Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre: Der Werkzeug- und Maschinenbauer Steinkamp aus Espelkamp im Kreis Minden-Lübbecke hat Anfang Juli 2026 erneut Insolvenz angemeldet. Betroffen sind nach Berichten der Neuen Westfälischen 71 Beschäftigte, darunter zehn Auszubildende. Auch das Mindener Tageblatt berichtet über den Fall und nennt die Krise der Autoindustrie als Hintergrund. Wenn du bei Steinkamp arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.

Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Insolvenzgeld, deinem Arbeitsverhältnis oder einer Abfindung sind Insolvenzverwalter, Mitarbeitervertretung oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.

Auf einen Blick: Der Espelkamper Werkzeug- und Maschinenbauer Steinkamp hat im Juli 2026 zum zweiten Mal Insolvenz angemeldet, betroffen sind 71 Beschäftigte, darunter zehn Auszubildende. Als Ursache gilt die anhaltende Krise der Autoindustrie, für die Steinkamp als Zulieferer im Werkzeug- und Formenbau arbeitet. Das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III sichert bis zu drei Monate Nettoentgelt. Wer die Stelle verliert, sichert ALG 1 und kann eine geförderte Weiterbildung nutzen.

Was bei Steinkamp gerade passiert

Die Steinkamp GmbH aus Espelkamp fertigt Werkzeuge und Formen, ein klassischer Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie. Ende 2021 rutschte das Unternehmen schon einmal in die Insolvenz und wurde damals fortgeführt. Beschäftigte, die diese erste Runde miterlebt haben, kennen das Prozedere also bereits. Das macht es nicht leichter, aber es hilft, die Abläufe realistisch einzuschätzen.

Anfang Juli 2026 folgte der zweite Insolvenzantrag. Arbeiteten zur Zeit des ersten Verfahrens noch 108 Menschen bei Steinkamp, sind es heute 71, darunter zehn Auszubildende. Die Neue Westfälische und das Mindener Tageblatt führen die Schieflage auf die Krise der Autoindustrie zurück: Wenn Hersteller und große Zulieferer Aufträge strecken oder streichen, trifft das den Werkzeug- und Formenbau mit voller Härte, denn neue Werkzeuge werden vor allem für neue Modelle und Serienanläufe gebraucht.

Eine zweite Insolvenz ist ein deutlich ernsteres Signal als eine erste. Sanierer und Gläubiger fragen dann sehr genau, ob das Geschäftsmodell noch trägt. Für dich als Beschäftigten heißt das ehrlicherweise: Hoffen ist erlaubt, aber verlassen solltest du dich auf den Fortbestand nicht.

Deine Löhne sind über das Insolvenzgeld gesichert

Für offene Gehälter rund um das Insolvenzereignis greift das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III. Es sichert bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Der Insolvenzverwalter unterstützt bei den nötigen Bescheinigungen.

Sonderfall Azubis: Nicht abwarten, sondern IHK anrufen

Zehn der 71 Beschäftigten sind Auszubildende, und für sie gilt eine eigene Logik. Wenn ein Ausbildungsbetrieb wegfällt, hilft die IHK Ostwestfalen bei der Suche nach einem Betrieb, der die Ausbildung übernimmt. Je früher du dich meldest, desto größer die Auswahl, gerade im Werkzeugbau, wo viele Betriebe Nachwuchs suchen. Auch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit vermittelt Anschlussbetriebe. Dein bisheriger Ausbildungsstand geht nicht verloren, die Ausbildungszeit wird angerechnet.

Falls die Kündigung kommt: erst melden, dann sortieren

Nach Erhalt einer Kündigung meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis des Kündigungstermins arbeitsuchend, sonst droht eine Sperrzeit. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00. ALG 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent.

Werkzeugbau-Kompetenz plus digitale Skills

Wer Werkzeuge konstruiert, CNC-Maschinen programmiert oder Serienanläufe betreut hat, denkt in Prozessen und Toleranzen. Das ist genau die Denkweise, die Unternehmen gerade suchen, wenn sie Abläufe automatisieren und Künstliche Intelligenz in Fertigung und Verwaltung einführen wollen. Der Digitalisierungsmanager setzt dort an: vier Monate, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, mit Bildungsgutschein nach § 81 SGB III bei Bewilligung ohne Eigenanteil.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter. Dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Kinderbetreuung wird mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (§ 87 SGB III). Für den Weg in die kaufmännische Führung ist der Wirtschaftsfachwirt (IHK) eine Alternative, gefördert über das Aufstiegs-BAföG.

Häufige Fragen

Wie viele Beschäftigte sind bei Steinkamp betroffen?

Nach Berichten der Neuen Westfälischen sind 71 Beschäftigte betroffen, darunter zehn Auszubildende. Zur Zeit der ersten Insolvenz Ende 2021 waren es noch 108.

Warum ist Steinkamp erneut insolvent?

Regionale Medien führen die Schieflage auf die anhaltende Krise der Autoindustrie zurück. Steinkamp arbeitet als Werkzeug- und Formenbauer vor allem für Kunden aus der Automobilbranche.

Was passiert mit den Auszubildenden?

Auszubildende sollten sich früh bei der IHK Ostwestfalen und der Berufsberatung der Agentur für Arbeit melden. Beide helfen bei der Suche nach einem Betrieb, der die Ausbildung übernimmt. Der bisherige Ausbildungsstand wird angerechnet.

Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?

Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.

Quellen

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