Continental verlagert die Fertigung von Industriereifen am Standort Korbach schrittweise nach Sri Lanka und Malaysia, das hat der Konzern laut HNA am 2. September 2026 mitgeteilt. Betroffen sind laut HNA rund 140 von rund 2.400 Arbeitsplätzen am Standort, der Umbau soll bis Mitte 2029 abgeschlossen sein. Dieser Text ordnet ein, was aus der Berichterstattung belegt ist, welche Fristen für dich als Beschäftigten zählen und was sich aus deiner bisherigen Tätigkeit übertragen lässt.

Eine arbeitsrechtliche Beratung ersetzt dieser Text nicht. Für deinen Einzelfall sind der Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtigen Ansprechpartner. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren.

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Was Continental für den Standort Korbach angekündigt hat

Laut einem Bericht der HNA vom 2. September 2026 will Continental die Produktion von Vollgummi-Industriereifen für Gabelstapler, Schlepper und andere Industriefahrzeuge schrittweise vom Standort Korbach in die Region Asien-Pazifik verlagern. Übernehmen sollen laut HNA künftig die bestehenden Werke im sri-lankischen Kalutara und im malaysischen Petaling Jaya. Der Umbau soll bis Mitte 2029 abgeschlossen sein, Pkw- und Zweiradreifen werden laut HNA weiterhin in Korbach produziert. Als Grund nennt das Unternehmen laut HNA eine seit Jahren bestehende Unterauslastung der Produktionskapazitäten im Industriereifenbereich sowie hohen Kostendruck.

Der Standort Korbach bleibt laut HNA unter Berufung auf Unternehmensangaben mit rund 2.400 Beschäftigten ein wichtiger Baustein im globalen Produktionsnetzwerk des Konzerns. Laut HNA sind rund 140 dieser Arbeitsplätze von der Verlagerung betroffen.

Eine eigene Stellungnahme von Continental zu diesem konkreten Vorgang ist öffentlich nicht auffindbar. Auch die Fachpresse verweist beim Kern der Zahlen ausdrücklich auf die HNA, wie reifenpresse.de es selbst offenlegt. An der Faktenlage ändert das nichts, wohl aber daran, wie vorsichtig du einzelne Formulierungen liest, bevor du sie auf deine eigene Stelle beziehst.

Eine unternehmerische Entscheidung ohne Gerichtsverfahren

Für den Standort Korbach läuft kein Insolvenzverfahren. Der Arbeitgeber der Korbacher Reifenfertigung, die Continental Reifen Deutschland GmbH, zahlt die Gehälter weiter aus dem laufenden Geschäft, und es gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln mit deiner vertraglichen, tariflichen oder gesetzlichen Kündigungsfrist. Nach Paragraf 622 BGB beträgt die Grundfrist vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Monatsende, bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit von einem Monat zum Monatsende ab zwei Jahren bis zu sieben Monaten ab 20 Jahren, Tarifverträge können abweichen.

Eine Verlagerung der Produktion beendet ein Arbeitsverhältnis nicht von selbst.

Am Standort Korbach sind mehrere Gesellschaften der Continental-Gruppe angesiedelt. Welche davon für dich der Arbeitgeber ist, zeigen dir Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung, und genau dort lohnt sich der erste Blick, bevor du eine Nachricht über den Konzern auf deine eigene Stelle beziehst.

Der Betriebsrat sieht das anders, und was „betroffen“ bedeutet

Für die rund 140 betroffenen Mitarbeiter soll laut HNA ein bereits verhandeltes Transformationspaket greifen, im Zentrum stehen Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote sowie weitere Unterstützungsmaßnahmen. Die konkrete Ausgestaltung verhandelt Continental laut HNA noch mit der Arbeitnehmervertretung. Betriebsbedingte Kündigungen sollen laut Unternehmensangaben nach Möglichkeit vermieden werden, das ist eine Absicht und keine Zusage ohne jede Kündigung. Der Betriebsratsvorsitzende Jörg Schönfelder sieht laut HNA die Gründe für die Verlagerung nicht allein in den vom Unternehmen genannten Standortkosten und hält die bisherige Zusage für nicht ausreichend. Aus unserer Sicht steckt die eigentliche Schwierigkeit dieser Meldung nicht in der Zahl 140, sondern in dem Wort „betroffen“. Betroffen ist in dieser Ankündigung nicht dasselbe wie gekündigt, aus der Berichterstattung folgt keine einzige bereits ausgesprochene Kündigung. Die lange Übergangsphase bis Mitte 2029 soll laut HNA die Belieferung der Kunden sichern und den Betroffenen Zeit geben, sich beruflich neu zu orientieren. Wer heute in der Korbacher Industriereifenfertigung arbeitet, hat damit nach Aktenlage eher Jahre als Wochen Zeit für eine Entscheidung. Das ändert nichts an der Pflicht, die eigenen Fristen im Blick zu behalten, es ändert aber, wie viel Ruhe für eine gute Entscheidung bleibt.

Die Fristen, die schon jetzt für dich laufen

Nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III meldest du dich spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Liegen zwischen der Kenntnis deines Enddatums und dem Ende weniger als drei Monate, bleiben dir drei Tage ab Kenntnis. Das gilt unabhängig davon, aus welchem Grund dir ein Enddatum genannt wird. Eine verspätete Meldung kann eine Sperrzeit von einer Woche nach sich ziehen (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III), die kostenfreie Servicenummer für Arbeitnehmer lautet 0800 4 5555 00.

Bei Continental in Korbach hat bislang niemand eine Kündigung erhalten.

Solltest du dennoch eine schriftliche Kündigung erhalten, bleiben dir drei Wochen für eine Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG), danach gilt sie nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam. Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, auch per Aufhebungsvertrag, riskiert beim Arbeitslosengeld eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III). Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).

Was sich aus der Industriereifenfertigung in Korbach übertragen lässt

Korbach beschreibt sich selbst als Entwicklungs- und Produktionsstandort mit den Zentralfunktionen Einkauf, Controlling, Vertrieb, Human Relations, Logistik, IT, Kommunikation und Supply Chain, dazu die eigentliche Reifenfertigung mit einem eigenen Technology Center. Welche der 140 von der Verlagerung betroffenen Personen in welcher dieser Funktionen arbeiten, ist öffentlich nicht bekannt. Aus der Art des Standorts lässt sich trotzdem ableiten, welche Tätigkeiten dort typischerweise anschlussfähig sind:

Keines dieser Profile hängt an Industriereifen.

Ein möglicher Anschluss ist der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz: vier Monate in Vollzeit, montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse als Voraussetzung, DEKRA-zertifiziert. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt, bei Bewilligung liegt dein Eigenanteil bei 0 Euro, über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Wie der Antrag abläuft, erklärt unser Beitrag zum Bildungsgutschein.

Bist du weiterhin angestellt und betrifft dich die Übergangsphase erst später, kann eine Beratung schon jetzt sinnvoll sein. Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III lässt sich eine Weiterbildung auch fördern, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn, und neben einer laufenden Vollzeitstelle lässt sich der Kurs nicht belegen. Wer bereits Arbeitslosengeld bezieht, kann es während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter beziehen (Paragraf 144 SGB III), wobei je zwei Tage die Anspruchsdauer um einen Tag mindern (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).

Ob und wann das für dich passt, entscheidest du selbst, eine Weiterbildung ist eine Option neben einem internen Wechsel am Standort oder einer Bewerbung in der Region. Weitere Orientierung gibt unsere Übersicht zum Stellenabbau in der Industrie.

Häufige Fragen

Wer zahlt mein Gehalt, während die Verlagerung läuft?

Für die Reifenfertigung ist das die Continental Reifen Deutschland GmbH, sie zahlt dein Gehalt weiter aus dem laufenden Geschäft; welche Gesellschaft für dich zutrifft, zeigen Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung. Es gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln mit deiner vertraglichen, tariflichen oder gesetzlichen Kündigungsfrist.

Was bedeutet es, zu den 140 betroffenen Stellen zu gehören?

Laut HNA heißt „betroffen“ zunächst, dass diese Stellen von der Verlagerung berührt sind, eine bereits ausgesprochene Kündigung ist damit nicht gemeint. Für die Betroffenen soll ein verhandeltes Transformationspaket mit Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten greifen, betriebsbedingte Kündigungen sollen laut Unternehmensangaben nach Möglichkeit vermieden werden.

Welche Firma ist mein Arbeitgeber am Standort Korbach?

Für die Reifenfertigung, um die es in diesem Fall geht, ist das die Continental Reifen Deutschland GmbH. Am selben Standort ist mit der ContiTech Schlauch GmbH eine eigene, davon unabhängige Rechtsperson ansässig, welche Gesellschaft für dich zutrifft, zeigen dir Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung.

Wie viel Zeit bleibt, bis die Verlagerung abgeschlossen sein soll?

Laut HNA soll der Umbau bis Mitte 2029 abgeschlossen sein, also über einen Zeitraum von rund drei Jahren ab der Ankündigung. Diese Übergangsphase soll laut Unternehmensangaben auch dazu dienen, den Betroffenen Zeit für eine berufliche Neuorientierung zu geben.

Wann muss ich mich arbeitsuchend melden?

Spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses, das verlangt Paragraf 38 Absatz 1 SGB III. Liegen zwischen deiner Kenntnis des Enddatums und dem Ende weniger als drei Monate, hast du drei Tage ab Kenntnis, eine verspätete Meldung kann eine Sperrzeit von einer Woche nach sich ziehen.

Quellen

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