Der Nähgarnhersteller Amann Group aus Bönnigheim verlagert Aufgaben ins Ausland und baut in Deutschland Stellen ab. Betroffen sind der Hauptsitz Bönnigheim, das Logistikzentrum Erligheim und der Entwicklungsstandort Augsburg mit zusammen rund 340 Beschäftigten. Das berichten unter anderem die Stuttgarter Zeitung und die Heilbronner Stimme. Wenn du bei Amann arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.

Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei konkreten Fragen zu Sozialplan, Abfindung oder Aufhebungsvertrag ist der Betriebsrat oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.

Auf einen Blick: Amann verlagert Kompetenzen aus Deutschland an internationale Standorte, vor allem nach Asien. In Deutschland arbeiten rund 340 Menschen an drei Standorten. Wie viele Stellen wegfallen, wird noch mit dem Betriebsrat verhandelt, allein über Fluktuation und Altersteilzeit ist der Abbau laut Unternehmen nicht zu schaffen. Wer die Stelle verliert, sichert ALG 1 und kann eine geförderte Weiterbildung nutzen.

Was bei Amann gerade passiert

Die 1854 gegründete Amann Group stellt Nähgarne her und will die Gruppe neu ausrichten. Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung sollen vom deutschen Hauptsitz in regionale Kompetenzzentren wandern, die näher an Kunden und Lieferketten sitzen. Kapazitäten baut das Unternehmen vor allem in Asien auf.

Für Deutschland heißt das Personalabbau. Betroffen sind der Hauptsitz Bönnigheim, das Logistikzentrum Erligheim und der Entwicklungsstandort Augsburg mit insgesamt rund 340 Beschäftigten. Die genaue Zahl der wegfallenden Stellen wird mit dem Betriebsrat verhandelt. Klar ist laut Unternehmen: allein über natürliche Fluktuation und Altersteilzeit lässt sich der nötige Abbau nicht erreichen.

CEO Markus Nicolaus ordnet die Maßnahmen einem Wachstumsprogramm unter und verweist auf globale Veränderungen in der Textilindustrie. Bei den Beschäftigten kommt das anders an, viele reagieren nach den Berichten mit Sorge.

Dein erster Schritt: ALG 1 absichern

Sobald absehbar ist, dass dein Arbeitsverhältnis endet, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend, sonst droht eine Sperre. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00.

ALG 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, gezahlt bis zu 24 Monate je nach Alter und Einzahldauer. Diese Zeit ist dein Polster für die Neuorientierung.

Sozialplan, Abfindung und Aufhebungsvertrag

Bei einem Abbau dieser Größe verhandelt der Betriebsrat einen Sozialplan mit Abfindungen und oft einer Transfergesellschaft. Dort gibt es Transfer-Kurzarbeitergeld nach § 111 SGB III und Zeit für Weiterbildung und Jobsuche, bevor du in die Arbeitslosigkeit fällst.

Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen beim ALG 1 nach sich ziehen. Unterschreib nichts ungeprüft, sondern lass jedes Angebot vom Betriebsrat oder einem Fachanwalt bewerten.

Die Zeit für eine geförderte Weiterbildung nutzen

Die Textilindustrie in Deutschland schrumpft seit Jahren, während digitale und automatisierte Prozesse in fast jeder Branche wichtiger werden. Wer aus Logistik, Entwicklung oder Verwaltung kommt, bringt organisatorisches und technisches Wissen mit, das sich gut auf Digitalisierungsrollen übertragen lässt. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat plus 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Für Kinderbetreuung gibt es 160 Euro je Kind und Monat (§ 87 SGB III).

Der Digitalisierungsmanager ist ein passender Weg: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil. Es geht um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. In den DigiMan-Kursen sehen wir immer wieder Menschen aus Industrie und Verwaltung, die ihr Wissen über Abläufe in neue Rollen mitnehmen. Wer stärker in die kaufmännische Führung will, findet im Wirtschaftsfachwirt (IHK) eine Alternative über das Aufstiegs-BAföG.

Häufige Fragen

Wie viele Stellen baut Amann in Deutschland ab?

Die genaue Zahl steht noch nicht fest, sie wird mit dem Betriebsrat verhandelt. In Deutschland beschäftigt Amann rund 340 Menschen an den Standorten Bönnigheim, Erligheim und Augsburg. Laut Unternehmen reicht Fluktuation allein nicht aus.

Warum verlagert Amann ins Ausland?

Das Unternehmen will Kompetenzen in regionale Cluster näher an Kunden und Lieferketten verlagern und baut vor allem in Asien Kapazitäten auf. Als Grund nennt Amann globale Veränderungen in der Textilindustrie.

Was ist eine Transfergesellschaft?

In einer Transfergesellschaft bleibst du befristet angestellt, erhältst Transfer-Kurzarbeitergeld nach § 111 SGB III und Zeit zur Qualifizierung. Ob es eine gibt, regelt der Sozialplan.

Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?

Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.

Quellen

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