Clairic bekommt eine Kundenmail oder das Foto eines Kassenbons, dazu eine Liste von Feldern wie Rechnungssumme oder Bestellnummer, und gibt laut Cloudflare für jedes Feld einen Wert zurück.

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Felder vorgeben, Werte zurückbekommen

Veröffentlicht hat Cloudflare das Modell am 19. Oktober 2026 als Vorschau. Laut Cloudflare ist Clairic das erste Modell einer neuen Klasse, die das Unternehmen Extraktionsmodelle nennt. Es läuft gehostet auf Workers AI, Cloudflares Plattform für KI-Modelle, unter der Bezeichnung @cf/cloudflare/clairic und wird laut Changelog über die Workers-AI-Anbindung in einem Worker oder über die REST-API aufgerufen.

Die Arbeitsweise ist schnell erklärt. Man übergibt einen Text, laut Blog dazu bis zu vier Bilder, und eine Liste benannter Felder. Jedes Feld hat einen Typ: Zahl, Datum, Uhrzeit, Dauer, Liste, Textstelle, Schätzung oder Prognose. Wer will, schreibt eine Anweisung in einfacher Sprache dazu. Clairic liefert dann je Feld einen Wert dieses Typs. Der Wert muss nicht wörtlich in der Vorlage stehen, das Modell berechnet ihn auch aus der Eingabe oder schätzt über sie hinaus. The Decoder nennt als Beispielfelder Bestellnummer oder Rechnungssumme. Ausgelesene Textstellen kommen mit ihrer Zeichenposition in der Vorlage zurück, sodass sich nachsehen lässt, woher ein Wert stammt.

Ein Durchlauf, ohne Fließtext

Laut Cloudflare beantwortet Clairic alle Felder in einem einzigen Durchlauf und erzeugt dabei keinen Text Token für Token; so berichten es auch The Decoder und Help Net Security. Deshalb ist nach Angaben von Cloudflare jede Antwort ein Wert des verlangten Typs oder „null“, wenn der Wert in der Eingabe fehlt. Zu jedem Wert gehört eine Konfidenzangabe. Sie soll laut Cloudflare helfen zu entscheiden, ob man dem Modell traut oder noch einmal hinsieht.

Ein Freibrief ist das nicht. Cloudflare schreibt sinngemäß selbst, die Bauweise mache jede Antwort formal sauber, aber nicht zwingend richtig.

Im Blog führt Cloudflare mehrere Beispiele an. In einer Kundenmail mit Kaufpreis und Steuer addierte Clairic beide Beträge im selben Durchlauf. Nach einer Sendungsnummer gefragt, die in der Mail gar nicht stand, kam „null“ zurück und keine plausibel aussehende Vermutung, so schildert es auch Help Net Security. Bei einem schief fotografierten Kassenbon erkannte das Modell laut Cloudflare, dass kein Rabatt ausgewiesen war. Als Einsatzfeld nennt Cloudflare auch Büroarbeit wie die Buchhaltung.

19,3 gegen 61,7 Sekunden, gemessen vom Hersteller

Für einen Vergleich hat Cloudflare eine Kette aus drei Modellen gebaut. Clairic liest aus, Clef entscheidet nach Firmenregeln zwischen Erstattung und Reparatur, und das Sprachmodell GLM-5.3 schreibt die Antwort. Wie das Entscheidungsmodell arbeitet, beschreibt unser Artikel über Cloudflare Clef.

Die Kette brauchte laut Cloudflare 19,3 Sekunden, GLM-5.3 allein für alle drei Schritte 61,7 Sekunden. Gekostet hat die Kette nach Cloudflares Angaben 49 Prozent weniger als GLM-5.3 allein; The Decoder formuliert es so, dass GLM-5.3 allein fast doppelt so viel kostete. Beide Varianten lagen in jedem von Cloudflare berichteten Lauf bei Fakten und Entscheidung richtig.

Das alles ist ein Test des Herstellers an einem einzigen Beispielfall. Unabhängige Messungen nennen die Quellen nicht.

Beim Preis ist die Rechnung einfacher. Laut Changelog kostet Clairic 0,10 US-Dollar je Million Eingabe-Token, und weil das Modell keinen Text erzeugt, fallen keine Kosten für Ausgabe-Token an.

Was Cloudflare selbst einschränkt

Den jetzigen Stand nennt Cloudflare einen frühen Zwischenstand, der besser werden soll. Ein- und zweistufige Rechnungen wie Summen, Differenzen, Umrechnungen oder Datumsrechnungen gelten als zuverlässig, lange Rechenketten und Summen über viele Tabellenzeilen noch nicht. Der Rat des Herstellers, den auch The Decoder wiedergibt: Werte mit Clairic auslesen und im eigenen Code rechnen. Prognosen beschreibt Cloudflare als einfach. Feiertage und andere Ereignisse, die nicht in der Datenreihe stehen, sieht das Modell nicht voraus. Die Kalibrierung der Konfidenz hat Cloudflare nach eigenen Angaben gemessen, garantiert ist sie nicht.

Für Betriebe in Deutschland bleibt einiges offen. Wie gut Clairic deutsche Rechnungen, Belege oder Mails liest, sagen die Quellen nicht, alle Beispiele sind englisch oder stammen aus den USA. In welchem Rechenzentrum oder welcher Region die Anfragen verarbeitet werden, steht in den ausgewerteten Quellen ebenfalls nicht. Wann die offenen Gewichte kommen und unter welcher Lizenz, ist offen.

Und Clairic ist ein Baustein für Entwickler, aufgerufen per Code oder API. Ein fertiges Programm zum Anklicken ist es nicht.

Unsere Einschätzung

Aus unserer Sicht ist die Geschwindigkeit das weniger Interessante an Clairic. Für einen Betrieb zählen zwei Eigenschaften, die die Kontrolle erleichtern: „null“, wenn ein Wert fehlt, und eine Konfidenz je Wert.

Daraus lässt sich eine einfache Regel bauen. Was sicher erkannt ist, läuft durch, und alles unter einer selbst gesetzten Schwelle landet bei einem Menschen. Wo diese Schwelle liegt, sollte der Betrieb festlegen, bevor das erste Belegfoto durch die Ablage läuft, und zwar schriftlich. Ein Rechnungsbetrag, der ins Buchhaltungsprogramm wandert, verdient aus unserer Sicht eine strengere Schwelle als eine Bestellnummer, die nur der Zuordnung dient.

Die Warnung des Herstellers würden wir wörtlich nehmen. Rechnen gehört ins eigene Programm, das Modell liefert die Werte dafür.

Für einen Handwerksbetrieb ohne eigene Entwickler ist Clairic heute nichts zum Selbereinrichten. Für den Dienstleister, der die Belegablage baut, ist das Modell eine Frage wert, mit zwei Nachfragen im Gepäck: wie es mit deutschen Belegen zurechtkommt und wo die Daten verarbeitet werden. Beides beantworten die vorliegenden Quellen nicht.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 20. Oktober 2026):

Häufige Fragen

Was ist Cloudflare Clairic?

Clairic ist laut Cloudflare ein Extraktionsmodell, das benannte Werte wie Beträge, Datumsangaben oder Textstellen aus einem Text und bis zu vier Bildern ausliest. Cloudflare hat es am 19. Oktober 2026 als Vorschau veröffentlicht, gehostet auf Workers AI unter der Bezeichnung @cf/cloudflare/clairic. Die Gewichte will Cloudflare bald offen veröffentlichen, einen Termin und eine Lizenz nennen die Quellen nicht.

Was kostet Clairic?

Laut Changelog kostet Clairic 0,10 US-Dollar je Million Eingabe-Token. Für Ausgabe-Token fallen keine Kosten an, weil das Modell keinen Text erzeugt. In Cloudflares eigenem Test an einem einzigen Beispielfall kostete eine Kette mit Clairic 49 Prozent weniger als das Sprachmodell GLM-5.3 allein.

Kann sich ein Betrieb auf die ausgelesenen Werte verlassen?

Cloudflare schreibt sinngemäß selbst, die Antworten seien formal sauber, aber nicht zwingend richtig. Fehlt ein Wert, liefert Clairic „null“, und jeder Wert kommt mit einer Konfidenzangabe, deren Kalibrierung laut Cloudflare gemessen, aber nicht garantiert ist. Lange Rechenketten und Summen über viele Tabellenzeilen gelten laut Cloudflare noch nicht als zuverlässig. Wie gut das Modell deutsche Belege liest, sagen die Quellen nicht.

Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?

Clairic ist ein Baustein für Entwickler, der per Code oder API aufgerufen wird, und läuft als Vorschau. Wer die Belegerfassung von einem Dienstleister automatisieren lässt, sollte aus unserer Sicht vorab festlegen, ab welcher Konfidenz ein Wert ohne Prüfung übernommen wird und was bei einem Menschen landet. Den Dienstleister würden wir fragen, wie das Modell mit deutschen Belegen umgeht und in welcher Region die Daten verarbeitet werden, denn beides sagen die Quellen nicht.

Welche Werte aus Belegen dürfen im Betrieb ohne zweiten Blick ins Buchhaltungsprogramm?

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Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2026. Stand der Recherche: 20. Oktober 2026.