Auf dem Telefon des Finanzmanagers erschien die Nummer seines Vorgesetzten, gewählt hatten Betrüger.

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Knapp 60 Überweisungen nach einem gefälschten Anruf

Der Mann arbeitete als Head of Global Treasury, also als Treasury-Leiter, in einem Unternehmen. Laut heise und der Kanzlei Gleiss Lutz fälschten die Täter die Rufnummer seines Vorgesetzten, nach Angaben von Gleiss Lutz die Nummer, die im dienstlichen Telefonverzeichnis hinterlegt war. Gleiss Lutz spricht von Caller-ID-Spoofing. Weitere Zahlungsanweisungen kamen per Messenger auf seine private Handynummer. Am Ende standen laut heise knapp 60 Auslandsüberweisungen über mehr als 50 Millionen Euro.

Wie hoch der zugesprochene Schadensersatz genau ist, geben die Berichte nicht einheitlich an. Gesichert ist nur die Summe der Überweisungen.

Neu ist das Urteil nicht. Es stammt vom 31. Juli 2026, berichtet haben darüber Gleiss Lutz am 30. September, Mayer Brown am 8. Oktober, heise online am 9. Oktober und die DSN group am 13. Oktober 2026. Den Urteilstext selbst haben wir nicht gelesen, alle Angaben hier stützen sich auf diese vier Berichte.

Eine künstliche Intelligenz spielte im entschiedenen Fall laut allen vier Quellen keine Rolle, es ging um eine gefälschte Rufnummer und einen Messenger. heise ordnet den Fall allgemein ein und schreibt, gefälschte Rufnummern und per KI geklonte Stimmen machten solche Angriffe zunehmend glaubwürdig. Hintergründe zur Masche selbst stehen in unserem Artikel CEO Fraud mit KI.

Grob fahrlässig, und die Kündigung hält

Für das Gericht lag der Fehler in einem Verstoß gegen interne Regeln. Der Treasury-Leiter setzte sich laut heise und Gleiss Lutz über interne Vorgaben zu Zahlungsfreigaben hinweg, ebenso über die Vorgaben zur Kommunikation über private Messenger. Das LAG wertete das als grob fahrlässig. Ein Finanzmanager auf dieser Ebene hätte sich bei Zahlungen dieser Größenordnung persönlich beim Vorgesetzten rückversichern müssen, so die Begründung nach den Berichten. Die fristlose Kündigung ist deshalb wirksam. Nach der Darstellung von Mayer Brown kann ein einmaliger, grob fahrlässiger Pflichtverstoß mit außergewöhnlich hohem Schaden dafür genügen, auch ohne vorherige Abmahnung. Der Mitarbeiter hatte eingewandt, sein Arbeitgeber habe bei Schulungen und IT-Sicherheit zu wenig getan. Das Gericht ließ den Einwand laut heise und Mayer Brown nicht gelten. Maßgeblich waren die dokumentierten Freigabe- und Kommunikationsregeln, gegen die er verstoßen hatte. Laut Mayer Brown hatte er selbst in einem Awareness-Video mitgewirkt.

Warum die D&O-Versicherung die Haftung verschärft

Arbeitnehmer haften für betrieblich veranlasste Schäden normalerweise nur eingeschränkt. Diese Erleichterung versagte das LAG Köln dem Treasury-Leiter. Der Grund: Sein Arbeitgeber hatte ihn in eine Managerhaftpflichtversicherung einbezogen, eine D&O-Versicherung mit einer Deckungssumme von bis zu 150 Millionen US-Dollar, wie Gleiss Lutz berichtet. Die Prämien zahlte laut heise das Unternehmen. Die Folge ist die volle Haftung.

Zur Beweislast hält Gleiss Lutz fest, dass derjenige, der sich darauf beruft, die Versicherung zahle im konkreten Fall nicht, das darlegen und beweisen muss. Ob die D&O-Versicherung tatsächlich zahlt, steht laut heise erst fest, wenn die Haftung rechtskräftig festgestellt ist.

Die DSN group warnt davor, aus dem Urteil eine Regel zu machen. Nicht jede D&O-Versicherung führe automatisch zu unbegrenzter persönlicher Haftung, es komme auf den Einzelfall und den Versicherungsschutz an.

Gleiss Lutz empfiehlt Unternehmen strenge Freigabeprozesse, nämlich ein Vier-Augen-Prinzip und die Rückbestätigung über bekannte Kommunikationswege.

Das letzte Wort hat das Bundesarbeitsgericht

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Revision zum Bundesarbeitsgericht ist zugelassen und anhängig, das melden alle vier Quellen übereinstimmend. Das BAG kann anders entscheiden, sowohl zur Kündigung als auch zur Frage, welche Rolle eine vom Arbeitgeber bezahlte Versicherung für die Haftung eines Angestellten spielt. Bis dahin ist die Kölner Entscheidung ein Einzelurteil eines Landesarbeitsgerichts.

Unsere Einschätzung

Der praktische Kern des Urteils ist aus unserer Sicht unspektakulär, und gerade das macht ihn brauchbar. Den Ausschlag gaben schriftliche Regeln: wer Zahlungen freigibt, auf welchem Weg Anweisungen kommen dürfen, was über private Messenger läuft. Gegen diese Regeln hatte der Mitarbeiter verstoßen, und deshalb half ihm der Hinweis auf fehlende Schulungen nicht.

Eine Treasury-Abteilung hat ein kleiner Betrieb selten. Jemanden, der Überweisungen freigibt, hat er fast immer.

Wir würden zuerst nachsehen, ob es überhaupt eine schriftliche Regel gibt, dass ungewöhnliche Zahlungsanweisungen über einen zweiten, bereits bekannten Weg bestätigt werden, also etwa per Rückruf unter der Nummer, die man selbst kennt. Danach kommt die zweite Frage: Kennen die Leute, die tatsächlich zahlen, diese Regel? Eine Vorgabe, die in einem Ordner steht und niemandem erklärt wurde, schützt im Ernstfall weder den Betrieb noch den Mitarbeiter.

Wer leitenden Mitarbeitern eine D&O-Versicherung bezahlt, sollte mit seinem Versicherer oder einem Anwalt besprechen, was dieses Urteil für die eigene Konstellation bedeuten kann. Eine allgemeine Antwort darauf gibt es nicht, solange das Bundesarbeitsgericht nicht entschieden hat.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 13. Oktober 2026):

Häufige Fragen

Was hat das LAG Köln im CEO-Fraud-Fall entschieden?

Das Landesarbeitsgericht Köln hat mit Urteil vom 31. Juli 2026 (Az. 8 SLa 603/25) entschieden, dass ein Treasury-Leiter für den Schaden aus einem CEO-Fraud voll haftet und seine fristlose Kündigung wirksam ist. Er hatte laut heise knapp 60 Auslandsüberweisungen über mehr als 50 Millionen Euro veranlasst. Die Angaben stammen aus Berichten von heise online, Gleiss Lutz, Mayer Brown und der DSN group, den Urteilstext selbst haben wir nicht gelesen.

Welche Rolle spielte die D&O-Versicherung für die Haftung?

Arbeitnehmer haften für betrieblich veranlasste Schäden normalerweise nur eingeschränkt. Das Gericht versagte diese Erleichterung, weil der Arbeitgeber den Mitarbeiter in eine D&O-Versicherung mit einer Deckungssumme von bis zu 150 Millionen US-Dollar einbezogen hatte, deren Prämien das Unternehmen zahlte. Ob die Versicherung tatsächlich zahlt, steht laut heise erst nach rechtskräftiger Feststellung der Haftung fest.

War bei dem Betrug künstliche Intelligenz im Spiel?

Nach allen vier Berichten nicht. Die Täter fälschten die Rufnummer des Vorgesetzten und schickten weitere Anweisungen per Messenger an die private Handynummer des Mitarbeiters. heise ordnet allgemein ein, dass gefälschte Rufnummern und per KI geklonte Stimmen solche Angriffe zunehmend glaubwürdig machten.

Was sollte ein Betrieb nach diesem Urteil jetzt regeln?

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Revision zum Bundesarbeitsgericht ist zugelassen und anhängig. Entscheidend waren im Fall dokumentierte Regeln zu Zahlungsfreigaben und Kommunikationswegen. Aus unserer Sicht lohnt die Prüfung, ob ungewöhnliche Zahlungsanweisungen schriftlich über einen zweiten, bekannten Weg bestätigt werden müssen und ob die Zuständigen das wissen. Was eine bezahlte D&O-Versicherung für die eigene Konstellation bedeutet, klärt ein Betrieb mit Versicherer oder Anwalt.

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Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2026. Stand der Recherche: 13. Oktober 2026.