Mit dem zuständigen Amt ausschließlich digital zu verkehren, gelingt laut einer Bitkom-Umfrage 2 Prozent der befragten Unternehmen ab 20 Beschäftigten.

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Wer befragt wurde und wer fehlt

Bitkom Research hat im Auftrag des Digitalverbands Bitkom 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Interviews liefen in den Kalenderwochen 35 bis 39 des Jahres 2026, laut heise also von Ende August bis Ende September. Bitkom bezeichnet die Umfrage als repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Veröffentlicht wurde sie am 12. Oktober 2026.

Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten kommen in den Zahlen nicht vor. Jede Prozentangabe in diesem Artikel bezieht sich auf die befragten Unternehmen ab dieser Größe.

Auch der Absender gehört zur Einordnung. Bitkom ist ein Digitalverband und hat ein eigenes Interesse daran, dass die Verwaltung digitaler arbeitet. Wer die Zahlen weitergibt, sollte das dazusagen.

Zwei Prozent rein digital, sechzig Prozent gemischt

Bei 60 Prozent der befragten Unternehmen bieten die zuständigen Behörden digitale und analoge Wege zu gleichen Teilen an. Weitere 33 Prozent können zumindest überwiegend digital kommunizieren, etwa per E-Mail oder über Webportale. Ausschließlich digital läuft der Kontakt bei 2 Prozent. Ebenso viele, also ebenfalls 2 Prozent, sind überwiegend auf Brief und Fax angewiesen. Rein analog verkehrt laut Umfrage kein einziges befragtes Unternehmen mit seinen Ämtern. Die Mitte ist breit, die Ränder sind dünn.

Eine wichtige Einschränkung macht heise. Die Frage nach den Kommunikationswegen misst das Angebot der Behörden, und ob ein digital eingereichter Antrag im Amt auch digital bearbeitet wird, sagen die Zahlen nicht.

Deutlich fällt das Urteil über die Folgen aus. 75 Prozent der befragten Unternehmen sehen die digitale Rückständigkeit der für sie zuständigen Ämter als internationalen Standortnachteil. 62 Prozent nennen Bürokratie einen Bremsklotz für die Digitalisierung des eigenen Unternehmens, unter den Unternehmen ab 500 Beschäftigten sind es 71 Prozent. Wie groß diese Teilgruppe in der Stichprobe ist, nennt Bitkom nicht.

Wo es im Kontakt mit dem Amt hakt

Als „großes Problem“ bezeichnen die befragten Unternehmen am häufigsten diese Punkte:

Dahinter folgen unklare Zuständigkeiten mit 34 Prozent, Papierunterlagen mit 33 Prozent, fehlende eindeutige Ansprechpartner mit 32 Prozent und hohe Gebühren mit 30 Prozent. Mangelnde Kompetenz der Behördenmitarbeiter halten 18 Prozent für ein großes Problem. Am eindeutigsten ist das Bild bei der Bearbeitungsdauer: Überhaupt kein Problem sehen darin nur 5 Prozent.

Im Zeugnis landet die Verwaltung bei einer 3,9, also „ausreichend“. 37 Prozent der Befragten vergeben mindestens „befriedigend“, darunter 5 Prozent „gut“. 35 Prozent geben „ausreichend“, 25 Prozent „mangelhaft“ oder „ungenügend“. 84 Prozent wollen, dass die Politik die Verwaltungsdigitalisierung mit Priorität angeht.

Was der Verband fordert

Verwaltungsleistungen müssten von Anfang bis Ende digital sein, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Als wichtige Projekte nennt er den Deutschland-Stack und die Registermodernisierung. Zum Jahreswechsel soll nach seinen Worten die EUDI-Wallet für Bürger unter dem Namen d-you starten. Unternehmen bräuchten laut Wintergerst ein Gegenstück, eine European Business Wallet, um sich gegenüber Behörden einmal digital auszuweisen und Daten nicht immer wieder neu einzureichen.

Das ist eine Forderung des Verbands. Ob und wann eine solche Wallet für Unternehmen kommt, sagen die Quellen nicht.

Zum Tempo liefert heise eine Zahl aus einer anderen Bitkom-Erhebung. Der Bitkom-Monitor zur Staatsmodernisierung erfasst 222 Vorhaben aus den Modernisierungsagenden von Bund und Ländern, und im Juni 2026 waren 9 Prozent davon abgeschlossen. Nach KI fragt die Umfrage selbst nicht; was Kommunen und Behörden dort erproben, beschreibt unser Überblick zu KI im öffentlichen Dienst.

Unsere Einschätzung

Die Umfrage lässt Betriebe unter 20 Beschäftigten außen vor, und damit gerade die kleinsten mit dem knappsten Büro. Für sie steht in den Zahlen nichts, die Fragen passen trotzdem.

Aus unserer Sicht lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigenen Medienbrüche. Wo druckt jemand ein Dokument aus, nur um es einem Amt zu schicken? Wo tippt jemand dieselben Stammdaten zum dritten Mal in ein Formular? Den Teil des Ablaufs, der in der Behörde liegt, kann ein Betrieb kaum beeinflussen. Den eigenen Teil sehr wohl. Eine Ablage, aus der sich Nachweise und Stammdaten schnell zusammenstellen lassen, nimmt einem Antrag viel Reibung, egal ob er am Ende per Portal oder per Post hinausgeht. Wir würden mit genau den Unterlagen anfangen, die jedes Jahr wieder verlangt werden. Dort dürfte die meiste Wiederholung stecken.

Die Pläne für eine European Business Wallet würden wir beobachten. Darauf warten würden wir nicht, solange niemand sagt, ob und wann sie kommt.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 13. Oktober 2026):

Häufige Fragen

Wen hat Bitkom für die Umfrage zur Verwaltungsdigitalisierung befragt?

Bitkom Research hat im Auftrag des Digitalverbands Bitkom 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt, in den Kalenderwochen 35 bis 39 des Jahres 2026. Bitkom bezeichnet die Umfrage als repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten sind nicht erfasst.

Wie viele Unternehmen können mit Behörden ausschließlich digital kommunizieren?

Laut Umfrage sind es 2 Prozent der befragten Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Bei 60 Prozent bieten die Behörden digitale und analoge Wege zu gleichen Teilen an, 33 Prozent können zumindest überwiegend digital kommunizieren. Rein analog kommuniziert keines der befragten Unternehmen. Ob ein Antrag im Amt auch digital bearbeitet wird, misst die Frage laut heise nicht.

Was ist die European Business Wallet, die Bitkom fordert?

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst beschreibt sie als Gegenstück zur EUDI-Wallet für Bürger, die laut ihm zum Jahreswechsel unter dem Namen d-you starten soll. Unternehmen sollen sich damit gegenüber Behörden einmal digital ausweisen und Daten nicht immer wieder neu einreichen müssen. Es handelt sich um eine Forderung des Verbands; ob und wann eine solche Wallet kommt, sagen die Quellen nicht.

Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?

Aus unserer Sicht lohnt sich ein Blick auf die eigenen Medienbrüche: Wo wird etwas nur für ein Amt ausgedruckt, wo werden dieselben Stammdaten mehrfach abgetippt? Eine Ablage, aus der sich Nachweise schnell zusammenstellen lassen, liegt in der Hand des Betriebs. Die Pläne für eine Business Wallet würden wir beobachten, aber nicht darauf warten.

Wo werden im Betrieb Daten für ein Amt zum dritten Mal abgetippt?

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Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2026. Stand der Recherche: 13. Oktober 2026.