Bei Schneider Electric in Marktheidenfeld und Lahr ist ein Stellenabbau geplant, laut IG Metall Würzburg und Main-Echo geht es um rund 110 Stellen an beiden Standorten zusammen. Dieser Leitfaden ordnet ein, was davon belegt ist, welche Fristen gelten und wie sich die Zeit nutzen lässt, solange nichts entschieden ist.

Eine arbeitsrechtliche Beratung ersetzt der Text nicht. Verbindlich beraten dich der Betriebsrat, die IG Metall als zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren.

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Was über den Plan bekannt ist

Nachdem im Juli laut Main-Echo erste Informationen aus Mitarbeiterkreisen bekannt geworden waren, berichtete die Badische Zeitung am 9. September 2026 unter Berufung auf Insiderinformationen, in Lahr und Marktheidenfeld sollten 110 Arbeitsplätze abgebaut werden. Am 14. September 2026 folgten eine Pressemitteilung der IG Metall Würzburg und ein Bericht des Main-Echos, in dem der Betriebsrat die Pläne kritisiert.

Das Main-Echo schreibt: „Bei der Schneider Electric Automation GmbH sollen etwa 110 Stellen abgebaut werden, betroffen sind die Standorte Marktheidenfeld und Lahr im Schwarzwald.“ Marktheidenfeld liegt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart, die IG Metall spricht vom Standort Altfeld, einem Ortsteil der Stadt. Lahr liegt im Ortenaukreis in Baden-Württemberg.

Belegt ist ein geplanter Abbau von rund 110 Stellen an beiden Standorten zusammen. Wie sie sich auf Marktheidenfeld und Lahr verteilen und wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich ihren Arbeitsplatz verlieren, sagt keine Quelle. Die IG Metall schreibt: „Nachdem die Produktion in Altfeld bereits vor rund fünf Jahren eingestellt wurde, betrifft der geplante Abbau nun auch Entwicklungsarbeit.“ Ob weitere Bereiche betroffen sind und welche Tätigkeiten in Lahr unter die Zahl fallen, sagt keine frei lesbare Quelle.

Wie weit der Plan ist

Die Stufe ist ein Plan. Laut Main-Echo kritisieren Gesamtbetriebsratsvorsitzender Andreas Kremer und Rainer Busch, Betriebsratsvorsitzender am Standort Marktheidenfeld, „die Pläne des Unternehmens zu einem Stellenabbau“. Ein Beschluss, ein Abschluss von Verhandlungen oder ausgesprochene Kündigungen nennt keine frei lesbare Quelle, einen Zeitplan ebenso wenig.

Laut IG Metall sieht der Betriebsrat keine wirtschaftliche Notwendigkeit für den Schritt und warnt davor, dass Entwicklungskompetenz zunehmend nach China und Indien verlagert wird. Eine solche Entscheidung des Unternehmens ist nicht belegt. Nach Angaben der IG Metall hat der Betriebsrat eigene Vorschläge zur Beschäftigungssicherung erarbeitet. Norbert Zirnsak, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Würzburg, sagt allgemein zum Industriestandort Altfeld: „In Altfeld arbeiten Menschen mit hoher technischer und industrieller Kompetenz.“

Von Schneider Electric selbst liegt frei lesbar keine Aussage zu den Plänen vor. Wie es ausgeht, kann heute niemand verlässlich sagen.

Wer dein Gehalt zahlt und welche Regeln gelten

Dein Gehalt zahlt weiter der Arbeitgeber, aus dem laufenden Geschäft.

Ein Insolvenzverfahren gibt es nicht, auch kein anderes gerichtliches Verfahren. Deshalb greifen die Sonderregeln für Verfahrensfälle gerade nicht, etwa die auf drei Monate zum Monatsende gedeckelte Kündigungsfrist nach Paragraf 113 InsO. Für dein Arbeitsverhältnis gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln.

Maßgeblich ist deine vertragliche, tarifliche oder gesetzliche Kündigungsfrist. Nach Paragraf 622 BGB beträgt die Grundfrist vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Monatsende; kündigt der Arbeitgeber, verlängert sie sich je nach Betriebszugehörigkeit von einem Monat zum Monatsende ab zwei Jahren bis zu sieben Monaten ab 20 Jahren. Tarifverträge können abweichen.

Fristen und Unterschriften

Nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III meldest du dich spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Erfährst du dein Enddatum kürzer vorher, bleiben dir drei Tage ab Kenntnis. Maßgeblich ist dein eigenes Enddatum, individuelle Termine nennt bisher keine Quelle. Die Pflicht gilt auch, wenn du gegen eine Kündigung klagst oder der Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung in Aussicht stellt. Wer sich zu spät meldet, riskiert eine Sperrzeit von einer Woche (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III). Die kostenfreie Servicenummer für Arbeitnehmer lautet 0800 4 5555 00.

Kommt eine schriftliche Kündigung, hast du drei Wochen ab Zugang für eine Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG). Verstreicht die Frist, gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam.

Solange Zeitplan und Instrumente offen sind, zählt vor allem eine Regel: Falls dir ein Aufhebungsvertrag oder ein Angebot zum freiwilligen Ausscheiden vorgelegt wird, lass es vor jeder Unterschrift vom Betriebsrat, von der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen und frag zusätzlich die örtlich zuständige Agentur für Arbeit. Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, auch per Aufhebungsvertrag, riskiert eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III). Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).

Eine Phase, in der noch nichts entschieden ist

Aus unserer Sicht ist das Auffälligste an diesem Fall, wie wenig bisher feststeht. Verteilung, Zeitplan und Mittel sind frei lesbar nirgends veröffentlicht. In solchen Lagen sehen wir häufig zwei Reaktionen. Die einen warten ab, bis sich alles geklärt hat. Die anderen greifen beim ersten Angebot zu, nur um die Unsicherheit loszuwerden. Beides hat einen Preis: Wer wartet, verliert Zeit für Orientierung, wer vorschnell unterschreibt, legt sich fest, bevor die Bedingungen bekannt sind. Gekündigt ist nach den Quellen niemand, das Gehalt läuft, und es gelten die normalen Fristen. Diese Zeit lässt sich nutzen, um die eigene Lage zu klären und sich beraten zu lassen, ohne etwas aufzugeben.

Vom Maschinenbau zum Geschäftsprozess

Auf seiner undatierten Standortseite schreibt Schneider Electric: „Am Standort in Marktheidenfeld entwickeln wir die Top-Themen der Industrie 4.0, hier befindet sich unser globales Headquarter für unsere Machine Solutions.“ Genannt werden High-Performance-Automatisierungslösungen für den Maschinenbau, Tätigkeiten im Bereich Softwareentwicklung oder Projektmanagement sowie Servicetechniker und Mitarbeiter im Vertrieb. Dazu kommen ein „Robotic-Labor“ und ein durch die DAkkS nach DIN EN ISO/IEC 17025:2018-03 akkreditiertes EMV-Prüflabor. Über den zweiten Standort schreibt die Badische Zeitung: „In Lahr entwickelt und produziert Schneider Electric antriebstechnische Lösungen für die Industrie.“

Was sich daraus übertragen lässt, ist eine Ableitung über typische Profile und keine Aussage über einzelne Beschäftigte:

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu. Wer in Marktheidenfeld Automatisierungslösungen entwickelt, braucht keine Einführung in Automatisierung. Für diese Gruppe wäre eine Weiterbildung in Prozessautomatisierung und KI eine Verschiebung des Einsatzfelds von Maschinen zu Geschäftsprozessen und KI-Werkzeugen im Büroalltag. Ob das reizt, ist eine Frage der eigenen Richtung. Am nächsten liegt der Anschluss für Beschäftigte aus Projektmanagement, Service, Vertrieb und Verwaltung.

Für diesen Weg bieten wir den Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz an: vier Monate in Vollzeit, montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse als Voraussetzung, DEKRA-zertifiziert. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 Absatz 4 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt. Bei bewilligtem Bildungsgutschein liegt dein Eigenanteil bei 0 Euro, über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III kann eine Weiterbildung auch gefördert werden, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn. Neben einer laufenden Vollzeitstelle lässt sich der Kurs nicht belegen. Mehr dazu im Beitrag zum Bildungsgutschein für Beschäftigte.

Wer bereits Arbeitslosengeld bezieht, kann es während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter erhalten (Paragraf 144 SGB III). Je zwei Tage Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung mindern dabei die Anspruchsdauer um einen Tag (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).

Ob dieser Weg zu dir passt, entscheidest du selbst, er ist eine Möglichkeit unter mehreren. Einen Blick über einzelne Betriebe hinaus bietet unsere Übersicht zum Stellenabbau in der Industrie.

Häufige Fragen

Wer zahlt mein Gehalt, solange der Abbau nur geplant ist?

Der Arbeitgeber, aus dem laufenden Geschäft. Ein Insolvenzverfahren gibt es nicht, deshalb gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln mit deiner vertraglichen, tariflichen oder gesetzlichen Kündigungsfrist.

Wie verteilen sich die rund 110 Stellen auf Marktheidenfeld und Lahr?

Das ist nicht bekannt. IG Metall Würzburg und Main-Echo nennen rund 110 beziehungsweise etwa 110 Stellen für beide Standorte zusammen, eine Aufteilung steht in keiner frei lesbaren Quelle. Die Zahl stammt ursprünglich aus Mitarbeiterkreisen.

Was sollte ich tun, bevor ich einen Aufhebungsvertrag unterschreibe?

Lass ihn vom Betriebsrat, von der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen und frag zusätzlich die Agentur für Arbeit. Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, auch per Aufhebungsvertrag, riskiert eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen.

Betrifft der geplante Abbau auch andere Standorte von Schneider Electric in Deutschland?

Laut allen vorliegenden Quellen geht es ausschließlich um Marktheidenfeld und Lahr, andere deutsche Standorte sind in keiner betroffen. Genannt ist die Schneider Electric Automation GmbH, die Deutschlandgesellschaft Schneider Electric GmbH taucht in keiner Quelle als Arbeitgeber der betroffenen Stellen auf. Welche Gesellschaft dein Arbeitgeber ist, steht in deinem Arbeitsvertrag und auf der Gehaltsabrechnung.

Kann eine Weiterbildung gefördert werden, solange ich noch angestellt bin?

Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III ist eine Förderung auch möglich, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn, sie entscheidet im Einzelfall. Der Digitalisierungsmanager läuft in Vollzeit, montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, und lässt sich nicht neben einer Vollzeitstelle belegen.

Quellen

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