Der Staplerhersteller Jungheinrich schließt seine Produktion am Standort Lüneburg. Nach den unten genannten Berichten endet die Fertigung dort bis Ende März 2027, von den rund 285 Beschäftigten am Standort verlieren etwa 160 ihren Arbeitsplatz, rund 125 Stellen in Konstruktion und Verwaltung bleiben. Bundesweit streicht Jungheinrich etwa 500 Stellen, weltweit rund 1.000. Hauptsächlich betroffen sind Lüneburg und Norderstedt sowie die Zentrale in Hamburg. Nach einem langen Arbeitskampf wurden Interessenausgleich, Sozialplan und ein Sozialtarifvertrag samt Transfergesellschaft vereinbart. Wenn du betroffen bist, hilft dir dieser Leitfaden weiter.
Vorab, damit das klar ist: Dieser Artikel ist keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Interessenausgleich, Sozialplan, Transfergesellschaft oder Abfindung sind der Betriebsrat, die IG Metall und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht zuständig. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren. Die Förderwege dagegen sind klar geregelt.
Auf einen Blick: Sobald dein Arbeitsverhältnis endet, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden (Hotline 0800 4 5555 00). ALG 1 ersetzt rund 60 Prozent deines letzten Nettos, mit Kind 67 Prozent. Über den Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III zahlt die Agentur für Arbeit eine Weiterbildung wie den Digitalisierungsmanager zu 100 Prozent, während dein ALG 1 weiterläuft. Eine Transfergesellschaft lässt sich gut für eine Qualifizierung nutzen.
Was bei Jungheinrich gerade passiert
Die Schließung in Lüneburg ist nach Unternehmensangaben Teil einer strategischen Neuausrichtung, mit der Produktionskapazitäten gebündelt und die globale Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden sollen. Die IG Metall hat die Schließung scharf kritisiert. Nach 85 Tagen Arbeitskampf stehen jetzt ein Interessenausgleich, ein Sozialplan und ein Sozialtarifvertrag, die unter anderem Abfindungen und eine Transfergesellschaft vorsehen.
Für dich heißt das praktisch: Die Rahmenbedingungen sind verhandelt, jetzt geht es um deine persönliche Entscheidung. Wer früh die Förderansprüche klärt und eine Weiterbildung vorbereitet, kann die Zeit in der Transfergesellschaft aktiv nutzen, statt sie nur zu überbrücken.
Eine ehrliche Einordnung: Eine Transfergesellschaft ist kein Abstellgleis, sondern eine bezahlte Übergangsphase. Wer sie mit einer gefragten Qualifikation füllt, kommt deutlich stärker heraus als jemand, der nur abwartet, bis die Zeit abgelaufen ist.
Schritt 1: ALG 1 sichern
Die wichtigste Frist zuerst. Sobald du von der Beendigung deines Arbeitsverhältnisses weißt, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden, telefonisch unter 0800 4 5555 00 oder online. Versäumst du das, kann die Agentur für Arbeit das ALG 1 mindern.
Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit mindestens einem Kind 67 Prozent. Bei zwölf Monaten Anspruch wird es ein Jahr gezahlt, ab 50 Jahren länger, ab 58 bis zu 24 Monate.
Beim Wechsel in die Transfergesellschaft oder bei einem Aufhebungsvertrag kommt es auf die Formulierung an. Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass den Vertrag vom Betriebsrat oder einem Fachanwalt prüfen, bevor du unterschreibst. Eine Abfindung kürzt das ALG 1 in der Regel nicht, kann aber den Beginn verschieben.
Schritt 2: Den Bildungsgutschein verstehen
Der Bildungsgutschein ist das Instrument, mit dem die Agentur für Arbeit Weiterbildungen finanziert. Rechtsgrundlage ist Paragraf 81 SGB III. Verbessert die Weiterbildung deine Chancen am Arbeitsmarkt, übernimmt die Agentur die Lehrgangskosten zu 100 Prozent. Der Anspruch gilt nicht nur für bereits Arbeitslose, sondern auch für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Mit Kindern gibt es nach Paragraf 87 SGB III zusätzlich einen Zuschuss zur Kinderbetreuung von 160 Euro pro Kind und Monat.
Wichtig, wenn du in die Transfergesellschaft wechselst: Auch diese Zeit lässt sich für eine Weiterbildung nutzen. Sprich beides früh mit der Agentur und dem Betriebsrat ab, damit Transfergesellschaft und Bildungsgutschein zeitlich ineinandergreifen.
Schritt 3: Welche Weiterbildung für Ex-Jungheinrich-Beschäftigte passt
Du kommst aus Fertigung, Montage, Konstruktion, Logistik oder Verwaltung. Statt bei null anzufangen, erweiterst du dein Wissen um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, also genau die Themen, die quer durch alle Branchen gefragt sind.
Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz dauert vier Monate, läuft komplett online, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und ist mit Bildungsgutschein für dich kostenlos. Du lernst, Geschäftsprozesse zu analysieren, mit Werkzeugen wie n8n zu automatisieren und Sprachmodelle einzubinden. Programmierkenntnisse sind keine Voraussetzung, wer aus Produktion und Logistik kommt, denkt ohnehin in Prozessen.
Im Bereich Digitalisierung und KI sind bundesweit weit über 100.000 Stellen offen, das Einstiegsgehalt liegt bei rund 60.000 Euro. Falls dein Hintergrund eher kaufmännisch ist, kann auch der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ein Weg sein, der über das Aufstiegs-BAföG läuft, nicht über den Bildungsgutschein.
Schritt 4: Bewerbung neu aufstellen
Bewerbungen aus der Industrie zählen oft nur Stationen und Maschinen auf. Was zählt, ist das Ergebnis: Hast du einen Ablauf schneller, eine Linie zuverlässiger oder eine Fertigung günstiger gemacht?
In deine Unterlagen gehören messbare Ergebnisse, die Breite deiner Erfahrung und deine laufende Weiterbildung. Ein Satz wie "aktuell in Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager mit Schwerpunkt KI-Automatisierung" zeigt, dass du dich aktiv neu aufstellst.
Pflege dein Profil auf LinkedIn und Xing. Im Großraum Hamburg und in Norddeutschland suchen Arbeitgeber erfahrene Leute, gerade wenn ein bekannter Standort schließt.
Schritt 5: Wo du dich konkret meldest
Für die rechtliche Seite sind der Betriebsrat von Jungheinrich und die IG Metall die erste Anlaufstelle. Sie haben Interessenausgleich, Sozialplan und Transfergesellschaft verhandelt und kennen die Details.
Für die Förderung gehst du zur Agentur für Arbeit, persönlich oder über die Hotline 0800 4 5555 00. Sag klar, dass dein Arbeitsverhältnis endet und du eine Weiterbildung planst.
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Was du in den ersten 14 Tagen erledigen solltest
Arbeitsuchend melden innerhalb von drei Tagen. Bedingungen von Transfergesellschaft und Aufhebungsvertrag vom Betriebsrat oder Fachanwalt prüfen lassen. Termin bei der Agentur für Arbeit machen und Bildungsgutschein ansprechen. Lebenslauf auf Ergebnisse umschreiben. Eine passende Weiterbildung aussuchen.
Häufige Fragen
Soll ich in die Transfergesellschaft wechseln?
Das hängt von den Konditionen und deinem Plan ab. Eine Transfergesellschaft sichert Einkommen für eine Übergangszeit und gibt dir Raum für eine Qualifizierung. Lass dir die Bedingungen vom Betriebsrat erklären und kläre mit der Agentur für Arbeit, wie sich eine Weiterbildung einfügt.
Ich bin einer der 125, deren Stelle in Lüneburg bleibt, betrifft mich das trotzdem?
Wenn deine Stelle erhalten bleibt, ändert sich für dich zunächst nichts. Trotzdem schadet es nicht, die eigene Qualifikation im Blick zu behalten, weil die Neuausrichtung weitergeht. Die Förderwege hier gelten, sobald eine Stelle tatsächlich wegfällt.
Verliere ich mein ALG 1, wenn ich eine Weiterbildung mache?
Nein. Während einer von der Agentur geförderten, abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter.
Was mache ich, wenn mir ein Aufhebungsvertrag angeboten wird?
Nicht sofort unterschreiben. Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass den Vertrag vom Betriebsrat, der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen. Oft lässt sich an den Konditionen noch etwas verbessern.
Quellen
Die genannten Zahlen stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: Juni 2026):
- Börsen-Zeitung: Jungheinrich schließt 2027 Produktion in Lüneburg
- Tageblatt: Jungheinrich will Werk in Lüneburg bis 2027 schließen
- LOGISTIK HEUTE: Jungheinrich plant Stellenabbau und will Werk in Lüneburg schließen
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