Wenn KI einen Arbeitsschritt verkürzt, landet nach Ansicht der Bankgewerkschaft DBV oft mehr Arbeit auf dem Schreibtisch, und dafür will sie freie Tage aushandeln.
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Die Forderung und ihr Zuschnitt
Unter dem Titel „Themenwoche 2“ hat der DBV drei Forderungen für die Tarifrunde der privaten Banken gebündelt: Altersteilzeit, KI-Entlastungstage und Qualifizierung. Neu an der Veröffentlichung ist der Prüfweg. Die Idee selbst war schon im August öffentlich, damals berichtete Bloomberg über die Ablehnung durch die Arbeitgeber. Jetzt liegt nach, wie ein Anspruch festgestellt werden soll. Laut einer DBV-Präsentation zur Tarifrunde sollen es je nach Art und Schwere der Belastung 1 bis 3 Tage pro Quartal sein. Genommen werden sollen sie im Zeitraum, in dem die Belastung entsteht, übertragbar sind sie nicht, und Teilzeitbeschäftigte sollen angemessen einbezogen werden.
Für die gesamte Belegschaft einer Bank ist das laut DBV nicht gedacht.
Die Forderung richtet sich nach den DBV-Unterlagen gezielt auf Bereiche mit nachvollziehbarer Veränderung. Ein Tarifvertrag soll den Auftrag für eine gemeinsame betriebliche Bewertung geben: Arbeitgeber und Interessenvertretung prüfen, was sich im jeweiligen Bereich ändert. Art und Umfang der Entlastung soll eine Betriebsvereinbarung regeln.
An dieser Stelle weicht die Berichterstattung ab. t3n schreibt am 25. September 2026 unter Berufung auf Bloomberg von bis zu drei KI-Entlastungstagen im Quartal, die „für alle“ Beschäftigten gelten sollten, die KI nutzen, und nennt den Verband dabei „DVB“. Die Unterlagen des DBV beschreiben dagegen eine Prüfung Bereich für Bereich. Wir halten uns in diesem Artikel an den Zuschnitt aus den DBV-Unterlagen.
Warum Automatisierung Arbeit verdichten kann
Die Begründung des DBV setzt beim einzelnen Prozessschritt an. Automatisierung verkürzt ihn und erhöht damit die mögliche Fallzahl. Daraus könne neue Belastung entstehen, argumentiert der Verband: Beschäftigte bearbeiten in derselben Zeit mehr Vorgänge, prüfen Ergebnisse, korrigieren Fehler und koordinieren Schnittstellen. Während der Einführung laufen alte und neue Verfahren laut DBV häufig parallel. Arbeitspsychologen weisen nach Angaben des DBV darauf hin, dass kognitive Erholung auch durch einfache Routinetätigkeiten entsteht. Fallen genau diese Tätigkeiten an die Maschine, fehlen die ruhigeren Minuten im Tag. DBV-Verhandlungsführer Wolfgang Ermann fasst die Forderung so: „Wo Arbeit dichter, komplexer oder verantwortungsvoller wird, braucht der Betrieb einen Ausgleich.“ Schon im August hatte er gegenüber Personalwirtschaft gesagt: „Ich erlebe in Banken seit Jahren, dass Automatisierung nicht automatisch weniger Belastung bedeutet“.
Wann ein Anspruch entstehen soll
Als unmittelbaren Auslöser nennt der DBV etwa eine Betriebsänderung, bei der KI oder Automatisierung Abläufe, Fallzahlen oder Kontrollaufgaben wesentlich verändert. Mittelbar können Erkenntnisse aus Gefährdungsbeurteilungen, Begehungen, dem betrieblichen Eingliederungsmanagement oder Überlastungsanzeigen den Anstoß geben.
Für einen Anspruch sprechen laut DBV höhere Arbeitsmengen, komplexere Vorgänge, zusätzliche Verantwortung oder breitere Prozesskenntnisse, sofern Rollenprofil und Vergütung unverändert bleiben. Eine höherwertige Einstufung kann dagegen schon ein angemessener Ausgleich sein. Der Verband koppelt die freien Tage also an die Frage, ob die veränderte Arbeit anderweitig anerkannt wird.
Beim Thema Qualifizierung will der DBV, dass die Auswirkungen von KI früh in die Personalplanung kommen und Qualifizierungsbedarfe vor wesentlichen Veränderungen ermittelt werden. Die Lernzeit soll innerhalb der Arbeitszeit liegen. Wie eine andere Gewerkschaft KI-Fragen tariflich angegangen ist, haben wir am Beispiel Verdi-Tarifvertrag für Versicherungen: was er zu KI regelt beschrieben.
Die Arbeitgeber halten dagegen
Der Arbeitgeberverband AGV Banken hat die Idee laut Bloomberg (bei Yahoo Finanzen, 25. August 2026) zurückgewiesen. Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang sagte dort: „Es passt nicht zusammen, durch Entlastungstage eine weitere Verteuerung der Arbeit zu fordern, während sie an anderer Stelle durch Automatisierung wegfällt.“ Laut Personalwirtschaft verweist er auf eine Beschäftigtenbefragung, nach der „die große Mehrheit der Beschäftigten“ den KI-Einsatz „als bereichernd und unterstützend“ empfindet. Die Befragung selbst liegt uns nicht vor, nur diese Zitate daraus.
Ermann kommentiert auf der Themenseite: „Die schnelle Ablehnung hat mich erstaunt.“
Damit ist die Lage klar umrissen. Es handelt sich um eine Tarifforderung, ein Ergebnis gibt es nicht, und die Gegenseite lehnt ab. Die erste Verhandlungsrunde beginnt am 8. Oktober 2026. Ob der Vorschlag dort durchkommt, ist auch nach Einschätzung von t3n offen. Betroffen ist ausschließlich die Tarifrunde der privaten Banken.
Unsere Einschätzung
Wer als kleiner Betrieb ohne Tarifvertrag und ohne Betriebsrat arbeitet, ist von der Bankenrunde nicht betroffen, die Frage dahinter stellt sich trotzdem. Übernimmt ein KI-Werkzeug die glatten Fälle, bleiben beim Menschen die Ausnahmen, die Kontrollen und die schwierigen Kunden. Auf dem Papier sinkt der Aufwand je Vorgang. Im Arbeitsalltag kann der Anteil der anstrengenden Minuten steigen.
Wir würden deshalb bei jeder Einführung vorher aufschreiben, wie viele Vorgänge eine Person heute schafft, wie viele es danach sein sollen und ob die Prüfarbeit in dieser Rechnung überhaupt vorkommt. Wer die Mehrarbeit gar nicht misst, bemerkt sie aus unserer Sicht womöglich erst, wenn sich Krankmeldungen häufen oder jemand kündigt. Welcher Ausgleich passt, freie Tage, Einarbeitungszeit oder eine andere Einstufung, entscheidet jeder Betrieb selbst. Das Modell des DBV zeigt immerhin, dass sich die Frage prüfen lässt, bevor sie eskaliert.
Qualifizierung gehört aus unserer Sicht in dieselbe Rechnung, und zwar vor dem Start des Werkzeugs.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 27. September 2026):
- DBV-Gewerkschaft: Themenwoche 2 (Künstliche Intelligenz, Wissenserwerb und -transfer)
- DBV-Gewerkschaft: Tarif Privatbanken: Themenwoche 2 KI & Wissenstransfer
- t3n: Entlastungstage für KI-Nutzung? Was die Gewerkschaft der Bankangestellten jetzt fordert
- Personalwirtschaft: DBV fordert KI-Entlastungstage: AGV Banken dagegen
- Yahoo Finanzen (Bloomberg): Banken skeptisch bei Gehaltsforderungen, KI-Ausgleichstagen
Häufige Fragen
Was sind KI-Entlastungstage?
KI-Entlastungstage sind eine Forderung des Deutschen Bankangestellten-Verbands (DBV) für die Tarifrunde der privaten Banken. Laut einer DBV-Präsentation sollen Beschäftigte je nach Art und Schwere der Belastung 1 bis 3 freie Tage pro Quartal erhalten, wenn KI oder Automatisierung ihre Arbeit dichter, komplexer oder verantwortungsvoller macht. Die Tage sollen im Entstehungszeitraum genommen werden und nicht übertragbar sein.
Gelten die KI-Entlastungstage für alle Bankbeschäftigten?
Nach den DBV-Unterlagen nicht. Die Forderung richtet sich gezielt auf Bereiche mit nachvollziehbarer Veränderung, Arbeitgeber und Interessenvertretung sollen gemeinsam prüfen, was sich im jeweiligen Bereich ändert, und Art und Umfang in einer Betriebsvereinbarung regeln. t3n hatte am 25. September 2026 berichtet, die Tage sollten „für alle“ Beschäftigten gelten, die KI nutzen; das deckt sich nicht mit den Unterlagen des Verbands.
Wie reagieren die Arbeitgeber der privaten Banken?
Der Arbeitgeberverband AGV Banken hat die Idee laut Bloomberg bereits im August 2026 zurückgewiesen. Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang hält es für unvereinbar, eine weitere Verteuerung der Arbeit zu fordern, während sie an anderer Stelle durch Automatisierung wegfällt. Die erste Verhandlungsrunde beginnt am 8. Oktober 2026, ein Ergebnis gibt es nicht.
Was sollte ein kleiner Betrieb ohne Tarifvertrag jetzt regeln?
Aus unserer Sicht lohnt es sich, vor jeder KI-Einführung festzuhalten, wie viele Vorgänge eine Person heute bearbeitet, wie viele es danach sein sollen und wie viel Prüfarbeit dazukommt. Ob der Betrieb Mehrbelastung mit freien Tagen, Einarbeitungszeit oder einer anderen Einstufung ausgleicht, entscheidet er selbst. Den Qualifizierungsbedarf würden wir vor dem Start klären.
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Zuletzt aktualisiert: 27. September 2026. Stand der Recherche: 27. September 2026.