Der dänische Hörgerätekonzern Demant schließt den Produktionsstandort seiner Tochter audifon in Kölleda, Thüringen, zum 31. Oktober. Rund 130 Beschäftigte verlieren dabei ihre Stelle, Anschlussangebote gibt es nicht. Mit der Schließung endet die Herstellung von Hörgeräten in Deutschland vollständig, denn audifon war der letzte Hersteller, der komplett hierzulande produzierte. Das berichten unter anderem Sonimundus und das Fachportal Mein Hörgerät. Wenn du bei audifon in Kölleda arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.

Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Sozialplan, Abfindung oder Aufhebungsvertrag ist der Betriebsrat, die IG Metall oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.

Auf einen Blick: Demant schließt die Produktion seiner Tochter audifon in Kölleda zum 31. Oktober, rund 130 Beschäftigte sind betroffen. Anschlussstellen gibt es nach den Berichten nicht. Damit endet die Hörgeräteproduktion in Deutschland vollständig. Wer die Stelle verliert, sichert ALG 1 und kann eine geförderte Weiterbildung nutzen.

Was bei audifon in Kölleda gerade passiert

audifon war der letzte Hersteller, der seine Hörgeräte vollständig in Deutschland fertigte. Nach der Übernahme der KIND-Gruppe durch den dänischen Demant-Konzern für rund 700 Millionen Euro im Dezember 2025, freigegeben vom Bundeskartellamt am 19. November 2025, entschied der neue Eigentümer, den Produktionsstandort Kölleda zu schließen. Nach den Berichten war der Käufer vor allem am Filialnetz der KIND-Gruppe interessiert, nicht an der eigenen Fertigung.

Bemerkenswert dabei: Nach Aussage des zuständigen IG-Metall-Vertreters sind die Auftragsbücher voll, produziert werden soll bis zum letzten Tag. Der Schließung liegt damit keine Auftragsflaute zugrunde, sondern eine strategische Entscheidung des neuen Eigentümers. Für die rund 130 Beschäftigten bedeutet das trotzdem den Verlust ihres Arbeitsplatzes zum 31. Oktober, ohne dass Ersatzstellen angeboten werden.

Für dich heißt das: Die Zeit bis Ende Oktober solltest du aktiv nutzen, statt auf eine Lösung von außen zu warten. Wer früh die eigenen Ansprüche klärt und parallel eine Anschlussperspektive vorbereitet, verliert nach dem letzten Arbeitstag keine Zeit.

Dein erster Schritt: ALG 1 absichern

Sobald du von der Beendigung deines Arbeitsverhältnisses weißt, meldest du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend, telefonisch unter 0800 4 5555 00 oder online. Versäumst du das, kann die Agentur für Arbeit das ALG 1 mindern.

ALG 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, gezahlt bis zu 24 Monate je nach Alter und Einzahldauer.

Sozialplan, Abfindung und Aufhebungsvertrag

Bei einer vollständigen Werksschließung verhandeln Betriebsrat und Geschäftsleitung in der Regel über einen Sozialplan mit Abfindungsregelung. Lass dir jedes Angebot vom Betriebsrat, der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht erklären, bevor du unterschreibst. Eine selbst herbeigeführte Beendigung über einen Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen, eine Abfindung selbst kürzt das ALG 1 in der Regel nicht.

Die Zeit für eine geförderte Weiterbildung nutzen

Wer in der Feinmontage, Qualitätssicherung oder Produktionssteuerung eines Präzisionsherstellers wie audifon gearbeitet hat, bringt handwerkliches und prozessuales Können mit, das sich gut auf digitale und automatisierte Rollen übertragen lässt. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Kinderbetreuung wird mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (§ 87 SGB III).

Der Digitalisierungsmanager ist ein möglicher Weg: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil, mit Fokus auf Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von KI. Wer eher in die kaufmännische Führung will, findet im Wirtschaftsfachwirt (IHK) eine Alternative über das Aufstiegs-BAföG.

Häufige Fragen

Wie viele Beschäftigte verlieren bei audifon in Kölleda ihren Job?

Rund 130 Beschäftigte sind von der Schließung zum 31. Oktober betroffen. Nach den vorliegenden Berichten werden keine Anschlussstellen angeboten.

Warum wird der Standort geschlossen, wenn die Auftragsbücher voll sind?

Nach Aussage der IG Metall liegt der Schließung keine Auftragsflaute zugrunde. Der neue Eigentümer Demant war nach den Berichten vor allem am Filialnetz der übernommenen KIND-Gruppe interessiert, nicht an der eigenen Fertigung.

Was bedeutet die Schließung für die Hörgeräteproduktion in Deutschland?

Nach den vorliegenden Berichten war audifon der letzte Hersteller, der seine Hörgeräte vollständig in Deutschland fertigte. Mit der Schließung endet diese Produktion.

Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?

Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.

Quellen

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