Das St. Bernhard Hospital in Brake an der Wesermarsch stellt seinen Betrieb Ende September ein, nach 146 Jahren Geschichte. Rund 350 Beschäftigte des Krankenhauses und des angeschlossenen Medizinischen Versorgungszentrums sind betroffen. Die Klinik hat bereits Kontakt zu umliegenden Krankenhäusern aufgenommen, um eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Das berichten unter anderem die Nordwest-Zeitung, der Weser-Kurier und Kirche-und-Leben. Wenn du am St. Bernhard Hospital arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.
Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Sozialplan, Insolvenzgeld oder Aufhebungsvertrag ist die Mitarbeitervertretung, der Insolvenzverwalter oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, gerade im Gesundheitswesen ist der Bedarf an Fachkräften aber grundsätzlich hoch.
Auf einen Blick: Das St. Bernhard Hospital Brake stellt Ende September nach 146 Jahren den Betrieb ein, rund 350 Beschäftigte sind betroffen. Die Klinik befindet sich seit November 2025 in Insolvenz in Eigenverwaltung, für 2026 und 2027 sah die Geschäftsführung keine wirtschaftliche Perspektive mehr. Das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III sichert bis zu drei Monate Nettoentgelt. Wer die Stelle verliert, sichert ALG 1 und kann eine geförderte Weiterbildung nutzen.
Was am St. Bernhard Hospital gerade passiert
Das katholische Krankenhaus in Brake befindet sich seit November 2025 in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, das eigentlich die Sanierung ermöglichen sollte. Nach Angaben der Geschäftsführung war für 2026 keine wirtschaftliche Stabilisierung mehr möglich, für 2027 gab es keine verlässliche Perspektive. Ab April 2026 gingen die Erlöse zurück, während die Kosten für Energie, medizinische Materialien, Dienstleistungen und Personal weiter stiegen.
Als weitere Gründe nennt die Klinikleitung unzureichende Erstattungen der Kostenträger sowie deutliche Tarifsteigerungen. Der Betrieb wird nun zum Ende September eingestellt, nach 146 Jahren Geschichte des Hauses. Rund 350 Beschäftigte des Krankenhauses und des angeschlossenen Medizinischen Versorgungszentrums sind betroffen. Die Klinik hat nach eigenen Angaben bereits Kontakt zu umliegenden Krankenhäusern aufgenommen, um Beschäftigten eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen.
Für dich als Beschäftigten heißt das: Bis Ende September bleibt Zeit, die eigene Situation zu ordnen. Der Fachkräftemangel in Pflege und Medizin bedeutet nicht automatisch einen nahtlosen Wechsel, aber er verbessert deine Ausgangslage gegenüber vielen anderen Branchen deutlich.
Deine Gehälter sind über das Insolvenzgeld gesichert
Für die Zeit rund um das Insolvenzereignis greift das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III. Es sichert bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Der Insolvenzverwalter und die Personalabteilung unterstützen bei den nötigen Bescheinigungen.
Solltest du eine Kündigung oder ein Angebot für einen Aufhebungsvertrag erhalten, lass es vor der Unterschrift prüfen. Eine selbst herbeigeführte Beendigung kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen.
Falls es zur Beendigung kommt: ALG 1 absichern
Endet dein Arbeitsverhältnis, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend, sonst droht eine Sperre. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00.
ALG 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, gezahlt bis zu 24 Monate je nach Alter und Einzahldauer.
Wenn du aus Pflege oder Klinikverwaltung neue Wege suchst
Für viele im Pflege- und medizinischen Bereich ist der direkte Wechsel in eine andere Klinik oder Praxis der naheliegendste Schritt, gerade weil dort weiterhin Personal gesucht wird. Für dich als Angehörigen der Verwaltung, Abrechnung, IT oder Organisation des Krankenhauses kann eine Weiterbildung sinnvoll sein, weil digitale und automatisierte Abläufe im Gesundheitswesen weiter an Bedeutung gewinnen. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Kinderbetreuung wird mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (§ 87 SGB III).
Ein möglicher Weg ist der Digitalisierungsmanager: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil. In den DigiMan-Kursen sitzen regelmäßig Menschen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, die ihr Organisationswissen in Digitalisierungsrollen einbringen. Wer eher in die kaufmännische Führung will, findet im Wirtschaftsfachwirt (IHK) eine Alternative über das Aufstiegs-BAföG.
Häufige Fragen
Wie viele Beschäftigte sind vom Aus des St. Bernhard Hospitals betroffen?
Rund 350 Beschäftigte des Krankenhauses und des angeschlossenen Medizinischen Versorgungszentrums sind betroffen. Der Betrieb wird zum Ende September eingestellt.
Hilft mir die Klinik bei einer neuen Stelle?
Die Klinik hat nach eigenen Angaben bereits Kontakt zu umliegenden Krankenhäusern aufgenommen, um eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Eine Vermittlung kann niemand garantieren, sprich am besten direkt mit deiner Klinikleitung oder der Mitarbeitervertretung über konkrete Angebote.
Bekomme ich mein ausstehendes Gehalt?
Für rückständiges Nettoentgelt der letzten bis zu drei Monate greift das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.
Quellen
- Nordwest-Zeitung: Schließung von Krankenhaus in Brake, St.-Bernhard-Hospital stellt Betrieb im Herbst ein
- Weser-Kurier: St. Bernhard Hospital in Brake schließt Ende September
- Kirche-und-Leben: Katholisches Krankenhaus im Oldenburger Land schließt, die Hintergründe
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