Der Chemiekonzern Wacker baut Personal ab. Nach den unten genannten Berichten will das börsennotierte Unternehmen bis Ende 2027 mehr als 1.500 Stellen streichen, der größte Teil davon in Deutschland. Angekündigt wurde der Schritt Ende November 2025, nachdem Wacker 2025 mit einem Rekordverlust von rund 800 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerutscht war. Der größte Standort ist die Zentrale in Burghausen mit rund 8.000 Beschäftigten, das Werk im sächsischen Nünchritz hat etwa 1.500. Wie viele Stellen an welchem Standort genau wegfallen, war zunächst offen. Wenn dein Bereich betroffen ist, hilft dir dieser Leitfaden weiter.

Vorab, damit das klar ist: Dieser Artikel ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Interessenausgleich, Sozialplan oder Aufhebungsvertrag sind der Betriebsrat, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht zuständig. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren. Die Förderwege dagegen sind klar geregelt.

Auf einen Blick: Sobald dein Arbeitsverhältnis endet, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden (Hotline 0800 4 5555 00). ALG 1 ersetzt rund 60 Prozent deines letzten Nettos, mit Kind 67 Prozent. Über den Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III zahlt die Agentur für Arbeit eine Weiterbildung wie den Digitalisierungsmanager zu 100 Prozent, während dein ALG 1 weiterläuft. Wer aus einem prozessgetriebenen Umfeld wie der Chemie kommt, bringt für KI- und Automatisierungsthemen gutes Vorwissen mit.

Was bei Wacker gerade passiert

Der Abbau ist Teil eines Sparprogramms, mit dem Wacker auf die schwache Geschäftslage, hohe Abschreibungen und den Rekordverlust reagiert. Die Maßnahmen ziehen sich bis Ende 2027. In Nünchritz und Burghausen bleibt zunächst unklar, wie viele Stellen jeweils betroffen sind, das Unternehmen wollte dazu lange keine Zahlen nennen. Fest steht nur, dass der überwiegende Teil der 1.500 Stellen in Deutschland wegfallen soll.

Für dich heißt das praktisch: Solange Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt werden, ist im Detail nichts entschieden. Wer aber früh die Förderansprüche klärt und eine Weiterbildung vorbereitet, verliert nach dem letzten Arbeitstag keine Zeit.

Eine ehrliche Einordnung: Die deutsche Chemie steht durch hohe Energiekosten und internationalen Wettbewerb unter Dauerdruck. Wer in Produktion, Labor oder Technik gearbeitet hat, kennt strenge Prozesse und Dokumentation, und genau dieses Denken ist in der Prozessautomatisierung und beim Einsatz von KI viel wert.

Schritt 1: ALG 1 sichern

Die wichtigste Frist zuerst. Sobald du von der Beendigung deines Arbeitsverhältnisses weißt, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden, telefonisch unter 0800 4 5555 00 oder online. Versäumst du das, kann die Agentur für Arbeit das ALG 1 mindern.

Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit mindestens einem Kind 67 Prozent. Bei zwölf Monaten Anspruch wird es ein Jahr gezahlt, ab 50 Jahren länger, ab 58 bis zu 24 Monate.

Wird dir ein Aufhebungsvertrag angeboten, prüfe ihn nicht allein. Er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen, je nach Formulierung. Der Betriebsrat oder ein Fachanwalt sollte ihn ansehen, bevor du unterschreibst. Eine Abfindung kürzt das ALG 1 in der Regel nicht, kann aber den Beginn verschieben.

Schritt 2: Den Bildungsgutschein verstehen

Der Bildungsgutschein ist das Instrument, mit dem die Agentur für Arbeit Weiterbildungen finanziert. Rechtsgrundlage ist Paragraf 81 SGB III. Verbessert die Weiterbildung deine Chancen am Arbeitsmarkt, übernimmt die Agentur die Lehrgangskosten zu 100 Prozent. Der Anspruch gilt nicht nur für bereits Arbeitslose, sondern auch für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Mit Kindern gibt es nach Paragraf 87 SGB III zusätzlich einen Zuschuss zur Kinderbetreuung von 160 Euro pro Kind und Monat.

Den Gutschein bekommst du nicht automatisch. Du beantragst ihn im Gespräch mit deiner Vermittlerin oder deinem Vermittler und begründest, warum genau diese Weiterbildung dich weiterbringt. Mit einem konkreten Kurs und einem zertifizierten Träger steigen die Chancen auf Bewilligung deutlich.

Schritt 3: Welche Weiterbildung für Ex-Wacker-Beschäftigte passt

Du kommst aus Produktion, Labor, technischem Service, Verwaltung oder IT. Statt bei null anzufangen, erweiterst du dein Wissen um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, also genau die Themen, die quer durch alle Branchen gefragt sind.

Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz dauert vier Monate, läuft komplett online, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und ist mit Bildungsgutschein für dich kostenlos. Du lernst, Geschäftsprozesse zu analysieren, mit Werkzeugen wie n8n zu automatisieren und Sprachmodelle in Arbeitsabläufe einzubinden. Programmierkenntnisse sind keine Voraussetzung.

Im Bereich Digitalisierung und KI sind bundesweit weit über 100.000 Stellen offen, das Einstiegsgehalt liegt bei rund 60.000 Euro. Wer aus einem stark regulierten Umfeld wie der Chemie kommt, bringt eine Genauigkeit mit, die in der Prozessautomatisierung viel wert ist. Falls dein Hintergrund kaufmännisch ist, kann auch der Wirtschaftsfachwirt (IHK) passen, der über das Aufstiegs-BAföG läuft, nicht über den Bildungsgutschein.

Schritt 4: Bewerbung neu aufstellen

Bewerbungen aus der Industrie listen oft Anlagen und Verfahren auf. Personalverantwortliche wollen das Ergebnis sehen: Was hast du sicherer, effizienter oder günstiger gemacht?

In deine Unterlagen gehören messbare Ergebnisse, die Breite deiner Erfahrung und deine laufende Weiterbildung. Ein Satz wie "aktuell in Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager mit Schwerpunkt KI-Automatisierung" signalisiert, dass du dich aktiv neu aufstellst.

Halte LinkedIn und Xing aktuell. In Chemieregionen wie dem Chemiedreieck in Bayern oder in Sachsen suchen Arbeitgeber erfahrene Leute, gerade wenn ein großer Konzern Personal abbaut.

Schritt 5: Wo du dich konkret meldest

Für die rechtliche Seite sind der Betriebsrat von Wacker und die IG BCE die erste Anlaufstelle. Sie verhandeln Interessenausgleich und Sozialplan und kennen die Details deines Falls.

Für die Förderung gehst du zur Agentur für Arbeit, persönlich oder über die Hotline 0800 4 5555 00. Sag klar, dass du von Arbeitslosigkeit bedroht bist und eine Weiterbildung planst.

Wenn du erst einmal unverbindlich ausprobieren willst, ob eine KI-Weiterbildung zu dir passt, schau dir unseren kostenlosen Schnupperkurs an. Fünf Lektionen, eine Live-Demo pro Woche, keine Verpflichtung.

Was du in den ersten 14 Tagen erledigen solltest

Arbeitsuchend melden innerhalb von drei Tagen. Aufhebungsvertrag oder Sozialplan vom Betriebsrat oder Fachanwalt prüfen lassen, bevor du etwas unterschreibst. Termin bei der Agentur für Arbeit machen und Bildungsgutschein ansprechen. Lebenslauf auf Ergebnisse umschreiben. Eine passende Weiterbildung aussuchen.

Häufige Fragen

Es ist noch unklar, ob mein Standort betroffen ist, was kann ich jetzt tun?

Du kannst dich informieren und vorbereiten, auch ohne Gewissheit. Der Betriebsrat sagt dir, was tatsächlich geplant ist. Sobald feststeht, dass deine Stelle wegfällt, gelten klare Fristen. Wer seine Förderoptionen vorher kennt, verliert keine Zeit.

Passt eine KI-Weiterbildung für jemanden aus der Chemie?

Ja, für viele. Du brauchst keine Programmierkenntnisse, und dein Verständnis von Prozessen und Vorschriften ist in der Prozessautomatisierung ein Vorteil. Du baust auf dem auf, was du kannst. Eine Jobzusage kann aber keine Weiterbildung garantieren.

Verliere ich mein ALG 1, wenn ich eine Weiterbildung mache?

Nein. Während einer von der Agentur geförderten, abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter.

Was mache ich, wenn mir ein Aufhebungsvertrag angeboten wird?

Nicht sofort unterschreiben. Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass den Vertrag vom Betriebsrat, der IG BCE oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen. Oft lässt sich an den Konditionen noch etwas verbessern.

Quellen

Die genannten Zahlen stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: Juni 2026):

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