Auf die Schnelle

Die TÜV-Weiterbildungsstudie 2026 zeigt eine klare Lücke: 56 Prozent der Firmen nutzen bereits generative KI, aber nur 27 Prozent haben ihre Leute dazu geschult. 50 Prozent sehen hohen KI-Weiterbildungsbedarf, doch nur 29 Prozent haben überhaupt eine schriftliche Weiterbildungsstrategie.

Am 28. April 2026 hat der TÜV-Verband seine Weiterbildungsstudie vorgelegt, eine repräsentative Forsa-Befragung von 500 Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Das Bild ist zwiespältig. Fast alle halten Weiterbildung für wichtig, aber zwischen Anspruch und Alltag klaffen Wochen, Euros und ganze Strategien. Besonders deutlich wird das beim Thema KI.

Die Lücke zwischen Nutzen und Können

56 Prozent der befragten Unternehmen setzen generative KI bereits im Arbeitsalltag ein. Das ist mehr als jede zweite Firma. Geschult dazu haben ihre Mitarbeiter aber nur 27 Prozent.

Diese Spanne ist das eigentliche Ergebnis der Studie. Die Werkzeuge sind längst im Haus, die Kompetenz hinkt hinterher.

In der Praxis sieht ungeschulte Nutzung harmlos aus und ist es selten. Jemand kopiert eine vertrauliche Kundenliste in einen kostenlosen Chatbot, um sie sortieren zu lassen, und gibt damit Daten aus der Hand. Ein Angebot geht raus, weil die KI eine Zahl erfunden hat und niemand sie geprüft hat. Solche Fehler passieren selten aus Nachlässigkeit. Meist hat schlicht niemand gezeigt, wo die Grenzen der Werkzeuge liegen und welche Aufgaben man besser doppelt kontrolliert.

Dass der Bedarf gesehen wird, zeigt eine weitere Zahl. 50 Prozent der Unternehmen sprechen von einem hohen Weiterbildungsbedarf rund um KI. Es fehlt also nicht am Problembewusstsein, sondern an der Umsetzung. Genau das bestätigt der TÜV-Verband mit seiner Kernaussage, Weiterbildung werde "in vielen Betrieben noch nicht konsequent genug strategisch umgesetzt".

Wichtig schon, aber selten mit Plan und Budget

87 Prozent der Firmen halten Weiterbildung für wichtig. Sobald es konkret wird, schrumpfen die Zahlen. Nur 29 Prozent haben eine schriftlich fixierte Weiterbildungsstrategie. Bei den übrigen läuft das Thema nach Bauchgefühl und Gelegenheit.

Auch die Ressourcen sind knapp bemessen. 74 Prozent der Unternehmen gewähren ihren Beschäftigten nur ein bis fünf Weiterbildungstage im Jahr. 65 Prozent investieren höchstens 1.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr.

Das ist nicht automatisch zu wenig. Ein gut gewählter Tag pro Quartal kann mehr bringen als eine teure Schulungswoche ohne Bezug zum Job. Entscheidend ist, dass die Zeit auf das Richtige fällt. Und hier wird die fehlende Strategie zum Problem, denn ohne Plan landet das knappe Budget oft beim lautesten Anbieter statt bei der größten Lücke.

Anwendungsnah schlägt theoretisch

Immerhin wissen die Firmen, welche Art von KI-Wissen sie brauchen. 72 Prozent priorisieren anwendungsnahe KI-Kompetenzen, also das praktische Können am eigenen Arbeitsplatz.

Das ist die richtige Richtung. Ein Vortrag über die Geschichte neuronaler Netze hilft der Sachbearbeiterin nicht. Hilfreich ist, wenn sie nach dem Kurs eine E-Mail-Vorlage selbst mit KI baut, eine Rechnung von der KI vorprüfen lässt oder weiß, welche Kundendaten niemals in einen Chatbot gehören.

Gute KI-Weiterbildung ist deshalb nah am echten Prozess. Sie nimmt die Aufgaben, die jemand ohnehin jeden Tag macht, und zeigt, wo die KI sie schneller oder sicherer erledigt. Diese Sorte Schulung zahlt sich am selben Tag aus und nicht erst im nächsten Geschäftsjahr.

Was das für KMU bedeutet

Die TÜV-Zahlen sind ein Weckruf, der freundlich gemeint ist. Wer generative KI einsetzt und seine Leute nicht schult, sammelt zwei Risiken auf einmal an: teure Anfängerfehler und seit Februar 2025 auch eine offene rechtliche Pflicht, denn Artikel 4 des EU AI Act verlangt von jeder Firma, dass ihre Beschäftigten über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Beides löst sich mit derselben Maßnahme, einer Schulung, die nah am Arbeitsplatz ansetzt. Für kleine Betriebe ist die gute Nachricht, dass genau das bezahlbar ist. Eine Weiterbildung wie der Digitalisierungsmanager lässt sich über den Bildungsgutschein oder das QCG fördern, und ein erster Eindruck kostet ohnehin nichts. Wer jetzt anfängt, gehört bald zu den 27 Prozent, die ihre Leute wirklich vorbereitet haben, statt zu der Mehrheit, die KI nutzt und hofft, dass schon nichts schiefgeht.

Häufige Fragen

Was zeigt die TÜV-Weiterbildungsstudie 2026?

Die am 28. April 2026 veröffentlichte Forsa-Befragung von 500 Unternehmen offenbart eine Lücke: 56 Prozent nutzen bereits generative KI, aber nur 27 Prozent haben ihre Mitarbeiter dazu geschult. 50 Prozent sehen hohen KI-Weiterbildungsbedarf, nur 29 Prozent haben eine schriftliche Strategie.

Wie viel investieren Firmen in Weiterbildung?

Eher wenig. 74 Prozent der Unternehmen gewähren ihren Beschäftigten nur ein bis fünf Weiterbildungstage im Jahr, und 65 Prozent investieren höchstens 1.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr. Entscheidend ist daher, dass die knappe Zeit auf die wichtigste Lücke fällt.

Welche KI-Kompetenz ist gefragt?

Vor allem anwendungsnahes Können. 72 Prozent der Unternehmen priorisieren KI-Kompetenzen, die direkt am Arbeitsplatz nützen. Hilfreich ist also weniger ein Theorievortrag als die Fähigkeit, eine konkrete Aufgabe wie eine E-Mail oder eine Rechnungsprüfung mit KI schneller zu erledigen.

Warum ist die Schulungslücke ein Risiko?

Wer KI ungeschult einsetzt, sammelt zwei Risiken an: teure Anfängerfehler wie Datenlecks oder ungeprüfte Ergebnisse und seit Februar 2025 eine offene Pflicht aus Artikel 4 des EU AI Act. Beides löst dieselbe arbeitsplatznahe Schulung.

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Zuletzt aktualisiert: 11.06.2026. Stand der Recherche: 11.06.2026.