Beim geplanten Nidec Bietigheim-Bissingen Stellenabbau geht es nach Angaben von IG Metall und Betriebsrat um die Produktion: Sie soll bis Ende 2027 geschlossen werden, 116 Beschäftigte sollen laut IG Metall ihren Arbeitsplatz verlieren. Das Unternehmen hat sich öffentlich nicht geäußert, für die Bietigheimer Zeitung war es nicht erreichbar. Dieser Ratgeber ordnet, was belegt ist und welche Fristen für dich gelten.

Eine arbeitsrechtliche Beratung ersetzt der Text nicht. Für deinen Einzelfall sind der Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft, hier die IG Metall Ludwigsburg, und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtigen Ansprechpartner. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren.

Was IG Metall und Betriebsrat am 6. Oktober mitgeteilt haben

Am Dienstag, 6. Oktober 2026, haben die IG Metall Ludwigsburg und der Betriebsrat eine gemeinsame Pressemitteilung veröffentlicht, nachdem die Betriebsversammlung an diesem Tag unterbrochen worden war. Darin heißt es: „Der Motorenspezialist Nidec plant, die Produktion am Standort Bietigheim-Bissingen zu schließen. Nach aktuellem Kenntnisstand sollen 116 Beschäftigte bis Ende 2027 ihren Arbeitsplatz verlieren.“ Nach Monaten der Unsicherheit stehe, so die Mitteilung, „das Aus für die Fertigung im Raum“.

Auf der Betriebsversammlung teilte die Unternehmensleitung laut Mitteilung mit, für den Vertrieb sei künftig ein Standort im Raum Stuttgart vorgesehen, Büroflächen seien angemietet. Als möglichen Hintergrund nennt der Betriebsrat: „Nach Informationen, die dem Betriebsrat vorliegen, soll ein bedeutender Kundenauftrag ab 2027 entfallen.“

Nidec selbst hat sich öffentlich nicht geäußert: Laut Bietigheimer Zeitung war das Unternehmen am 7. Oktober für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Offen ist vieles. Ob die 116 die gesamte Belegschaft am Standort sind, sagt die IG Metall nicht, und was nach dem geplanten Ende der Produktion in Bietigheim-Bissingen bleibt, ist öffentlich nicht bekannt. Von Kündigungen, einem Sozialplan oder einer Transfergesellschaft ist in den Berichten nicht die Rede. Laut Betriebsrat hat sich die Unternehmensleitung bereits mit Unterstützungs- und Beratungsangeboten befasst, konkret beschreibt sie keine Quelle.

Betriebsratsvorsitzender Björn Berger erwartet „vollständige Transparenz und ernsthafte Verhandlungen über Alternativen zur Schließung“.

Gehalt, Kündigungsfrist und die Rolle des Betriebsrats

Die Schließung der Produktion ist laut IG Metall und Betriebsrat geplant. Für den Standort gibt es kein Insolvenzverfahren und kein anderes gerichtliches Verfahren. Damit gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln, Sonderregeln greifen nicht, und dein Gehalt zahlt der Arbeitgeber aus dem laufenden Geschäft bis zum Ende deines Arbeitsverhältnisses.

Am Standort sitzt laut Impressum des Unternehmens die NIDEC MOTORS & ACTUATORS (GERMANY) GmbH. Ob du bei dieser Gesellschaft angestellt bist, zeigen Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung.

Eine geplante Schließung beendet ein Arbeitsverhältnis nicht von selbst. Wie lange deines läuft, hängt an einer Kündigung, an deiner Betriebszugehörigkeit und gegebenenfalls an einem Tarifvertrag. Nach Paragraf 622 BGB beträgt die Grundfrist vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Monatsende, bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber steigt sie mit der Betriebszugehörigkeit, von einem Monat zum Monatsende ab zwei Jahren bis zu sieben Monaten ab 20 Jahren. Tarifverträge können abweichen.

Den Rahmen setzt das Betriebsverfassungsgesetz: In Unternehmen mit in der Regel mehr als zwanzig wahlberechtigten Arbeitnehmern muss der Unternehmer den Betriebsrat über geplante Betriebsänderungen, dazu zählt die Stilllegung wesentlicher Betriebsteile, rechtzeitig und umfassend unterrichten und sie mit ihm beraten (Paragraf 111 BetrVG). Üblicherweise werden dann ein Interessenausgleich und ein Sozialplan verhandelt, der wirtschaftliche Nachteile ausgleichen oder mildern soll (Paragraf 112 BetrVG). Ob die Pläne hier rechtlich eine Betriebsänderung sind, lässt sich von außen nicht beurteilen, belegt ist nur, dass der Betriebsrat Verhandlungen fordert.

Fristen, die für dich zählen

Nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III meldest du dich spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Erfährst du dein Enddatum mit weniger als drei Monaten Vorlauf, bleiben dir drei Tage ab Kenntnis. Die Pflicht gilt auch, wenn du gegen eine Kündigung klagst oder dir eine Weiterbeschäftigung in Aussicht gestellt wird. Eine verspätete Meldung kann eine Sperrzeit von einer Woche auslösen (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III), die kostenfreie Servicenummer für Arbeitnehmer lautet 0800 4 5555 00.

Geht dir eine schriftliche Kündigung zu, bleiben drei Wochen ab Zugang für eine Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG). Versäumst du die Frist, gilt die Kündigung als von Anfang an wirksam (Paragraf 7 KSchG).

Ein Aufhebungsvertrag gehört vor der Unterschrift zum Betriebsrat, zur IG Metall oder zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht. Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, auch per Aufhebungsvertrag, riskiert beim Arbeitslosengeld eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III). Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).

Nach der Kündigung: Weiterbildung über den Bildungsgutschein

Wer seinen Job verliert oder verlieren wird, kann bei der Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung beantragen. Das ist eine Möglichkeit unter mehreren, ob sie zu dir passt, hängt von deiner Lage ab. Der Fördercheck zeigt dir in einer Minute, welcher Förderweg für dich in Frage kommt, ohne Anmeldung.

Fördercheck starten Oder erst den Schnupperkurs ansehen

Fördercheck und Schnupperkurs sind kostenlos. Ob eine Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Eine Vermittlung in Arbeit können wir nicht garantieren.

Ein Kenntnisstand ist noch kein Bescheid

Aus unserer Sicht ist die Informationslage der auffälligste Punkt an diesem Fall. Alles, was die Beschäftigten bisher schwarz auf weiß haben, stammt von ihrem Betriebsrat und der IG Metall. Sie formuliert selbst vorsichtig: „Nach aktuellem Kenntnisstand“. Ihre Eckdaten, 116 Beschäftigte und Ende 2027, können sich verschieben, in beide Richtungen. Riskanter finden wir die Zeit selbst. Gut vierzehn Monate bis Ende 2027 klingen nach viel Luft und verleiten dazu, erst einmal die Verhandlungen abzuwarten. Wer bis zum Sommer 2027 wartet, verschenkt die Monate, in denen eine Beratung bei der Agentur für Arbeit, ein Kurs oder eine Bewerbung noch ohne Druck möglich wären. Wir halten es deshalb für sinnvoll, mit dem zu planen, was belegt ist, und beim Betriebsrat nachzufragen, sobald es eine schriftliche Unterrichtung durch die Geschäftsführung gibt.

Was aus der Motorenfertigung übertragbar ist

Welche Berufe in der Produktion vertreten sind, nennt keine Quelle, ableiten lässt sich aber, was in einer Motorenfertigung typischerweise dazugehört:

In Bewerbungen verdient ein Punkt mehr Raum. Laut Björn Berger haben die Beschäftigten „sogar andere Standorte mit ihrem Know-how unterstützt“, und nach Angaben des Betriebsrats sollen Beschäftigte aus Bietigheim das Nidec-Werk in Mexiko unterstützen, wo es nach der Verlagerung einer Produktionslinie Probleme gegeben haben soll. Wer Abläufe anderen erklären und an einem neuen Ort zum Laufen bringen kann, hat Erfahrung in Einarbeitung und Prozessdokumentation. Es lohnt sich, das festzuhalten, solange es frisch ist.

Ein möglicher Anschluss ist der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz: 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse als Voraussetzung, DEKRA-zertifiziert, vier Monate in Vollzeit, alternativ rund 29 Wochen in Teilzeit am Vormittag. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 Absatz 4 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt. Bei bewilligtem Bildungsgutschein liegt dein Eigenanteil bei 0 Euro, über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Wie das abläuft, beschreibt unser Beitrag Bildungsgutschein beantragen.

Bei einem von der IG Metall genannten Zieltermin, der mehr als ein Jahr entfernt liegt, zählt vor allem eine Regel. Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III kann eine Weiterbildung auch gefördert werden, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn. Die Agentur entscheidet im Einzelfall und berät vorher, auch darüber, ob eine Förderung neben dem laufenden Arbeitsverhältnis in Frage kommt. Die Vollzeitform lässt sich mit ihrem Stundenplan von 8 bis 16 Uhr nicht neben einer Vollzeitstelle besuchen.

Arbeitslosengeld gibt es erst nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Bist du dann arbeitslos, kannst du es während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter beziehen (Paragraf 144 SGB III), wobei je zwei Tage Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung die Anspruchsdauer um einen Tag mindern (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).

Ob das für dich passt, entscheidest du selbst, eine Weiterbildung ist eine Möglichkeit neben Bewerbungen in der Region oder einem Branchenwechsel. Mehr Orientierung gibt unsere Übersicht zum Stellenabbau in der Industrie.

Häufige Fragen

Wer zahlt mein Gehalt bis zum letzten Arbeitstag?

Dein Gehalt zahlt weiterhin dein Arbeitgeber, aus dem laufenden Geschäft. Bei welcher Gesellschaft du angestellt bist, zeigen Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung. Wann dein Arbeitsverhältnis endet, hängt an einer Kündigung und deiner Kündigungsfrist.

Woher stammen die Zahl 116 und der Termin Ende 2027?

Beide Angaben kommen von IG Metall und Betriebsrat nach der Betriebsversammlung vom 6. Oktober 2026: Laut IG Metall sollen 116 Beschäftigte bis Ende 2027 ihren Arbeitsplatz verlieren. Nidec hat sich öffentlich nicht geäußert, für die Bietigheimer Zeitung war das Unternehmen am 7. Oktober 2026 nicht erreichbar.

Welcher Teil von Nidec ist betroffen?

Nach Angaben von IG Metall und Betriebsrat geht es um die Produktion am Standort Bietigheim-Bissingen, wo laut Impressum die NIDEC MOTORS & ACTUATORS (GERMANY) GmbH sitzt. Was nach dem geplanten Ende der Produktion am Standort bleibt, ist öffentlich nicht bekannt.

Ab wann muss ich mich arbeitsuchend melden?

Spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses (Paragraf 38 Absatz 1 SGB III), bei kürzerem Vorlauf innerhalb von drei Tagen ab Kenntnis. Wer die Frist verpasst, riskiert eine Sperrzeit von einer Woche.

Quellen

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