Der Spezialchemiekonzern Evonik dreht weiter an den Kosten. Nach den unten genannten Berichten fallen von 2027 bis Ende 2029 rund 3.200 zusätzliche Stellen weg, davon etwa 2.150 in Deutschland. Bis Ende 2026 sollen über bereits laufende Spar- und Effizienzprogramme rund 2.800 Stellen abgebaut werden. Betroffen sind sämtliche Geschäfts- und Verwaltungseinheiten weltweit, und der Konzern prüft, Teile der Verwaltung ins Ausland zu verlagern. Wenn dein Bereich auf der Liste steht, hilft dir dieser Leitfaden, die nächsten Wochen sinnvoll zu nutzen.
Vorab, damit das klar ist: Dieser Artikel ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Interessenausgleich, Sozialplan oder Abfindung sind der Betriebsrat, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht zuständig. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren. Die Förderwege dagegen sind klar.
Auf einen Blick: Sobald dein Arbeitsverhältnis endet, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden (Hotline 0800 4 5555 00). ALG 1 ersetzt rund 60 Prozent deines letzten Nettos, mit Kind 67 Prozent. Über den Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III zahlt die Agentur für Arbeit eine Weiterbildung wie den Digitalisierungsmanager zu 100 Prozent, während dein ALG 1 weiterläuft.
Was bei Evonik gerade passiert
Vorstand und Sozialpartner haben sich auf Maßnahmen verständigt, die alle Geschäfts- und Verwaltungseinheiten weltweit einbeziehen. Konzernchef Christian Kullmann begründet den Schritt mit der unsicheren weltpolitischen Lage, dem schwachen Wachstum und dem härter werdenden internationalen Wettbewerb. Personalvorstand Thomas Wessel hat betont, der Abbau werde sozialverträglich gestaltet. Evonik sieht Einsparpotenzial vor allem durch mehr Effizienz, Digitalisierung und Outsourcing.
Für dich heißt das praktisch: Der Abbau läuft in Etappen und über mehrere Jahre, betriebsbedingte Kündigungen sind in der Chemie meist die Ausnahme. Trotzdem ist Abwarten die teuerste Strategie. Wer früh die Förderansprüche klärt und eine Weiterbildung vorbereitet, hat die Initiative.
Eine ehrliche Einordnung: Wenn ein Konzern selbst auf Digitalisierung und Effizienz als Sparhebel setzt, sagt das auch etwas über den Arbeitsmarkt. Genau die Kompetenzen, mit denen Unternehmen ihre Verwaltung verschlanken, werden anderswo dringend gesucht. Wer Prozesse versteht und sie mit KI automatisieren kann, sitzt auf der gefragten Seite dieser Entwicklung.
Schritt 1: ALG 1 sichern
Die wichtigste Frist zuerst. Sobald du von der Beendigung deines Arbeitsverhältnisses weißt, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden, telefonisch unter 0800 4 5555 00 oder online. Versäumst du das, kann die Agentur für Arbeit das ALG 1 mindern.
Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit mindestens einem Kind 67 Prozent. Bei zwölf Monaten Anspruch wird es ein Jahr gezahlt, ab 50 Jahren länger, ab 58 bis zu 24 Monate.
Wird dir ein Aufhebungsvertrag angeboten, prüfe ihn nicht allein. Er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen, je nach Formulierung. Der Betriebsrat oder ein Fachanwalt sollte ihn ansehen, bevor du unterschreibst. Eine Abfindung kürzt das ALG 1 in der Regel nicht, kann aber den Beginn verschieben.
Schritt 2: Den Bildungsgutschein verstehen
Der Bildungsgutschein ist das Instrument, mit dem die Agentur für Arbeit Weiterbildungen finanziert. Rechtsgrundlage ist Paragraf 81 SGB III. Verbessert die Weiterbildung deine Chancen am Arbeitsmarkt, übernimmt die Agentur die Lehrgangskosten zu 100 Prozent. Der Anspruch gilt nicht nur für bereits Arbeitslose, sondern auch für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Mit Kindern gibt es nach Paragraf 87 SGB III zusätzlich einen Zuschuss zur Kinderbetreuung von 160 Euro pro Kind und Monat.
Den Gutschein bekommst du nicht automatisch. Du beantragst ihn im Gespräch mit deiner Vermittlerin oder deinem Vermittler und begründest, warum genau diese Weiterbildung dich weiterbringt. Mit einem konkreten Kurs und einem zertifizierten Träger steigen die Chancen auf Bewilligung deutlich.
Schritt 3: Welche Weiterbildung für Ex-Evonik-Beschäftigte passt
Du kommst aus Produktion, Labor, technischem Service, Verwaltung oder IT. Statt bei null anzufangen, erweiterst du dein Wissen um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, also genau die Themen, die quer durch alle Branchen gefragt sind.
Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz dauert vier Monate, läuft komplett online, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und ist mit Bildungsgutschein für dich kostenlos. Du lernst, Geschäftsprozesse zu analysieren, mit Werkzeugen wie n8n zu automatisieren und Sprachmodelle in Arbeitsabläufe einzubinden. Programmierkenntnisse sind keine Voraussetzung.
Im Bereich Digitalisierung und KI sind bundesweit weit über 100.000 Stellen offen, das Einstiegsgehalt liegt bei rund 60.000 Euro. Wer aus einem stark regulierten, prozessgetriebenen Umfeld wie der Chemie kommt, bringt eine Genauigkeit mit, die in der Prozessautomatisierung viel wert ist. Falls dein Hintergrund kaufmännisch ist, kann auch der Wirtschaftsfachwirt (IHK) passen, der über das Aufstiegs-BAföG läuft, nicht über den Bildungsgutschein.
Schritt 4: Bewerbung neu aufstellen
Bewerbungen aus der Industrie listen oft Anlagen und Verfahren auf. Personalverantwortliche wollen das Ergebnis sehen: Was hast du sicherer, effizienter oder günstiger gemacht?
In deine Unterlagen gehören messbare Ergebnisse, die Breite deiner Erfahrung und deine laufende Weiterbildung. Ein Satz wie "aktuell in Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager mit Schwerpunkt KI-Automatisierung" signalisiert, dass du dich aktiv neu aufstellst.
Halte LinkedIn und Xing aktuell. In Chemieregionen wie dem Ruhrgebiet suchen Arbeitgeber erfahrene Leute, gerade wenn ein großer Konzern Personal abbaut.
Schritt 5: Wo du dich konkret meldest
Für die rechtliche Seite sind der Betriebsrat von Evonik und die IG BCE die erste Anlaufstelle. Sie verhandeln Interessenausgleich und Sozialplan und kennen die Details deines Falls.
Für die Förderung gehst du zur Agentur für Arbeit, persönlich oder über die Hotline 0800 4 5555 00. Sag klar, dass du von Arbeitslosigkeit bedroht bist und eine Weiterbildung planst.
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Was du in den ersten 14 Tagen erledigen solltest
Arbeitsuchend melden innerhalb von drei Tagen. Aufhebungsvertrag oder Sozialplan vom Betriebsrat oder Fachanwalt prüfen lassen, bevor du etwas unterschreibst. Termin bei der Agentur für Arbeit machen und Bildungsgutschein ansprechen. Lebenslauf auf Ergebnisse umschreiben. Eine passende Weiterbildung aussuchen.
Häufige Fragen
Der Abbau zieht sich bis 2029, muss ich jetzt schon etwas tun?
Es schadet nicht, früh vorbereitet zu sein. Ob und wann deine Stelle betroffen ist, klärt der Betriebsrat. Sobald aber feststeht, dass deine Stelle wegfällt, gelten klare Fristen. Wer seine Förderoptionen kennt, bevor es ernst wird, verliert keine Zeit.
Passt eine KI-Weiterbildung für jemanden aus der Chemie?
Ja, für viele. Du brauchst keine Programmierkenntnisse, und dein Verständnis von Prozessen und Vorschriften ist in der Prozessautomatisierung ein Vorteil. Du baust auf dem auf, was du kannst. Eine Jobzusage kann aber keine Weiterbildung garantieren.
Verliere ich mein ALG 1, wenn ich eine Weiterbildung mache?
Nein. Während einer von der Agentur geförderten, abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter.
Was mache ich, wenn mir ein Aufhebungsvertrag angeboten wird?
Nicht sofort unterschreiben. Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass den Vertrag vom Betriebsrat, der IG BCE oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen. Oft lässt sich an den Konditionen noch etwas verbessern.
Quellen
Die genannten Zahlen stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: Juni 2026):
- WirtschaftsWoche: Chemiekonzern Evonik streicht 3200 Stellen
- Westdeutsche Zeitung: Evonik baut bis Ende 2029 weitere 3.200 Stellen ab
- finanzen.net: Evonik baut bis Ende 2029 weitere 3.200 Stellen ab
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