Der Sensorhersteller SICK AG aus Waldkirch baut in Südbaden Personal ab. Nach den unten genannten Berichten sollen rund 500 Stellen wegfallen, betroffen sind die Standorte Waldkirch, Reute, Freiburg und Donaueschingen, wo zusammen etwa 5.000 Menschen arbeiten. Das ist etwa jede zehnte Stelle in der Heimatregion. Angekündigt wurde der Schritt im April 2026, nachdem SICK bereits zuvor die Schließung des Standorts Karlsruhe und den Abbau von rund 100 Stellen in Hamburg angekündigt hatte. Als Gründe nennt das Unternehmen verschärften Wettbewerb, sinkende Erträge und zu geringe Profitabilität. Wenn dein Bereich betroffen ist, hilft dir dieser Leitfaden weiter.

Vorab, damit das klar ist: Dieser Artikel ist keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Interessenausgleich, Sozialplan oder Aufhebungsvertrag sind der Betriebsrat, die IG Metall und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht zuständig. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren. Die Förderwege dagegen sind klar geregelt.

Auf einen Blick: Sobald dein Arbeitsverhältnis endet, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden (Hotline 0800 4 5555 00). ALG 1 ersetzt rund 60 Prozent deines letzten Nettos, mit Kind 67 Prozent. Über den Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III zahlt die Agentur für Arbeit eine Weiterbildung wie den Digitalisierungsmanager zu 100 Prozent, während dein ALG 1 weiterläuft. Wer aus einem High-Tech-Umfeld wie der Sensorik kommt, hat für KI- und Prozessthemen ideales Vorwissen.

Was bei SICK gerade passiert

Der Abbau in Südbaden trifft etwa jede zehnte Stelle in der Region. Trotz der Einschnitte hat das Management nach eigenen Angaben am Hauptstandort Waldkirch und in Donaueschingen festgehalten und dort investiert. Die Karlsruher Niederlassung sollte bis Ende März 2026 komplett geschlossen werden. Die Maßnahmen sind nach Unternehmensangaben eine Reaktion auf verschärften Wettbewerb und eine zu niedrige Profitabilität.

Für dich heißt das praktisch: Solange Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt werden, ist im Detail nichts entschieden. Wer aber früh seine Förderansprüche klärt und eine Weiterbildung vorbereitet, verliert nach dem letzten Arbeitstag keine Zeit.

Eine ehrliche Einordnung: SICK ist ein technologisch starkes Unternehmen, und genau das ist dein Vorteil. Wer in Sensorik, Elektronik, Software oder Produktion gearbeitet hat, bringt ein Verständnis für Daten und Prozesse mit, das in der Prozessautomatisierung und beim Einsatz von KI direkt gefragt ist, und das nicht nur in der Industrie am Oberrhein.

Schritt 1: ALG 1 sichern

Die wichtigste Frist zuerst. Sobald du von der Beendigung deines Arbeitsverhältnisses weißt, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden, telefonisch unter 0800 4 5555 00 oder online. Versäumst du das, kann die Agentur für Arbeit das ALG 1 mindern.

Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit mindestens einem Kind 67 Prozent. Bei zwölf Monaten Anspruch wird es ein Jahr gezahlt, ab 50 Jahren länger, ab 58 bis zu 24 Monate.

Wird dir ein Aufhebungsvertrag angeboten, prüfe ihn nicht allein. Er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen, je nach Formulierung. Lass den Vertrag vom Betriebsrat oder einem Fachanwalt ansehen, bevor du unterschreibst. Eine Abfindung kürzt das ALG 1 in der Regel nicht, kann aber den Beginn verschieben.

Schritt 2: Den Bildungsgutschein verstehen

Der Bildungsgutschein ist das Instrument, mit dem die Agentur für Arbeit Weiterbildungen finanziert. Rechtsgrundlage ist Paragraf 81 SGB III. Verbessert die Weiterbildung deine Chancen am Arbeitsmarkt, übernimmt die Agentur die Lehrgangskosten zu 100 Prozent. Der Anspruch gilt nicht nur für bereits Arbeitslose, sondern auch für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Mit Kindern gibt es nach Paragraf 87 SGB III zusätzlich einen Zuschuss zur Kinderbetreuung von 160 Euro pro Kind und Monat.

Den Gutschein bekommst du nicht automatisch. Du beantragst ihn im Gespräch mit deiner Vermittlerin oder deinem Vermittler und begründest, warum genau diese Weiterbildung dich weiterbringt. Mit einem konkreten Kurs und einem zertifizierten Träger steigen die Chancen auf Bewilligung.

Schritt 3: Welche Weiterbildung für Ex-SICK-Beschäftigte passt

Du kommst aus Entwicklung, Elektronik, Software, Produktion oder Verwaltung. Statt bei null anzufangen, erweiterst du dein Wissen um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, also genau die Themen, die quer durch alle Branchen gefragt sind.

Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz dauert vier Monate, läuft komplett online, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und ist mit Bildungsgutschein für dich kostenlos. Du lernst, Geschäftsprozesse zu analysieren, mit Werkzeugen wie n8n zu automatisieren und Sprachmodelle einzubinden. Programmierkenntnisse sind keine Voraussetzung, mit technischem Hintergrund fällt dir der Einstieg leicht.

Im Bereich Digitalisierung und KI sind bundesweit weit über 100.000 Stellen offen, das Einstiegsgehalt liegt bei rund 60.000 Euro. Falls dein Hintergrund eher kaufmännisch ist, kann auch der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ein Weg sein, der über das Aufstiegs-BAföG läuft, nicht über den Bildungsgutschein.

Schritt 4: Bewerbung neu aufstellen

Technische Bewerbungen zählen oft nur Produkte und Projekte auf. Personalverantwortliche wollen das Ergebnis sehen: Was hast du konkret verbessert, beschleunigt oder zuverlässiger gemacht?

In deine Unterlagen gehören messbare Ergebnisse, die Breite deiner Kenntnisse und deine laufende Weiterbildung. Ein Satz wie "aktuell in Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager mit Schwerpunkt KI-Automatisierung" zeigt, dass du dich aktiv weiterentwickelst.

Pflege dein Profil auf LinkedIn und Xing. In der Region Freiburg und am Oberrhein suchen Arbeitgeber erfahrene Technikerinnen und Techniker, gerade wenn ein bekannter Arbeitgeber Personal abbaut.

Schritt 5: Wo du dich konkret meldest

Für die rechtliche Seite sind der Betriebsrat von SICK und die IG Metall die erste Anlaufstelle. Sie verhandeln Interessenausgleich und Sozialplan und kennen die Details deines Falls.

Für die Förderung gehst du zur Agentur für Arbeit, persönlich oder über die Hotline 0800 4 5555 00. Sag klar, dass du von Arbeitslosigkeit bedroht bist und eine Weiterbildung planst.

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Was du in den ersten 14 Tagen erledigen solltest

Arbeitsuchend melden innerhalb von drei Tagen. Aufhebungsvertrag oder Sozialplan vom Betriebsrat oder Fachanwalt prüfen lassen, bevor du etwas unterschreibst. Termin bei der Agentur für Arbeit machen und Bildungsgutschein ansprechen. Lebenslauf auf Ergebnisse umschreiben. Eine passende Weiterbildung aussuchen.

Häufige Fragen

Ich arbeite in Karlsruhe, der Standort wird geschlossen, was gilt für mich?

Bei einer Standortschließung fällt deine Stelle weg, damit bist du von Arbeitslosigkeit bedroht oder betroffen. Es gelten dieselben Schritte: innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden, einen möglichen Aufhebungsvertrag prüfen lassen und früh mit der Agentur für Arbeit über den Bildungsgutschein sprechen.

Lohnt sich eine KI-Weiterbildung, wenn ich aus der Sensorik oder Elektronik komme?

Für viele ja. Dein technisches Verständnis und dein Umgang mit Daten sind in der Prozessautomatisierung ein Vorteil, Programmierkenntnisse brauchst du nicht. Du baust auf dem auf, was du kannst. Eine Jobzusage kann aber keine Weiterbildung garantieren.

Verliere ich mein ALG 1, wenn ich eine Weiterbildung mache?

Nein. Während einer von der Agentur geförderten, abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter.

Was mache ich, wenn mir ein Aufhebungsvertrag angeboten wird?

Nicht sofort unterschreiben. Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass den Vertrag vom Betriebsrat, der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen. Oft lässt sich an den Konditionen noch etwas verbessern.

Quellen

Die genannten Zahlen stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: Juni 2026):

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