„Den extrem hohen Umsatz mit dieser Technologie müssen wir besteuern“, sagt Karsten Wildberger, und mehr als diesen Grundsatz gibt es bislang nicht.

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Was der Minister im Interview gesagt hat

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat sich in einem Interview mit dem Tagesspiegel für eine Steuer auf Umsätze mit Künstlicher Intelligenz ausgesprochen. Berichtet haben darüber am 13. Oktober 2026 heise online, gestützt auf eine Meldung der dpa, und golem.de. Laut der dpa-Meldung sagte er: „Den extrem hohen Umsatz mit dieser Technologie müssen wir besteuern, und mit dem Geld können wir den Umbau finanzieren, das ist auch mein Ansatz.“ Ein zweiter Satz aus dem Gespräch betrifft den Ort, an dem besteuert werden soll: „Wenn hierzulande Wachstum und Wertschöpfung entstehen, müssen hierzulande auch Steuern gezahlt werden.“

Mit dem Umbau meint er den Arbeitsmarkt.

Wildberger rechnet nach den Berichten damit, dass KI die Arbeitswelt grundlegend verändert. Langfristig entstehe aus seiner Sicht mehr Beschäftigung, allerdings in anderen Jobs als heute. Umschulungen und neue Tätigkeiten, etwa im Handwerk oder in der Pflege, müssten finanziert werden. Steuer und Arbeitsmarkt hängen in seiner Begründung also unmittelbar zusammen: Das Geld aus der einen Quelle soll die Kosten auf der anderen Seite decken.

Erschienen ist das Gespräch unter der Überschrift „Digitalminister Karsten Wildberger im Gespräch: ‚Wenn wir die KI beherrschen, dann wird es nicht zur Auslöschung der Menschheit kommen‘“.

Der Anlass war ein Essay von Bill Gates

Zur Sprache kam das Thema, weil der Tagesspiegel den Minister auf einen Vorschlag von Bill Gates ansprach, so golem.de. Der Microsoft-Mitgründer hatte am 26. August in einem Essay auf Gates Notes eine Steuer auf KI-Tokens und Roboter vorgeschlagen. Seine Begründung setzt beim Steuersystem an. Auf Löhne führen Arbeitgeber Abgaben ab, einen Roboter können sie dagegen meist sofort als Betriebsausgabe absetzen.

Ob Wildberger den Vorschlag von Gates aufgreift oder ihn nur als Stichwort genommen hat, geht aus den Berichten nicht hervor. Gates spricht von Tokens und Robotern, der Minister von Umsätzen. Das sind unterschiedliche Ansatzpunkte, und welcher am Ende gemeint wäre, lässt das Interview offen.

Auch eine weitere Frage beantwortete er laut golem.de nicht direkt. Gefragt nach einer Digitalsteuer und möglichen Strafzöllen von US-Präsident Trump, sagte er, ihn treibe mehr um, wie Deutschland bei KI selbst Wachstum und Wertschöpfung erzeugen könne.

Im Frühjahr hatte Wildberger laut golem.de das bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel gebracht; den Begriff will er nach eigenen Angaben nicht mehr verwenden, das Konzept aber noch einmal ansehen.

Was auf dem Tisch liegt und was fehlt

Wer aus dem Interview Folgen für den eigenen Betrieb ablesen will, findet keinen Anhaltspunkt. Einen Steuersatz hat Wildberger laut golem.de nicht genannt, ebenso wenig konkrete Instrumente oder einen Zeitplan. Offen ist auch die Bemessungsgrundlage. Und wer die Steuer zahlen soll, sagt keine der Quellen. Formal handelt es sich um eine Äußerung in einem Interview. Einen Gesetzentwurf oder Kabinettsbeschluss gibt es dazu nicht. Als Position der Bundesregierung ist die Idee in den Berichten nirgends ausgewiesen. Hinzu kommt eine Einschränkung bei den Quellen: Das Interview selbst liegt hinter einer Bezahlschranke, lesbar waren für diesen Bericht nur Titel und Vorspann. Die Zitate stammen deshalb aus der dpa-Meldung bei heise online und aus golem.de.

Was der Minister im übrigen Gespräch gesagt hat, lässt sich aus diesen beiden Berichten nicht rekonstruieren.

Für die Einordnung heißt das: Bekannt ist eine Absicht mit einer Begründung. Wie eine solche Steuer aussehen könnte, ist aus den Berichten nicht abzulesen, und jede Rechnung dazu wäre geraten.

Die Arbeitsmarktfrage hinter der Steuer

Spannender als die Steuer selbst ist die Annahme, auf der sie ruht. Wildberger geht davon aus, dass KI Arbeit verschiebt und dass Umschulungen und neue Tätigkeiten finanziert werden müssen. Wie Arbeitsmarktforscher diese Verschiebung von Stellen durch KI einschätzen, haben wir im Artikel zur Prognose des IAB zu KI und Arbeitsmarkt zusammengefasst. Die Richtung, die der Minister beschreibt, ist dort bereits Thema.

Handwerk und Pflege nennt er als Beispiele für neue Tätigkeiten. Welche Berufe aus seiner Sicht wegfallen, sagen die Berichte nicht.

Unsere Einschätzung

Aus unserer Sicht folgt aus dem Interview für einen Betrieb im Moment nichts, was er umstellen müsste. Ohne Entwurf gibt es nichts, woran sich rechnen ließe.

Interessanter finden wir die Begründung. Ein Bundesminister sagt öffentlich, dass sich Arbeit verschieben wird und dass Umschulung Geld kostet. Wer das ernst nimmt, landet bei einer sehr praktischen Frage für den eigenen Betrieb: Welche Aufgaben erledigt wer in zwei Jahren noch genauso wie heute? Diese Frage lässt sich ohne jede Steuer beantworten, mit einer ehrlichen Liste der Tätigkeiten im Haus und einem Blick darauf, wo KI-Werkzeuge in diese Tätigkeiten schon eingreifen. Das ist keine theoretische Übung, sobald ein Mitarbeiter merkt, dass ein Teil seiner Woche von einem Werkzeug erledigt wird.

Wir würden Weiterbildung deshalb nicht davon abhängig machen, ob und wann eine solche Steuer kommt. Ob es sie je geben wird, entscheidet die Politik. Wann ein Betrieb seine Leute auf veränderte Aufgaben vorbereitet, entscheidet er selbst.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 13. Oktober 2026):

Häufige Fragen

Was hat Digitalminister Wildberger zur KI-Steuer gesagt?

Karsten Wildberger (CDU) will Umsätze mit Künstlicher Intelligenz in Deutschland besteuern. Das sagte er in einem Interview mit dem Tagesspiegel, über das heise online (dpa) und golem.de am 13. Oktober 2026 berichteten. Mit dem Geld soll aus seiner Sicht der Umbau des Arbeitsmarkts finanziert werden.

Gibt es schon einen Steuersatz oder einen Gesetzentwurf?

Nein. Laut golem.de nannte Wildberger weder einen Steuersatz noch konkrete Instrumente oder einen Zeitplan. Es handelt sich um eine Äußerung in einem Interview, einen Gesetzentwurf oder Kabinettsbeschluss gibt es dazu nicht.

Welche Rolle spielt der Vorschlag von Bill Gates?

Der Tagesspiegel hatte Wildberger laut golem.de auf einen Vorschlag des Microsoft-Mitgründers angesprochen. Gates hatte am 26. August in einem Essay auf Gates Notes eine Steuer auf KI-Tokens und Roboter vorgeschlagen. Er begründete das damit, dass Arbeitgeber auf Löhne Abgaben abführen, einen Roboter aber meist sofort als Betriebsausgabe absetzen können.

Muss ein Betrieb wegen der Pläne jetzt etwas regeln?

Aus unserer Sicht nicht, denn es gibt keinen Entwurf, an dem sich etwas berechnen ließe. Offen sind Satz, Bemessungsgrundlage, Zeitplan und die Frage, wer zahlen soll. Unabhängig davon lohnt der Blick darauf, welche Aufgaben im Betrieb sich durch KI-Werkzeuge verändern.

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Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2026. Stand der Recherche: 13. Oktober 2026.