Thermo Fisher Scientific will am Standort Langenselbold laut Osthessen|News gut 60 der derzeit rund 600 Stellen in Produktion und Verwaltung abbauen, das hat das Unternehmen dem Betriebsrat mitgeteilt und ihn zugleich zu Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan aufgefordert. Dieser Text ordnet ein, was zum jetzigen Stand belegt ist, welche Fristen zählen und wie sich die Zeit bis zu einer Entscheidung nutzen lässt. Er richtet sich an alle, die am Standort Langenselbold in Produktion oder Verwaltung arbeiten.

Eine arbeitsrechtliche Beratung ersetzt dieser Text nicht. Verbindlich beraten dich der Betriebsrat, die IG Metall Hanau-Fulda als zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann dabei niemand garantieren.

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Was in Langenselbold angekündigt wurde

Am Standort Langenselbold im Main-Kinzig-Kreis hat Thermo Fisher Scientific laut Osthessen|News in der letzten Aprilwoche 2026 angekündigt, in Produktion und Verwaltung gut 60 der derzeit rund 600 Stellen streichen zu wollen, und den Betriebsrat zu Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan aufgefordert. Laut denselben Berichten sind bereits in den vergangenen vier Jahren mehr als 100 Stellen am Standort weggefallen, ein schleichender Abbau, wie Osthessen|News ihn nennt.

Ein genaues Ankündigungsdatum nennt keine der gelesenen Quellen.

Am 5. Mai 2026 zogen rund 350 Beschäftigte mit Trillerpfeifen und Rasseln vor den Haupteingang, berichtete Primavera24. Am 18. und 19. August 2026 folgte eine zweite Kundgebung mit rund 300 Teilnehmern, diesmal mit Landrat Thorsten Stolz und dem Ersten Kreisbeigeordneten Andreas Hofmann an der Seite der Belegschaft, wie Osthessen|News und Vorsprung Online übereinstimmend schreiben. Ein Sprecher von Thermo Fisher Scientific erklärte laut Vorsprung Online, die Vorschläge sollten die langfristige Wettbewerbsposition des Standorts stärken.

Dein eigentlicher Arbeitgeber ist übrigens nicht die Marke Thermo Fisher, sondern die Thermo Electron LED GmbH mit Sitz in Langenselbold, das steht in deinem Arbeitsvertrag und auf deiner Gehaltsabrechnung. Ein zweiter Thermo-Fisher-Standort mit eigenem Stellenabbau liegt in Bremen, eine andere Gesellschaft mit eigenem Vorgang. Mehr dazu im Beitrag zum Bremer Standort.

Wie weit der Plan ist

Der Stellenabbau ist ein Plan, kein Beschluss. Nach den vorliegenden Quellen hat niemand eine Kündigung erhalten, verhandelt wird über Interessenausgleich und Sozialplan, dazu bereitet die IG Metall eigene Forderungen für einen Sozialtarifvertrag vor. „Wir entwickeln derzeit gemeinsam mit einem Sachverständigen eine plausible Alternative zum Abbaukonzept des Unternehmens“, sagte Betriebsratsvorsitzender Walter Heidenfelder laut Osthessen|News und Vorsprung Online.

Der Landrat sagte bei der zweiten Kundgebung laut denselben Quellen, das Unternehmen steigere seit Jahren Umsätze, Gewinne und Aktionärsdividenden, ein Stellenabbau „völlig ohne Not“. Diese Einordnung stammt vom Landrat, nicht vom Unternehmen selbst. Weil es kein Insolvenzverfahren gibt, zahlt dein Arbeitgeber dein Gehalt weiterhin aus dem laufenden Geschäft, und für dein Arbeitsverhältnis gilt deine vertragliche, tarifliche oder gesetzliche Kündigungsfrist nach Paragraf 622 BGB, gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit bis zu sieben Monaten ab 20 Jahren.

Es ist bereits der zweite Vorgang dieser Art am selben Standort innerhalb von acht Jahren. Zwischen 2018 und 2020 verhandelten Geschäftsführung und Betriebsrat laut Vorsprung Online über die Verlagerung von zunächst 102 Stellen aus Finanzen und Kundenbetreuung, am Ende blieben es 80. Die damalige Zahl von zwischenzeitlich „nur noch 60“ bezog sich auf diesen Verhandlungsstand bei Verwaltungsstellen, nicht auf die heutigen rund 60 Stellen in Produktion und Verwaltung.

Fristen, die jetzt zählen

Auch wenn noch niemand gekündigt wurde, lohnt sich ein Blick auf die Fristen, die greifen, sobald ein Enddatum feststeht. Nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III meldest du dich spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses arbeitsuchend, bei kürzerer Kenntnis bleiben dir drei Tage. Die Pflicht gilt selbst dann, wenn du gegen eine Kündigung klagst oder dir eine Weiterbeschäftigung in Aussicht gestellt wird. Wer sich zu spät meldet, riskiert eine Sperrzeit von einer Woche (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III). Die kostenfreie Servicenummer für Arbeitnehmer lautet 0800 4 5555 00.

Kommt eine schriftliche Kündigung, zählt eine dreiwöchige Frist ab Zugang für die Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG), verstreicht sie, gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam.

Wird dir stattdessen ein Aufhebungsvertrag angeboten, gilt besondere Vorsicht: Lass ihn vor jeder Unterschrift vom Betriebsrat, von der IG Metall Hanau-Fulda oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen und frag zusätzlich bei der Agentur für Arbeit nach. Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, auch über einen Aufhebungsvertrag, riskiert eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III), das Arbeitslosengeld 1 beträgt danach rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).

Was sich aus Produktion und Verwaltung übertragen lässt

Was sich vom Standort übertragen lässt, hängt von der eigenen Aufgabe ab, nicht jede Ableitung passt auf jede einzelne Person. Wer an den Stanz- und Laseranlagen in der Fertigung gearbeitet hat, kennt Maßtoleranzen, Materialprüfung und dokumentationspflichtige Fertigungsschritte, eine Grundlage für digitale Fertigungsleitsysteme in anderen Industriebetrieben. Wer an CO2-Inkubatoren, Brutschränken oder Hochtemperaturöfen mitgearbeitet hat, bringt ein Gespür für Sensorik und Regeltechnik mit, übertragbar auf IoT-gestützte Anlagenüberwachung. Prüfprotokolle und Normkonformität, wie sie ein Standort braucht, dessen Geräte weltweit an Labore verkauft werden, sind eine direkte Grundlage für digitale Qualitätsmanagementsysteme. Die aktuelle Maßnahme betrifft laut allen Quellen auch die Verwaltung, also Auftragsabwicklung, Einkauf und Kundenbetreuung, Felder für KI-gestützte Automatisierung von Rechnungsverarbeitung und Kundenkommunikation.

Für wen ein technischer oder kaufmännischer Neustart infrage kommt, hat mit dem Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz eine konkrete Option. Der Kurs läuft vier Monate in Vollzeit, montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse als Voraussetzung, DEKRA-zertifiziert. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 Absatz 4 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt, bei einer Bewilligung liegt dein Eigenanteil bei 0 Euro, über den Einzelfall entscheidet die Agentur für Arbeit. Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III kann eine Förderung auch schon vor einer Kündigung greifen, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, vorausgesetzt eine Beratung durch die Agentur für Arbeit findet vorher statt; neben einer laufenden Vollzeitstelle lässt sich der Kurs nicht belegen. Mehr zu diesem Weg steht im Beitrag zum Bildungsgutschein für Beschäftigte.

Wer bereits Arbeitslosengeld bezieht, kann es während der geförderten Weiterbildung weiter beziehen (Paragraf 144 SGB III), wobei je zwei Tage Weiterbildung die Anspruchsdauer um einen Tag mindern (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III). Eine Vermittlung in einen neuen Job kann dabei niemand garantieren, die Entscheidung liegt bei dir. Einen Überblick über weitere Fälle bietet die Übersicht zum Stellenabbau in der Industrie.

Eine zweite Runde am selben Standort

Aus unserer Sicht sticht an diesem Fall die Wiederholung heraus. Schon zwischen 2018 und 2020 verhandelte derselbe Betriebsratsvorsitzende, Walter Heidenfelder, mit derselben Geschäftsführung um denselben Standort, damals ging es um Finanzen und Kundenbetreuung, heute erstmals auch um die Fertigung selbst. Eine Belegschaft, die schon eine Verhandlungsrunde durchgestanden hat, geht anders in die zweite als eine, die zum ersten Mal betroffen ist: Der Betriebsrat entwickelt diesmal von Beginn an eine eigene Alternative mit einem Sachverständigen, statt auf ein fertiges Konzept zu warten.

Die Zahlen zeigen mehr, wenn man sie nebeneinanderlegt.

Was dabei auffällt, ist der schleichende Verlauf. Laut Osthessen|News ist der aktuellen Ankündigung ein mehrjähriger Abbau vorausgegangen, dem bereits über 100 Stellen zum Opfer gefallen sind, laut Primavera24 in den vergangenen vier Jahren. Solche Verläufe fallen in keiner einzelnen Meldung auf, weil jede für sich klein wirkt. Für die eigene Planung heißt das: Kläre mit dem Betriebsrat, wo deine Stelle in den laufenden Verhandlungen steht.

Häufige Fragen

Wer zahlt mein Gehalt, solange der Stellenabbau nur ein Plan ist?

Dein Gehalt zahlt weiterhin dein Arbeitgeber, aus dem laufenden Geschäft. Verhandelt wird aktuell über Interessenausgleich und Sozialplan, eine Kündigung ist nach den vorliegenden Quellen noch niemandem zugegangen. Für dein Arbeitsverhältnis gilt deine vertragliche, tarifliche oder gesetzliche Kündigungsfrist.

Was bedeutet es, dass der Betriebsrat ein eigenes Konzept vorlegen will?

Der Betriebsrat erarbeitet laut Osthessen|News gemeinsam mit einem Sachverständigen eine Alternative zum Abbaukonzept des Unternehmens, parallel bereitet die IG Metall Forderungen für einen Sozialtarifvertrag vor. Wie die Geschäftsführung darauf reagiert, ist offen. Für dich heißt das: Der Umfang ist noch Verhandlungssache, und es lohnt, beim Betriebsrat nach dem Stand zu fragen.

Wer ist eigentlich mein Arbeitgeber, wenn von „Thermo Fisher“ die Rede ist?

Registriert ist die Thermo Electron LED GmbH, „Thermo Fisher Scientific“ ist die Konzernmarke. Welche Gesellschaft für dich als Arbeitgeber gilt, steht in deinem Arbeitsvertrag und auf deiner Gehaltsabrechnung.

Bis wann muss ich mich arbeitsuchend melden, falls mein Arbeitsverhältnis endet?

Spätestens drei Monate vor dem Ende, nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III. Liegen zwischen Kenntnis des Enddatums und dem Ende weniger als drei Monate, bleiben dir drei Tage ab Kenntnis. Diese Pflicht gilt auch, wenn du gegen eine Kündigung klagst.

Was sollte ich vor der Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag bedenken?

Lass ihn vom Betriebsrat, von der IG Metall Hanau-Fulda oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen und frag zusätzlich bei der Agentur für Arbeit nach. Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, auch über einen Aufhebungsvertrag, riskiert eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen.

Quellen

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