Laut der KPMG-Studie "Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2026" vom 9. Juni haben 98 Prozent der befragten Unternehmen eine KI-Strategie. 2024 waren es 31 Prozent. 71 Prozent sehen ihre Erwartungen erfüllt oder übertroffen, doch nur 51 Prozent bilden ihre Leute strukturiert weiter.
Am 9. Juni 2026 hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG ihre jährliche Studie zur generativen KI vorgelegt. Befragt wurden 480 Entscheider aus verschiedenen Branchen. Das Ergebnis liest sich wie eine Aufholjagd im Zeitraffer. Was 2024 noch nach Zukunftsmusik klang, gehört 2026 fast überall zur Unternehmensplanung. Interessant wird es dort, wo die Strategie auf den Arbeitsalltag trifft.
Von 31 auf 98 Prozent in zwei Jahren
98 Prozent der Unternehmen halten KI inzwischen für relevant für ihr Geschäftsmodell und ihre künftige Wertschöpfung. 2024 lag dieser Wert bei 56 Prozent, 2025 bei 91 Prozent. Genauso steil verläuft die Kurve bei den Strategien: 98 Prozent geben an, eine KI-Strategie zu haben, gegenüber 31 Prozent vor zwei Jahren.
Auch der Blick auf die eigene Branche hat sich gedreht. 78 Prozent erwarten einen großen oder sehr großen Einfluss von KI auf ihren Wirtschaftszweig. 2025 sagten das erst 47 Prozent.
"Die Dynamik bei KI hat viele Unternehmen überrascht", sagt Benedikt Höck, Partner und Head of AI bei KPMG. "Strategien wurden in kurzer Zeit aufgebaut und Anwendungen sind produktiv im Einsatz." Die Studie unterlegt das mit einer Zahl, die in der Debatte über teure Pilotprojekte gern untergeht. 71 Prozent der Befragten sehen ihre Erwartungen an die bisherigen KI-Investitionen erfüllt oder übertroffen. Nur 5 Prozent sind enttäuscht. Das ist eine deutlich freundlichere Bilanz, als sie viele Marktbeobachter vor einem Jahr erwartet hätten.
Eine Einordnung gehört dazu. KPMG befragt eher größere Unternehmen, und 480 Entscheider sind ein Ausschnitt, keine Volkszählung. Wer auf den breiten Mittelstand schaut, sieht nüchternere Werte. Laut einer KfW-Auswertung von Anfang 2026 setzten erst rund 20 Prozent der mittelständischen Firmen KI aktiv ein. Beide Befunde widersprechen sich nicht. Sie zeigen ein Tempo an der Spitze und einen großen Rest, der noch Anlauf nimmt.
Investiert wird vorsichtiger, als die Schlagzeilen vermuten lassen
Trotz der Aufbruchstimmung bleiben die Budgets bodenständig. 67 Prozent der Unternehmen wollen in den nächsten zwölf Monaten weniger als zehn Prozent ihres gesamten Investitionsbudgets in KI stecken. 30 Prozent planen mit einem Anteil zwischen zehn und 25 Prozent.
Das deckt sich mit dem, was wir in der Praxis sehen. Wer KI ernst nimmt, wirft selten gleich das große Geld auf den Tisch.
Stattdessen fängt man mit einem klar umrissenen Prozess an, misst das Ergebnis und baut von dort weiter. Gemessen wird der Erfolg dabei vor allem an der Effizienz. 65 Prozent der Firmen bewerten ihren KI-Einsatz an Produktivitäts- und Effizienzgewinnen, 48 Prozent zusätzlich an Beiträgen zu Umsatz und Wachstum. Geld sparen steht also vor Geld verdienen, zumindest im ersten Schritt.
Die Strategie ist da, die Kompetenz noch nicht überall
Für kleine und mittlere Betriebe steckt die eigentliche Botschaft in zwei Zahlen, die nicht recht zusammenpassen. 84 Prozent der Unternehmen halten ihre Mitarbeiter für gut oder sehr gut auf den KI-Einsatz vorbereitet.
Klingt beruhigend. Stimmt aber nur halb.
Denn lediglich 51 Prozent haben eine strukturierte, unternehmensweite KI-Weiterbildung. Gerade einmal 30 Prozent qualifizieren rollen- oder funktionsspezifisch, also passend zur jeweiligen Aufgabe. Zwischen dem Gefühl, vorbereitet zu sein, und einem belastbaren Schulungsangebot liegt eine ordentliche Lücke.
Der Unterschied klingt akademisch, ist aber im Alltag spürbar. Eine allgemeine KI-Schulung erklärt, was ein Sprachmodell ist. Eine rollenspezifische zeigt der Buchhaltung, wie sie Eingangsrechnungen vorsortiert, und dem Vertrieb, wie er Angebotstexte in Minuten statt Stunden schreibt. Das Erste schafft Bewusstsein, das Zweite spart Zeit am gleichen Tag. Genau dieser zweite Schritt fehlt laut KPMG in 70 Prozent der Firmen.
Ähnlich sieht es bei der Steuerung aus. Nur 39 Prozent der Unternehmen lenken ihre KI-Strategie aktiv über das Top-Management, bei 61 Prozent läuft das Thema ohne feste Hand von oben. Und beim verantwortungsvollen Einsatz, dem viel zitierten Trusted AI, haben erst 37 Prozent klare Verantwortlichkeiten und Governance definiert. Die Strategien sind also geschrieben. Was vielerorts fehlt, ist der Unterbau aus Schulung, Zuständigkeit und Kontrolle.
Was das für KMU bedeutet
Die KPMG-Zahlen sind ein gutes Argument gegen das Abwarten. Wenn fast jede befragte Firma eine KI-Strategie hat und sieben von zehn mit dem Ergebnis zufrieden sind, dann ist der Vorsprung der frühen Anwender real. Wer jetzt noch zögert, verliert ihn nicht über Nacht, aber Monat für Monat ein Stück. Der schwierigere Teil kommt allerdings erst nach der Strategie. Auf dem Papier eine KI-Roadmap zu haben, ist leicht. Dafür zu sorgen, dass die Leute im Betrieb sicher mit den Werkzeugen arbeiten, ist die eigentliche Arbeit, und genau daran hängen viele, auch große Unternehmen. Für einen Handwerksbetrieb, eine Kanzlei oder einen Onlineshop heißt das ganz praktisch: Die teuerste Lizenz bringt nichts, wenn niemand sie sauber bedient. Ein halber Tag echte Einarbeitung pro Person schlägt jede weitere Lizenz. Genau diese Einarbeitung machen Förderwege wie der Bildungsgutschein oder das QCG für viele kleine Betriebe bezahlbar.
Häufige Fragen
Was ist das Kernergebnis der KPMG-Studie 2026?
Laut der am 9. Juni 2026 veröffentlichten Studie haben 98 Prozent der befragten Unternehmen eine KI-Strategie, gegenüber 31 Prozent im Jahr 2024. 71 Prozent sehen ihre Erwartungen an die KI-Investitionen erfüllt oder übertroffen. Befragt wurden 480 Entscheider aus verschiedenen Branchen.
Sind die Unternehmen mit ihren KI-Investitionen zufrieden?
Überwiegend ja. 71 Prozent geben an, dass sich ihre Erwartungen erfüllt oder übertroffen haben, nur 5 Prozent sind enttäuscht. Gemessen wird der Erfolg vor allem an Produktivität und Effizienz, bei 65 Prozent, sowie an Umsatz und Wachstum bei 48 Prozent.
Wo hakt es laut KPMG noch?
Die Strategien stehen, der Unterbau fehlt vielerorts. Nur 51 Prozent der Firmen haben eine strukturierte KI-Weiterbildung, nur 39 Prozent steuern das Thema aktiv über das Top-Management, und erst 37 Prozent haben klare Verantwortlichkeiten und Governance definiert.
Gilt das auch für den Mittelstand?
Die KPMG-Befragung trifft eher größere Unternehmen. Im breiten Mittelstand sieht es nüchterner aus: Laut einer KfW-Auswertung von Anfang 2026 nutzten erst rund 20 Prozent der Mittelständler KI aktiv. Der Vorsprung der frühen Anwender ist also real.
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Zuletzt aktualisiert: 11.06.2026. Stand der Recherche: 11.06.2026.