Der Deko-Händler Depot schließt im laufenden Insolvenzverfahren 66 Filialen in Deutschland. Rund 330 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz, dazu kommen Stellen in der Zentrale. Das berichten unter anderem Business Insider und die Berliner Zeitung. Wenn du bei Depot arbeitest, hilft dir dieser Leitfaden bei den nächsten Schritten.

Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Insolvenzgeld, Abfindung oder einem Aufhebungsvertrag ist der Betriebsrat oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Stelle. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.

Auf einen Blick: Depot schließt 66 Filialen, rund 330 Beschäftigte verlieren den Job, zusätzlich fallen Stellen in der Zentrale weg. Es ist bereits das zweite Insolvenzverfahren binnen zwei Jahren. Bei Insolvenz sichert das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt. Wer die Stelle verliert, hat Anspruch auf ALG 1 und kann eine geförderte Weiterbildung nutzen.

Was bei Depot gerade passiert

Die GDC Deutschland GmbH, zu der Depot gehört, hatte Mitte Mai beim Amtsgericht Aschaffenburg ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Es ist das zweite Verfahren innerhalb von zwei Jahren. Jetzt zieht das Unternehmen Konsequenzen und schließt 66 Filialen.

Betroffen sind Standorte in vielen Bundesländern, darunter Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Dresden und Leipzig. Viele Läden schließen nach dem laufenden Räumungsverkauf bis Ende Juli, einzelne sind bereits dicht. Übrig bleiben demnach vorerst gut 80 Depot-Filialen.

Geschäftsführer Christian Gries begründet die Schließungen damit, dass sich nur rentable Läden betreiben lassen. Als Ursachen nennt er unter anderem Zölle, die wachsende Online-Konkurrenz durch Plattformen wie Temu und die Kaufzurückhaltung der Verbraucher.

Dein erster Schritt: ALG 1 absichern

Sobald absehbar ist, dass dein Arbeitsverhältnis endet, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend, sonst droht eine Sperre. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00.

ALG 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, gezahlt bis zu 24 Monate je nach Alter und Einzahldauer. Diese Zeit ist dein Puffer für die Neuorientierung.

Insolvenzgeld, Aufhebungsvertrag und Abfindung

Bei einer Insolvenz sichert das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Der Insolvenzverwalter hilft bei der Abwicklung.

Bekommst du einen Aufhebungsvertrag oder ein Abfindungsangebot, unterschreib nichts ungeprüft. Eine selbst herbeigeführte Beendigung kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass den Vertrag vom Betriebsrat oder einem Fachanwalt prüfen und frag nach einer möglichen Transfergesellschaft mit Transfer-Kurzarbeitergeld nach § 111 SGB III.

Die Zeit für eine geförderte Weiterbildung nutzen

Der stationäre Einzelhandel steht durch Onlinehandel und Kaufzurückhaltung unter Druck, gleichzeitig wächst der Bedarf an digitalen und automatisierten Prozessen in fast jeder Branche. Wer aus Verkauf, Filialorganisation oder Warenwirtschaft kommt, bringt Kundennähe und Prozesswissen mit, das in neuen Rollen zählt. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Kinderbetreuung wird mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (§ 87 SGB III).

Der Digitalisierungsmanager passt gut in diese Lage: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil. Inhaltlich geht es um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. In den DigiMan-Kursen sitzen regelmäßig Menschen aus Handel und Service, die ihr Wissen über Kunden und Abläufe in Digitalisierungsrollen mitnehmen. Wer eher in die kaufmännische Führung will, schaut sich den Wirtschaftsfachwirt (IHK) an, der über das Aufstiegs-BAföG läuft.

Häufige Fragen

Wie viele Filialen schließt Depot?

Depot schließt 66 Filialen. Rund 330 Beschäftigte verlieren ihren Job, dazu fallen Stellen in der Zentrale weg. Vorerst bleiben gut 80 Filialen erhalten.

Bekomme ich mein ausstehendes Gehalt?

Für rückständiges Nettoentgelt der letzten bis zu drei Monate greift in der Regel das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis.

Warum ist Depot erneut insolvent?

Es ist bereits das zweite Insolvenzverfahren binnen zwei Jahren. Geschäftsführer Christian Gries nennt als Gründe Zölle, die Online-Konkurrenz durch Plattformen wie Temu und die Kaufzurückhaltung der Verbraucher.

Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?

Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.

Quellen

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