Ob eine Kundenanfrage dringend ist und welches Team sie bearbeiten soll: Mit genau dieser Frage stellt Cloudflare seine neuen Modelle vor.

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Was ein Entscheidungsmodell zurückgibt

Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, hat Cloudflare zwei selbst trainierte Modelle veröffentlicht, die das Unternehmen Entscheidungsmodelle nennt. Clef hat 27 Milliarden Parameter, das kleinere Clef-flash 9 Milliarden. Beide laufen auf Workers AI, der KI-Plattform von Cloudflare. Das Prinzip ist schlicht. Man übergibt dem Modell einen Sachverhalt, laut Dokumentation als Text, JSON, Bild oder Video, und dazu feste Fragen mit vorgegebenen Antworten. Die Rückgabe besteht aus Zahlen: für jede erlaubte Antwort eine Wahrscheinlichkeit. Anhand dieser Werte kann eine Software eine Anfrage weiterleiten, eskalieren oder an einen Menschen übergeben.

Der Kontext fasst laut Cloudflare 65.536 Tokens, und Clef kann nach Angaben des Anbieters auch Bilder auswerten.

Für den Alltag ist die Wahrscheinlichkeit der interessante Teil. Sie zeigt an, wie sicher sich das Modell bei einer Zuordnung ist, und damit lässt sich festlegen, welche Fälle ohne Prüfung durchlaufen und welche ein Mitarbeiter ansieht. Wie solche Abläufe im Kundenservice grundsätzlich aufgebaut sind, beschreibt unser Beitrag zu KI-Chatbots und Ticket-Automatisierung im Kundenservice.

Offene Gewichte, Datenzusage, Feinabstimmung

Die Gewichte beider Modelle liegen auf Hugging Face unter der Apache-2.0-Lizenz. Trainingsdaten und Trainingsablauf hat Cloudflare laut Developers Digest nicht veröffentlicht. Es handelt sich also um offene Gewichte, ein vollständig nachbaubares Open-Source-Projekt ist Clef damit nicht, auch wenn Cloudflare im Titel seiner Ankündigung von Open Source spricht.

Selbst betreiben lässt sich das Modell grundsätzlich. Cloudflare testete dafür auf einer einzelnen Rechenzentrums-Grafikkarte vom Typ H200, nach der Einordnung von Flavio Copes ein Forschungsaufbau und keine Ein-Klick-Installation.

Wer Clef über Workers AI nutzt, bekommt eine Zusage: Cloudflare will Anfragen und Antworten nicht lesen, nicht speichern und nicht zum Training verwenden. Ausgenommen ist das Angebot zur Feinabstimmung. Dabei wird das Modell auf eigene Daten angepasst, zunächst gemeinsam mit dem Ingenieurteam von Cloudflare, später soll das in Selbstbedienung gehen. Cloudflare nennt das Angebot selbst noch früh. Preis und Bedingungen der Feinabstimmung sind nicht veröffentlicht.

Preise und eine Beispielrechnung

Abgerechnet wird die Eingabe. Clef kostet laut Cloudflare-Dokumentation 0,24 US-Dollar je 1 Million Eingabetokens, Clef-flash 0,09 US-Dollar je 1 Million Eingabetokens. Die Ausgabe wird laut Flavio Copes nicht berechnet. Workers AI enthält nach Angaben von Cloudflare 10.000 Neurons pro Tag kostenlos, das ist die Abrechnungseinheit der Plattform; darüber werden 0,011 US-Dollar je 1.000 Neurons fällig.

Developers Digest hat daraus eine Beispielrechnung gemacht. Danach kosten 1 Million Entscheidungen mit je 2.000 Tokens Eingabe 480 US-Dollar mit Clef und 180 US-Dollar mit Clef-flash. Das ist eine Rechnung auf Basis der Listenpreise, keine gemessene Rechnung eines Kunden.

Was die Messwerte tragen und was offen bleibt

Sämtliche Leistungsangaben kommen von Cloudflare. In der eigenen Messung des Anbieters lag die Median-Antwortzeit bei 209,3 Millisekunden für Clef und bei 38,8 Millisekunden für Clef-flash. Im Testfeld Rechnungsverarbeitung erreichte Clef laut Cloudflare 64,7 Punkte. Flavio Copes verweist auf die Methodenhinweise der zugehörigen Rangliste: Die Ergebnisse hat Cloudflare selbst gemessen, nachgeprüft sind sie nicht, und die Latenzwerte sind nicht vergleichbar. Unabhängig nachgemessen hat bisher nur ein einzelner Entwickler die Antwortzeit, nämlich Copes selbst. Bei ihm dauerten Bildanfragen am Starttag 13 bis 30 Sekunden.

Ganz allein ist Cloudflare mit dem Ansatz nicht. Copes zählt Clef als drittes Entscheidungsmodell binnen zwei Wochen, nach TypeSafe mit Jev am 15. September und OpenAI mit einer Decisions-API in begrenzter Vorschau am 29. September. Bei Aufgaben mit viel Schlussfolgern liegt laut Copes Jev vorn.

Zwei Fragen beantwortet keine der Quellen. Wo Workers AI die Anfragen verarbeitet, ob in der EU oder anderswo, steht nirgends.

Ebenso offen ist, wie gut Clef mit deutschsprachigen Anfragen umgeht.

Unsere Einschätzung

Viele Abläufe im Betrieb brauchen von einer KI eine Zuordnung und keinen Aufsatz. Ist die Mail eine Reklamation, eine Rechnung oder eine Terminanfrage, gehört das Ticket zum Service oder zum Vertrieb: Solche Entscheidungen fallen jeden Morgen im Postfach an, und für genau diesen Typ Aufgabe hat Cloudflare Clef gebaut. Aus unserer Sicht ist die mitgelieferte Wahrscheinlichkeit dabei wertvoller als jeder Benchmark. Sie erlaubt es, unsichere Fälle bewusst an einen Menschen zu geben, und diese Grenze legt der Betrieb selbst fest.

Ein Werkzeug zum Selberklicken ist Clef für kleine Firmen eher nicht.

Wir sehen es als Baustein, den der IT-Dienstleister oder die Agentur in eine bestehende Lösung einbaut, etwa in ein Ticketsystem oder eine Mailverteilung. Wer das prüfen lässt, sollte mit echten, anonymisierten Anfragen auf Deutsch testen. Copes schlägt vor, 20 Eingaben mit bekannter richtiger Antwort durch beide Modelle zu schicken und sich die Fälle anzusehen, bei denen sie uneins oder unsicher sind; wir würden diesen Test mit eigenen Mails aus dem Betrieb wiederholen, bevor irgendetwas automatisch weitergeleitet wird.

Vor dem ersten echten Kundendatensatz gehört dann die Frage auf den Tisch, wo Workers AI die Daten verarbeitet. Solange darauf keine schriftliche Antwort vorliegt, würden wir es beim Test mit anonymisierten Daten belassen.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 7. Oktober 2026):

Häufige Fragen

Was ist Cloudflare Clef?

Clef ist ein Entscheidungsmodell, das Cloudflare am 1. Oktober 2026 zusammen mit dem kleineren Clef-flash veröffentlicht hat. Clef hat 27 Milliarden Parameter, Clef-flash 9 Milliarden, beide laufen auf der Plattform Workers AI. Das Modell beantwortet feste Fragen mit vorgegebenen Antworten und liefert für jede erlaubte Antwort eine Wahrscheinlichkeit, Fließtext schreibt es nicht.

Was kostet Clef über Workers AI?

Laut Cloudflare-Dokumentation kostet Clef 0,24 US-Dollar und Clef-flash 0,09 US-Dollar je 1 Million Eingabetokens, die Ausgabe wird laut Flavio Copes nicht berechnet. Workers AI enthält nach Angaben von Cloudflare 10.000 Neurons pro Tag kostenlos, darüber 0,011 US-Dollar je 1.000 Neurons. Developers Digest kommt in einer Beispielrechnung für 1 Million Entscheidungen mit je 2.000 Tokens Eingabe auf 480 US-Dollar mit Clef und 180 US-Dollar mit Clef-flash.

Wie verlässlich sind die Leistungswerte von Clef?

Alle Leistungswerte stammen von Cloudflare selbst. Laut den Methodenhinweisen der Rangliste, auf die Flavio Copes verweist, sind die Ergebnisse nicht nachgeprüft und die Latenzwerte nicht vergleichbar. Unabhängig gemessen hat bisher nur Copes die Antwortzeit, bei ihm dauerten Bildanfragen am Starttag 13 bis 30 Sekunden.

Was sollte ein Betrieb klären, bevor er Clef einsetzt?

Offen ist laut den Quellen, wo Workers AI die Anfragen verarbeitet und wie gut Clef mit deutschsprachigen Anfragen umgeht. Aus unserer Sicht gehört beides vor den ersten echten Kundendatensatz geklärt, am besten zusammen mit dem IT-Dienstleister. Für einen Test schlägt Flavio Copes vor, 20 Eingaben mit bekannter richtiger Antwort durch beide Modelle zu schicken und die Fälle anzusehen, bei denen sie uneins oder unsicher sind.

Welche Anfragen im Betrieb ließen sich heute schon vorsortieren, und welche gehören immer zu einem Menschen?

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Zuletzt aktualisiert: 7. Oktober 2026. Stand der Recherche: 7. Oktober 2026.