Der Stahlkonzern Salzgitter wird alleiniger Eigentümer der Hüttenwerke Krupp Mannesmann in Duisburg, nachdem eine Einigung mit den bisherigen Miteigentümern Thyssenkrupp Steel Europe und Vallourec erzielt wurde. Von den derzeit rund 3.000 Stellen sollen bis Ende 2028 rund 2.000 wegfallen. Das berichten unter anderem das Handelsblatt, die Börsen-Zeitung und der Ingenieur. Wenn du bei HKM in Duisburg arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.
Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Sozialplan, Abfindung oder Transfergesellschaft ist der Betriebsrat, die IG Metall oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.
Auf einen Blick: Salzgitter übernimmt HKM in Duisburg vollständig, 2.000 der rund 3.000 Stellen sollen bis Ende 2028 wegfallen. Der Standort wird auf eine CO2-ärmere Stahlproduktion mit Elektrolichtbogenofen umgestellt, die Rohstahlmenge soll auf zwei Millionen Tonnen jährlich sinken. Wer die Stelle verliert, sichert ALG 1 und kann eine geförderte Weiterbildung nutzen.
Was bei HKM in Duisburg gerade passiert
Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann in Duisburg gehörten bislang zu 50 Prozent der Thyssenkrupp-Stahlsparte, zu 30 Prozent Salzgitter und zu 20 Prozent dem französischen Röhrenhersteller Vallourec. Nach einer Einigung mit den bisherigen Miteigentümern übernimmt Salzgitter das Werk nun vollständig.
Im Zuge der Übernahme soll der Standort auf eine CO2-ärmere Stahlproduktion mit Elektrolichtbogenofen umgestellt werden. Die künftige Rohstahlmenge am Standort Duisburg soll auf rund zwei Millionen Tonnen pro Jahr sinken. Damit verbunden ist ein deutlicher Personalabbau: Von derzeit rund 3.000 Stellen sollen bis Ende 2028 etwa 2.000 wegfallen, die Belegschaft soll auf etwa 1.000 Mitarbeiter schrumpfen.
Für Beschäftigte heißt das: Der Abbau ist auf mehrere Jahre gestreckt, nicht auf einen Stichtag. Das schafft Zeit, sich zu orientieren, ändert aber nichts an der Richtung. Wer früh die eigenen Möglichkeiten kennt, steht besser da als jemand, der erst kurz vor dem letzten Arbeitstag reagiert.
Dein erster Schritt: ALG 1 absichern
Sobald absehbar ist, dass dein Arbeitsverhältnis endet, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend, sonst droht eine Sperre. Diese Drei-Tage-Frist gilt, wenn zwischen der Kenntnis vom Ende und dem Ende selbst weniger als drei Monate liegen. Steht das Enddatum früher fest, ist die Meldung nach § 38 SGB III spätestens drei Monate vor dem Ende fällig. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00.
ALG 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, gezahlt bis zu 24 Monate je nach Alter und Einzahldauer.
Nach der Kündigung: Weiterbildung über den Bildungsgutschein
Wer seinen Job verliert oder verlieren wird, kann bei der Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung beantragen. Das ist eine Möglichkeit unter mehreren, ob sie zu dir passt, hängt von deiner Lage ab. Der Fördercheck zeigt dir in einer Minute, welcher Förderweg für dich in Frage kommt, ohne Anmeldung.
Fördercheck starten Oder erst den Schnupperkurs ansehen
Fördercheck und Schnupperkurs sind kostenlos. Ob eine Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Eine Vermittlung in Arbeit können wir nicht garantieren.
Sozialplan, Transfergesellschaft und Abfindung
Bei einem über mehrere Jahre gestreckten Abbau dieser Größenordnung verhandeln Betriebsrat und IG Metall in der Regel einen Sozialplan mit Abfindungsregelung und häufig auch eine Transfergesellschaft. Dort erhältst du befristet Transfer-Kurzarbeitergeld nach § 111 SGB III und Zeit für Qualifizierung und Jobsuche, statt direkt in die Arbeitslosigkeit zu wechseln. Lass dir jedes Angebot vom Betriebsrat, der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht erklären, bevor du unterschreibst. Eine selbst herbeigeführte Beendigung über einen Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen.
Die Zeit für eine geförderte Weiterbildung nutzen
Die Stahlindustrie steckt in einem tiefen technologischen Umbau, gleichzeitig wächst branchenübergreifend der Bedarf an Prozessautomatisierung und digitaler Anlagensteuerung. Wer aus Produktion, Instandhaltung oder Betriebsorganisation eines Stahlwerks kommt, bringt technisches Prozesswissen mit, das sich gut auf digitale Rollen übertragen lässt. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.
Während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung kannst du weiter Arbeitslosengeld (ALG 1) beziehen (§ 144 SGB III). Die Weiterbildungszeit verbraucht deinen Anspruch allerdings zur Hälfte: Je zwei Tage mindern die Anspruchsdauer um einen Tag (§ 148 Abs. 1 Nr. 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (§ 87 SGB III).
Der Digitalisierungsmanager passt gut zu einem technischen Hintergrund aus der Schwerindustrie: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil, mit Fokus auf Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von KI in Produktion und Verwaltung. Wer eher in die kaufmännische Führung will, findet im Wirtschaftsfachwirt (IHK) eine Alternative über das Aufstiegs-BAföG.
Häufige Fragen
Wie viele Stellen fallen bei HKM in Duisburg weg?
Von rund 3.000 Stellen sollen bis Ende 2028 etwa 2.000 wegfallen, die Belegschaft soll auf etwa 1.000 Mitarbeiter sinken.
Wird das Werk in Duisburg geschlossen?
Nein, nach den vorliegenden Berichten wird der Standort umgebaut, nicht geschlossen. Die Produktion soll auf einen Elektrolichtbogenofen umgestellt werden, die Rohstahlmenge soll auf rund zwei Millionen Tonnen jährlich sinken.
Bis wann läuft der Stellenabbau?
Der geplante Abbau von rund 2.000 Stellen erstreckt sich bis Ende 2028, nicht auf einen einzelnen Stichtag.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.
Quellen
- Handelsblatt: Salzgitter, Stahlkonzern übernimmt HKM, 2000 Jobs fallen weg
- Börsen-Zeitung: Salzgitter übernimmt HKM vollständig und streicht 2.000 Stellen
- Ingenieur.de: Entscheidung gefallen, Salzgitter übernimmt Hüttenwerke Krupp Mannesmann
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