Die Entwarnung des IAB kommt mit einem Vorbehalt, und der betrifft die jüngsten Beschäftigten.
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Was das IAB ausgewertet hat
Der Beitrag „KI als Jobkiller für Berufseinsteiger? Entwarnung mit Vorbehalt“ erschien am 13. Oktober 2026 im IAB-Forum. Verfasst haben ihn Melanie Arntz, Vizedirektorin des IAB, sowie Michele Dinelli und Oliver Schlenker; am selben Tag folgte die Pressemitteilung „KI bisher kein Jobkiller, aber Berufseinsteiger zunehmend betroffen“. Grundlage sind monatliche Beschäftigungsdaten der Bundesagentur für Arbeit von Januar 2021 bis Dezember 2025. Im Schnitt stecken darin rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte im Alter von 20 bis 64 Jahren. Ausgewertet werden nur Vollzeitbeschäftigte. Unter anderem fehlen Beamte, Selbstständige, ausschließlich geringfügig Beschäftigte und Auszubildende. Die Altersgruppe von 20 bis 29 Jahren dient als Näherung für die frühe Erwerbsphase.
Wie KI-nah ein Beruf ist, bestimmt das IAB mit einem Maß von Tyna Eloundou und anderen aus dem Jahr 2024. Es beziffert den Anteil der Tätigkeiten eines Berufs, der mit großen Sprachmodellen oder darauf aufbauender Software deutlich schneller erledigt werden könnte. Besonders hoch ist dieses Potenzial laut IAB in den Berufsbereichen Unternehmensorganisation, Rechnungswesen und Recht, in Geistes- und Naturwissenschaften, Medien, Kunst und Gestaltung sowie in der Informatik.
KI-Nähe ist damit ein Potenzialmaß. Es zeigt, wo KI eingesetzt werden kann, aber nicht, ob Arbeitgeber sie tatsächlich eingeführt haben; darauf weist das IAB selbst hin.
Eine frühere Veröffentlichung des IAB zum Thema haben wir im Mai 2026 im Artikel IAB-Studie 2026: Wo KI Jobs frisst, und wo sie welche schafft besprochen. Die Auswertung vom 13. Oktober ist eine neue Studie.
Drei Altersgruppen, zwei Richtungen
Einen allgemeinen Beschäftigungseinbruch in KI-nahen Berufen findet das IAB nicht. Aufgeteilt nach Alter, laufen die Linien allerdings auseinander. Bei den 30- bis 39-Jährigen fiel das Beschäftigungswachstum in KI-nahen Berufen um fast 6 Prozentpunkte höher aus als in weniger KI-nahen Berufen, bei den 40- bis 64-Jährigen um rund 5 Prozentpunkte. Für die 20- bis 29-Jährigen zeigt die Auswertung das umgekehrte Vorzeichen. Ihre Vollzeitbeschäftigung ging in stark KI-nahen Berufen seit 2022 um 3,8 Prozent zurück, in weniger KI-nahen um 2,6 Prozent, ein Abstand von 1,2 Prozentpunkten.
Gesunken ist die Vollzeitbeschäftigung der Jüngsten also in beiden Gruppen. Insgesamt lag sie 2025 rund 3 Prozent unter dem Stand von 2022.
Die Konjunktur wiegt schwerer
Der Abstand von 1,2 Prozentpunkten ist ohne Bereinigung gerechnet. Werden Homeoffice-Eignung und Konjunkturanfälligkeit mit berücksichtigt, ist der Zusammenhang zwischen KI-Nähe und Beschäftigung bei den 20- bis 29-Jährigen zwar zunehmend negativ, aber statistisch nicht signifikant. Der negative Zusammenhang mit der Wirtschaftsschwäche ist laut IAB mehr als doppelt so stark.
Oliver Schlenker, Forscher am IAB, fasst das in der Pressemitteilung so zusammen: „Vor allem die Wirtschaftsschwäche der letzten Jahre hat zu einer sinkenden Beschäftigung von jungen Beschäftigten beigetragen, während der Einfluss von KI unterm Strich eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte“.
Am 14. Oktober 2026 ordnete heise online den Befund ein: Er decke sich mit anderen Analysen zum IT-Arbeitsmarkt, die den Rückgang offener Stellen vor allem der Konjunktur zuschreiben.
Wo der Zusammenhang signifikant wird
Getrennt nach Wirtschaftszweigen und Berufsarten wird das Bild schärfer. Im verarbeitenden Gewerbe und in nichtakademisch geprägten Berufen geht bei den 20- bis 29-Jährigen eine höhere KI-Nähe mit einer negativen Beschäftigungsentwicklung einher, und dort ist der Zusammenhang statistisch signifikant. Das gilt, obwohl nichtakademische Berufe im Schnitt weniger KI-nah sind als akademische. Im Dienstleistungssektor und in akademisch geprägten Berufen findet das IAB keinen Zusammenhang. Michele Dinelli, einer der drei Autoren, sagt in der Pressemitteilung sinngemäß, die Analysen lenkten den Blick, entgegen der öffentlichen Diskussion über die Einstiegsprobleme junger Akademiker, eher auf nichtakademisch geprägte Berufe und das verarbeitende Gewerbe.
Ursachen belegt die Studie nicht. Das IAB nennt die Befunde rein deskriptiv und sieht darin nur einen Hinweis, dass KI zu den schlechteren Chancen junger Menschen beim Berufseinstieg zumindest teilweise beigetragen haben könnte. Für ursächliche Aussagen brauche es weitere Forschung, die die tatsächliche KI-Nutzung in Betrieben mit Beschäftigtendaten verknüpft. Hinzu kommt der Zeitraum: Die Daten enden im Dezember 2025; was seitdem passiert ist, deckt die Auswertung nicht ab.
Unsere Einschätzung
Aus unserer Sicht liegt die wichtigere Nachricht für kleine und mittlere Betriebe im Vorbehalt.
Signifikant wird der Zusammenhang bei jungen Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe und in nichtakademischen Berufen, also abseits der jungen Akademiker, um die sich laut Dinelli die öffentliche Diskussion dreht. Das sind die Einstiegsstellen, über die ein Produktionsbetrieb seinen Nachwuchs selbst aufbaut. Wer dort Routinearbeit mit KI-Werkzeugen beschleunigt, sollte bewusst festlegen, welche Lernaufgaben bei den Jüngeren bleiben. Fallen ausgerechnet die Aufgaben weg, an denen Einsteiger ihr Handwerkszeug lernen, fehlt einige Jahre später die Fachkraft, die der Betrieb selbst eingearbeitet hat. Wir würden Einarbeitung und KI-Einführung deshalb gemeinsam planen, mit einer klaren Zuständigkeit dafür, wer die Jüngeren an Aufgaben heranführt, die ein Werkzeug inzwischen schneller erledigt.
Dass Betriebe weniger Berufseinsteiger einstellen, weil sie KI nutzen, belegt die Studie nicht. Welche Aufgaben die Jüngsten im eigenen Betrieb noch lernen, lässt sich unabhängig davon schon jetzt prüfen.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 16. Oktober 2026):
- IAB-Forum: KI als Jobkiller für Berufseinsteiger? Entwarnung mit Vorbehalt
- IAB: KI bisher kein Jobkiller, aber Berufseinsteiger zunehmend betroffen
- heise online: KI bisher kein Jobkiller in Deutschland
Häufige Fragen
Welche Daten hat das IAB für seine Studie zu KI und Beschäftigung ausgewertet?
Grundlage sind monatliche Beschäftigungsdaten der Bundesagentur für Arbeit von Januar 2021 bis Dezember 2025, im Schnitt rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte im Alter von 20 bis 64 Jahren. Nicht enthalten sind unter anderem Beamte, Selbstständige, ausschließlich geringfügig Beschäftigte und Auszubildende. Wie KI-nah ein Beruf ist, misst das IAB mit einem Maß von Tyna Eloundou und anderen (2024), das nur das Einsatzpotenzial angibt, nicht die tatsächliche Einführung in Betrieben.
Wie stark sind Berufseinsteiger in KI-nahen Berufen betroffen?
Bei den 20- bis 29-Jährigen ging die Vollzeitbeschäftigung in stark KI-nahen Berufen seit 2022 um 3,8 Prozent zurück, in weniger KI-nahen um 2,6 Prozent. Dieser Abstand von 1,2 Prozentpunkten ist ohne Bereinigung gerechnet. Werden Homeoffice-Eignung und Konjunkturanfälligkeit berücksichtigt, ist der Zusammenhang zwischen KI-Nähe und Beschäftigung in dieser Altersgruppe zunehmend negativ, aber statistisch nicht signifikant.
Wo findet das IAB einen statistisch signifikanten Zusammenhang?
Im verarbeitenden Gewerbe und in nichtakademisch geprägten Berufen geht bei den 20- bis 29-Jährigen eine höhere KI-Nähe mit einer dort statistisch signifikanten negativen Beschäftigungsentwicklung einher. Das gilt, obwohl nichtakademische Berufe im Schnitt weniger KI-nah sind als akademische. Im Dienstleistungssektor und in akademisch geprägten Berufen findet das IAB keinen Zusammenhang.
Muss ein Betrieb wegen der Studie sofort handeln?
Das IAB nennt seine Befunde rein deskriptiv, eine Ursache belegen sie nicht, und dass Betriebe weniger Berufseinsteiger einstellen, weil sie KI nutzen, sagt die Studie nicht. Für ursächliche Aussagen braucht es laut IAB weitere Forschung, die die tatsächliche KI-Nutzung in Betrieben mit Beschäftigtendaten verknüpft, und die Daten reichen nur bis Dezember 2025. Aus unserer Sicht lohnt es sich trotzdem, bei der Einführung von KI-Werkzeugen festzulegen, welche Lernaufgaben bei jüngeren Beschäftigten bleiben.
Welche Aufgaben lernen die Jüngsten im Betrieb noch selbst, wenn KI-Werkzeuge die Routinearbeit beschleunigen?
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Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2026. Stand der Recherche: 16. Oktober 2026.