Das ADV-Augsburger Druck- und Verlagshaus schließt nach mehr als 175 Jahren. Nach erfolgloser Investorensuche wird der Traditionsbetrieb abgewickelt, rund 100 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Das Amtsgericht Augsburg hatte Ende März 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Das berichten unter anderem print.de und t-online. Wenn du bei ADV arbeitest, hilft dir dieser Leitfaden, die nächsten Schritte zu sortieren.
Vorab: Dieser Artikel ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei konkreten Fragen zu Insolvenzgeld, Abfindung oder einem Aufhebungsvertrag sprich mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft ver.di oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege kannst du aber selbst nutzen.
Auf einen Blick: Das ADV-Augsburger Druck- und Verlagshaus wird nach der Insolvenz geschlossen, rund 100 Arbeitsplätze fallen weg. Die Produktion läuft noch bis Ende August 2026, um laufende Aufträge abzuarbeiten. Bei Insolvenz sichert das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt. Wer die Stelle verliert, hat Anspruch auf ALG 1 (60 Prozent Netto, 67 Prozent mit Kind) und kann nach § 81 SGB III einen Bildungsgutschein bekommen.
Was bei ADV Augsburg gerade passiert (Stand Juli 2026)
Das ADV-Augsburger Druck- und Verlagshaus ist eine Rollenoffsetdruckerei, spezialisiert auf Kataloge, Magazine, Mailings und Werbematerial, mit einer Geschichte von mehr als 175 Jahren. Ende März 2026 ordnete das Amtsgericht Augsburg die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Georg Jakob Stemshorn von der Kanzlei Pluta bestellt.
Nach erfolgloser Investorensuche hat sich das Unternehmen zur Schließung entschieden. Die Produktion soll noch bis Ende August 2026 weiterlaufen, damit bestehende Kundenaufträge abgearbeitet werden können. Danach stellt der Traditionsbetrieb den Geschäftsbetrieb ein. Rund 100 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz.
Als Gründe nennen die Berichte den intensiven Preiskampf in der Druckbranche sowie gestiegene Kosten für Energie, Papier und Logistik.
Dein erster Schritt: ALG 1 absichern
Sobald die Beendigung deines Arbeitsverhältnisses feststeht, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend, sonst droht eine Sperre. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00.
Das Arbeitslosengeld 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, und wird je nach Alter und Einzahldauer bis zu 24 Monate gezahlt. Diese Zeit ist dein Polster, um den nächsten Schritt sauber zu planen.
Insolvenzgeld, Aufhebungsvertrag und Abfindung
Bei einer Insolvenz sichert das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Der Insolvenzverwalter hilft bei der Abwicklung.
Bekommst du einen Aufhebungsvertrag oder ein Abfindungsangebot, unterschreib nichts ungeprüft. Eine selbst herbeigeführte Beendigung kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass den Vertrag vom Betriebsrat oder einem Fachanwalt prüfen und frage nach einer Transfergesellschaft mit Transfer-Kurzarbeitergeld nach § 111 SGB III.
Die Zeit für eine geförderte Weiterbildung nutzen
Die Druck- und Medienbranche schrumpft seit Jahren, während digitale und automatisierte Prozesse in fast allen Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Wer jetzt eine Qualifikation in Digitalisierung und Prozessautomatisierung draufsetzt, kann technisches Verständnis und Sorgfalt aus dem Druckhandwerk in neue Rollen mitnehmen. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III macht das möglich: Bei Bewilligung übernimmt die Agentur für Arbeit die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, zusätzlich gibt es 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat plus 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Betreuungskosten für Kinder werden mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (§ 87 SGB III).
Gut passt der Digitalisierungsmanager: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil. Inhalt sind Prozessautomatisierung und der praktische Einsatz von Künstlicher Intelligenz. In unseren DigiMan-Kursen sehen wir regelmäßig Fachkräfte aus Produktion und Handwerk, die ihr Prozess- und Qualitätsverständnis nach der Weiterbildung in Digitalisierungsrollen einbringen. Wer eher in die kaufmännische Führung will, schaut sich den Wirtschaftsfachwirt (IHK) an, der über das Aufstiegs-BAföG läuft und nicht über den Bildungsgutschein.
Häufige Fragen
Wie viele Arbeitsplätze fallen bei ADV Augsburg weg?
Rund 100 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Nach erfolgloser Investorensuche wird der Betrieb geschlossen.
Bis wann läuft die Produktion noch?
Die Produktion soll bis Ende August 2026 weiterlaufen, damit bestehende Kundenaufträge abgearbeitet werden. Danach stellt das Unternehmen den Geschäftsbetrieb ein.
Bekomme ich mein ausstehendes Gehalt?
Für rückständiges Nettoentgelt der letzten bis zu drei Monate greift in der Regel das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten vollständig. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.
Quellen
- print.de: ADV-Augsburger Druck- und Verlagshaus wird geschlossen
- t-online: Augsburger ADV-Druck- und Verlagshaus schließt für immer
- b4b Schwaben: Augsburger Druck- und Verlagshaus ist insolvent
Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?
Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.