Bei Stanley Feinwerktechnik in Lahnau ist der angekündigte Stellenabbau inzwischen vollzogen: Laut mittelhessen.de hat rund ein Drittel der Belegschaft den Betrieb verlassen, laut Betriebsrat erledigen die verbliebenen 36 Beschäftigten jetzt die Arbeit einer größeren Mannschaft. Vorausgegangen war im Mai 2026 ein elftägiger unbefristeter Streik, der der Belegschaft einen Tarifvertrag einbrachte, den angekündigten Stellenabbau aber nicht verhinderte. Dieser Text ordnet die Ereignisse mit Datum und zeigt, was für Ausgeschiedene und für Verbliebene jetzt zählt.
Eine arbeitsrechtliche Beratung ersetzt dieser Text nicht. Zuständig sind der Betriebsrat, die Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in eine neue Stelle kann niemand garantieren.
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Was seit April 2026 geschah
Am 30. April 2026 kündigte die Geschäftsführung laut IG Metall Mittelhessen an, mehr als ein Drittel der Belegschaft abzubauen, eine „monatelange Blockadehaltung des Arbeitgebers“, so die Gewerkschaft in eigener Zuschreibung als Konfliktpartei, keine neutrale Feststellung. Die Geschäftsführung nannte demgegenüber laut Gießener Anzeiger einen anhaltenden Rückgang der Verkaufszahlen im Automobilsektor als Grund.
Parallel dazu kämpfte die Belegschaft seit Ende 2024 für einen Tarifvertrag. Sie hatte sich laut DGB 2023 erstmals einen eigenen Betriebsrat gegeben. Mehreren Warnstreiks folgte am 4. Mai 2026 ein unbefristeter Streik von laut IG Metall rund 50 Beschäftigten. Laut DGB war es der erste unbefristete Streik seit 50 Jahren in Mittelhessen. Nach elf Streiktagen, am 13. und 14. Mai 2026, kam der Durchbruch. Die Mitglieder stimmten dem Ergebnis zu 100 Prozent zu: volle Tarifbindung bis Anfang 2029 und eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Den Stellenabbau konnte die Gewerkschaft dabei nicht abwenden. Vereinbart wurden laut DGB aber verbesserte Abfindungsregelungen und eine Transfergesellschaft.
Zum Stand 12. September 2026 ist der Stellenabbau vollzogen: Rund ein Drittel musste laut mittelhessen.de gehen, laut Betriebsrat erledigen aktuell 36 Mitarbeiter die anfallende Arbeit. Aus der Ankündigung ist damit bis September Vollzug geworden.
Wer das Gehalt zahlt
Für die Stanley Feinwerktechnik GmbH gibt es kein Insolvenzverfahren. Die amtliche Registerabfrage bestätigt das. Der Stellenabbau ist ein Personalabbau aus laufendem Geschäftsbetrieb, keine gerichtlich begleitete Sanierung, deren Sonderregeln greifen nicht. Für dich als Beschäftigten gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln: Der Arbeitgeber schuldet das Gehalt bis zum vereinbarten Ende des Arbeitsverhältnisses.
Wichtig ist, wer dein Arbeitgeber ist. Vor Ort in Lahnau ist das die Stanley Feinwerktechnik GmbH, HRB 1903, Amtsgericht Wetzlar, Gesellschafterin ist seit 2022 die Deutsche SBD Holdings Ltd, zuvor Black & Decker Holdings GmbH. Über diese Kette gehört der Betrieb zum US-Konzern Stanley Black & Decker, das bedeutet aber nicht, dass in Lahnau Werkzeuge für den Baumarkt entstehen: Laut IG Metall Mittelhessen werden dort Maschinen- und Anlagenteile für die Automobilindustrie gefertigt, ein Zulieferbetrieb für andere Hersteller. Die deutlich größere Schwesterfirma Tucker GmbH, über 1.000 Beschäftigte in Linden und Gießen, gehört zu einer eigenen Konzernsparte und hat mit diesem Stellenabbau nichts zu tun.
Arbeitgeber, Konzernmutter und Konzernsparte sind drei verschiedene Ebenen. Nur die erste zahlt dein Gehalt, die Antwort steht in Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung.
Fristen für Ausgeschiedene und Verbliebene
Wer zu dem rund einen Drittel gehört, das laut mittelhessen.de den Betrieb bereits verlassen hat und sich noch nicht bei der Agentur für Arbeit gemeldet hat, sollte das unverzüglich nachholen. Für alle, deren Arbeitsverhältnis erst noch endet, gilt: Arbeitsuchend meldet man sich nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III spätestens drei Monate vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses, bei kürzerer Kenntnis genügen drei Tage, sonst droht eine Sperrzeit von einer Woche (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III), die kostenfreie Servicenummer lautet 0800 4 5555 00. Bei einer schriftlichen Kündigung bleiben drei Wochen ab Zugang für eine Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG), versäumt man sie, gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam. Ein Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III), das Arbeitslosengeld 1 beträgt dann rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).
Für die laut DGB vereinbarte Transfergesellschaft gilt eine eigene Regel: Betriebsparteien können für deren Beschäftigte Transferkurzarbeitergeld nach Paragraf 111 SGB III vereinbaren, längstens zwölf Monate. Zu Höhe oder Dauer der Abfindungen nennt keine Quelle eine Zahl.
Die laut Betriebsrat verbliebenen 36 Beschäftigten stehen rechtlich anders da. Ihr Arbeitsverhältnis läuft unverändert weiter, akut laufen für sie keine dieser Fristen. Wer trotzdem über einen Wechsel nachdenkt, kann sich schon im bestehenden Arbeitsverhältnis bei der Agentur für Arbeit beraten lassen, denn eine Weiterbildung lässt sich auch fördern, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden (Paragraf 81 Absatz 1 SGB III), Voraussetzung ist die Beratung vor Kursbeginn. Ein solcher Vollzeitkurs lässt sich dann allerdings nicht neben einer laufenden Vollzeitstelle belegen.
Was aus der Arbeit in der Feinwerktechnik übertragbar ist
Der eingetragene Unternehmensgegenstand lautet „Herstellung von Einzelteilen, die mechanische Bearbeitung von Metall und Kunststoff und die Montage von Baugruppen“, dazu passt die Einordnung von IG-Metall-Sekretär Sascha Gerlach, wonach in Lahnau Maschinen- und Anlagenteile für die Automobilindustrie entstehen: ein Betrieb der Feinwerktechnik und Präzisionsfertigung. Das leiten wir aus der Betriebsbeschreibung ab, nicht aus einer Liste einzelner Berufsbilder.
Wer über Jahre Einzelteile mechanisch bearbeitet hat, kennt Toleranzen, Werkzeugverschleiß und Fertigungsparameter aus erster Hand, eine Grundlage für sensorgestützte Anlagenüberwachung und automatisierte Qualitätsprüfung anderswo. Wer Baugruppen montiert oder Anlagenteile für andere Hersteller gefertigt hat, bringt Prozessverständnis und Serienfertigungs-Erfahrung aus der Zulieferperspektive mit, gefragt in Montageleitständen, Fertigungsplanung und Qualitätssicherung.
Dazu kommt, was die Belegschaft geleistet hat: 2023 der erste Betriebsrat, 2026 elf Tage unbefristeter Streik bis zum Verhandlungsergebnis. Keine fachliche Qualifikation, aber ein Beleg für Durchhaltevermögen. Wer zu den laut Betriebsrat verbliebenen 36 Beschäftigten gehört, die die Arbeit einer größeren Belegschaft auffangen, hat Erfahrung mit Priorisierung unter Zeitdruck gesammelt.
Für alle, die sich neu orientieren wollen, ist der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz eine Option: vier Monate in Vollzeit, montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse als Voraussetzung, DEKRA-zertifiziert. Finanziert wird er über den Bildungsgutschein nach Paragraf 81 Absatz 4 SGB III, den ausschließlich die Agentur für Arbeit ausstellt. Bei bewilligtem Bildungsgutschein liegt der Eigenanteil bei 0 Euro, über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall, eine Vermittlung in einen Job kann niemand garantieren. Wie der Antrag abläuft, erklärt unser Beitrag zum Bildungsgutschein beantragen.
Wer bereits Arbeitslosengeld bezieht, kann es während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter erhalten (Paragraf 144 SGB III). Je zwei Tage Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung mindern dabei die Anspruchsdauer um einen Tag (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III). Mehr dazu sammelt unsere Übersicht zum Stellenabbau in der Industrie.
Ein Erfolg, der den Abbau nicht aufhielt
Was diesen Fall ungewöhnlich macht, ist die Gleichzeitigkeit von Erfolg und Verlust in derselben Belegschaft. Dieselben laut IG Metall rund 50 Beschäftigten, die im Mai 2026 nach elf Tagen Streik einen seltenen tarifpolitischen Erfolg in Mittelhessen erkämpften, mussten Monate später zusehen, wie laut mittelhessen.de rund ein Drittel ihrer Kollegen den Betrieb verließ. Ein Tarifvertrag regelt, wie viel die Arbeit der Verbliebenen wert ist, nicht wie viele Arbeitsplätze es künftig gibt, die Belegschaft hat die eine Frage gewonnen und die andere verloren.
Aus unserer Sicht zeigt der Fall auch, wie leicht Größe mit Bedeutung verwechselt wird: Ein Betrieb mit laut IG Metall rund 50 Beschäftigten macht normalerweise keine überregionalen Schlagzeilen, dieser tat es wegen seiner Stellung in der Lieferkette. Laut Gießener Anzeiger beobachtete IG-Metall-Sekretär Sascha Gerlach, dass Autobauer bereits nervös wurden, weil in Lahnau gefertigte Teile in der Produktion der Automobilindustrie gebraucht werden.
Wer den zeitlichen Ablauf nicht rekonstruiert, verwechselt leicht eine abgeschlossene Maßnahme mit einer akuten Bedrohung: Die Ankündigung stammt vom 30. April, lange vor dem Verhandlungsergebnis Mitte Mai, aktuell ist im September die Überlastung der laut Betriebsrat 36 verbliebenen Beschäftigten, nicht der Abbau selbst. Ob die unternehmensseitige Begründung mit dem Nachfragerückgang oder die gewerkschaftliche Zuschreibung einer Blockadehaltung näher an der Wahrheit liegt, lässt sich von außen nicht beurteilen.
Häufige Fragen
Wer zahlt mein Gehalt, wenn ich noch bei Stanley Feinwerktechnik angestellt bin?
Dein Gehalt zahlt weiterhin dein Arbeitgeber, aus dem laufenden Geschäft, mit deiner vertraglichen, tariflichen oder gesetzlichen Kündigungsfrist.
Gehört mein Arbeitgeber zu einem großen Konzern?
Ja, über die Gesellschafterkette gehört Stanley Feinwerktechnik zum US-Konzern Stanley Black & Decker. In Lahnau entstehen aber keine Werkzeuge für Endkunden, sondern Anlagenteile für die Automobilindustrie, der Betrieb mit laut IG Metall rund 50 Beschäftigten ist nicht zu verwechseln mit der größeren Schwesterfirma Tucker GmbH, über 1.000 Beschäftigte in Linden und Gießen.
Wie viele Stellen wurden tatsächlich abgebaut?
Eine exakte Zahl nennt keine Quelle. Die IG Metall Mittelhessen sprach bei der Ankündigung Ende April 2026 von mehr als einem Drittel der Belegschaft, mittelhessen.de bezifferte den Rückblick im September 2026 auf rund ein Drittel. Laut Betriebsrat erledigen aktuell 36 Mitarbeiter die anfallende Arbeit.
Welche Fristen muss ich beachten, wenn ich den Betrieb bereits verlassen habe?
Melde dich spätestens drei Monate vor Ende deines Arbeitsverhältnisses arbeitsuchend, bei kürzerer Kenntnis genügen drei Tage (Paragraf 38 Absatz 1 SGB III). Nach einer schriftlichen Kündigung bleiben drei Wochen für eine Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG). Ein Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen.
Gilt für mich eine Transfergesellschaft oder Transferkurzarbeitergeld?
Laut DGB wurde eine Transfergesellschaft vereinbart. Für deren Beschäftigte können Betriebsparteien Transferkurzarbeitergeld nach Paragraf 111 SGB III vereinbaren, längstens zwölf Monate, ob das hier geschieht, sagt keine Quelle.
Quellen
- Gießener Anzeiger: Arbeiter bei Stanley erkämpfen mit unbefristetem Streik Tarifvertrag, 14.05.2026
- DGB Hessen-Thüringen: Beschäftigte bei Stanley Feinwerktechnik erkämpfen historischen Erfolg!, 18.05.2026
- mittelhessen.de: Belegschaft von Stanley Feinwerktechnik hat neue Sorgen, 12.09.2026
- IG Metall Mittelhessen: Stanley: 100% der Mitglieder stimmen für das Verhandlungsergebnis, 19.05.2026
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