Hinter dem Stichwort Almil Polling Insolvenzantrag steht bisher genau ein Vorgang: ein Antrag vom 18. August 2026 beim Amtsgericht Mühldorf am Inn, über den das Gericht noch nicht entschieden hat. Für dich als Beschäftigten hängt an diesem Unterschied, wer dein Gehalt zahlt und ob gerade eine Frist läuft. Dieser Text ordnet, was belegt ist, und sagt, was daraus folgt.
Er ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Arbeitsverhältnis, zu einer Kündigung oder zu einem Aufhebungsvertrag sind der Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht zuständig. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, wir auch nicht.
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Was am 18. August beim Gericht eingegangen ist
Die Almil AG hat ihren Sitz in Polling im Landkreis Mühldorf am Inn, produziert wird im Ortsteil Weiding. Der Firmenzusatz Allgäuer Alpenmilchwerk führt in die Irre, der Betrieb liegt in Oberbayern. Am 18. August 2026 hat das Unternehmen beim Amtsgericht Mühldorf am Inn einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, so berichten es top agrar und agrarheute unter Berufung auf Angaben des Unternehmens. Betroffen ist ein einziger Standort mit rund 110 Beschäftigten.
Zur Belegschaftsgröße kursieren zwei Zahlen. Wo von etwa 120 Arbeitsplätzen die Rede ist, bezieht sich die Angabe auf 2018, das Jahr der Standortübernahme. Für 2026 ist rund 110 die belastbare Zahl.
Eine Verwechslung liegt besonders nahe, deshalb steht sie hier ganz oben: Meldungen über eine Werksschließung im September 2026 mit rund 74 bis 80 betroffenen Stellen beziehen sich auf ein Werk der Mehrheitsgesellschafterin Hochwald in Kaiserslautern und nicht auf Weiding. Für Weiding ist in keiner Quelle eine Schließung angekündigt. Die Hochwald Foods GmbH aus Thalfang hält seit dem 1. Januar 2020 die Mehrheit an der Almil AG. Der Antrag betrifft die Almil AG selbst.
Der Betrieb ist eine Verarbeitungsmolkerei, zuletzt rund 150 Millionen Kilogramm Milch im Jahr. Nach Angaben des Unternehmens läuft der Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen weiter, Ziel des Verfahrens sei es, Almil zu stabilisieren und den Standort langfristig zu sichern. Welche wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu dem Antrag geführt haben, hat das Unternehmen nicht offengelegt.
Auf der Rohstoffseite hat sich nach dem Antrag etwas bewegt. Die Milcherzeugergemeinschaft Altötting Mühldorf hat den Milchliefervertrag fristlos gekündigt; rund 140 Millionen Kilogramm Milch sollen ab dem 1. September 2026 an das Milchwerk Jäger und die Privatmolkerei Bechtel gehen. Über Arbeitsplätze sagt das nichts aus. Über das Tempo sagt es einiges.
Antrag und Eröffnung sind zwei verschiedene Zeitpunkte
Ein Insolvenzantrag ist die Bitte an das Gericht, ein Verfahren zu eröffnen; bis zur Entscheidung prüft das Gericht die Voraussetzungen. In dieser Zwischenzeit bleibt dein Arbeitsverhältnis unverändert bestehen, und dein Arbeitgeber schuldet dir dein Entgelt wie vorher auch.
Das Insolvenzgeld hängt an einem anderen Punkt der Zeitachse. Nach Paragraf 165 Absatz 1 SGB III setzt es ein Insolvenzereignis voraus, und das ist die Eröffnung des Insolvenzverfahrens, die Abweisung des Antrags mangels Masse oder die vollständige Beendigung der Betriebstätigkeit im Inland. Ein gestellter Antrag ist keines dieser drei Ereignisse. Zum jetzigen Stand lässt sich deshalb kein Insolvenzgeld beantragen. Die Ausschlussfrist von zwei Monaten nach Paragraf 324 Absatz 3 SGB III läuft aus demselben Grund noch nicht, sie beginnt erst mit dem Insolvenzereignis. Wer sie später einmal reißen sollte, geht trotzdem zur Agentur für Arbeit, denn derselbe Absatz kennt eine Nachholmöglichkeit für ein unverschuldetes Versäumnis.
Die Angabe, die Gehälter seien bis einschließlich Oktober 2026 über das Insolvenzgeld gesichert, stammt vom Unternehmen. Eine Zusicherung von uns ist sie nicht, sie beschreibt die Planung für die Sanierungsphase.
Woran du die Eröffnung erkennst, ist unspektakulär. Das Gericht macht den Eröffnungsbeschluss amtlich bekannt, öffentlich einsehbar unter insolvenzbekanntmachungen.de, mit Aktenzeichen, Datum und dem Namen des Sachwalters. Für diesen Artikel wurde dort am 29. August 2026 eigenständig abgefragt. Es gibt keinen Eintrag. Bei einem Antrag auf Eigenverwaltung ist das der erwartete Zustand und keine Entwarnung, denn die Veröffentlichungspflicht greift regelmäßig erst mit dem Eröffnungsbeschluss.
Zwei praktische Punkte hängen daran. Der Betriebsrat und das Personalbüro erfahren eine Eröffnung meist vor der Bekanntmachung, dort zu fragen bringt mehr als Spekulation. Und die Deckelung der Kündigungsfrist auf drei Monate zum Monatsende nach Paragraf 113 InsO gilt ebenfalls erst im eröffneten Verfahren; solange nur ein Antrag vorliegt, gelten deine vertragliche Frist und die gesetzliche Staffel nach Paragraf 622 BGB unverändert weiter.
Fristen, die von der Gerichtsentscheidung unabhängig laufen
Arbeitsuchend meldest du dich nach Paragraf 38 SGB III spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses. Erfährst du erst später davon, bleiben dir drei Tage ab dem Tag dieser Kenntnis. Maßgeblich ist also, wann du es erfährst, nicht der letzte Arbeitstag. Wer das versäumt, riskiert nach Paragraf 159 Absatz 6 SGB III eine Sperrzeit von einer Woche. Die kostenfreie Hotline ist 0800 4 5555 00.
Gegen eine Kündigung hast du drei Wochen ab Zugang Zeit für eine Kündigungsschutzklage, Paragraf 4 KSchG. Diese Frist ist hart: Wird sie versäumt, gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam.
Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen, auch mit Abfindung. Prüfen lassen vor der Unterschrift, nicht danach.
Endet ein Arbeitsverhältnis, beträgt das Arbeitslosengeld 1 rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent.
Was in einer Verarbeitungsmolkerei an Können steckt
Der Standort verarbeitet Milch zu Ingredienzien und Dauermilchprodukten, also Milchpulver, Molkenpulver und haltbaren Milcherzeugnissen. Ausgebildet wird in der Branche als Milchtechnologe, als milchwirtschaftlicher Laborant und als Fachkraft für Lebensmitteltechnik. Diese Profile sind weit über die Milchwirtschaft hinaus gefragt.
Anlagenführung und Prozesssteuerung an Trocknungs-, Eindampf- und Abfüllanlagen ist dieselbe Kernkompetenz, die Süßwaren-, Back-, Getränke- und Pharmaverpackungsbetriebe suchen. Qualitätssicherung nach HACCP und IFS, Labordiagnostik und Probenmanagement lassen sich in jede Lebensmittelproduktion und in die Kosmetik- und Pharmaindustrie übertragen. Und ein erheblicher Teil der Belegschaft steht ohnehin nicht an der Anlage: Disposition und Logistik, Einkauf, Vertrieb an die Lebensmittelindustrie, Buchhaltung, Personal. Diese Rollen sind branchenneutral, und Industrie- und Logistikbetriebe in Mühldorf, Altötting und im Chemiedreieck besetzen sie laufend.
An dieser Stelle setzt eine geförderte Weiterbildung an. Wer Prozesse kennt, sie aber bisher nur an einer Anlage gesteuert hat, bringt gute Voraussetzungen für Prozessautomatisierung, Datenauswertung und digitale Qualitätsdokumentation mit. Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz dauert vier Monate, umfasst 720 Unterrichtseinheiten, läuft komplett online und setzt keine Programmierkenntnisse voraus, der Abschluss ist DEKRA-zertifiziert. Finanziert wird er über den Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III: Bei bewilligtem Bildungsgutschein trägt die Agentur für Arbeit die Lehrgangskosten, der Eigenanteil liegt dann bei 0 Euro. Ob bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft das Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Das Weiterbildungsgeld von 150 Euro im Monat und die Prämien von 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss nach Paragraf 87a SGB III sind an eine andere Art von Weiterbildung geknüpft: Sie setzen einen Abschluss in einem Ausbildungsberuf mit mindestens zwei Jahren Ausbildungsdauer voraus, also eine Umschulung. Für einen viermonatigen Kurs mit Trägerzertifikat greifen sie nicht. für Kinderbetreuung 160 Euro je Kind und Monat nach Paragraf 87 SGB III.
Ob das zu dir passt, entscheidest du selbst. Eine Weiterbildung ist eine Option unter mehreren, und für einen erfahrenen Anlagenführer ist die offene Stelle im Nachbarbetrieb oft der schnellere Weg. Die Lage über die Branchen hinweg steht in unserer Übersicht zum Stellenabbau.
Was sich in den nächsten Wochen auszahlt
Der wichtigste Satz für die Belegschaft steht in keiner der Meldungen, sondern im Gesetz. Solange nur ein Antrag vorliegt, zahlt weiter der Arbeitgeber. Wer die Nachricht von den bis Oktober gesicherten Gehältern als Countdown liest, liest sie falsch herum: Sie beschreibt den Zeitraum, den die Sanierung zur Verfügung hat, und keinen Zeitpunkt, an dem etwas ausläuft.
Trotzdem würden wir niemandem raten, bis Oktober abzuwarten. Die fristlose Kündigung der Milchanlieferung zum 1. September verändert die Ausgangslage schneller, als ein Gericht entscheidet.
Was daraus folgt, ist unspektakulär und kostet nichts, solange der Betrieb läuft. Zeugnisse, Befähigungsnachweise und Schulungsbescheinigungen zusammensuchen und prüfen, was davon abgelaufen ist. Einmal ehrlich aufschreiben, was du kannst und was dir fehlen würde, falls es anders kommt. Wir sehen bei unseren Teilnehmern regelmäßig, dass in solchen Phasen zuerst die Erfahrensten gehen, und zwar meist ohne Not und ohne Plan. Wer diese Vorbereitung mit laufendem Gehalt erledigt, verhandelt später aus einer ganz anderen Position.
Häufige Fragen
Wer zahlt mein Gehalt, solange über den Antrag noch entschieden wird?
Dein Arbeitgeber. Der Antrag ändert am Arbeitsverhältnis zunächst nichts, die Entgeltpflicht bleibt bestehen. Nach Angaben des Unternehmens sind die Gehälter bis einschließlich Oktober 2026 über das Insolvenzgeld gesichert, das ist eine Unternehmensangabe und keine Zusage von uns.
Woran erkenne ich, ob das Verfahren eröffnet wurde?
An der amtlichen Bekanntmachung des Eröffnungsbeschlusses unter insolvenzbekanntmachungen.de, dort stehen Aktenzeichen, Datum und der Name des Sachwalters. Stand 29. August 2026 gibt es zur Almil AG keinen solchen Eintrag.
Ab wann kann ich Insolvenzgeld beantragen?
Ab dem Insolvenzereignis nach Paragraf 165 Absatz 1 SGB III, also ab der Eröffnung des Verfahrens, der Abweisung mangels Masse oder der vollständigen Beendigung der Betriebstätigkeit. Erst dann läuft auch die Ausschlussfrist von zwei Monaten nach Paragraf 324 Absatz 3 SGB III. Ein unverschuldetes Versäumnis dieser Frist lässt sich nachholen, deshalb ist der Gang zur Agentur für Arbeit auch dann noch sinnvoll.
Was bedeutet Eigenverwaltung für meinen Arbeitsplatz?
Bisher liegt nur ein Antrag vor, entschieden ist nichts. Käme es zur Eigenverwaltung, bliebe der bisherige Vorstand geschäftsführend im Amt und stimmte wesentliche Entscheidungen mit einem gerichtlich bestellten Sachwalter ab, der überwacht, ohne selbst zu führen. Diese Verfahrensart ist auf Fortführung angelegt, der Geschäftsbetrieb läuft nach Unternehmensangaben ohne Einschränkungen weiter. Ein Stellenabbau in Weiding wird von keiner Quelle gemeldet.
Die für September 2026 gemeldete Werksschließung betrifft Kaiserslautern, nicht Weiding. Was heißt das?
Das Werk der Mehrheitsgesellschafterin Hochwald in Kaiserslautern, um das es in den Meldungen mit rund 74 bis 80 betroffenen Stellen geht. Der Standort Weiding ist davon nicht berührt, für ihn ist in keiner Quelle eine Schließung angekündigt.
Quellen
- top agrar: Molkerei Almil AG stellt Insolvenzantrag, 25.08.2026
- agrarheute: Hochwald-Tochter Almil insolvent, was das für Milchlieferanten bedeutet, 26.08.2026
- Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt: Nach Almil-Insolvenz, BayernMeG kündigt Milchanlieferung fristlos, 27.08.2026
- Gesetze im Internet: Paragraf 165 SGB III, Anspruch auf Insolvenzgeld, Abruf 29.08.2026
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