Kiefel in Freilassing hat am 13. Oktober 2026 einen Stellenabbau angekündigt: Nach Angaben des Unternehmens soll rund ein Drittel der Stellen am Hauptsitz abgebaut werden. Dieser Ratgeber ordnet ein, was feststeht, was offen ist und welche Fristen jetzt für dich gelten.
Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Für deinen Einzelfall sind der Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtigen Ansprechpartner. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren.
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Was Kiefel am 13. Oktober mitgeteilt hat
Am Dienstag, 13. Oktober 2026, hat die Kiefel GmbH ihre Pläne für den Hauptsitz in Freilassing öffentlich gemacht. Der Standort soll nach Angaben des Unternehmens zu einem „Technology Center of Excellence“ werden, verbunden mit dem geplanten Abbau von rund einem Drittel der Stellen am Standort. Die Belegschaft wurde laut Kiefel in einer Versammlung informiert.
Kiefel gehört laut BGland24 seit 2007 zur Brückner Group mit Sitz in Siegsdorf. Welche Gesellschaft dein Arbeitgeber ist, steht in deinem Arbeitsvertrag und auf der Gehaltsabrechnung.
Künftig will sich Kiefel in Freilassing auf Kernkompetenzen konzentrieren, die die Mitteilung so beschreibt: „Das sind im Wesentlichen die Erarbeitung von Produkt-Strategien, Spezial-Maschinen, Konzeptionelles Engineering, Verfahrenstechnik und Systemkompetenz.“ In der Fertigung will das Unternehmen nach eigenen Angaben „näher an die Kunden außerhalb Europas wie zum Beispiel Asien heranrücken“. Ein Zielland, ein Werk oder eine Zahl verlagerter Arbeitsplätze nennt die Mitteilung nicht.
Als Grund nennt Kiefel Handelskonflikte, geopolitische Unsicherheiten und die Entwicklung der Märkte; mit den Plänen werde der 2024 begonnene Umbau beschleunigt. „Wir wissen, dass hinter jeder Stelle Menschen stehen und deshalb fällt uns die geplante Umsetzung auch sehr schwer“, sagt Matt Sieverding, CEO von Kiefel.
Was noch nicht feststeht
Am schwersten wiegt eine Lücke: Kiefel nennt einen Anteil, aber keine absolute Zahl und keine Bezugsgröße. Medien geben die Größe des Standorts unterschiedlich an, und keine dieser Angaben stammt vom Unternehmen. Ob mit „Stellen“ Vollzeitstellen oder Köpfe gemeint sind, sagt keine Quelle. Welche Abteilungen betroffen sein sollen, ist ebenfalls offen; die Mitteilung beschreibt, was in Freilassing bleiben soll. Ein Enddatum für den Abbau nennt keine Quelle. Jede Hochrechnung auf eine Zahl von Köpfen wäre deshalb Spekulation.
Ob es betriebsbedingte Kündigungen, Aufhebungsverträge, Abfindungen, einen Sozialplan oder eine Transfergesellschaft geben wird, beschreiben die Berichte nicht. Belegt ist, dass Unternehmensvertreter mit dem Wirtschaftsausschuss und dem Betriebsrat „in Gesprächen zur Umsetzung der Pläne“ sind.
Ende Oktober will Kiefel die Belegschaft „über die konkreten nächsten Schritte“ informieren. Ob dann schon feststeht, wen es trifft, sagt das Unternehmen nicht.
Wer dein Gehalt zahlt und welche Regeln gelten
Ein Insolvenzverfahren oder ein anderes gerichtliches Verfahren gibt es nicht, also greifen auch keine Sonderregeln für solche Verfahren. Das Gehalt zahlt der Arbeitgeber aus dem laufenden Geschäft, und für eine mögliche Kündigung gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln.
Maßgeblich ist deine vertragliche, tarifliche oder gesetzliche Kündigungsfrist. Nach Paragraf 622 BGB beträgt die Grundfrist vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Monatsende; kündigt der Arbeitgeber, verlängert sie sich nach Betriebszugehörigkeit, von einem Monat zum Monatsende ab zwei Jahren bis zu sieben Monaten ab 20 Jahren. Tarifverträge können abweichen.
Fristen, die jetzt zählen
Nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III meldest du dich spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Erfährst du dein Enddatum kürzer vorher, bleiben dir drei Tage ab Kenntnis. Die Pflicht gilt auch, wenn du gegen eine Kündigung klagst oder der Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung in Aussicht stellt. Wer sich zu spät meldet, riskiert eine Sperrzeit von einer Woche (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III). Die kostenfreie Servicenummer für Arbeitnehmer lautet 0800 4 5555 00.
Kommt eine schriftliche Kündigung, hast du drei Wochen ab Zugang Zeit für eine Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG). Versäumst du die Frist, gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam.
Falls dir ein Aufhebungsvertrag vorgelegt wird, lass ihn vor jeder Unterschrift vom Betriebsrat, von der zuständigen Gewerkschaft oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen und frag zusätzlich die Agentur für Arbeit. Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, auch per Aufhebungsvertrag, riskiert eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III). Das Arbeitslosengeld beträgt rund 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).
Freilassing liegt an der Grenze zu Österreich. Wer in Österreich wohnt, klärt frühzeitig bei der Agentur für Arbeit, welche Stelle bei Arbeitslosigkeit zuständig ist und welche Unterlagen nötig sind; die Angaben zu Arbeitslosengeld und Bildungsgutschein in diesem Text gehen von einem Wohnsitz in Deutschland aus.
Was der Juni für den Oktober bedeutet
Aus unserer Sicht fällt an diesem Fall vor allem die Abfolge auf. Am 25. Juni 2026 eröffnete Kiefel in Freilassing ein erweitertes Customer Innovation Center, und Matt Sieverding sagte laut BGland24: „Mit dem CIC bekennen wir uns langfristig zur Region und wollen die industrielle Kompetenz und qualifizierte Arbeitsplätze in der Region sichern.“ Knapp vier Monate später kündigt das Unternehmen den Abbau von rund einem Drittel der Stellen am Standort an, nach eigenen Angaben. In seiner Darstellung passt das zusammen, weil Freilassing als Technologiezentrum bleiben soll. Für Beschäftigte folgt daraus etwas anderes. Ein Bekenntnis zum Standort ist keine Zusage für den einzelnen Arbeitsplatz.
Wer seine Tätigkeit in der Liste der Kernkompetenzen nicht wiederfindet, hat damit keine Gewissheit, aber einen guten Grund, die Wochen bis Ende Oktober zu nutzen. Solange die Gespräche laufen, ist der eigene Spielraum nach unserer Erfahrung am größten. Eine Beratung bei der Agentur für Arbeit kostet nichts und klärt die Folgen für das Arbeitslosengeld, bevor du irgendetwas unterschreibst.
Vom Sondermaschinenbau zur Prozessautomatisierung
Welche Tätigkeiten wegfallen sollen, sagt keine Quelle. Was sich übertragen lässt, ist deshalb eine Ableitung aus der Art des Betriebs und keine Aussage über einzelne Beschäftigte:
- Wer Sondermaschinen montiert und in Betrieb nimmt, sucht Fehler systematisch an Pneumatik, Antrieben und Steuerung, eine Grundlage für Instandhaltung, technischen Service und die Auswertung von Maschinendaten.
- Wer im Werkzeugbau arbeitet, hat mit Zeichnungen, Stücklisten, Änderungsständen und Terminen zu tun, also mit genau den Daten, die eine digitale Auftragssteuerung abbildet.
- Wer Steuerungen oder Handling programmiert, denkt bereits in Auslösern, Bedingungen und Fehlerbehandlung.
- Service, Arbeitsvorbereitung, Einkauf, Vertrieb und Verwaltung arbeiten mit Angeboten, Ersatzteilanfragen, Exportdokumenten und Rechnungen; solche Abläufe haben einen hohen Automatisierungsanteil.
Wer Steuerungen programmiert, braucht keine Einführung in Automatisierung; für diese Gruppe wäre eine Weiterbildung in Prozessautomatisierung und KI eine Verschiebung von der Maschine zum Geschäftsprozess. Am nächsten liegt der Anschluss für Service, Arbeitsvorbereitung und die kaufmännischen Bereiche.
Für diesen Weg bieten wir den Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz an: 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse als Voraussetzung, DEKRA-zertifiziert, vier Monate in Vollzeit, alternativ rund 29 Wochen in Teilzeit am Vormittag. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 Absatz 4 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt. Bei bewilligtem Bildungsgutschein liegt dein Eigenanteil bei 0 Euro; über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Für dich als Beschäftigten zählt ein anderer Satz. Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III kann eine Weiterbildung auch gefördert werden, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn; sie entscheidet im Einzelfall und klärt mit dir, ob und wie ein Kurs während einer Kündigungsfrist machbar ist. Auch die Teilzeitform ist kein Anspruch auf eine Förderung neben dem Job. Mehr dazu im Beitrag zum Bildungsgutschein bei Arbeitslosigkeit.
Arbeitslosengeld gibt es erst nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Wer es bezieht, kann es während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter erhalten (Paragraf 144 SGB III). Dabei mindern je zwei Tage Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung die Anspruchsdauer um einen Tag (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).
Ob dieser Weg zu dir passt, entscheidest du selbst; er ist eine Möglichkeit unter mehreren. Einen Blick über den einzelnen Betrieb hinaus bietet unsere Übersicht zum Stellenabbau in der Industrie.
Häufige Fragen
Wer zahlt mein Gehalt, solange der Abbau geplant ist?
Dein Gehalt zahlt weiterhin dein Arbeitgeber, aus dem laufenden Geschäft. Es gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln mit deiner vertraglichen, tariflichen oder gesetzlichen Kündigungsfrist. Welche Gesellschaft dein Arbeitgeber ist, steht im Arbeitsvertrag und auf der Gehaltsabrechnung.
Wie viele Stellen will Kiefel in Freilassing abbauen?
Laut Kiefel geht es um rund ein Drittel der Stellen am Standort Freilassing; eine absolute Zahl hat das Unternehmen nicht genannt. Medien geben die Größe des Standorts unterschiedlich an, eine Kopfzahl der Betroffenen lässt sich daraus nicht ableiten.
Wie hängt die Ankündigung mit dem Abbau von 2024 zusammen?
Es ist eine neue Ankündigung vom 13. Oktober 2026. Bereits im November 2024 hatte Kiefel einen Stellenabbau in Freilassing angekündigt. Nach Angaben des Unternehmens beschleunigt Kiefel jetzt seinen 2024 begonnenen Umbau.
Kann eine Weiterbildung gefördert werden, solange ich noch beschäftigt bin?
Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III ist eine Förderung auch möglich, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn. Sie entscheidet im Einzelfall und klärt mit dir, ob ein Kurs neben der Beschäftigung machbar ist.
Quellen
- Kiefel GmbH: Kiefel entwickelt Hauptsitz zum „Technology Center of Excellence“, Oktober 2026
- BGland24.de: Kiefel will rund ein Drittel der Stellen in Freilassing abbauen, 13.10.2026
- Bayernwelle: Kiefel Freilassing kündigt Umstrukturierung und Stellenabbau an, 13.10.2026
- BGland24.de: Kiefel investiert Millionen in Innovationszentrum in Freilassing: Was das für Arbeitsplätze bedeutet, 02.07.2026
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