Bei OPmobility in Sterbfritz steht ein Stellenabbau im Raum: Der Automobilzulieferer erwägt laut seiner Pressemitteilung vom 7. Oktober 2026, die Produktion seines dortigen Außenteilewerks an andere deutsche Standorte zu verlagern. Eine finale Entscheidung gibt es laut dem Betriebsratsvorsitzenden noch nicht. Dieser Leitfaden ordnet, was belegt ist, welche Fristen gelten und was Stammbelegschaft und Leiharbeiter jetzt klären können.
Eine arbeitsrechtliche Beratung ersetzt dieser Text nicht, für deinen Einzelfall sind der Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtigen Ansprechpartner. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren.
Was OPmobility am 7. Oktober mitgeteilt hat
In ihrer Mitteilung erwägt die Konzernmutter OPmobility SE, die Produktion ihres Außenteilewerks in Sterbfritz (Gemeinde Sinntal, Main-Kinzig-Kreis) an andere deutsche Standorte zu verlagern, und begründet das mit industriellen Überkapazitäten und einem starken Rückgang der Automobilproduktion. Die Pläne würden nach Konzernangaben rund 460 Stellen in Deutschland kosten; als deutschen Standort nennt die Mitteilung nur Sterbfritz.
Für das Werk selbst nennen die Quellen andere Zahlen. Der Betriebsratsvorsitzende Tobias Weikinger spricht laut Fuldaer Zeitung von rund 400 Beschäftigten, davon gut 300 mit Arbeitsvertrag bei OPmobility, die übrigen sind Leiharbeiter. Osthessen News nennt nach eigenen Informationen rund 300 Menschen im Werk. Wie diese Angaben zusammenhängen und ob die rund 460 Stellen des Konzerns Leiharbeiter mitzählen, erklärt keine Quelle.
Im Schreiben an die Belegschaft heißt es laut Osthessen News: „Die Produktion soll bis Ende 2027 schrittweise auf andere OPmobility-Werke in Deutschland übertragen werden.“ Ein Teil könnte nach Einschätzung des Betriebsratsvorsitzenden laut Fuldaer Zeitung schon im ersten Quartal 2027 abgezogen werden. Als Ziele der Fertigung nennt er Pappenheim in Mittelfranken für Serien und Essen für Ersatzteile. Der Konzern selbst nennt keine Zielwerke, und ob Beschäftigte dort Angebote bekommen, beschreibt keine Quelle.
Sinntals Bürgermeister Thomas Henfling bezeichnete die mögliche Schließung laut hessenschau als einen „schweren Schlag“ für die Gemeinde und die Region.
Stand der Entscheidung, Lohn und Arbeitsvertrag
Der Konzern erwägt, das Schreiben an die Belegschaft spricht von einem Plan, und der Betriebsratsvorsitzende sagt laut Fuldaer Zeitung: „Die Lage ist mehr als kritisch, es gibt aber noch keine finale Entscheidung.“ Die Verhandlungen über einen Interessenausgleich stehen nach seinen Angaben an, zustimmen müsse noch der Aufsichtsrat. Der Betriebsrat will klären, „welche Möglichkeiten für eine Weiterbeschäftigung bestehen“.
Sozialplan, Abfindungen oder eine Transfergesellschaft beschreiben die Berichte bisher nicht, von Kündigungen berichtet keine der Quellen.
Für deinen Lohn ist die Lage klarer. Es gibt kein Insolvenzverfahren und kein anderes gerichtliches Verfahren, Sonderregeln greifen deshalb nicht: Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt aus dem laufenden Geschäft bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses, und es gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln. Nach Paragraf 622 BGB beträgt die Grundfrist vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Monatsende, bei Kündigung durch den Arbeitgeber gestaffelt von einem Monat ab zwei Jahren bis zu sieben Monaten ab 20 Jahren Betriebszugehörigkeit. Tarifverträge können abweichen.
Eine erwogene Verlagerung beendet für sich genommen kein Arbeitsverhältnis.
Bei welcher Gesellschaft du angestellt bist, zeigen dein Arbeitsvertrag und deine Gehaltsabrechnung. Betroffen ist laut Betriebsratsvorsitzendem in erster Linie die deutsche Holdinggesellschaft des Konzerns; welche Gesellschaft die Stammbelegschaft in Sterbfritz beschäftigt, belegen die Quellen nicht eindeutig.
Zwei Gruppen im Werk mit verschiedenen Arbeitgebern
Wer über eine Zeitarbeitsfirma in Sterbfritz arbeitet, hat seinen Arbeitsvertrag mit dem Personaldienstleister. Nach Paragraf 1 Absatz 1 Satz 3 AÜG ist die Überlassung nur zulässig, soweit zwischen dem Verleiher und dem Leiharbeitnehmer ein Arbeitsverhältnis besteht. Dort sitzt also dein Ansprechpartner für Vertrag, Einsatzende und Kündigung. Ob mit dem Einsatz im Werk auch dein Arbeitsverhältnis endet oder ein anderer Einsatz folgt, klärst du mit ihm, im Zweifel mit der zuständigen Gewerkschaft oder einem Fachanwalt.
Aus unserer Sicht ist diese Trennung der wichtigste Punkt des Falls. Im Werk arbeiten nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden zwei Gruppen mit verschiedenen Arbeitgebern, und laut Fuldaer Zeitung ließ er durchblicken, dass der Bedarf an Leiharbeitern rückläufig ist. Wer über einen Personaldienstleister im Werk ist, sollte deshalb früh klären, wie es nach dem Einsatz weitergeht, und nicht erst den Interessenausgleich abwarten. Für die Stammbelegschaft sieht die Rechnung anders aus. Bis Ende 2027 sind es von der Ankündigung an knapp 15 Monate, einen gemeinsamen Stichtag gibt es aber nicht. Wer in einem Bereich arbeitet, der früh abgezogen wird, hat weniger Vorlauf als die Kollegen nebenan. Die Zeit, bevor irgendetwas unterschrieben ist, bietet die meisten Möglichkeiten, und eine Beratung bei der Agentur für Arbeit kostet nichts.
Fristen, die für dich laufen können
Nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III meldest du dich spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Liegen zwischen der Kenntnis deines Enddatums und dem Ende weniger als drei Monate, bleiben dir drei Tage ab Kenntnis. Die Pflicht gilt auch, wenn du gegen eine Kündigung klagst oder dir eine Weiterbeschäftigung in Aussicht gestellt wird, und für Leiharbeiter genauso wie für die Stammbelegschaft. Eine verspätete Meldung kann eine Sperrzeit von einer Woche nach sich ziehen (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III), die kostenfreie Servicenummer für Arbeitnehmer lautet 0800 4 5555 00.
Geht dir eine schriftliche Kündigung zu, bleiben dir drei Wochen für eine Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG). Versäumst du die Frist, gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam.
Ein Aufhebungsvertrag gehört vor der Unterschrift zum Betriebsrat, zur Gewerkschaft oder zu einem Fachanwalt. Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, auch per Aufhebungsvertrag, riskiert beim Arbeitslosengeld eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III). Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).
Nach der Kündigung: Weiterbildung über den Bildungsgutschein
Wer seinen Job verliert oder verlieren wird, kann bei der Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung beantragen. Das ist eine Möglichkeit unter mehreren, ob sie zu dir passt, hängt von deiner Lage ab. Der Fördercheck zeigt dir in einer Minute, welcher Förderweg für dich in Frage kommt, ohne Anmeldung.
Fördercheck starten Oder erst den Schnupperkurs ansehen
Fördercheck und Schnupperkurs sind kostenlos. Ob eine Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Eine Vermittlung in Arbeit können wir nicht garantieren.
Was aus Spritzguss und Lackiererei übertragbar ist
Gefertigt werden in Sterbfritz laut Betriebsratsvorsitzendem Stoßfänger. Lackieranlage und Spritzgussabteilung arbeiten nach seinen Angaben in drei Schichten. Welche Berufe im Einzelnen vertreten sind, nennt keine Quelle. Aus der Art des Betriebs lässt sich aber ableiten, wohin typische Tätigkeiten anschließen:
- Im Kunststoffspritzguss werden Maschinen gerüstet und Prozessparameter überwacht. Wer Abweichungen erkennt, arbeitet bereits mit Daten, dem Ausgangspunkt für Maschinendatenauswertung und automatische Störmeldungen.
- Bei lackierten Sichtteilen lassen sich Prüfprotokolle und Fehlerkataloge zu Oberfläche und Farbton in ein digitales Qualitätsmanagement übertragen.
- Montage und Logistik arbeiten mit Kundenabrufen und Lieferdaten, also strukturierten Daten, in denen Workflow-Werkzeuge Bestell- und Meldeprozesse übernehmen können.
- Instandhaltung und Qualitätssicherung kennen Störungssuche, Wartungsplanung, Prüfpläne und Abweichungsberichte, die Grundlage jeder Prozessanalyse.
Leiharbeiter bringen dieselben Tätigkeiten mit, oft dazu Erfahrung aus mehreren Einsatzbetrieben. Das zählt in jeder Bewerbung.
Ein möglicher Anschluss ist der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz: 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse als Voraussetzung, DEKRA-zertifiziert, vier Monate in Vollzeit, alternativ rund 29 Wochen in Teilzeit am Vormittag. Bezahlen lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 Absatz 4 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt. Wird er bewilligt, liegt dein Eigenanteil bei 0 Euro, über die Bewilligung entscheidet die Agentur im Einzelfall. Wie du einen Bildungsgutschein beantragen kannst, erklärt ein eigener Beitrag.
Für die Stammbelegschaft mit langem Vorlauf zählt vor allem Paragraf 81 Absatz 1 SGB III. Danach kann eine Weiterbildung auch gefördert werden, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn. Die Agentur entscheidet im Einzelfall und berät vorher; wer noch beschäftigt ist, klärt in diesem Gespräch, ob und wie ein Kurs während der Beschäftigung machbar ist. Auch die Teilzeitform begründet keinen Anspruch auf Förderung neben dem Job, darüber entscheidet die Agentur in derselben Beratung.
Arbeitslosengeld gibt es erst nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Wer es bezieht, kann es während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter erhalten (Paragraf 144 SGB III), wobei je zwei Tage Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung die Anspruchsdauer um einen Tag mindern (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).
Ob das zu dir passt, entscheidest du selbst. Eine Weiterbildung ist eine Möglichkeit neben Bewerbungen in der Region oder einem Wechsel der Branche, weitere Orientierung gibt unsere Übersicht zum Stellenabbau in der Industrie.
Häufige Fragen
Wer zahlt mein Gehalt bis zum Ende meines Arbeitsverhältnisses?
Dein Gehalt zahlt weiterhin dein Arbeitgeber, aus dem laufenden Geschäft, und bis zum Ende gilt deine vertragliche, tarifliche oder gesetzliche Kündigungsfrist. Als Leiharbeiter erhältst du es von dem Personaldienstleister, bei dem du angestellt bist.
Welche Zahlen werden für das Werk in Sterbfritz genannt?
Der Konzern nennt rund 460 Stellen in Deutschland, die seine erwogenen Pläne kosten würden, und als deutschen Standort nur Sterbfritz. Der Betriebsratsvorsitzende spricht laut Fuldaer Zeitung von rund 400 Beschäftigten im Werk, davon gut 300 mit Arbeitsvertrag bei OPmobility. Osthessen News nennt nach eigenen Informationen rund 300 Menschen im Werk.
Wie weit ist die Entscheidung über die Verlagerung?
Der Konzern erwägt die Verlagerung laut Pressemitteilung vom 7. Oktober 2026, das Schreiben an die Beschäftigten spricht laut Osthessen News von einem Plan. Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden in der Fuldaer Zeitung gibt es noch keine finale Entscheidung, und die Verhandlungen über einen Interessenausgleich stehen an.
Bei wem bin ich als Leiharbeiter im Werk angestellt?
Bei dem Personaldienstleister, mit dem du deinen Arbeitsvertrag geschlossen hast (Paragraf 1 Absatz 1 Satz 3 AÜG). Dort klärst du, wie es nach dem Einsatz in Sterbfritz weitergeht, und Arbeitsuchendmeldung und Klagefrist gelten für dich genauso.
Quellen
- OPmobility: Press release „OPmobility adjusts its roadmap and 2026 objectives to address the transformation of the automotive market“, 07.10.2026
- hessenschau.de: Automobil-Zulieferer OPmobility vor dem Aus - „Schwerer Schlag für Sinntal“, 09.10.2026
- Osthessen|News: OPmobility-Werk in Sterbfritz vor dem Aus - 300 Mitarbeiter betroffen, 09.10.2026
- Fuldaer Zeitung: Produktion soll abwandern: Betriebsrat erklärt die Krise bei OPmobility, 13.10.2026
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