Der französische IT- und Engineering-Dienstleister Capgemini plant einen weitreichenden Stellenabbau quer durch Deutschland. Die Standorte Frankfurt, Nürnberg und Gaimersheim sollen nach Berichten der IG Metall Wolfsburg vollständig geschlossen werden, in München sind 202 Stellen bedroht, in Stuttgart weitere 90. Das berichten unter anderem die IG Metall Wolfsburg und das Fachportal Automobil Industrie. Wenn du bei Capgemini Engineering an einem dieser Standorte arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.

Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Interessenausgleich, Sozialplan oder Abfindung ist der Betriebsrat, die IG Metall oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.

Auf einen Blick: Capgemini Engineering plant einen bundesweiten Stellenabbau, die Standorte Frankfurt, Nürnberg und Gaimersheim sollen vollständig geschlossen werden. In München sind 202 Stellen bedroht, in Stuttgart weitere 90. Die IG Metall organisiert Widerstand und will Alternativen zu Kündigungen aufzeigen. Wer die Stelle verliert, sichert ALG 1 und kann eine geförderte Weiterbildung nutzen.

Was bei Capgemini Engineering gerade passiert

Capgemini Engineering ist der Engineering- und Entwicklungsdienstleistungsarm des französischen Capgemini-Konzerns und arbeitet in Deutschland unter anderem eng mit der Automobilindustrie zusammen. Nach Berichten der IG Metall Wolfsburg plant das Unternehmen einen weitreichenden Stellenabbau, der mehrere deutsche Standorte gleichzeitig trifft.

Konkret sollen die Standorte Frankfurt, Nürnberg und Gaimersheim vollständig geschlossen werden. Am Standort München sind 202 Stellen bedroht, in Stuttgart weitere 90. Bereits zuvor hatte Capgemini für den Standort Wolfsburg-Warmenau einen Stellenabbau angekündigt, dort laufen eigene Verhandlungen zwischen IG Metall und Betriebsrat.

Der Konzern begründet den Umbau mit einem branchenweiten Wandel: Auch in Spanien hat Capgemini bereits eine Restrukturierung mit Stellenabbau eingeleitet und dabei ausdrücklich auf die veränderten Personalanforderungen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verwiesen. Die IG Metall Wolfsburg kündigte an, gemeinsam mit dem Betriebsrat Alternativen zu Kündigungen aufzeigen zu wollen.

Für Beschäftigte an den betroffenen Standorten heißt das: Solange kein Interessenausgleich unterschrieben ist, ist formal nichts entschieden. Genau in dieser Phase lohnt es sich, die eigenen Ansprüche zu kennen und sich frühzeitig zu orientieren.

Dein erster Schritt: ALG 1 absichern

Sobald absehbar ist, dass dein Arbeitsverhältnis endet, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend, sonst droht eine Sperre. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00.

ALG 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, gezahlt bis zu 24 Monate je nach Alter und Einzahldauer.

Interessenausgleich, Sozialplan und Transfergesellschaft

Bei vollständigen Standortschließungen verhandeln Betriebsrat und IG Metall in der Regel einen Sozialplan mit Abfindungsregelung, häufig ergänzt um eine Transfergesellschaft. Dort erhältst du befristet Transfer-Kurzarbeitergeld nach § 111 SGB III und Zeit für Qualifizierung und Jobsuche, statt direkt in die Arbeitslosigkeit zu wechseln. Lass dir jedes Angebot vom Betriebsrat, der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht erklären, bevor du unterschreibst. Eine selbst herbeigeführte Beendigung über einen Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen.

Die Zeit für eine geförderte Weiterbildung nutzen

Wer bei einem IT- und Engineering-Dienstleister wie Capgemini gearbeitet hat, bringt oft schon starke digitale und projektbezogene Kompetenzen mit. Genau diese Fähigkeiten sind branchenübergreifend gefragt, gerade wenn es um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen geht. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Kinderbetreuung wird mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (§ 87 SGB III).

Für Menschen aus Entwicklung, Projektmanagement oder technischer Beratung kann der Digitalisierungsmanager ein guter nächster Schritt sein: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil, mit Fokus auf Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von KI in Geschäftsprozessen. Wer eher in die kaufmännische Führung will, findet im Wirtschaftsfachwirt (IHK) eine Alternative über das Aufstiegs-BAföG.

Häufige Fragen

Welche Capgemini-Engineering-Standorte sind betroffen?

Frankfurt, Nürnberg und Gaimersheim sollen nach den vorliegenden Berichten vollständig geschlossen werden. In München sind 202 Stellen bedroht, in Stuttgart weitere 90, zusätzlich zu bereits angekündigten Kürzungen in Wolfsburg-Warmenau.

Warum baut Capgemini Engineering jetzt so viele Stellen ab?

Der Konzern verweist auf einen branchenweiten Wandel und veränderte Personalanforderungen, unter anderem durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Eine ähnliche Restrukturierung läuft nach Berichten bereits in Spanien.

Kämpft die IG Metall gegen die Schließungen?

Die IG Metall Wolfsburg hat angekündigt, gemeinsam mit dem Betriebsrat Alternativen zu Kündigungen aufzeigen zu wollen. Der Ausgang der Verhandlungen war zum Zeitpunkt der Berichterstattung offen.

Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?

Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.

Quellen

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