Der Matratzenhersteller Bönning und Sommer hat Anfang Juli 2026 beim Amtsgericht Bielefeld Insolvenz angemeldet. Betroffen sind rund 109 Arbeitsplätze am Standort Scherfede bei Warburg sowie in Northeim. Das berichten unter anderem das Westfalen-Blatt und t-online. Wenn du in einem der beiden Werke arbeitest, hilft dir dieser Leitfaden, die nächsten Schritte zu sortieren.
Vorab: Dieser Artikel ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei konkreten Fragen zu Insolvenzgeld, Abfindung oder einem Aufhebungsvertrag sprich mit dem Betriebsrat, der zuständigen Gewerkschaft oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege kannst du aber selbst nutzen.
Auf einen Blick: Das 1990 gegründete Familienunternehmen Bönning und Sommer hat Insolvenz beantragt, rund 109 Arbeitsplätze stehen unter Druck. Der Betrieb läuft zunächst weiter, ein vorläufiger Insolvenzverwalter ist bestellt. Bei Insolvenz sichert das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt. Wer die Stelle verliert, hat Anspruch auf ALG 1 (60 Prozent Netto, 67 Prozent mit Kind) und kann nach § 81 SGB III einen Bildungsgutschein bekommen.
Was bei Bönning und Sommer gerade passiert (Stand Juli 2026)
Bönning und Sommer produziert Matratzen und hatte 2024 zusätzlich eine Schaumstofffertigung in Northeim übernommen. Anfang Juli 2026 stellte das Unternehmen beim Amtsgericht Bielefeld einen Insolvenzantrag. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Yorck Tilman Streitbörger bestellt.
Als Gründe nennen die Berichte gestiegene Energie- und Personalkosten sowie den Preisdruck durch günstige Importe. Der Insolvenzverwalter verweist zusätzlich auf das Wachstum großer Anbieter und die Kaufzurückhaltung der Verbraucher.
Wichtig für dich: Ein Insolvenzantrag ist keine Schließung. Der Betrieb soll zunächst weiterlaufen, bevor über Sanierung oder eine mögliche Übernahme entschieden wird. Deine Ansprüche als Arbeitnehmer bleiben bestehen, und für die letzten Monatsentgelte greift in der Regel das Insolvenzgeld.
Dein erster Schritt: ALG 1 absichern
Sobald sich abzeichnet, dass dein Arbeitsverhältnis endet, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend, sonst droht eine Sperre. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00.
Das Arbeitslosengeld 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, und wird je nach Alter und Einzahldauer bis zu 24 Monate gezahlt. Diese Zeit ist dein Polster, um den nächsten Schritt in Ruhe zu planen.
Insolvenzgeld, Aufhebungsvertrag und Abfindung
Bei einer Insolvenz sichert das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, und zwar innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Häufig unterstützt der Insolvenzverwalter bei der Abwicklung.
Bekommst du einen Aufhebungsvertrag oder ein Abfindungsangebot, unterschreib nichts ungeprüft. Eine selbst herbeigeführte Beendigung kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass den Vertrag vom Betriebsrat oder einem Fachanwalt prüfen und frage, ob eine Transfergesellschaft mit Transfer-Kurzarbeitergeld nach § 111 SGB III für dich günstiger ist.
Die Zeit für eine geförderte Weiterbildung nutzen
Der Preisdruck in der Möbel- und Matratzenbranche trifft viele Produktions- und Verwaltungsprofile. Wer jetzt eine Qualifikation in Digitalisierung und Prozessautomatisierung draufsetzt, bleibt für die Industrie attraktiv und öffnet sich neue Branchen. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III macht das möglich: Bei Bewilligung übernimmt die Agentur für Arbeit die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, zusätzlich gibt es 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat plus 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Betreuungskosten für Kinder werden mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (§ 87 SGB III).
Gut passt der Digitalisierungsmanager: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil. Inhalt sind Prozessautomatisierung und der praktische Einsatz von Künstlicher Intelligenz, also Kompetenzen, die in der Industrie gerade gesucht werden. In unseren DigiMan-Kursen sehen wir regelmäßig Beschäftigte aus Produktion und Fertigung, die nach der Weiterbildung in planende und steuernde Rollen wechseln. Wer eher in die kaufmännische Führung will, schaut sich den Wirtschaftsfachwirt (IHK) an, der über das Aufstiegs-BAföG läuft und nicht über den Bildungsgutschein.
Häufige Fragen
Wie viele Arbeitsplätze sind bei Bönning und Sommer betroffen?
Nach den Berichten stehen rund 109 Arbeitsplätze unter Druck, an den Standorten Scherfede bei Warburg und in Northeim. Über Sanierung oder Übernahme ist noch nicht entschieden.
Ist Bönning und Sommer schon geschlossen?
Nein. Das Unternehmen hat einen Insolvenzantrag gestellt, der Betrieb läuft zunächst weiter. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter prüft die Fortführung.
Bekomme ich mein ausstehendes Gehalt?
Für rückständiges Nettoentgelt der letzten bis zu drei Monate greift in der Regel das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten vollständig. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.
Quellen
- Westfalen-Blatt: 109 Mitarbeiter betroffen, Matratzenfirma aus Scherfede ist insolvent
- t-online: Matratzenhersteller aus Deutschland ist insolvent
- it-boltwise: Bönning und Sommer meldet Insolvenz an
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