Wer bei der Agentur für Arbeit nach einem Bildungsgutschein fragt und einen festen Job hat, hört oft zuerst ein Nein. Das Nein bezieht sich aber meistens auf den falschen Weg. Für Beschäftigte gibt es eine eigene Förderung, und die beantragt der Arbeitgeber.
Dieser Beitrag erklärt den Antragsweg Schritt für Schritt: was § 82 SGB III verlangt, wie Arbeitgeber und Beschäftigter sich die Arbeit aufteilen, welche Unterlagen die Agentur sehen will und wo Anträge typischerweise hängen bleiben. Ob Beschäftigte ohne drohende Arbeitslosigkeit überhaupt einen eigenen Bildungsgutschein bekommen, klären wir im Beitrag Bildungsgutschein für Beschäftigte: Geht das überhaupt und wenn ja wie?
Wie Arbeitgeber und Bildungsgutschein zusammenhängen
§ 82 SGB III regelt die Förderung von Weiterbildung im bestehenden Arbeitsverhältnis. Der Absatz 6 verweist auf § 81 Abs. 4, also auf die Vorschrift zum Bildungsgutschein. Die Agentur kann dem Beschäftigten damit einen Gutschein ausstellen, dessen Höhe und Umfang sie auf die Förderung nach § 82 beschränkt. Sind Arbeitgeber und Beschäftigter einverstanden, kann sie auch darauf verzichten.
Für dich heißt das: Der Gutschein ist hier nur das Werkzeug. Die eigentliche Entscheidung fällt über den Antrag des Betriebs. Bescheid und Rechnung des Bildungsträgers gehen an den Arbeitgeber.
Die Voraussetzungen nach § 82 SGB III
Das Gesetz nennt fünf Bedingungen, die alle erfüllt sein müssen:
- Die Weiterbildung vermittelt Kenntnisse, die über eine kurze, rein arbeitsplatzbezogene Anpassungsfortbildung hinausgehen.
- Dein Berufsabschluss liegt in der Regel mindestens zwei Jahre zurück.
- Du hast in den letzten zwei Jahren keine Förderung nach dieser Vorschrift erhalten.
- Die Maßnahme dauert mehr als 120 Stunden.
- Maßnahme und Träger sind nach AZAV zugelassen.
Die erste Bedingung ist die, an der Anträge am häufigsten scheitern. Eine Schulung für die neue Software im eigenen Lager ist Anpassung. Eine Weiterbildung, nach der du Prozesse im ganzen Betrieb analysieren und automatisieren kannst, geht deutlich darüber hinaus.
Erst das Ziel klären, dann den Förderweg
Welche Förderung passt, hängt davon ab, welche Weiterbildung du machen willst. Im KI-Schnupperkurs lernst du in fünf Lektionen den Digitalisierungsmanager kennen, der über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden kann. So gehst du mit einem konkreten Ziel in das Beratungsgespräch.
Kostenlos reinschnuppernDer Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Wie viel die Agentur übernimmt
Die Höhe hängt von der Zahl der Beschäftigten im Betrieb ab. Sie betrifft zwei Posten, die Lehrgangskosten und einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt für die Zeit, in der du in der Weiterbildung sitzt.
| Betriebsgröße | Anteil des Arbeitgebers an den Lehrgangskosten | Zuschuss zum Arbeitsentgelt |
|---|---|---|
| unter 50 Beschäftigte | keiner, die Agentur trägt die Lehrgangskosten | bis zu 75 Prozent |
| 50 bis unter 500 | 50 Prozent | bis zu 50 Prozent |
| ab 500 | 75 Prozent | bis zu 25 Prozent |
In Betrieben mit weniger als 500 Beschäftigten entfällt der Arbeitgeberanteil an den Lehrgangskosten auch dann, wenn du mindestens 45 Jahre alt oder schwerbehindert bist. Wie sich der Zuschuss zum Arbeitsentgelt im Einzelfall berechnet, zeigt unser Beitrag zum Arbeitsentgeltzuschuss nach § 82.
Der Antrag Schritt für Schritt
In der Praxis bewährt sich diese Reihenfolge. Du suchst die passende Weiterbildung aus und holst beim Bildungsträger ein Angebot mit Maßnahmennummer, Dauer, Unterrichtseinheiten und Kosten ein. Mit diesem Angebot gehst du zu deinem Vorgesetzten oder zur Personalabteilung und erklärst, welchen Nutzen der Betrieb von der Weiterbildung hat. Stimmt der Arbeitgeber zu, nimmt er Kontakt mit dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit auf, telefonisch unter 0800 4 5555 20 oder über die örtliche Agentur. Der Arbeitgeber-Service prüft die Voraussetzungen, bespricht Freistellung und Entgeltfortzahlung und nimmt den Antrag auf. Der Antrag muss vor Kursbeginn gestellt sein, für eine schon laufende Maßnahme gibt es keine Förderung mehr. Während der Maßnahme zahlt der Arbeitgeber dein Gehalt weiter und erhält den bewilligten Zuschuss. Die Rechnung des Trägers geht an den Betrieb.
Sollen mehrere Beschäftigte in dieselbe Maßnahme, kann der Arbeitgeber einen Sammelantrag stellen. Nach § 82 Abs. 5 SGB III braucht er dafür das Einverständnis der Betroffenen oder der Betriebsvertretung.
Welche Unterlagen bereitliegen sollten
- Angebot des Bildungsträgers mit Maßnahmennummer und AZAV-Zulassung
- Angaben zum Betrieb, vor allem die Zahl der Beschäftigten
- Angaben zu dir: Berufsabschluss mit Datum, Tätigkeit, Arbeitszeit, Bruttoentgelt
- Kurze Begründung, warum die Weiterbildung für deinen Arbeitsplatz oder den Betrieb nötig ist
- Bei Sammelanträgen die Einverständniserklärungen
Die Begründung muss nicht lang sein. Zwei oder drei Sätze dazu, wie sich deine Aufgaben durch Digitalisierung oder neue Technik verändern, reichen meistens.
Erst das Ziel klären, dann den Förderweg
Welche Förderung passt, hängt davon ab, welche Weiterbildung du machen willst. Im KI-Schnupperkurs lernst du in fünf Lektionen den Digitalisierungsmanager kennen, der über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden kann. So gehst du mit einem konkreten Ziel in das Beratungsgespräch.
Kostenlos reinschnuppernDer Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Typische Stolpersteine beim Antrag
Viele Arbeitgeber kennen die Förderung schlicht nicht. Ein Gespräch mit konkreten Zahlen hilft mehr als jeder Prospekt: Bei einem Betrieb mit 30 Beschäftigten übernimmt die Agentur die Lehrgangskosten ganz, dazu kommt ein Teil des Gehalts. Für den Betrieb bleibt vor allem die Zeit, in der du nicht am Arbeitsplatz bist.
Ein zweiter Stolperstein ist die Freistellung. Eine Vollzeitweiterbildung über mehrere Monate lässt sich in kleinen Betrieben schwer abfedern. Hier hilft eine Teilzeitform, bei der du vormittags lernst und nachmittags arbeitest.
Unsere Erfahrung aus vielen Gesprächen mit Betrieben: Der Antrag scheitert fast nie an der Agentur, sondern daran, dass niemand im Betrieb ihn anstößt. Wer als Beschäftigter mit einem fertigen Angebot und einer kurzen Begründung zum Chef geht, hat die halbe Arbeit schon erledigt. Wer nur fragt, ob es „da nicht was vom Amt gibt“, bekommt meistens ein Schulterzucken.
Will dein Arbeitgeber nicht mitziehen, bleibt der persönliche Weg: Bei einer Aufstiegsfortbildung mit öffentlich-rechtlichem Abschluss stellst du selbst einen Antrag auf Aufstiegs-BAföG, bei konkret drohender Arbeitslosigkeit fragst du bei der Agentur für Arbeit nach einem Bildungsgutschein. Zur Orientierung taugt auch die Plattform mein NOW der Bundesagentur für Arbeit.
SkillSprinters ist nach AZAV zugelassen. Für die berufsbegleitende Weiterbildung zum KI-Prozessmanager in Teilzeit bereiten wir Arbeitgebern das Angebot mit allen Angaben vor, die der Arbeitgeber-Service für den Antrag braucht.
Häufige Fragen
Kann ich den Antrag nach § 82 SGB III selbst stellen?
Gestellt wird der Antrag vom Arbeitgeber, denn Bescheid, Zuschuss und Rechnung laufen über den Betrieb. Du kannst die Vorbereitung übernehmen: Angebot einholen, Begründung formulieren und den Kontakt zum Arbeitgeber-Service herstellen.
Bekomme ich während der Weiterbildung mein volles Gehalt?
Ja, das Arbeitsverhältnis läuft weiter und der Arbeitgeber zahlt dein Entgelt. Die Agentur erstattet ihm je nach Betriebsgröße einen Teil davon als Zuschuss.
Wie lange dauert die Bewilligung?
Das ist von Agentur zu Agentur verschieden. Plane mehrere Wochen Vorlauf vor dem gewünschten Kursbeginn ein, denn nach Beginn der Maßnahme kann kein Antrag mehr gestellt werden.
Muss ich die Förderung zurückzahlen, wenn ich danach kündige?
Gegenüber der Agentur nicht. Manche Arbeitgeber vereinbaren aber eine Rückzahlungsklausel für ihren eigenen Anteil. Lies eine solche Vereinbarung genau, bevor du unterschreibst.
Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?
Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.