sehr komfortable Konstellation sein: Elterngeld plus geförderte Weiterbildung, die auf die Rückkehr vorbereitet.

Wann eine Weiterbildung in Elternzeit sinnvoll sein kann und wann nicht

Sinnvoll, wenn:

Nicht der richtige Moment, wenn:

Welche Kursformate zur Elternzeit passen

Elternzeit ist kein Vollzeit-Kurs-Moment. Wer versucht, 8 Stunden täglich zu lernen, während ein Säugling im Nebenzimmer ist, wird frustriert. Realistische Formate:

Online-Kurse mit Selbstlern-Anteil und optionalen Live-Terminen: Du kannst lernen, wenn das Kind schläft oder betreut wird. Abgabefristen sollten großzügig sein.

Kurze Zertifikatskurse (1 bis 3 Monate, wenige Stunden pro Woche): Perfekt, um eine spezifische Kompetenz aufzufrischen oder neu zu erwerben, ohne den Alltag zu sprengen. Beispiele: Excel-Vertiefung, Projektmanagement-Grundlagen, Online-Marketing-Basics, KI-Grundlagen im Berufsalltag.

Berufsbegleitende Aufstiegsfortbildungen über 12 bis 30 Monate: Wirtschaftsfachwirt (IHK), Bilanzbuchhalter, Personalfachkaufmann, Betriebswirt. Ein oder zwei Abende die Woche plus Samstag. Wenn die Elternzeit 2 bis 3 Jahre läuft, ist der Abschluss vor der Rückkehr realistisch. Förderung über Aufstiegs-BAföG.

Teilzeit-Umschulungen mit BG oder LTA: Falls die Elternzeit in einem Bundesland endet und Arbeitssuche folgt, kann eine Umschulung in Teilzeit beantragt werden, oft 30 Stunden die Woche über 3 Jahre.

Mehrmonatige Vollzeit-Kurse (z.B. 4 Monate mit mehreren Stunden täglich wie beim Digitalisierungsmanager) sind während einer laufenden Elternzeit mit Kleinkind nur realistisch, wenn eine verlässliche Tagesbetreuung steht. Für viele passt ein Start des Kurses eher am Ende der Elternzeit oder direkt nach dem Wiedereinstieg (dann oft via QCG mit teilweiser Freistellung).

Typische Sorgen und ehrliche Antworten

Gefährdet eine Weiterbildung mein Elterngeld?

In der Regel nicht, solange die Weiterbildung nicht mit Vergütung verbunden ist. Ein klassischer Kurs ohne Einkommen ist unproblematisch. Ein Ausbildungsverhältnis mit Ausbildungsvergütung oder ein bezahltes Praktikum kann das Elterngeld beeinflussen. Vor Kursstart mit der Elterngeldstelle klären.

Kann ich während Elternzeit eine betriebliche Umschulung machen?

Schwierig, weil das meist ein Ausbildungsverhältnis ist. Wenn, dann mit vorheriger Abstimmung mit Arbeitgeber und Elterngeldstelle. Einfacher: Schulische Weiterbildung, Online-Kurse, Selbstlernformate.

Wie spreche ich mit meinem Arbeitgeber über Weiterbildung in Elternzeit?

Offen. Viele Arbeitgeber finden das positiv, weil es die Rückkehr erleichtert. Konkret mit Win-Win argumentieren: "Ich würde gerne in Elternzeit die Weiterbildung X machen, die für meinen Job relevant ist. Besteht die Möglichkeit einer QCG-Förderung oder Beteiligung?"

Mein Partner oder meine Partnerin arbeitet Vollzeit. Wann soll ich überhaupt lernen?

Realistisch sind 2 bis 4 Stunden pro Tag, oft abends nach dem Kind oder in Betreuungsfenstern. Kurzschlaf-Phasen sind kein Lern-Zeitraum. Wer weiß, dass die Energie knapp ist, wählt eher einen kurzen Kurs über 3 Monate als eine 2-jährige Fortbildung.

Was ist mit stillenden Müttern und mehrstündigen Kursen?

Online-Kurse sind in dieser Phase deutlich verträglicher als Präsenz. Stillzeiten lassen sich zuhause planen. Bei Präsenz-Kursen müsste eine Betreuung vor Ort oder eine Betreuungsperson einspringen. Viele Kurs-Anbieter sind flexibler geworden, aber es kommt auf den Einzelfall an.

Was, wenn ich nach der Elternzeit nicht mehr an den alten Arbeitsplatz will?

Rechtlich ist eine Kündigung während Elternzeit möglich, aber selten sinnvoll. Besser: Elternzeit nutzen, um Qualifizierung aufzubauen, dann nach Elternzeit wechseln. Arbeitslosmeldung direkt nach Elternzeit möglich, ggf. Bildungsgutschein beantragen. Oder direkter Wechsel zu anderem Arbeitgeber, wenn Angebot da ist.

Konkrete nächste Schritte

  1. Ehrliche Einschätzung, wie viel Lern-Zeit dein Alltag erlaubt. 2 Stunden? 4 Stunden? An welchen Tagen?
  2. Zielrichtung klären. Auffrischung bisheriger Kompetenzen, Höherqualifizierung, kompletter Branchenwechsel?
  3. Mit Elterngeldstelle klären, ob geplante Weiterbildung das Elterngeld beeinflusst.
  4. Arbeitgeber kontaktieren: Gibt es Unterstützung, QCG-Möglichkeit, Abstimmung mit Rückkehrplanung?
  5. Kursformat wählen, das zum Lebensrhythmus passt. Lieber kurz und realistisch als lang und überfordernd.
  6. Partner-Absprache: Wer übernimmt Betreuung in den Lernzeiten? Realistisch planen, nicht hoffen.
  7. Backup für Notfälle: Krankheitstage des Kindes, eigene Krankheit, Betreuungsausfall.

Wenn du mit jemandem darüber sprechen willst

Wir beraten auch Eltern in Elternzeit, die über berufliche Weiterentwicklung nachdenken. 15 Minuten Telefon reichen, um zu sortieren, ob ein Kurs in deiner Situation passt, welches Format verträglich wäre, und ob es im Zweifel sinnvoller ist, die Weiterbildung erst nach Elternzeit zu starten. Wir haben kein Interesse daran, dir einen Kurs zu verkaufen, der in dieser Lebensphase zu viel wäre.

Elternzeit ist vor allem Zeit mit dem Kind. Weiterbildung, falls sie passt, ist ein Zusatz, kein Ersatz. Die besten Entscheidungen erkennen das an.

Häufige Fragen

Darf ich während Elternzeit eine Weiterbildung machen?

Grundsätzlich ja. Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) erlaubt bis zu 32 Stunden Erwerbstätigkeit pro Woche. Weiterbildung ohne Entgelt ist ohnehin nicht eingeschränkt. Wichtig: Bei Elterngeld-Bezug kann eine bezahlte Tätigkeit neben der Weiterbildung das Elterngeld mindern. Details klärst du mit Elterngeldstelle und Arbeitgeber vor Kursbeginn.

Wie finanziere ich eine Weiterbildung während der Elternzeit?

Mehrere Wege sind möglich: Wenn deine Tätigkeit nach Elternzeit gefährdet ist, kommt ein Bildungsgutschein der AfA in Frage. Beschäftigte können das Qualifizierungschancengesetz nach § 82 SGB III nutzen, hier zahlt der Arbeitgeber teilweise weiter. Aufstiegs-BAföG ist eine weitere Option bei bestimmten Aufstiegsfortbildungen.

Wo bekomme ich Beratung zu Elternzeit und Weiterbildung?

Die Elterngeldstelle (meist beim Jugendamt) informiert zu BEEG und Elterngeld-Berechnung. Die Agentur für Arbeit berät zu Fördermöglichkeiten. Für arbeitsrechtliche Fragen ist der Betriebsrat oder eine Gewerkschaft zuständig. Die IHK und Handwerkskammern bieten Bildungsberatung. Alle Angebote sind kostenfrei und unabhängig.

Welches Kursformat funktioniert in Elternzeit?

Mit kleinem Kind sind Vollzeit-Formate oft schwierig. Online-Kurse mit fester Taktung, aufgezeichneten Sessions und asynchronen Elementen sind planbarer. Teilzeitkurse über längere Zeit geben mehr Flexibilität. Der Digitalisierungsmanager läuft als Vollzeit-Online-Kurs über vier Monate, was nur mit Ganztagsbetreuung realistisch ist.

Weiterbildung neben Elternzeit planen?

Unverbindliches Erstgespräch zur passenden Weiterbildung und zu den rechtlichen Rahmenbedingungen. 15 Minuten, kostenfrei.

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